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Reinhard Lay: Ethik in der Pflege

Cover Reinhard Lay: Ethik in der Pflege. Ein Lehrbuch für die Aus-, Fort- und Weiterbildung. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2012. 2. Auflage. 467 Seiten. ISBN 978-3-89993-271-3. 39,95 EUR.
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Thema

Angesprochen werden ethische Herausforderungen in den vier übergeordneten Bereichen der Pflege: der Pflegepraxis, der Pflegewissenschaft, des Pflegemanagements oder der Pflegepädagogik. Aufgegriffen werden zentrale Fragestellungen und historische sowie aktuelle Diskussionsansätze zur Ethik in der Pflege.

Zielgruppe

Das Buch wendet sich an Lernende und Lehrende in pflegerischen Aus- Fort- und Weiterbildungen sowie Studierende.

Autor

Der Verfasser ist Gesundheits- und Krankenpfleger, Dipl. Pflegepädagoge (FH), M.A. (Management von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen) sowie staatlich geprüfter Fachwirt für Organisation und Führung im Sozialwesen. Er leitet eine Schule für Gesundheits- und Krankenpflege und ist zudem in der Lehre an Hochschulen sowie in der Fortbildung und Beratung tätig.

Entstehungshintergrund

Die grundlegende Arbeit zu diesem Buch bildet eine Diplomarbeit, die am Fachbereich Pflege der Katholischen Fachhochschule Freiburg eingereicht wurde. Da die erste Auflage bereits nach wenigen Jahren vergriffen war, erfolgte eine Aktualisierung und Weiterentwicklung des Textes, die in Form der hier rezensierten 2. Auflage im September 2012 fertiggestellt wurde.

Aufbau

Das Buch ist in zehn Einzelkapitel unterteilt, in die jeweils mit einer kurzen Einleitung eingeführt wird. Dabei bildet Kapitel 1 die Einleitung und Kapitel 10 ein Nachwort.

Inhalt

Sehr anschaulich und präzise wird der Leser einleitend im ersten Kapitel in das Buch eingeführt. Dabei werden zunächst die Zielsetzungen und Anliegen des Verfassers sowie der theoretische Hintergrund dargestellt, bevor im Anschluss daran ein Überblick über den Aufbau gegeben wird. Diese Einleitung gibt eine hilfreiche Orientierung zur Lektüre des Buches

Im zweiten Kapitel werden theoretische Hintergründe zum Thema Ethik dargestellt. Eingegangen wird dabei auf Begriffsbestimmungen, Ziele, Aufgaben, Funktionen, ethische Theorien und Positionen. Mit Hilfe kleinerer Beispiele aus der Pflegepraxis werden diese relativ abstrakt und theoretisch gehaltenen Ausführungen veranschaulicht.

Im sich anschließenden Kapitel 3 wird zunächst mit Hilfe einer Abbildung erläutert, was unter Bereichsethiken (im Unterschied zu Berufsethiken) verstanden wird und weshalb der Autor dafür plädiert, die Ethik in der Pflege den Bereichsethiken zuzuordnen. Interessant erscheint an dieser Stelle auch die Verortung der Pflege als Bereichsethik zwischen der Ethik im Gesundheitswesen und der Ethik im Sozialwesen. Die Auseinandersetzung mit Ethik in der Medizin veranschaulicht einprägsam die vorherrschende Rolle der Medizin im Gesundheitswesen. Die Ethik im Sozialwesen wird als bislang vorrangig auf die Entwicklung von Berufskodizes konzentriert beschrieben. Verglichen mit der Ethik in der Medizin wird die Ethik im Sozialwesen als deutlich weniger etabliert beschrieben.

Aufbauend auf der Auseinandersetzung mit diesen beiden für die Pflege relevanten Bereichs- bzw. Berufsethiken wird in Kapitel 4 auf die Ethik in der Pflege detailliert eingegangen. Entsprechend der aufgezeigten vier Handlungsfelder von Pflege (Weidner) benennt der Autor als Teilbereiche der Ethik die Ethik in der Pflegewissenschaft, die Ethik im Pflegemanagement, die Ethik in der Pflegepädagogik (Näheres hierzu in Kapitel 8) und die Ethik in der Pflegepraxis und zeigt zu diesen Teilbereichen jeweils zentrale Fragestellungen sowie den Stand der Diskussion auf. Vertiefend geht der Autor auf den Bereich Pflegeethik, also Ethik in der Pflegepraxis ein. Exemplarisch werden auch praktisch umsetzbare Perspektiven zur Etablierung einer Ethik in der Pflegepraxis dargestellt. Das Kapitel stellt abschließend die drei aufgezeigten Bereichs- bzw. Berufsethiken miteinander in Beziehung. Systematisch herausgearbeitet werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Resümierend empfiehlt der Verfasser, sich auch bei Etablierung einer Bereichsethik in der Pflege nicht zu sehr von der Ethik in der Medizin abzuschotten und stattdessen eine partnerschaftlich-gleichberechtigte Zusammenarbeit anzustreben.

Kapitel 5 beschäftigt sich mit der Frage, ob Diskussionen zum Thema Pflegequalität ohne eine Berücksichtigung ethischer Perspektiven erfolgen kann. So sei eine Einschätzung der Pflegequalität nicht ohne die Beachtung ethischer Richtlinien und moralischer Vorstellungen möglich. Aufgezeigt wird, u.a. an einem Beispiel aus der NS-Zeit, wie sich gesellschaftlich vorherrschende Vorstellungen und damit ethisch-moralische Aspekte, auf die Bewertung der Pflegequalität auswirken. Kritisch angemerkt wird abschließend, dass in bisherigen Definitionsansätzen zur Pflegequalität ethische Überlegungen weitgehend vernachlässigt werden.

In Kapitel 6 greift der Autor dieses Fehlen der Berücksichtigung ethischer Aspekte in der bisherigen Diskussion um Pflegequalität auf und stellt sein Modell der Gesundheitspflege vor, das Aufschluss über die Pflegequalität geben soll und in dessen Zentrum er die Pflegeethik verortet sieht. Demnach werden der Pflegequalität die Komponenten Wirksamkeit, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit sowie Selbstständigkeit, Wohlbefinden, Hygiene, Sicherheitsbestimmungen, Zeit und Material der Pflegequalität zugeordnet. Der Interaktion kommt in diesem Modell eine umfassende Bedeutung zu, die es erst ermöglicht, die einzelnen Komponenten zu verwirklichen. Bei der anschließenden Darstellung der Diskussionslage zu den einzelnen Komponenten bietet vor allem die Auseinandersetzung mit Selbständigkeit und Wohlbefinden hervorragende Anknüpfungspunkte für die Anregung kritischer Reflexionen z.B. im Rahmen von Lehrveranstaltungen. Das Kapitel endet mit der Formulierung einer neuen Definition von Pflegequalität.

Im 7. Kapitel wird der Prozess der ethischen Entscheidungsfindung in der Pflege nachgezeichnet. Dabei werden zunächst einige grundsätzliche Überlegungen und Modelle aufgezeigt, bevor das Modell der multiperspektivischen ethischen Entscheidungsfindung vorgestellt und anhand eines sehr einprägsamen Praxisbeispiels exemplarisch angewendet wird. Zum Abschluss des Kapitels erfolgt eine kritische Reflexion der aufgezeigten Modelle zur Entscheidungsfindung. So garantiere eine systematische ethische Entscheidungsfindung nicht das tatsächlich richtige und gute Handeln.

Kapitel 8 behandelt den bislang ausgesparten Themenbereich der Ethik in der Pflegepädagogik. Dabei untergliedert der Autor in die Bereiche Pädagogische Ethik und Ethik lehren in der Pflege. Im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung mit der pädagogischen Ethik kritisiert der Autor die konstruktivistisch-systemtheoretischen Ansätze in der Didaktik und spricht sich für die Handlungsorientierte Didaktik aus. Im Anschluss daran wird der Frage nachgegangen, wie es gelingen kann, Ethik in der Pflege zu lehren. Hier geht der Autor auf die Notwendigkeit ethischer Bildung in der Pflege, auf die bisherige Verankerung im Lehrangebot der Pflegeausbildungen, auf mögliche Vorurteile Pflegender hinsichtlich der Beschäftigung mit ethischen Fragestellungen sowie auf Voraussetzungen auf Seiten von Lernenden und Lehrenden für ethische Bildungsprozesse in der Pflege ein. Schließlich werden Konsequenzen aufgezeigt, die eine stärkere Verankerung ethischer Bildungsinhalte in die Ausbildung mit sich bringen könnte.

In dem das Buch abschließende Kapitel 9 werden zentrale im Buch behandelte Themenbereiche erneut übergreifend diskutiert. Dabei zeigt der Verfasser konkrete Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung der Ethik in der Pflege auf. Zudem weist er weiteren Forschungsbedarf mittels weiterführender Fragestellungen aus.

Diskussion

Die einzelnen Kapitel sind in einheitlichem Format gedruckt, übersichtlich gegliedert und ansprechend, teilweise mit Abbildungen und/oder Tabellen versehen, gestaltet. Die im Anschluss an jedes Textkapitel verfassten resümierenden Gedanken und Zusammenfassungen erleichtern den Lesefluss der sehr umfangreichen Lektüre und leiten inhaltlich in das nächste Kapitel über. Im Anhang befindet sich ein umfangreiches Quellenverzeichnis. Sehr hilfreich ist auch das Sachwortregister mit im Text verwendeten tragenden Begrifflichkeiten, das auch z.B. für die Lehre gute Hilfestellungen für die Behandlung ausgewählter Themen bietet.

Fazit

Lehrenden in pflegewissenschaftlichen Bereichen, die zur Auseinandersetzung mit kritischen Fragestellungen anregen möchten, bietet die Lektüre systematisch aufbereitetes Hintergrundwissen zum Stand der Diskussion ethischer Fragestellungen in allen relevanten pflegerischen Handlungsfeldern. Lernende in der pflegerischen Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie Studierende werden sich insbesondere durch die vielfachen Praxisbeispiele angesprochen fühlen.


Rezensentin
Prof. Dr. Katja Makowsky
MPH, Dipl. Pflegewirtin, Gesundheits-und Krankenpflegerin, Professorin für Pflegewissenschaft, FH Bielefeld
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Kommentare

Anmerkung der Redaktion: Diese Rezension wurde mit freundlicher Genehmigung modifiziert übernommen aus: Makowsky, K. (2013): Lay, R. (2012): Ethik in der Pflege. Ein Lehrbuch für die Aus-, Fort- und Weiterbildung. 2. Auflage. Hannover: Schlütersche Verlagsgesellschaft. In: Pflege und Gesellschaft 4/2013, S. 369-370.


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Zitiervorschlag
Katja Makowsky. Rezension vom 19.12.2013 zu: Reinhard Lay: Ethik in der Pflege. Ein Lehrbuch für die Aus-, Fort- und Weiterbildung. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2012. 2. Auflage. ISBN 978-3-89993-271-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16180.php, Datum des Zugriffs 17.08.2017.


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