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Hannelore Schlaffer: Die City. Straßenleben in der geplanten Stadt

Cover Hannelore Schlaffer: Die City. Straßenleben in der geplanten Stadt. zu KLAMPEN! Verlag (Springe) 2013. 169 Seiten. ISBN 978-3-86674-188-1. D: 18,00 EUR, A: 18,50 EUR, CH: 25,90 sFr.

Reihe: ZuKlampen-Essay.
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Thema

Innenstädte waren schon immer Zentren der Kerndynamik des Urbanen. In dem Maße, wie sich Städte im Laufe ihrer Geschichte entwickelten und veränderten, in dem Maße veränderten sich auch die Innenstädte als Funktions-, Handlungs- und Erlebnisräume. Und Innenstädte waren immer auch geprägt durch eine spezifische Form von Öffentlichkeit, die seit der Frühen Neuzeit geformt wurde durch eine bürgerliche Gesellschaft, die in diesem öffentlichen Raum ihre einzige Chance sah, sich zu präsentieren und sich auf eine bestimmte Form in diesem Raum zu bewegen, die bereits G. Simmel zu Beginn des 20. Jahrhunderts in seinem Aufsatz „Die Großstädte und das Geistesleben“ treffend beschrieben hatte. Wo der Adel sich dadurch präsentierte, dass er Hof hielt und wo sich das öffentlich räsonierende Publikum des Dorfes im Wirtshaus traf, hatte das Bürgertum zunächst jene Form öffentlicher Präsentation gefunden, die dann auch im Unterschied zum Privaten Gesellschaft wurde. Im Unterschied zur Gemeinschaft (des Dorfes) ist Gesellschaft anonym, funktional, rational, distanziert und schützt die dort agierenden Menschen vor Zu- oder Übergriffen, vor ungewollter Nähe. Auf diese Weise ermöglichte der öffentliche Raum, dass sich dort der Bankdirektor und der Wohnungslose trafen, und zwar in dem Bewusstsein, dass beide nichts miteinander zu tun hatten, aber beide zur Stadt gehörten, wenngleich in unterschiedlichen Zugangsweisen zum Bereich dieser Öffentlichkeit.

Immer weniger wird der öffentliche Raum der Innenstädte von dieser Art öffentlicher Repräsentation geprägt. Nicht nur, dass öffentliche Räume immer weniger und kleiner werden, wo jeder jedweden anderen treffen kann, ohne dass man eine bestimmte Funktion erfüllt – als Gast, als Kunde, als Geschäftemacher etc. Das für das Urbane typische Spannungsverhältnis von Privatheit und Öffentlichkeit löst sich auf, die Konturen verschwimmen; man tut so, als wäre man zu Hause, wenn man sich im öffentlichen Raum bewegt.

Autorin

Hannelore Schlaffer ist Publizistin und Schriftstellerin und hat eine außerordentliche Professur für Neuere deutsche Literatur an den Universitäten Freiburg und München inne.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in elf Kapitel:

  1. Vorwort und Vorgeschichte
  2. City – was ist das?
  3. City das gut geführte Unternehmen
  4. Das City-Center
  5. Stundenplan, Stadtplan
  6. Keine Politik, wenig Geschichte
  7. Das Gesamtkunstwerk City
  8. Die kulinarische Demokratie
  9. Die Natur des Städters
  10. Von der bedrohten Masse zur friedlichen Menge
  11. Ausklang und Zukunftsmusik

Zu 1. Vorwort und Vorgeschichte. Die sprechende Stadt, die erzählte Stadt und die nichtssagende Stadt

Zur Stadt gehörten immer schon der Tempel als Repräsentant der Kultur, das Rathaus oder Schloss, die für die Politik standen, der Markt als Zentrum der Ökonomie und das Gericht als Repräsentant des Rechts. Insofern ist eine Stadt ein überdauerndes, aber sich immer veränderndes Ordnungsmuster – je nachdem, wer dieser Repräsentanten die Oberhand behielt. Und sicher hat heute die Kirche als Nachfolgerin des Tempels nicht mehr die Oberhand.

Paris wird zitiert – Paris ist die Stadt, in der sich diese Repräsentanten die Hand geben, sich bekämpfen und Paris ist die Stadt, die sich gegen Zuwanderung wehrt - keine offene Stadt – bis ihre Mauern fielen.

Die Autorin reflektiert die Stadtbeschreibungen der damaligen Zeit, aus der auch ein urbanes Selbstbewusstsein abgeleitet wurde. Die Straße vereinigte den Touristen und Besucher, die letztlich kein Fremden waren, denn Fremde kommen und bleiben (Simmel) mit den Einheimischen. Die Literaten haben Paris zu dem gemacht, wie es sich heute darstellt.

Die Autorin diskutiert dann die Stadtarchitektur der 1960er Jahre und die sich an ihre entzündete Diskussion und die Kritik, die dann auch mit der Schrift von A. Mitscherlich „Die Unwirtlichkeit unserer Städte“ ihren Höhepunkt erreicht. Kritik an der Stadtplanung war Kritik an ihren Verfahren, Kritik an der Position, zu wissen, was Bürger wollen, ohne sie zu fragen, Kritik an der Arroganz der Architektur, alleine zu wissen, was schön ist.

Und die Innenstadt verkommt zu einem literarisch uninteressanten, ja sogar gemiedenen Ort, die traditionelle Stadtbeschreibung ist untergegangen, nichts ist mehr poetisch verwertbar und spannend auf dem Tummelplatz City. Die Gleichmacherei im Zugang zur City wird demokratisch verbrämt und stellt sich letztlich als eine Fiktion heraus angesichts wachsender Ungleichheiten in der Stadt.

Zu 2. City – was ist das?

Ist es wirklich so, dass die Bewohner einer Stadt nicht unterscheiden können zwischen Simulation und Wirklichkeit? Irritieren Stadtplanungsentwürfe derart, dass man sich täuschen lässt von der Simulation? Und war die europäische Stadt nicht immer schon eine geplante Stadt – selbst im Mittelalter, wie uns Lichtenberger nachweist? Und ob sie ein Fürst für seine Zwecke geplant und gebaut hat, wie die Zähringer-Städte oder die Unternehmen, macht sicher einen qualitativen Unterschied aus, aber keinen strukturellen.

Es geht um architektonische und planerische Simulation. Und die Autorin befasst sich mit der Frage, wo heute die Innenstädte liegen – meist in den geographischen Zentren der Städte – und wie sie wohl aussähen, hätten sie den Krieg überstanden.

Die Stadt des Mittelalters war ein Haus, das alle Funktionen integrierte – sicher. Aber die Stadt des 19. Jahrhunderts war die Industriestadt, deren Öffentlichkeit völlig anders strukturiert war und deren Innenstadt auch eine vollkommen andere Funktion erfüllte, als die Bürgerstadt der Frühen Neuzeit. Sie verband Arbeit und Leben auf engstem Raum für eine Bewohnerschaft, die keine Bürger im Sinne der Bourgeoisie waren.

Machen das unterirdische Parkhaus und das 20-stöckige Hochhaus die Straße überflüssig, den Boulevard und damit auch den Flaneur? Die Autorin setzt sich kritisch mit der „vertikalen“ Stadt auseinander, die die horizontalen Formen städtischen Lebens auf Straßen und Plätzen abgelöst hat. Und die Integrationskraft der City war auch schon immer geprägt von der ökonomischen und kulturellen Kerndynamik der Stadt auf horizontaler Ebene und von ihren politischen und administrativen Funktionen, die sich in der Innenstadt konzentrieren. Was also treibt die Menschen in die City – in die hergestellte Stadt? fragt die Autorin.

Zu 3. City, das gut geführte Unternehmen

Eigentlich gehören alle zur Stadt oder die Stadt gehört allen. Deshalb hat man schon immer nicht nur den urbanen Bürger im öffentlichen Raum angetroffen, sondern auch die Armen, die Exoten, die einfach Anderen. Städte vertreiben diese Gruppen und Typen immer mehr aus ihren Innenräumen in weniger attraktive Räume, gleichzeitig sind diese Gruppen aber auch auf die Innenstadt als Präsentationsraum angewiesen. Heute findet man noch den Musikstudenten, der sowieso üben muss und dann sich noch einen Obolus dazuverdient oder irgendeine mexikanische Gruppe. Beide haben eine Genehmigung und verhalten sich diszipliniert, so wie sich auch der Besucher der Innenstadt verhält. Dies wird von der Autorin entfaltet mit dem Ergebnis, dass die Innenstadt nicht mehr Individuen diszipliniert, sondern Kollektive, die die Urbanität der Stadt bestimmen. Der städtische Mensch hat keinen urbanen Charakter mehr. Dichte – eine Merkmal der Stadt seit L. Wirth – sorgt auch nicht mehr für Urbanität als Lebensstil. Die Autorin beschreibt dann ausführlich die Mittagszeit der Besucher und der Beschäftigten in der Stadt.

Zu 4. Das City-Center

Vielleicht ersetzt das City-Center irgendwann das Kaufhaus; Kirch-, Markt- und Schlossplatz werden inzwischen wieder aktiviert als Eigenstellungsmerkmale von Städten, die der Stadt eine „Eigenlogik“ (M. Löw) vermitteln. Der quasi-öffentliche Raum des Einkaufscenters vermittelt das Gefühl demokratisierten Massenkonsums – eine durchaus auch gewollte Marktstrategie aus den Zeiten des Fordismus.

Auch hier beschreibt die Autorin ausführlich das Phänomen in allen seinen Facetten.

Zu 5. Stundenplan, Stadtplan

Die Stadt gehört nicht zu allen Tageszeiten allen. Die Innenstädte werden zu verschiedenen Tageszeiten von verschiedenen Gruppen besetzt oder gar dominiert. Egal, ob in Stuttgart oder Frankfurt – es gibt feste Rhythmen der Abfolge. Diese Abfolge wird als Stundenplan von der Autorin ausführlich beschrieben und anschaulich gemacht. Man fühlt sich quasi mitgenommen in diesem Tagesablauf und kann sich einordnen auf Grund seines Alters und Geschlechts und der familienzyklischen Phase, in der man sich gerade befindet. Die raum-zeitliche Perspektive der Betrachtung erlaubt zugleich die Überprüfung, ob man zu dieser Zeit dort schon mal war und ob man an diesen Orten die Urbanität durch Dichte nicht auch als strukturelle Enge verstanden hat.

Zu 6. Keine Politik, wenig Geschichte

Die City ist ein apolitischer Ort, sagt die Autorin. In den Metropolen der Ukraine, in Ägypten, in Nordafrika erleben wir sie als Orte der politischen Bewegung schlechthin. Und das politisch räsonierende Publikum des 19. Jahrhunderts, das sich in Gesellschaften, Leseclubs und Salons traf, war vielleicht auch nicht repräsentativ für die im öffentlichen Raum der City politisch räsonierende Bürgerschaft.

Sicher, „die Funktionen von Privatheit und Öffentlichkeit haben sich im Vergleich mit dem 19. Jahrhundert in der Gegenwart völlig verändert, ja geradezu umgekehrt“ (92). Wer sich heute im öffentlichen Raum bewegt, tut dies aus privaten oder individuellen Gründen. Man stellt sich nicht mehr dar und Zeitungen haben es angesichts der veränderten Medienwelt auch schwerer, ihre Informationen zu verbreiten, aber man liest noch – übrigens auch in Cafés, Restaurants, Straßenkneipen! Und die Erscheinungswelt ist differenzierter geworden. Zwischen Flanieren und Verweilen in der Innenstadt und dem von der Zeitknappheit bestimmten gehetzten und beschäftigten Menschen gibt es eine ganze Reihe von Schattierungen.

Die Autorin geht mit diesem Thema schwer in Gericht und man neigt zur Verteidigung!

Zu 7. Das Gesamtkunstwerk City

Wie gesagt, seit Urzeiten war der Tempel der Repräsentation der Kultur und konstitutiv für die Stadt - quasi nicht wegzudenken. Und Kultur ist vieles; was die Stadt heute an Events zu bieten hat, wird darunter subsumiert. Es sind in der Tat Events, die die Menge der Menschen zusammenbringt – auch im öffentlichen Raum. vom Popkonzert bis zum Public Viewing, von der Präsentation eines Rundfunksenders bis zu Großereignissen – alles dient der Marke, die die Stadt haben soll oder will. In der Oper und im Theater wiederum versammelt sich ein Ausschnitt dieser Menge, die wir gern als bildungsbürgerlich beschreiben. Und dass in den in den Freiraum der Öffentlichkeit übertragenen Opern auch gegessen, geschwätzt und sogar mitgesungen wird oder früher gegangen wird, ist ja kein Resultat der Entwicklung der modernen City.

Ein wichtiger Gedanke kommt noch am Ende des Kapitels. Die Zugehörigkeit des Stadtbürgers zu Stadt ist real, konkret, an den Ort und an den Raum gebunden. Man gehört in dem Maße zur Stadt, wie man Vertrauen in die konkreten Strukturen des Alltagsablaufs in der Stadt hat, vielleicht auch, wie man in ihr anerkannt ist oder für andere von Bedeutung ist. Das ist der Unterschied zum Staatsbürger, der nur institutionell verortet ist.

Zu 8.Die kulinarische Demokratie

„Coffee to go“ ist die eine Variante einer vergesellschafteten Form des Essens, fast food bei McDonalds die andere. Aber dass die City ein Esstempel geworden ist, wo man sich demokratisch tummeln kann und sich etwas aussuchen kann, ist vielleicht das zukünftige Markenzeichen der Städte. Das geht aber nicht ohne Boutiquen und Drogerien, vielleicht schon eher ohne das Kaufhaus. Und im Sommer sind die Altstädte der Cities doch auch ein Beispiel für die Sehnsucht nach Gemütlichkeit und Althergebrachtem – oder?

Bei der Darstellung dieses neuen Lebensstils der City – was die Restaurantbesuch oder die Essenskultur insgesamt angeht und was die „post-operale“ bzw. die „post-konzertale“ Hektik angeht – verfällt die Autorin auch manchmal in Stereotype. Solche Formen treten vielleicht auch auf - aber sind sie repräsentativ und strukturierend?

Zu 9. Die Natur des Städters

Es geht nicht um die Wesenhaftigkeit des Städters, um seinen Charakter; es geht in der Tat um die Natur, die in der Stadt noch vorhanden ist – oder eben auch nicht. Und so wie die Illumination der Städte die Zeit von Tag und Nacht dekonturiert, so verschwimmen auch immer mehr die Jahreszeiten, weil man auf das Draußen-sein nicht mehr angewiesen ist, um seinen Vergnügungen nachzugehen oder seine Bedürfnisse zu befriedigen. Heizstrahler und Hütten ersetzten die Sonne; das Straßencafé im Winter ist auch möglich. Immerhin sieht die Stadtplanung noch Bäume und Pflanzen in der Möblierung der Stadträume vor. Aber ansonsten ist die Natur aus der Innenstadt verbannt.

Die Autorin verweist auf die Bauweise und Planung der Nachkriegszeit, wo dies alles vergessen wurde und in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts hatten die Städte im Zuge ihrer Wohnraumversorgungspolitik die Natur nicht für nötig gehalten.

Zu 10. Von der bedrohlichen Masse zur friedlichen Menge

Verdichtung von Wohnbereichen ist auch heute noch ein Thema, das die betroffenen Bewohner solcher Quartiere immer noch „auf die Straße bringt“. Denn Verdichtung des Wohnumfelds geht manchmal auch mit der Verminderung der Wohnqualität einher. Akzeptierte Dichte hat offensichtlich etwas zu tun mit der Dichte der Begegnung im öffentlichen Raum – und die wirkt nicht bedrohlich. Und das, was Engels in der „Lage der arbeitenden Klassen in England“ beschreibt, ist eher das bedrohte Wohnen durch Dichte in der Wohnung.

Es geht der Autorin um die Gegenüberstellung einer bedrohlichen Masse und einer friedlichen Menge, die durch die Straßen treibt, ohne dass sie sich gegenseitig als Mitglieder der Menge zur Kenntnis nehmen. Massen dagegen haben etwas Bedrohliches, weil sie meist – gelenkt oder ungelenkt – ein gemeinsames Ziel mit einem gemeinsamen Handeln verbinden oder sie gemeinsame Probleme verbinden, die sie massenhaft zu bearbeiten gedenken.

Und die Autorin analysiert die Entgegensetzung von Arbeit und Wohnen als einen Prozess, in dem mit der Entstehung der Industriestädte eigentlich nur funktional eine Trennung von Arbeit und Wohnen vollzogen wurde, und spätestens mit der Haussmann´schen Ausgliederung der Industrie aus der Pariser Innenstadt und der Entstehung von Industrievierteln wie St. Denis auch zu einer sozialräumlichen Trennung führte.

Zu 11. Ausklang und Zukunftsmusik

Die Stadt des 19. Jahrhunderts war anders laut als die heutige City. Andere Akteure bestimmten den Krach und es herrschte eine andere Form der Akustik. John Lennon hat das Geschrei der Marktfrauen abgelöst. Der Krach wird individualisiert durch den Kopfhörer, man muss nicht alles mit anhören, was an Krach produziert wird.

Auch hier geht die Autorin kritisch mit den neuen Formen der lauten Präsentation ins Gericht - erwartet sie denn Stille oder den Plätzen angemessenere Töne?

Diskussion

Was bleibt denn jetzt noch von der Innenstadt als Kern jeder Stadt? Der Kern dieser Stadt ist immer ein struktureller Bezugspunkt für die Stadtteile, nicht alle Stadtteile haben jene Funktion, die wir mit Urbanität umschrieben haben. Jede Stadt ist bestrebt, ihre Innenstadt als Markenzeichen nach außen zu präsentieren, weil in der Tat die Innenstadt den Charakter der Stadt insgesamt ausmacht. Nur hier und nicht in ihren Quartieren gibt es den unkomplizierten Austausch der Bevölkerung. Insofern ist die City der Raum in dem jener lokale Lebenszusammenhang virulent wird, den die Bewohner dieser Stadt brauchen, um zu sagen: „Das ist meine Stadt!“.

Deshalb ist die Innenstadt prädestiniert für die Fokussierung der Dynamik und des Wandels ihrer Funktionen. Und nur hier wird jene Urbanität als Lebensstil deutlich, die ja auch zu einer Eigenlogik der Stadt führen und auch die Dynamik von Integration und Ausgrenzung bestimmen. Nur in der Innenstadt werden bestimmte Personengruppen vertrieben und andere privilegiert, nur hier wird deutlich, wem die Stadt eigentlich gehört.

Die umfassende Beschreibung dieser Innenstadt und ihres Wandels zur City führt deshalb auch zu der Frage, was eine Stadt dann noch ist, wenn ihr die Innenstadt als Kern ihrer Identität abhanden kommt. Aber ist nicht auch der Wandel der Innenstadt zur City dem gesamtgesellschaftlichen Wandel geschuldet, quasi das Spiegelbild der Gesellschaft? Oder anders gefragt: Ist nicht die Stadt der Ausdruck der gesellschaftlichen Verhältnisse, weil die Stadt ein Teil der Gesellschaft ist und sich die Stadt nicht nach einer anderen Logik entwickeln kann als die, die der Gesellschaft zugrunde liegt? Wie ist es dann um unsere Gesellschaft bestellt, wenn wir die Analyse H. Schlaffers auf die Gesellschaft insgesamt übertragen?

Hannelore Schlaffer beschreibt ja nicht nur die Facetten des urbanen Wandels, sie bewertet sie auch. Man muss diese Wertung nicht teilen, aber man muss erkennen, dass diese Facetten richtig erfasst sind. Und nicht nur das. Es ist eine andere Form der Stadtbeschreibung und man könnte jetzt Städtenamen einführen und es würde passen. Der Untertitel dieses Buches hätte auch heißen können: „Oder der Verfall des öffentlichen Lebens“ – oder wäre das zu kulturkritisch? Sollte es nicht eher heißen: Der Wandel des öffentlichen Lebens in der modernen Gesellschaft, dargestellt an den Veränderungen der Innenstädte?

Der Autorin gelingt ein Essay über die Stadt in Verbindung mit wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen und Analysen. Ein Buch, wo man die Literaturliste nicht vermisst!

Fazit

Eine andere gelungene Einführung in die Stadt und ihre Dynamik, die dem reflektierenden Städter die Gelegenheit bietet, das noch mal nachzulesen, was er auch empfindet - wie auch immer er es dann beurteilen mag.

Dazu ein schön gemachtes Buch!


Rezension von
Prof. Dr. Detlef Baum
Professor em. Arbeits- u. Praxisschwerpunkte: Gemeinwesenarbeit, stadtteilorientierte Sozialarbeit, Soziale Stadt, Armut in der Stadt Forschungsgebiete: Stadtsoziologie, Stadt- und Gemeindeforschung, soziale Probleme und soziale Ungleichheit in der Stadt
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Zitiervorschlag
Detlef Baum. Rezension vom 22.01.2014 zu: Hannelore Schlaffer: Die City. Straßenleben in der geplanten Stadt. zu KLAMPEN! Verlag (Springe) 2013. ISBN 978-3-86674-188-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16075.php, Datum des Zugriffs 09.08.2020.


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ISSN 2190-9245

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