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Katholischen Bundesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung (KBE) (Hrsg.): Ehrenamt, freiwilliges Engagement

Cover Katholischen Bundesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung (KBE) (Hrsg.): Ehrenamt, freiwilliges Engagement. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2013. 52 Seiten. ISBN 978-3-7639-5205-2. 9,90 EUR.

Reihe: Erwachsenenbildung - Jg. 59, 1.
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Thema

In dem vorliegenden Schwerpunktheft mit dem Thema „Ehrenamt / Freiwilliges Engagement“, das sich an die Lehrenden und Verantwortlichen vor allem in den Erwachsenenbildungsstätten katholischer Trägerschaft richtet, wird in den drei Schwerpunktbeiträgen die Bedeutung und Rolle von Bildungsangeboten für freiwillig Engagierte beleuchtet und natürlich, welchen Beitrag diese zu einem Mehr an Engagement und dessen Qualität leisten können und sollten. Weiterbildung spielt im freiwilligen Engagement gleich mehrfach eine besondere Rolle. Zum einen ist sie Bestandteil einer Anerkennungskultur im Rahmen eines Freiwilligenmanagements. Freiwillige werden wertgeschätzt, indem man ihnen passende Weiterbildungsmöglichkeiten offeriert, sei es zur Persönlichkeitsentwicklung, zum Erwerb so genannter Soft Skills oder im Hinblick auf deren konkrete Aufgaben, etwa in Fragen des Vereinsrechts oder zu bestimmten Krankheitsbildern und deren Verläufen bei den Engagementnehmern. Dennoch gibt es auch hier Einschränkungen. Es gibt Freiwillige, die wollen (erst einmal) gar kein Fortbildungsangebot, schon gar nicht als Zugangschwelle zum Engagement, wie es bspw. bei den Freiwilligen in der Hospizarbeit – völlig zu Recht – implementiert ist. Weiterbildung ist im Weiteren ein unverzichtbares Arbeitsmittel für Engagierte geworden, die vielerorts unter hohem Erwartungs- und Professinonalisierungsdruck stehen, wie nicht zu Letzt Annettte Zimmer und Thomas Rauschenbach eindrücklich aufzeigen konnten. (Weiter-)bildungsträger bieten einen bunten Strauß an Inhalten an, die für Engagierte von Nutzen sind. Doch häufig ist die Landschaft der Bildungsangebote ein Dschungel, den das Freiwilligenmanagement vielleicht ausschnittsweise kennt, der Freiwillige jedoch zumeist nicht.

Einen Führer durch einen solchen „Dschungel“ hat die Thüringer Ehrenamtsstiftung mit dem Bildungsnetz für freiwillig Engagierte konzipiert und implementiert. Hier kann der an Qualifizierungsangeboten Interessierte sein Erkenntnisinteresse in eine Suchmaske eingeben, den Umkreis um seinen Standort auswählen und schon kann er erkennen, wo, was, wann zu welchen Konditionen angeboten wird.

Autorenteam

Sandra Habeck ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Erziehungswissenschaft an der Phillipps-Universität Marburg. Sie schließt soeben ihr Promotionsverfahren zum Thema „Freiwilligenmanagement. Exploration eines Berufsfeldes“ ab.

Prof. Dr. Judith Könemann ist Professorin für Praktische Theologie (Religionspädagogik) an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Wilhelms-Universität Münster und dort geschäftsführende Direktorin des Instituts für Katholische Theologie und ihre Didaktik.

Dr. Thomas Gensicke ist Senior Projektleiter im Bereich Familie, Bildung, Bürgergesellschaft bei TNS Infratest Sozialforschung und u. a. verantwortlich für den Freiwilligensurvey 2009.

Aufbau und Inhalte

Sandra Habeck greift in ihrem Aufsatz „Freiwilligenarbeit und Ehrenamtliches Engagement. Zur Bedeutung einer erwachsenenpädagogischen Erschließung“ auf ihre Studie zum Berufsfeld „Freiwilligenmanagement“ punktuell zurück, in der sie das junge Berufsbild an acht Einsatzorten ausleuchtete. Dabei fällt erst einmal auf, wie selbstverständlich sie konstatiert, dass es das Berufsbild gibt. Aus ihrer Sicht – und daraus nun wahrlich nicht verwunderlich – ist es bereits da, wird ausgefüllt und ist mit einem (Aufgaben-)Profil versehen. Eine Position, die sich absetzt von solchen, die ein solches im Entstehen begriffen sehen, die um die Implementation solcher Kompetenzen mit eigenständigen Stellen(-anteilen) in Organisationen ringen, die umfänglicher freiwilliger Engagement einsetzen. Hier ist der Rezensent mit der Autorin der Auffassung, dass es das Kompetenzprofil bereits gibt und dass dieses, wie Thomas Kegel es bereits 2009 betonte (Hoffmann, S.G./Reifenhäuser, C./ Kegel, T: Freiwilligenmanagement), in ein Kompetenzprofil „Sozialmanagement“ integriert gehört.

Sandra Habeck zeigt auf, dass der Wandel der gesellschaftlichen Bedeutung von freiwilligem Engagement, der Strukturwandel des Ehrenamtes mit der Pluralisierung der Formen und Funktionen von freiwilligem Engagement und auch der Motivwandel der Freiwilligen einen erhöhten Bedarf an Qualifizierung nach sich gezogen hat. Gerade in dem „Kampf der Organisationen und Verbände um die »knappe Ressource« Freiwilliger“ (Zit.) werden nach Auffassung von Habeck Begleitung und Schulung an den Einsatzorten für freiwilliges Engagement immer wichtiger. Hier sieht sie, dass gerade Erwachsenenbildner mit ihren organisatorischen, beratenden und lehrenden Kompetenzen einen wichtigen Beitrag zur Professionalitätsentwicklung leisten können. Adäquate Bildungsangebote in der Freiwilligenarbeit zeichnen sich durch eine große Bandbreite aus: vom praktischen Kompetenzerwerb bzw. -ausbau, bei dem es vor allem um Soziale und personale Methodenkompetenzen geht, über Wissensbestände für das Einsatzfeld bis hin zu einer weitreichenden Persönlichkeitsentwicklung (Selbst- und Fremdwahrnehmung, Selbstentfaltung). Freiwilligenmanager sind es, die dazu beitragen sollten, dass Freiwillige ihre Kompetenzen und Professionalität für die zu erbringenden Aufgaben steigern und dass das Lernen genau darauf ausgerichtet ist. Diese sollten sich einen breiten Überblich über die verschiedenen Fortbildungsmöglichkeiten diverser Bildungsanbieter verschaffen und Freiwillige entsprechend beraten. Sandra Habeck sieht Freiwilligenmanager auch in der Rolle als Mediatoren zwischen Vorständen, Haupt- und Ehrenamt. Hier sind u. U. auch Fortbildungsbedarfe bei Hauptamtlichen zu ermitteln, die auch von den Bildungsträgern angemessen aufzugreifen sind. Im Ausblick (und im Rückblick auf ihre Studie) regt sie weiter an, dass Erwachsenenbildner sich dem neuen Berufsbild stellen sollten und nach ihrer Rolle in Ehrenamtskontexten (weiter) suchen sollten.

Judith Könemann verweist zunächst auf die bedeutende und gewandelte Rolle von Laien als ehrenamtliche Mitarbeiter in der katholischen Kirche seit dem II. Vatikanischen Konzil. Trotz dieser Rahmenbedingungen konstatiert sie ein zurückgehendes Engagement innerhalb der Kirchen, dass sich auf den ersten Blick nicht gleich erklärt. Das Engagement ist insgesamt nicht rückläufig und auf recht hohem Niveau stabil. Kirche und Religion stehen innerhalb der

Engagementbereiche mit einer Engagementquote von 6,9 % an zweiter bzw. dritter Stelle. Zur weiteren Klärung zieht sie eine Schweizer Studie des Luzerner Politikwissenschaftlers Antonius Liedhegener heran, der das Engagement von Laien in katholischen Pfarrgemeinden untersuchte. Demnach haben 53,4% der Katholiken einen irgendwie gearteten Gemeindebezug, bei 44,5 % fehlt dieser und 14,5 % sind als Engagierte zu betrachten. Unter diesen sind mit 70% Frauen deutlich überrepräsentiert. Im Weiteren befasst sich die Autorin mit den veränderten Motiven des Engagements und mit dem vielfach diskutierten Strukturwandel im Ehrenamt. Sie vermutet, dass die Krise des Ehrenamtes in Gemeinden und pastoralen Räumen darauf zurück zu führen ist, dass das innerkirchliche Verständnis von Engagement erst langsam beginnt die Veränderungen in den Motivlagen wahrzunehmen. Ferner stellt Judith Könemann fest, dass mit der zunehmenden Auflösung der alten Geschlechterrollen, der Entkopplung von Männer- und Frauenbiografien, der Entkopplung von Sexualität und Reproduktion, wie auch der Entkopplung des kulturellen Schemas der Zuständigkeit der Frauen für die Innenwelt und der Männer für die Außenwelt die Pastoralmacht der Kirche über die Frauen zunehmend schwindet. Je länger Kirche an der überkommenen Geschlechterordnung mit entsprechenden Aufgabenzuschreibungen festhält, je geringer das Maß der Bereitschaft ist, Verantwortung abzugeben, desto weniger werden sich künftig (vor allem) Frauen finden lassen, die sich engagieren. „Den Bedürfnissen der Subjekt- und Biografieorientierung des so genannten »neuen« Ehrenamtes, in dem sich vielfach die Bedürfnisse von Frauen widerspiegeln, entgegen zu kommen, scheint also für ein weiteres Engagement der Frauen innerhalb pastoraler und gemeindlicher Strukturen unabdingbar zu sein.“(Zit.) Der kirchlichen Erwachsenenbildung fällt aus Sicht der Autorin dabei die Aufgabe zu, die freiwillig Engagierten weiter zu bilden und zu unterstützen. Sie erinnert an die Niederländische Denkschrift zur Funktion und Zukunft der Erwachsenbildung aus dem Jahr 1969, in der Erwachsenenbildung Befähigungs- und Ermächtigungsarbeit leisten soll, die zur Verbesserung der Kommunikations- und Artikulationsfähigkeiten beitragen kann. Nach dieser Denkschrift hat Erwachsenenbildung auch eine Wirklichkeit verändernde Funktion, die auch in Form von Aktionen annehmen kann, wenn das edukative Element und Reflexion bewusst eingebaut sind. Abschließend geht die Autorin noch auf Vernetzungsmöglichkeiten ein. Hier sieht sie Beiträge kirchlicher Erwachsenenbildung zu intermediären Projekten, die die ebene der Pfarrgemeine verlassen, etwa in gemeinsamer Trägerschaft mit Amnesty International.

Thomas Genicke greift ausgesuchte Befunde aus dem Freiwilligensurvey des Jahres 2009, der eine Dekade in der Engagemententwicklung nachzeichnen lässt, in seinem Aufsatz auf und kommentiert diese. Diese Befunde sind seit dem Erscheinen in 2010 so vielfach diskutiert, präsentiert und vor allem zitiert worden, dass in dieser Rezension darauf verzichtet wird, sie abermals zu referieren. Schließlich ist der Freiwilligensurvey, um den Autor zu zitieren „das Flagschiff der Engagementforschung in Deutschland“. Hier daher nur eine spiegelstrichartige Aufzählung der Ergebnisse, die vorgestellt werden:

  • ein stabiles bis steigendes Engagement seit dem ersten Survey,
  • die Engagementbereiche in ihrer Verteilung,
  • steigende Bereitschaft zum Engagement,
  • der Mix der Motive,
  • das steigende Engagement älterer Menschen,
  • der gestiegene Beitrag zur Zivilgesellschaft derer, die sich in der Familienphase befinden,
  • Engagierte in den Altersgruppen und
  • der ungebrochene Schichtungsbias.

Diskussion

Dieser Teil der Rezension kann vergleichsweise knapp ausfallen, bei einer Vierteljahreszeitschrift mit drei recht heterogenen Schwerpunktbeiträgen. Dabei suchen die Beiträge der beiden Autorinnen die Bezugspunkte zum Feld der Erwachsenenbildung, der

Aufsatz von Judith Könemann sogar direkt an Weiterbildung in katholischer Trägerschaft gerichtet. Hier attestiert sie eine Krise des Ehrenamtes im gemeindlichen und pastoralen Raum und zeigt auch Auswege auf, bei der Weiterbildung eine Rolle zugeschrieben wird. Dass von einer Krise des Ehrenamtes gesprochen wurde, etwa bei den Wohlfahrtsverbänden, liegt Jahre zurück. Bei der katholischen Kirche wird sie offenbar erst jetzt sichtbar. Gut, dass Judith Könemann ein paar „klare Ansagen“ bereit hält, wie dem zu entkommen ist. Der Beitrag von Sandra Habeck überzeugt mit seinem klaren Bekenntnis zum Freiwilligenmanagement. Kein Wunder, das ist das Thema ihrer frisch abgeschlossenen Dissertation. Auf deren Publikation kann die interessierte Fachwelt sicher gespannt sein.

Fazit

Insgesamt hinterlässt die Lektüre des Heftes mit seinem weiteren Beitrag aus Österreich und den Rubriken, Praxisbeiträgen und Materialien den Eindruck, dass die Katholische Bundesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung, quasi im „eigenen Haus“ bei der Caritas und dort vor allem bei Eugen Baldas (Baldas et al Hrsg.: Freiwillig. Etwas Bewegen!, Freiburg i. Brsg., 2012) viele Visionen und Erfahrungen zur Arbeit mit Freiwilligen abholen könnte.


Rezensent
Prof. Dr. Harmut Bargfrede
lehrt am Studiengang Sozialmanagement der Hochschule Nordhausen u. a. das Vertiefungsgebiet „Bürgerschaftliches Engagement, Freiwilligenmanagement und Bürgerstiftungen“


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Zitiervorschlag
Harmut Bargfrede. Rezension vom 20.01.2014 zu: Katholischen Bundesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung (KBE) (Hrsg.): Ehrenamt, freiwilliges Engagement. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2013. ISBN 978-3-7639-5205-2. Reihe: Erwachsenenbildung - Jg. 59, 1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16110.php, Datum des Zugriffs 16.11.2018.


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