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Helmut Hofbauer, Alois Kauer: Einstieg in die Führungsrolle

Cover Helmut Hofbauer, Alois Kauer: Einstieg in die Führungsrolle. Praxisbuch für die ersten 100 Tage ; mit Interviews aus der Praxis ; [mit Sonderkapitel "Laterale Führung"]. Hanser Verlag (München) 2012. 4., erweiterte Auflage. 294 Seiten. ISBN 978-3-446-43188-1. D: 29,90 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 39,90 sFr.
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Thema

Angehende Führungskräfte sehen sich häufig gezwungen, persönliches Neuland zu erobern. Meist sind sie zwar fachlich hochqualifiziert, jedoch um Umgang mit Menschen und den anstehenden Aufgaben noch unerfahren und unsicher. So gesellt sich bei den Betroffenen zur Freude über eine Beförderung und die damit verbundene Anerkennung gerne ein hohes Maß an Unbehagen über eine neue Position, in der man auch scheitern kann.

Entstehungshintergrund

Ausgerüstet mit langjähriger Erfahrung als Führungskräfte und Trainer haben es sich Helmut Hofbauer und Alois Kauer zur Aufgabe gemacht, angehenden Führungskräften eine Hilfestellung für die Vorbereitung auf Ihre neue berufliche Position sowie für einen gelungenen Einstieg in eine solche an die Hand zu geben. Sie möchten dabei nicht in allgemeinen Ausführungen verbleiben, sondern möglichst praxisnah anhand von Modellen, Empfehlungen, Hinweisen, Tools und Checklisten eine möglichst große Sicherheit im Umgang mit den neuen Anforderungen vermitteln. Das Buch ist mittlerweile in der vierten Auflage erschienen und hat substanzielle Erweiterungen erfahren.

Autoren

Helmut Hofbauer ist seit über zwei Jahrzehnten selbstständiger Berater mit Schwerpunkt Führungskräfteberatung und -training, Coaching sowie Begleitung von Veränderungsprozessen.

Alois Kauer ist Geschäftsführer der Audi Akademie Hungaria. Er berät und trainiert seit vielen Jahren Führungskräfte, Nachwuchs- und Entwicklungskandidaten.

Aufbau und Inhalt

Die Publikation enthält neun Kapitel, ein Literaturverzeichnis sowie ein Register.

Im ersten Kapitel „Sie gehen in Führung“ werden die Grundlagen guter Führung überblicksartig vermittelt und dabei verschiedene Führungsstile mit ihren Vor- und Nachteilen dargelegt, Kompetenzen sowie persönliche Eigenschaften einer guten Führungskraft erklärt. Es wird auch auf abzusehende Rollendilemmata hingewiesen, verschiedene und u.U. konfligierende Erwartungshorizonte an die neue Position werden skizziert, die Grundlagen symbolischer Führung sowie Unterschiede zwischen fachlicher und disziplinarische Führung kommen auch zur Sprache.

Das zweite Kapitel dient der „Startvorbereitung“. Verschiedene persönliche bzw. private Situationen und Umstände werden dabei zunächst erörtert, denn diese sind wichtig für die Leistungskraft und können sich mit der neuen Aufgabe auch ändern. Unter dem Stichwort „Startposition“ werden daraufhin unterschiedliche organisationale Ausgangslagen eines Einstiegs in eine neue Führungsposition beschrieben, wobei nicht nur der Wechsel von außen in ein Unternehmen zur Sprache kommt, sondern auch der zwischen unterschiedlichen Bereichen innerhalb eines Unternehmens, der Aufstieg vom Kollegen zum Vorgesetzten oder auch der Positionswechsel im Rahmen eines High-Potential-Programms. Zu lernen ist in diesem Kapitel auch, wie wichtig es ist, die Funktion einer Position innerhalb der Hierarchie einer Organisation zu definieren und möglichst frühzeitig zu klären, welche Aufgaben auf die neue Position zukommen und welche Handlungsspielräume man zur Verfügung hat.

Das dritte Kapitel ist mit „Am Startblock“ überschrieben. Im Mittelpunkt stehen dabei der strukturierte Wissenstransfer, die Möglichkeiten zur Schaffung einer Vertrauensbasis zur Vorgängerin bzw. zum Vorgänger, die wesentlichen Themenbereiche bei der Übergabe einer Leitungsposition, aber auch die Potenziale der Unterstützung durch einen neutralen Moderator sowie Möglichkeiten der Auswertung von erhaltener Information bei der Übergabe. Auch in diesem Kapitel fällt auf, dass die Darlegungen sehr ansprechend strukturiert sind und eine Reihe von nützlichen Hilfestellungen gegeben werden. Als Beispiel sei hier nur eine Mind-Map zur Dokumentation der Inhalte eines Übergabegesprächs angeführt.

Das vierte Kapitel konzentriert sich auf den „Sprung ins Wasser“. Behandelt werden die erste Vorstellung als neue Führungskraft inklusive Tipps für die Vorstellungsrede, das rasche Einschätzen der neuen Führungssituation, der Aufbau eines Netzwerks mit Kolleginnen und Kollegen, aber auch der Umgang mit den Erwartungen von Vorgesetzten und Untergebenen sowie die Möglichkeiten, sich erste Ziele setzen zu können. Die in diesem Kapitel enthaltenen Übersichten und Checklisten sind ebenfalls sehr hilfreich.

Das fünfte Kapitel ist der „Reifeprüfung“ vorbehalten. Leserinnen und Leser erfahren hier, welche Möglichkeiten es gibt, sich mit System eine nützliche Wissensbasis und Ausgangssituation zu verschaffen, wie Ziele formuliert und erreicht werden können, aber auch nach welchen Kriterien man erste Veränderungen und Umgestaltungspläne auswählen sollte, was zum Erfolg einer Reorganisation maßgeblich beiträgt sowie welche Möglichkeiten es gibt, erste Erfolge abzusichern.

Das sechste Kapitel „Laterale Führung: Führen ohne formale Macht“ wurde dieser vierten Auflage neu hinzugefügt. Neben der besonderen Relevanz von lateraler Führung werden besondere Anforderungen an solche Führungskräfte beschrieben und es wird aufgezeigt, welchen Einstieg man in die Rolle einer lateralen Führungskraft benötigt. Selbstverständlich beschäftigt sich dieser Abschnitt auch mit der Frage, welche Kernkompetenzen notwendig sind, um erfolgreich auch ohne Weisungsbefugnis führen zu können. Abschließend werden noch Führungsinstrumente für eine gelingende laterale Führung dargelegt.

Das siebente Kapitel begleitet Leserinnen und Leser in eine „Führungswerkstatt“. Neben Hinweisen zur Frage, wie Erwachsene effektiv und effizient lernen können, erhalten wir Tipps zu sinnvollen Fortbildungen vor und beim Wechsel in eine (neue) Führungsposition sowie Informationen zu den Themenkomplexen Mentoring, Coaching und Führungsseminare. Den beiden Autoren gelingt es, nachvollziehbar zu vermitteln, dass mit einer neuen Führungsposition erhebliche Veränderungen verbunden sein können und bisherige Erfolgsrezepte nicht mehr unbedingt taugen. Deutlich wird: Gerade das Erlernen bzw. Optimieren von Führungskompetenz ist harte Arbeit und sollte im Zuge eines ständigen Verbesserungsprozesses von den Betroffenen nicht unterschätzt werden.

Das achte Kapitel geht auf die Frage ein, welche Reflexionen nach einem Jahr Führungserfahrung angezeigt sind. Sinnigerweise ist dieser Abschnitt mit „Boxenstopp“ überschrieben. Wir lernen bei der Lektüre, nach welchen Kriterien man sein erstes Jahr als Führungsperson bewerten kann, wie ein diesbezügliches „360° Feedback“ aussieht, aber auch wie man feststellen kann, welches Potenzial noch in einem steckt, wie man sein eigenes führungsbezogenes Leitbild entwerfen kann und welchen Gewinn regelmäßige Reflexionen und Bilanzen bedeuten können. Dass es dabei nicht nur um materiellen Erfolg gehen kann, sondern auch um Werte und kraftvolle Visionen, erkennen wir am Unterabschnitt „Zukunftsplanung“, in welchem die Übung „Mein persönlicher Nachruf“ empfohlen und erklärt wird.

Im abschließenden neunten Kapitel wird aus dem „Nähkästchen“ geplaudert. Die beiden Autoren haben hierfür Führungskräfte über ihre Erfahrungen mit den ersten 100 Tagen in der neuen Position befragt und wesentliche Tipps für einen gelungenen Einstieg aus Sicht erfolgreicher Praktiker herausgearbeitet. Wir lernen in diesem Kapitel beispielsweise, was Personalentwickler als optimale Vorbereitung ansehen, was Chefs damals als wesentliche Hindernisse bei ihrem Einstieg erfahren haben und was Personalentwickler neuen Führungskräften wirklich raten können.

Diskussion

Im Gegensatz zu den meisten Ratgeberbüchern für angehende Führungskräfte handelt es sich hier um eine durchgehend praxistaugliche Publikation, die zwar auf aktuelle wissenschaftliche Grundlagen nicht verzichtet, diese jedoch ansprechend und für den Alltag tauglich aufbereitet. Das Buch führt angehende Führungskräfte gut strukturiert in die neue Aufgabe und vor allem in die neue Rolle ein, es berücksichtigt gleichermaßen die im Führen und Leiten notwendige Fähigkeit zur Selbstreflexion wie zur Reduktion von Komplexität inklusive der Fähigkeit zum Umgang mit unterschiedlichen und widersprüchlichen Anforderungen. Das Buch kann u.E. auch nach den ersten einhundert Tagen als Nachschlagewerk noch einen durchaus hohen Nutzwert aufweisen. Es kann auch angehenden Führungskräften in der sozialen Arbeit wie angrenzenden Handlungsfeldern empfohlen werden.

Fazit

Ein sehr hilfreicher Vorbereiter und Begleiter, wenn es um den Einstieg in eine Führungsrolle geht.


Rezension von
Prof. Dr. Harald Christa
Professor für Sozialmanagement an der Evangelischen Hochschule Dresden mit Schwerpunkt Sozio-Marketing, Strategisches Management, Qualitätsmanagement/ fachliches Controlling.
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Zitiervorschlag
Harald Christa. Rezension vom 05.02.2014 zu: Helmut Hofbauer, Alois Kauer: Einstieg in die Führungsrolle. Praxisbuch für die ersten 100 Tage ; mit Interviews aus der Praxis ; [mit Sonderkapitel "Laterale Führung"]. Hanser Verlag (München) 2012. 4., erweiterte Auflage. ISBN 978-3-446-43188-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16235.php, Datum des Zugriffs 15.07.2020.


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