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Wilhelm Schwendemann, Hans-Joachim Puch (Hrsg.): Theorie - Praxis - Partizipation

Cover Wilhelm Schwendemann, Hans-Joachim Puch (Hrsg.): Theorie - Praxis - Partizipation. FEL Verlag Forschung Entwicklung Lehre (Freiburg) 2013. 310 Seiten. ISBN 978-3-932650-62-8.

Evangelische Hochschulperspektiven Band 9. In Zusammenarbeit mit Richard Edtbauer und Alexa Köhler-Offierski.
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Herausgeber

Die Herausgeber sind hauptberuflich in der Lehre verankert. Prof. Dr. rer. pol. Puch ist Präsident der Evangelischen Hochschule Nürnberg und hat seinen Arbeitsschwerpunkt in den Bereichen Organisation und Management Sozialer Arbeit. Prof. Dr. phil. Schwendemann lehrt an der Evangelischen Hochschule Freiburg Evangelische Theologie sowie Schul- und Religionspädagogik.

Entstehungshintergrund

In dieser Buchreihe führen die AutorInnen der beteiligten Hochschulen einen fachlichen Diskurs zu den Begriffen wissenschafts- und handlungstheoretischer Reflexion: Theorie, Praxis und Partizipation.

Aufbau

Puch und Schwendemann machen in Theorie-Praxis-Partizipation: Einleitende Bemerkungen der Herausgeber zu den Ursprüngen der Begriffe Theorie, Praxis und Partizipation. Ausgehend von der Unterscheidung der Begriffe Theorie und Praxis im antiken Griechenland wird der inhaltliche Bogen über biblisch-theologische Perspektiven hin zur Betrachtung in der Moderne gespannt.

Der weitere Aufbau orientiert sich an den drei im Titel benannten Stichworten.

Zu I Theorie

Im ersten Beitrag geht J. Th. Höring der Frage nach: Ist Diakoniewissenschaft Theorie der Praxis der „liebe[n] Not“? Zur Beantwortung der Frage nimmt der Autor unterschiedliche Texte zur Hilfe und ordnet die Lehre der Inneren Mission / Diakonie/ Diakoniewissenschaft in die sog. Praktische Theologie ein. Die drei Leitbegriffe werden vor dem Hintergrund der Diakonie(wissenschaft) diskutiert. Schlussendlich bekennt sich Höring zu den Spannungen zwischen christlichen Ansprüchen und weltlichen Anforderungen.

Gerechtigkeit als Beteiligung und Anerkennung – wertschätzender Umgang in der Jugendhilfe legt den Focus auf die Partizipation. Wie sie funktioniert wird exemplarisch am Sozialen Arbeitskreis Lörrach gezeigt, der ein umfassendes Jugendhilfeangebot zur Verfügung stellt. Verwirklichung(schancen) finden und entwickeln die Jugendlichen in sozialen Räumen und in der Begegnung mit unterschiedlichen sozialen Herkunftsgruppen.

Chr. Bruker und B. Schumacher betrachten Inklusion zwischen normativem Anspruch und beruflichem Alltag. Es wird mit Hilfe einer organisationssoziologischen Analyse untersucht, wie Inklusion von Menschen mit Behinderung in Unternehmen, beispielhaft im Modellprojekt des KVJS, erfolgt.

Die Notwendigkeit der Qualitätsentwicklung (QE) an Hochschulen liefert den Inhaltlichen Rahmen für Lernen durch Beteiligung – theoretische und konzeptionelle Überlegungen zur QE an Hochschulen. Die Verbindung von individuellem Lernen und der „lernenden Organisation“ bilden die Basis für die gelingende Qualitätsentwicklung. Und obwohl QE eine zentrale Führungsaufgabe ist, führt sie nur zu nachhaltigem Erfolg, wenn alle Mitglieder der Organisation mit einbezogen werden, so J. König.

Das Phänomen Theorie – Praxis als Erkenntnisgemeinschaft basiert auf der (scheinbaren) Kluft zwischen Theorie und Praxis, die den Studierenden der Gesundheits- und Pflegepädagogik während des Studiums bewusst wird. Nach der Betrachtung dieses Phänomens unter den Perspektiven von Theorie, Praxis und Erkenntnis gibt M. Schüßler Empfehlungen zur Gestaltung des Verhältnisses zwischen Theorie und Praxis. (vgl. S 79)

G. Kleiner stellt die Frage: Partizipation durch Gemeinwesenarbeit? und nimmt ebenfalls Bezug auf Ermöglichungsspielräume und Verwirklichungschancen. Die Autorin zeigt, wie die traditionsreiche GWA anschlussfähig an aktuelle sozialpolitische Entwicklungen wird und unterstützt Menschen auch in ihrer Weise sich zu mündigen Bürgern zu entfalten.

A. L. Knörr/ M. Lautenschläger untersuchen … Themen und Schwerpunkte studentischer Abschlussarbeiten des Fachbereichs Pflege- und Gesundheitswissenschaften der Evangelischen Hochschule Darmstadt…Die Analyse belegt einen engen Zusammenhang der Themen zu aktuellen gesundheitspolitischen Themen und deren Einfluss auf die Profilbildung des Studienganges.

Daran schließen sich die Betrachtungen von D. Wilborn et. al. an, die die Wissensbedürfnisse von Pflegenden zum Thema „Systematische Übersichtsarbeiten“ analysieren. Dabei stießen die WissenschaftlerInnen auf eine wahrscheinliche Diskrepanz zwischen vorhandenen Wissensquellen sowie deren Nutzbarmachung. Daraus ergeben sich nicht nur Schlussfolgerungen für das Studium sondern auch für gezielte Fort- und Weiterbildungen.

M. Wünsche verweist in seinem Beitrag „Individualisierte Förderung kindlicher Bildungsprozesse: Kooperation und Ko-Konstruktion von Hochschule und kindheitspädagogischer Praxis“ auf das intensive Zusammenwirken von Hochschule und Praxis (Kita), speziell im Prozess der Erstellung Individueller Curricula für das einzelne Kind. Zusätzlich wird ein Beobachtungs- und Reflexionsverfahren für die Arbeit mit den Kindern auf seine Güte überprüft.

Das Praktische Studienjahr der ReligionspädagogInnen der Evangelischen Hochschule Nürnberg wird unter dem Focus Wissensmanagement… reflektiert. Wobei neben Wissenserwerb sowie -transfer auch die gezielte Arbeit an den Schnittstellen beschrieben wird.

Das Forschende Lernen… steht im Mittelpunkt des Beitrages von Sommer-Himmel/ Link. Vorgestellt wird die „Praxisforschung“ als unterstützendes Lehr- und Lernformat für berufsbegleitende Studierende bei der Ausbildung ihrer professionellen Identität.

Vor dem Hintergrund von Bologna stellt K. Winkler … Hochschuldidaktische Überlegungen zu Lehr- und Forschungsprojekten mit Studierenden an. An einem Beispiel wird das Prinzip des forschenden Lernens anschaulich dargestellt.

Zu II Praxis

Der 2. Teil wird mit Thesen zur Inklusion von Th. Klie eingeleitet, die Profil und Kraft von Inklusion verdeutlichen.

Exemplarisch an einem Lehr-Praxis-Projekt werden die Integration von Bindungstheorie sowie das Mentalisierungskonzept in die Fortbildung von ErzieherInnen diskutiert.

Müller-Giebeler setzt sich mit Fragestellungen an Theorie und Empirie der Frühpädagogik… auseinander. Dabei wird die Entwicklung der Frühpädagogik der letzten 10 Jahre reflektiert. Soll diese gelingen, so das Fazit, muss Kita neu „gedacht“ werden.

Zu III Partizipation

E. Schierer widmet sich den Entwicklungslinien sowie dem Stand der Partizipation von Kindern und Jugendlichen in den stationären erzieherischen Hilfen. Der Beitrag endet optimistisch mit der Feststellung, dass Kinder und Jugendliche in den stationären Einrichtungen über ausreichend Kompetenzen verfügen, um sich für ihre Rechte einzusetzen. Dies sollte auch Gegenstand von Forschungen sein.

Daran knüpft D. Gutknecht an, die die Partizipation von Kleinstkindern in den Focus rückt. Die Autorin geht der Frage nach, „wie das pädagogische Handeln mit Babys und Kleinstkindern gestaltet sein muss, um Formen der Partizipation im Krippenalltag zu ermöglichen.“ (S.235)

Geissler-Frank und Toens thematisieren die Partizipation von Kindern und Eltern am Hilfeplanverfahren.

Zu IV Anhang

Im Anhang finden sich Publikationen der beteiligten Hochschulen sowie Angaben zu den AutorInnen.

Diskussion

Dieser Band fügt sich aus einer großen Zahl wissenschaftlicher Beiträge rund um die Leitbegriffe „Theorie-Praxis-Partizipation“ zusammen. Und obwohl die einzelnen Artikel sich den Leitbegriffen unterordnen, beziehen sie sich aufeinander. Die Lehre greift in konkrete soziale Arbeit (z.B. Kita) ein und reflektiert gleichzeitig die Evaluationsergebnisse in die Lehre und Forschung. Neue Formen der Lehre und des Lernens entwickeln sich in diesem Zusammenspiel und machen für den Leser die Lebendigkeit von Forschung und Lehre sichtbar. Dieses Buch ist im Grunde ein Prozess, an dem der Leser teilhaben kann: der Prozess der wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Suche nach der methodischen Umsetzung der Leitbegriffe. Mit Spannung können die LeserInnen mit den Studierenden in ihre Profession hineinwachsen. Somit ist dieses Buch Anregung zur Reflexion über das Verhältnis von Theorie und Praxis und der bedingungslosen Teilhabe, auch schon für Kleinstkinder.

Fazit

Dieser Band eignet sich in besonderer Weise für das Studium in einschlägigen Fachbereichen. Es finden sich Anregungen für das Studium sowie die Lehre. Anschaulich wird Theorie-Praxis-Partizipation miteinander verbunden. Wesentliche Fragen u.a. zur Professionalisierung berufsbegleitender Studierender, zur Arbeit in der Kita, zu neuen Lernformen werden diskutiert. Lehrkräfte, Studierende und PraktikerInnen finden Anregungen für die Lehrgestaltung, Projekte und natürlich zum Weiterdenken der drei Leitbegriffe. Dieses Buch ist absolut empfehlenswert, denn bei der Themenvielfalt finden sich alle LeserInnen in verschiedenen Artikeln wieder.


Rezensentin
Prof. Dr. phil. Barbara Wedler
Homepage www.sa.hs-mittweida.de/professuren/prof-dr-phil-bar ...
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Zitiervorschlag
Barbara Wedler. Rezension vom 24.07.2014 zu: Wilhelm Schwendemann, Hans-Joachim Puch (Hrsg.): Theorie - Praxis - Partizipation. FEL Verlag Forschung Entwicklung Lehre (Freiburg) 2013. ISBN 978-3-932650-62-8. Evangelische Hochschulperspektiven Band 9. In Zusammenarbeit mit Richard Edtbauer und Alexa Köhler-Offierski. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16240.php, Datum des Zugriffs 19.11.2018.


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