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Daniel Welberts: Finanzierung sozialer Organisationen durch Venture Philanthropy-Gesellschaften

Cover Daniel Welberts: Finanzierung sozialer Organisationen durch Venture Philanthropy-Gesellschaften. Einfluss- und Erfolgsfaktoren der Zusammenarbeit. Springer Gabler (Wiesbaden) 2013. 243 Seiten. ISBN 978-3-658-03099-5. D: 49,99 EUR, A: 51,39 EUR, CH: 62,50 sFr.

Reihe: Research.
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Thema

Venture Philanthropy-Gesellschaften sind Institutionen, die neue und innovative soziale Träger unterstützen, wenn ein hohes Potenzial für soziale Veränderungen ersichtlich ist. Entsprechende Gesellschaften leisten neben einer finanziellen Zuwendung auch eine zum Teil enge Betreuung, u.a. zum Aufbau der Organisation. Diese philanthropische Form entstammt den USA und weist seit einigen Jahren einen Zuwachs auf. Theoretische Erkenntnisse zu dieser relativ neuen Art der Finanzierung und Unterstützung von sozialem Engagement liegen bis dato nur in rudimentärer Form vor.

Entstehungshintergrund

Daniel Welberts hat in seinem Forschungsprojekt untersucht, welche Betreuungsmuster im Rahmen einer Venture Philanthropy Beziehung vorherrschen, unter welchen Umständen diese praktiziert werden und wie sich diese Betreuungsmuster auf den Erfolg einer Venture Philanthropy Finanzierung auswirken. Darüber hinaus wollte er die Betreuung aus theoretischer Sicht analysieren. Seine Arbeit wurde 2013 als Dissertation an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder angenommen.

Autor

Daniel Welberts ist Unternehmensberater. In diesem Zusammenhang ist er in verschiedenen Industriebereichen zuständig für Projektmanagement, sein besonderes Augenmerk gilt strategischen Anliegen.

Aufbau und Inhalte

Die Publikation enthält fünf Abschnitte, einen Anhang sowie ein Literaturverzeichnis.

Im ersten Abschnitt führt der Autor in die Grundlagen seiner Arbeit ein. Er schildert die Ausgangssituation, skizziert Forschungsdefizite, seine Forschungsleitfragen sowie den Aufbau der Untersuchung. Er beschreibt dabei unter anderem noch einmal den für die Untersuchung wichtigen Umstand, dass bei Venture Philanthropy der nachhaltige Aufbau der geförderten Organisation und eine enge Betreuung der geförderten Organisation durch unterstützende und kontrollierende Tätigkeiten (ggf. durch beauftragte Dritte) von besonderem Interesse sind.

Im zweiten Abschnitt werden die definitorischen Grundlagen generiert. Die wesentlichen Eigenschaften des Nonprofit- und des Stiftungswesens werden dabei herausgearbeitet, wobei der Schwerpunkt auf Venture Capital sowie den besonderen Merkmalen und Eigenschaften von Venture Philanthropy liegt. Deutlich wird hier auch noch einmal der besondere Mehrwert von Venture Philanthropy infolge einer Betreuung und ggf. Kontrolle der geförderten Institution.

Der dritte Abschnitt ist der Herausarbeitung von empirischen Daten bzw. Erkenntnissen zur Betreuung von geförderten Organisationen durch Venture Capital Unternehmen bzw. Venture Philanthropy Gesellschaften vorbehalten. Darüber hinaus werden jedoch auch theoretische Grundlagen gelegt bzw. erweitert, wobei der Autor seinen Analysen passenderweise die Prinzipal-Agent-Theorie zugrundelegt. Diese thematisiert besonders die Gefahr und Problematik nutzenmaximierenden Verhaltens in Beziehungen mit einem hohen Informationsgefälle zwischen den beteiligten Parteien.

Mit einer eigenen empirischen Untersuchung von 94 Finanzierungen im Europäischen und Nordamerikanischen Raum befasst sich dann das vierte Kapitel. Neben Erörterungen zur Methodik widmet sich der Autor hier vor allem seinen Untersuchungsergebnissen. Er wertet die erhobenen Daten zur Betreuungsarbeit der betrachteten Venture Philanthropy Gesellschaften aus und analysiert diese systematisch in Bezug auf Einflussfaktoren und Finanzierungserfolg. So zeigen die Daten beispielsweise, dass sich die Schwerpunkte der Betreuung vor allem auf den mittel- und langfristigen Erfolg der geförderten Organisation konzentrieren. In ihrer Rolle als „Manager“ und „Mentor“ fokussieren die kapitalgebenden philanthropischen Gesellschaften auf die „gesunde Entwicklung“ der geförderten Organisation „in operativer und strategischer Hinsicht“. Dabei wird auch die Leistung der geförderten Organisation einer Kontrolle unterzogen. Diese Tätigkeiten – so der Autor in seinem Resümee – „entsprechend den typischen Aktivitätsfeldern eines Managers jüngerer Organisationen, der sich operativen Tätigkeiten widmet, die Geschäftsabläufe kontrolliert und insbesondere in dynamischen Umfeldern die Unternehmensstrategie kontinuierlich hinterfragen muss“. Der Autor kommt auch zum Schluss, dass die Betreuungsrolle als Manager und Mentor eine positive Erfolgswirkung besitzt.

Im abschließenden fünften Kapitel werden die Erkenntnisse noch einmal zusammengefasst und es werden Schlussfolgerungen für die Praxis gezogen. In diesem Zusammenhang verweist der Autor darauf, dass Venture Philanthropy-Gesellschaften das Risiko tragen, opportunistischem Handeln ausgesetzt zu sein. Eine Betreuungsarbeit stelle eine zentrale Möglichkeit dar, das Risiko während der Finanzierungslaufzeit zu verringern. Von Bedeutung ist gemäß der Datenlage offenbar, dass die Betreuung an dem Ausmaß und der Art bestehender oder möglicher „Agency-Probleme“ tatsächlich ausgerichtet wird. Gleichzeitig ist zu beachten, dass Betreuung immer auch bedeutet, in die Autonomie der geförderten Organisation einzugreifen. Wenn keine ausreichende Grundlage zur Entscheidung über die inhaltliche Ausrichtung der Betreuungsarbeit besteht, bietet sich – so die Schlussfolgerung des Autors – die Rolle eines Managers und Mentors an. Diese Tätigkeiten zeigen generell „den positivsten Einfluss auf den Investmenterfolg“. Die Position als kapitalgebende Gesellschaft sei jedoch regelmäßig kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls auch die Notwendigkeit von Anpassungen zu erörtern. Umgekehrt sollten geförderte soziale Organisationen sich der Tatsache bewusst sein, dass Venture Philanthropy-Gesellschaften über die Möglichkeiten und Gefahren opportunistischen Verhaltens in der Regel Bescheid wissen und ihre Betreuung und ihre Kontrolle darauf ausrichten. Es sollte damit gerechnet werden, dass eine umfangreiche Kontrolle unter Umständen auch dann stattfinden kann, wenn aus Sicht der geförderten Organisation kein Anlass dazu besteht.

Diskussion

Diese ausgezeichnet gegliederte und sprachlich ansprechend abgefasste Publikation ist u.E. insbesondere deswegen empfehlenswert, weil sie über die wesentlichen Absichten, Spielregeln und Rahmenbedingungen von Venture Philanthropy gut informiert und eine differenziere Analyse der bisherigen Praxis vorlegt. Leserinnen und Leser, die sich für alternative Möglichkeiten der Förderung von Initiativen im Sektor der sozialen Arbeit interessieren, erfahren eine Menge an Informationen über Formen und Wege der Venture Philanthropy, vor allem über die Besonderheit, dass über eine rein finanzielle Zuwendung hinaus eine Unterstützung und ggf. Kontrolle der geförderten Organisationen durch den Kapitalgeber erfolgt. Es ist kaum zu prognostizieren, inwieweit Venture Philanthropy das bisherige Stiftungswesen im deutschsprachigen Raum ablösen oder wenigstens nennenswert ergänzen kann. Mit der vorliegenden Arbeit wurden jedoch Potenziale von Venture Philanthropy belegt und Anregungen für eine erfolgreiche Durchführung gegeben.

Fazit

Empfehlenswerte Publikation über Ansätze und Potenziale von Venture Philanthropy.


Rezension von
Prof. Dr. Harald Christa
Professor für Sozialmanagement an der Evangelischen Hochschule Dresden mit Schwerpunkt Sozio-Marketing, Strategisches Management, Qualitätsmanagement/ fachliches Controlling.
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Zitiervorschlag
Harald Christa. Rezension vom 06.01.2014 zu: Daniel Welberts: Finanzierung sozialer Organisationen durch Venture Philanthropy-Gesellschaften. Einfluss- und Erfolgsfaktoren der Zusammenarbeit. Springer Gabler (Wiesbaden) 2013. ISBN 978-3-658-03099-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16111.php, Datum des Zugriffs 11.07.2020.


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