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Armin Wöhrle, Reinhilde Beck et al.: Grundlagen des Managements in der Sozialwirtschaft

Rezensiert von Prof. Dr. Andrea Hirschfeldt, 27.01.2014

Cover Armin Wöhrle, Reinhilde Beck et al.: Grundlagen des Managements in der Sozialwirtschaft ISBN 978-3-8252-3784-4

Armin Wöhrle, Reinhilde Beck, Klaus Grunwald, Gotthart Schwarz:Grundlagen des Managements in der Sozialwirtschaft. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2013. 257 Seiten. ISBN 978-3-8252-3784-4. 24,99 EUR.
Reihe: UTB - 3784. Studienkurs Management in der Sozialwirtschaft.

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Thema

Im Wesentlichen bietet der Band eine Präzisierung der Sozialwirtschaft auch in ihren Entstehungszusammenhängen und eine Auseinandersetzung mit der Verortung des Sozialmanagements insbesondere in Bezug auf die Soziale Arbeit (auch sozialpolitisch), aber auch gegenüber den Wirtschaftswissenschaften und der Managementlehre.

Herausgeber

  • Wöhrle, Armin (Industriekaufmann, Dipl-Sozialpädagoge, Dipl. Pädagoge), Professor mit dem Schwerpunkten Sozialmanagement, Projektmanagement und Beratung an der Hochschule Mittweida.
  • Beck, Reinhilde (Dipl. Psychologin, Dipl. Pädagogin), Professorin mit den Schwerpunkten Personalmanagement, Change Management/ Organisationsentwicklung, Beratungsmethoden/ Coaching an der Hochschule München.
  • Grunwald, Klaus (Dipl. Pädagoge), Professor mit den Arbeitsschwerpunkten Lebensweltorientierte Sozial Arbeit, Soziale Arbeit in Pflege und Rehabilitation, Sozialmanagement und Sozialwirtschaft, Organisationsgestaltung und -entwicklung an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart
  • Schellberg, Klaus (Dipl. Kaufmann), Professor für Betriebswirtschaft und Sozialunternehmen an der Evangelischen Hochschule Nürnberg
  • Schwarz, Gotthard (Studium der Politik, Geschichte, Soziologie und Philosophie), em. Professor für Politikwissenschaft an der Hochschule München
  • Wendt, Wolf Rainer (Dipl. Psychologe, Case Manager), em. Professor an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart und der Universität Tübingen

Entstehungshintergrund

Neuauflage des „Studienkurses Management in der Sozialwirtschaft“. Nach dem Boom von Studiengängen zur Sozialwirtschaft im deutschsprachigen Raum (vgl. Untersuchungen von Boeßenecker/Markert) erschien es den Herausgebern sinnvoll einerseits Bilanz zu ziehen, andererseits aus verschiedenen Professionen und Blickpunkten die Thematik zu beleuchten – auch angeregt durch die Diskurse in der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Sozialmanagement/ Sozialwirtschaft (INAS).

Aufbau

  1. Kapitel: Sozialwirtschaft (Wendt)
  2. Kapitel: Sozialstaat, Sozialpolitik und (sozial-)politische Steuerung (Beck/Schwarz)
  3. Kapitel: Soziale Arbeit, ihre Selbstverortung und ihr Verhältnis zu Fragen der Steuerung sozialwirtschaftlicher Unternehmen (Grunwald)
  4. Kapitel: Die Wirtschaftswissenschaft und ihr Verhältnis zur Sozialwirtschaft (und zur Sozialen Arbeit) (Schellberg)
  5. Kapitel: Organisationstheorien und Managementlehre (Wöhrle)
  6. Kapitel: Sozialmanagement und Management in der Sozialwirtschaft (Wöhrle)

Zu 1. Präzisierung der Sozialwirtschaft

Wendt betont die Sachzieldominanz sozialer Organisationen als „Solidar- und Versorgungsgemeinschaft“. Er beschreibt die Sozialwirtschaft als Bedarfswirtschaft, die unabhängig von der Sozialen Arbeit entstanden ist (erst im „öffentlichen Gebäude der Wohlfahrt gehen Soziale Arbeit und selbstorgansierte Aktivitäten ineinander über“). Wendt gibt eine Überblick über die historische Entwicklung der Sozialwirtschaft: von der Aufgabenteilung in der Antike (Häuser (oikoi) gehören einem Gemeinwesen (polis) an), über den Beginn der Entwicklungsgeschichte organisierter Sozialwirtschaft im 18. Jhd. (Versicherungen), dem Beginn des theoretischen Diskurses der Sozialwirtschaft (Zeit der Genossenschaftsgründungen in Frankreich und England) sowie der Diskussion zum dritten Sektor seit den 70-ger Jahren bis zu europäischen Entwicklung (Economie Sociale) seit 1989. Sozialwirtschaft findet als Daseinsvorsorge schließlich in einem Spannungsverhältnis zwischen privater Sorgearbeit (caring) und professioneller Versorgung (social care an d helth care) statt. Wohlfahrtsproduktion ist ein dynamischer Transformationsprozess auf verschiedenen Ebenen: sozialpolitischer Makroebene (wohlfahrtsstaatlicher Rahmen u.a. Wettbewerb von Anbietern in einer unterschiedliche Gewichtung von Transferzahlungen (services in cash) und der Art und Weise der Leistungserbringung (services in kind)). Auf der Mesoebene erfolgt als flexible Leistungserbringung unter Beteiligung unterschiedlicher Akteure (Organisationen), auf Individualebene geht es schließlich um Arrangements der Bedarfsdeckung als Mitbestimmung und Mitwirkung. Wesentlich ist das Zusammenwirken der verschiedenen Leistungsbereiche (in öffentlicher, gemeinnütziger und gewerblicher Trägerschaft) im Wohlfahrtsmix. Hybride Organisationen agieren dabei im intermediären Bereich flexibel im “gemischter Wertschöpfung… im Spannungsfeld zwischen Sozialwirtschaft und Bürgerschaftlichen Engagement (new social economy).

Wöhrle zeigt als Entwicklungslinien des Sozialmanagements eine eher unreflektierte Phase gekennzeichnet durch Korporatismus und indifferenten Führungsverständnis (70-ger Jahre, Fortbildungen der Diakonischen Akademie), dem erstem Professionalisierungsschub mit einem eigenständigen Managementverständnis in den 80-ger Jahren (erste Studiengänge, Konzepte und Publikationen), der Ökonomisierungswelle in sozialen und öffentlichen Einrichtungen (Neues Steuerungsmodell) als Kennzeichen des aktivierenden Staates in den 90-ger Jahren (Boom von Studiengängen an Hochschulen, auch Masterstudiengänge) sowie einer Selbstverortungsphase bis in die 2000-er Jahre hinein, gekennzeichnet durch ein eigenständiges Verständnis (Fachzeitschrift Sozialwirtschaft, Reihe im ZIEL-Verlag, Messe CONSozial, Bundesarbeitsgemeinschaft und Internationale Arbeitsgemeinschaft Sozialmanagement/ Sozialwirtschaft) und schließlich einem aktuellen zweiten Professionalisierungsschub mit eigener Theoriebildung und internationalen Kongressen. Der Autor gliedert Soziale Arbeit als Dienstleistung ein, verdeutlicht die Kennzeichen des Leistungsspektrums sozialer Dienstleistungen und ordnet die Organisationen dem Dritten Sektor, NGO bzw. NPO zu. Herauszuheben sind sowohl die Sichtweise der Wirtschaftswissenschaften (Unterscheidungsmerkmale: Einbeziehung bürgerschaftlichen Engagements, nicht-schlüssiges Tauschverhältnis im sozialwirtschaftlichen Dreieck, unklarer Kundenbegriff, Sachzieldominanz) als auch der Sozialen Arbeit auf die Sozialwirtschaft (Differenzierung des Kundenbegriffs vor dem Hintergrund des doppelten Mandats, Durchsetzung nicht abgesicherter Bedarfe und Bedarf nach entsprechenden sozialwirtschaftlichen Konzepten, komplexere Rechenschaftslegung ohne Nachweis der Wirksamkeit, Change Management als Agieren in gesellschaftlichen und politischen Wandlungsprozessen). Die Bezüge zur Sozialen Arbeit werden dabei allerdings nicht immer deutlich. Wesentlich sind die Begriffsklärungen des Managens: Management der Sozialen Arbeit, Sozialmanagement, Management in der Sozialwirtschaft und des Sozialen. Hier erfolgt eine hilfreiche Einordnung bezüglich verschiedenen Ebene (Makro-, Meso- und Mikroebene) und Feldern der Sozialen Arbeit. Diese wird der Komplexität des Steuerns sozialer Organisationen gerecht.

Zu 2. Bezüge zwischen Sozialer Arbeit und Sozialmanagement

Grunwald erläutert zunächst was unter Sozialer Arbeit als Disziplin (Wissenschaft) bzw. Profession (Beruf) zu verstehen ist. Er benennt acht „Kristallisationspunkte der Theoriebildung“ sowie drei Querschnittsdimensionen der Sozialen Arbeit, die Disziplin, Profession und Praxis miteinander verknüpfen. Diskutiert wird, welches Steuerungsverständnis der Steuerung Sozialer Organisationen zugrunde liegt. Ausgehend von einer grundlegenden soziologischen wie auch betriebswirtschaftlichen Unterscheidung in Steuerung und Regelung werden vier verschiedene soziologische Steuerungskonzepte unterschieden und ihre Verbindungen zur Managementlehre aufgezeigt. Die plandeterminierte Steuerung wird dabei aufgrund der Unbeherrschbarkeit einer sich wandelnden Umwelt und der Eigendynamik und Komplexität sozialer Organisationen abgelehnt. Inkrementalistische Steuerung wird allgemein wegen des Ausblendens mikropolitischer Aushandlungsprozesse, einer Vernachlässigung langfristiger Ziele und der Stärkung von Beharrungskräften abgelehnt. Geplante Evaluation reflektiert Planungsschritte sowie das Vorgehen selber, schafft aber eine Gesamtsicht durch Ortung an den zugrundeliegenden Ideen und Werten. Dezentrale Kontextsteuerung bezieht über interne Selbststeuerung, die jeweiligen Umweltveränderungen ein, lässt somit Eigendynamiken zu. Für die Steuerung sozialer Organisationen sind Komplexität und Flexibilität entscheidend. Die Managementfunktionen (Planung, Organisation, Personaleinsatz, Führung, Kontrolle) stehen nicht in einer Abfolge sondern müssen miteinander vernetzt werden bzw. ihr Verhältnis zueinander variiert nach unterschiedlichen Erfordernissen. Aus dem Lebensweltorientierten Konzept werden Erkenntnisse fürs Management sozialer Organisationen gewonnen: Partizipation ist für die Legitimation der Leitung von Organisationen wichtig, Regionalisierung/ Dezentralisierung für die Koordination verschiedener sozialer Leistungen. Strukturierte Offenheit entspricht den „Dilemmata und Paradoxien“ denen Managementhandeln unterliegen. Schließlich sind sozialwirtschaftliche Organisationen selber Lebenswelten, die es zu gestalten gilt. Weiterhin sind Organisationen in eine Dynamik mit der Umwelt verbunden und damit gesellschaftliches Teilsystem (gesellschaftliche Einbindung). Die Organisationskultur hilft Entscheidungs- und Aushandlungsprozesse zu verstehen. Für ihre Erklärung können wiederum die Lebensweltbezüge herangezogen werden. Soziale Arbeit ist eine personenbezogene Dienstleitung und als solche bereits in den 70-ger Jahren gesellschaftstheoretisch und sozialpolitisch diskutiert. Sie verfolgt dabei eine Dienstleistungsstrategie mit den Funktionen Sozial- und Systemintegration. Soziale Dienste bilden den Rahmen als „institutionalisiertes Bedingungsgefüge“. Die soziale Dienstleistung wird determiniert durch interne (AdressatInnen) und externe Strukturelemente (Politik und Öffentlichkeit). Dabei erfolgt eine Abkehr „sozialkontrollierender Funktionen“ (Objekt) zu bedarfsgerechter Leistungserbringung (Subjekt). Vor dem Hintergrund eines neoliberalen Sozialstaatsverständnisses („aktivierender Staat“) und der Ökonomisierung sozialer Leistungen müssen „spezifische sozialpolitische Lösungen… entwickelt und postuliert werden“ (Stichwort: Vom Sozialmanagement zum Management des Sozialen).

Beck und Schwarz erläutern den politischen Kontext, welcher Sozialmanagement beeinflusst. Ziel dabei ist ein hinreichendes Verständnis „für die ökonomischen, sozialen und politischen Einflussgrößen und Veränderungen zu vermitteln, an denen sich Sozialmanagement … normativ und strategisch ausgerichtet hat“. Grundlegend werden die Besonderheiten des deutschen Sozialstaates (3-Sektoren Modell, Entwicklung des Sozialstaates) mit seinen Funktionen, Interpretationen und Gestaltungsprinzipien (Äquivalenz-, Solidaritäts-, Subsidiaritätsprinzip sowie Probleme des Kausalprinzips und Finalprinzip als Alternative) und die Hilfesysteme (Versicherung, Versorgung, Sozialhilfe) dargelegt. Aufbauend werden Konstruktionsprinzipien und Strukturen des Sozialstaates (Bund, Länder und Kommunen) sowie das neoliberale Sozialstaatsmodelle aufgezeigt und auf die Krise des Sozialstaates eingegangen. Schließlich werden vor einem umfassenden politischen und wirtschaftlichen Hintergrund (Makrostruktur) Sozialstaat, -politik und Sozialmanagement betrachtet. Hervorzuheben sind die daraus erarbeiteten Anforderungen ans Sozialmanagement, die eine zunehmend technisch-managementorientierte Ausrichtung kritisieren und eine politische einfordern („Einmischung in Diskussionen um Reform, Weiterentwicklung und Stabilisierung des Sozialstaates… Diskussion um Normen, Werte und ethische Grundsätze, die den von der Verfassung vorgeschriebenen Zusammenhang von Menschenwürde, Demokratieprinzip sowie Sozial- und Rechtsstaat respektieren und seinem schleichenden Erosionsprozess entgegenwirken und als Korrelative sozialer Ungleichheiten wirken.“).

Zu 3. Bezüge zwischen Wirtschafts- und Managementwissenschaften und Sozialmanagement

Schellberg begründet die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit aus deren Funktionsproblemen sowie Steuerungsvakuum, „auf das die Wirtschaftswissenschaft … eine passende Antwort hat“. In seinem Beitrag begibt er sich auf die Suche nach ökonomischen Konzepten für die Soziale Arbeit. In der Standortbestimmung werden Wirtschaftswissenschaften als Teilgebiet der Sozialwissenschaften betrachtet und haben in Bezug auf Soziale Arbeit die Funktion das Knappheitsproblem in sozialen Organisationen zu lösen (Verbesserung organisatorischer Bedingungen, zielgerichtetere und wirksamere Ausrichtung der Prozesse). Die Strukturen des Sozialmarktes werden analysiert (zweistufige Dienstleistungsproduktion, mehrdimensionaler Kundenbegriff, Bewertungsmaßstab für das Kosten – Nutzen – Verhältnis, Bedürfnisse und (Hilfe-)Bedarf als Synergien zwischen Wirtschaft und Sozialer Arbeit, Wirtschaftseinheiten der Sozialwirtschaft aus ökonomischer Sicht). Der Stand der ökonomischen Analyse der Sozialwirtschaft wird anhand der Übertragung der Allokationstheorie und Wirtschaftsökonomik auf den Sozialen Bereich, Wirkungsmessung (Social Return on Investment) sowie der Anwendung neuer Institutionenökonomik auf Sozialunternehmen erhoben. Die Betriebswirtschaftslehre von Sozialunternehmen vertiefend verdeutlicht: Ausgehend vom Systemmodell eines Betriebes werden die Bedingungen von Sozialunternehmen aufgezeigt, die Einfluss auf die Beziehungen der Marktpartner nehmen (Soziale Arbeit als personenbezogene Dienstleistung, Organisation des Sozialmarktes und Angebotsstruktur öffentlicher und freier Wohlfahrtspflege). Herauszustellen ist die Entwicklung eines Ordnungsschemas für die Gestaltung der betrieblichen Funktionen in Sozialunternehmen (Marketing, Beschaffung/ Logistik, Produktion, Rechnungswesen, Kostenrechnung, Controlling, Finanzierung/ Investment, sozialwirtschaftliche Finanzierung, Organisationen, Rechtsformen, strategisches Management/ Unternehmensführung, Personalwesen, Personalführung und -entwicklung, Qualitätsmanagement). Diese erfolgt anhand Erläuterungen der betrieblichen Funktionen und einer tabellarischer Darstellung differenziert nach Dienstleistungen, Organisationen des Sozialmarktes, Wohlfahrtsverbände/ NPO’s/ öffentliche Einrichtungen sowie Besonderheiten der Sozialen Arbeit. Es werden verschiedene Entwicklungslinien und -bedarfe einer Betriebswirtschaftslehre für Sozialunternehmen erkannt. Ausgehend davon, dass es verschiedene Überschneidungsbereiche gibt (Adaption betriebswirtschaftlicher Konzepte, Erweiterung betriebswirtschaftlicher Funktionen als Spezialgebiete/ Themen angrenzender Gebiete bzw. grundlegende Neuentwicklungen der Betriebswirtschaftslehre für den Sozialbereich). Letztere werden dezidiert aufgezeigt: Zieldefinitionen (ideeller) Sozialunternehmen, strategische Planung und Marktgestaltung, Gestaltung der Produktion und Wertschöpfung [Hervorhebung Wertshop], besondere Funktionen sozialwirtschaftlicher Finanzierung. Als weitere wird – leider ohne nähere Ausführungen – Marketing sozialer Dienstleistungen gegenüber zwei Kunden benannt.

Wöhrle ergänzt in Bezug auf den ersten Band von 2003 „grundlegende Bezüge zu Organisationstheorien und Managementlehre“. Zunächst werden Organisationstheorien dargestellt (Taylorismus, Bürokratiemodell, Verhaltenswissenschaftliche Ansätze und Human-Ressource-Ansätze). Er unterstreicht die Bedeutung systemtheoretischer Ansätze einerseits als „Zusammendenken von Mensch und Organisation“, andererseits als „Überwindung linearen Denkens“ und damit der Akzeptanz von Eigengesetzlichkeiten, welche eine Brücke zum Management bilden. Über die Organisationskultur gelingt schließlich eine Verbindung zu den Theorien der Sozialen Arbeit (Lebenswelt [Schütz], Milieubildung [Böhnisch], Alltag [Thiersch] und sozialpädagogischer Theoriebildung [Grundwald]). Die Stärke der Organisationskultur wird über die Vielfalt wissenschaftlicher Bezüge verdeutlicht (z.B. Politik- und Verwaltungswissenschaften, Organisationspsychologie, Erziehungswissenschaften). Die Entstehungsgeschichte und Herleitung des Begriffes des Managements werden aufgezeigt und eine Einordnung nach Funktionen (Gestalten, Lenken, Entwickeln) sowie Handlungsebenen (normativ, strategisch, operativ) vorgenommen. Es gelingt eine Überschaubarkeit über eine Einordnung der Vielzahl der Managementansätze in rationales Handeln in geschlossenen Systemen (1900-30), soziales Handeln in geschlossenen Systemen (1925-55), rationales Handeln in offenen Systemen (1955-70) und soziales Handeln in offenen Systemen (ab 1970). Anhand dessen wird eine Entwicklung von einem umfassenden Steuerungsverständnisses hin zu flexiblen, mit den Beteiligten abgestimmten Prozessen, um einer zunehmenden Komplexität zu begegnen, aufgezeigt. Hervorzuheben ist, dass dieses „Umdenken“ anhand verschiedener Bilder / Visionen des Managements veranschaulicht wird. Aufbauend auf den Handlungsebenen (s.o.) werden die fünf Funktionen des Managements aus den gängigen Theorien hergeleitet: Planung, Organisation, Personaleinsatz, Führung, Kontrolle (i.S. Controlling). Darauf aufbauend werden Aufgabengebiete innerhalb eines neuen Managementregelkreis, der für die Sozialwirtschaft Anwendung finden kann, zugeordnet (Regelkreis der Verbesserung nach Meinhold/ Matul 2011). Ein wesentliches Augenmerk liegt auf dem Bereich Personalführung. Es werden verschiedene Rollen von Managern (nach Mintzberg) vorgestellt und Führungseigenschaften nach Managementebenen differenziert. Dies entspricht am ehesten den Eigenschaftsansätzen der Führungstheorien. Als Verhaltensansätze werden die Klassifikation von Führungsstilen (von autoritär bis laissez-faire) und das Verhaltensgitter von Blake/ Mouton skizziert und als technokratisches Führungsverständnis identifiziert. Leider fehlt die Einordnung zu diesen Führungstheorien und die Situationsansätze werden gar nicht erwähnt. Die Forschungsrichtungen und Führungstheorien werden stattdessen nach einer zeitlichen Klassifikation in personale, interaktionsorientierte, situative und strukturale Ansätze grafisch aufgezeigt (nach Dammann 2007), aber nicht näher erläutert. Leadership erfährt eine besondere Würdigung: Es wird nach Management und Führung (R. Berger) sowie Management (sachorientiert) und Leadership (personenorientiert) unterschieden und in Bezug zu den Anforderungen an Organisationen gesetzt sowie zu Change Management (Management als Arbeiten im System, Leadership als Arbeiten am System). Als zentrale Bedeutung für Führungskräfte wird der Umgang mit Dilemmata und Paradoxien erkannt: „Analog der zentralen Funktion der Reduktion von Komplexität des Systems Organisation kommt dem Management die Funktion der Absorption von Ungewissheit zu“. Führungskräfte stehen unter der doppelten Anforderung sowohl Komplexität reduzieren als auch systematisch erhöhen zu müssen. Als zentrale Bewältigungsstrategie wird schließlich „Personal Governance“ erkannt.

Diskussion

Mit den „Grundlagen des Managements in der Sozialwirtschaft“ ist mehr als eine Neuauflage gelungen. Sowohl die Breite der Sozialwirtschaft/ des Sozialmanagements wird durch die Selbstverortung und Bezugsetzung zur Sozialen Arbeit und Sozialpolitik als auch zur Wirtschaftwissenschaft und Managementlehre aufgezeigt; als auch in der Tiefe präzisiert und erweitert (z.B. Besonderheiten der Betriebswirtschaftslehre von Sozialunternehmen, Regelkreis der Verbesserung) und (weiter-)diskutiert (z.B. (Weiter)Entwicklung der Sozialwirtschaft als politisches Verständnis Beck/Schwarz bzw. „vom Sozialmanagement zum Management des Sozialen“, Grunwald), als auch durch aktuelle Diskurse ergänzt (z.B. Wohlfahrtsmix, wechselwirkende Managementfunktionen, reflektiertes Steuerungsverständnis, Leadership).

Die Herausgeberschaft hat einen klaren Lehrbuchcharakter: Jedes Kapitel schließt mit Kontrollfragen ab. Zudem werden im Anhang erläuternde Antworten der Autoren zu den Kontrollfragen gegeben (Stn. 235 – 251). Leider werden ausschließlich im Beitrag Beck/Schwarz Lernziele zu Beginn jedes Hauptkapitels aufgezeigt. Die Beiträge unterscheiden sich auch bezüglich des Detaillierungsgrades der Kontrollfragen: So stellen lediglich Beck/Schwarz nach jedem Teilkapitel Kontrollfragen, bei den anderen Autoren reicht der Umfang des Fragenkataloges von drei Fragen (Wendt und Wöhrle) bis zu 26 Kontrollfragen (Schellberg).

Man würde sich mehr Bezüge zwischen den einzelnen Beiträgen wünschen. Lediglich Wöhrle greift in seinem Beitrag zu Organisationstheorien und Managementlehre einleitend die vorangegangenen Beiträge als Hinführung zur Thematik auf (S. 157) und stellt auch inhaltlich bezüglich der Steuerung sozialer Organisationen einen Bezug zum Beitrag von Grunwald her (S. 171).

Fazit

Die Herausgeberschaft ist aufgrund der aufgezeigten Breite als auch Tiefe der Sozialwirtschaft sowohl als Lehrbuch für Studiengänge der Sozialen Arbeit und des Sozialmanagements und im Weiterbildungsbereich geeignet, als auch als für das interessierte Fachpublikum (Leitungskräften von Sozialen Organisationen). Ferner finden sich Anregungen für die Weiterentwicklung von Sozialwirtschaft und Sozialmanagement in der wissenschaftlichen Community.

Rezension von
Prof. Dr. Andrea Hirschfeldt
Professur für Sozialökonomie und Sozialpolitik, Ostfalia Hochschule für Angewandte Wissenschaften
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ISSN 2190-9245