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Friederike Potreck-Rose, Gitta Jacob: Selbstzuwendung, Selbstaktzepanz, Selbstvertrauen

Rezensiert von Dr. Kirsten Oleimeulen, 25.07.2014

Cover Friederike Potreck-Rose, Gitta Jacob: Selbstzuwendung, Selbstaktzepanz, Selbstvertrauen ISBN 978-3-608-89148-5

Friederike Potreck-Rose, Gitta Jacob: Selbstzuwendung, Selbstaktzepanz, Selbstvertrauen. Psychotherapeutische Interventionen zum Aufbau von Selbstwertgefühl. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2014. 8., erweiterte und aktualisierte Auflage. 239 Seiten. ISBN 978-3-608-89148-5. D: 26,95 EUR, A: 27,70 EUR, CH: 36,90 sFr.
Reihe: Leben lernen 163
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Die Geschichte vom Löwen, Brunnen und der Maus

Ein Mann geht durch die Wüste und sieht, als er sich umdreht, in der Ferne einen Löwen, der auf ihn zukommt. Er beginnt um sein Leben zu laufen, aber wie schnell auch immer er rennt, der Löwe kommt näher. Wie durch ein Wunder sieht er vor sich einen Brunnen und stürzt sich ohne nachzudenken auf der Flucht vor dem Löwen in den rettenden Schacht, wo er sich gerade noch an einer Schlingpflanze halten kann. Er schaut nach oben und sieht den lechzenden Löwen, er schaut nach unten und sieht den Abgrund des Brunnens. Und wie er da so hängt, kommt ein kleines Mäuschen aus einer Ritze hervor und beginnt, an der Pflanze zu nagen, die sein einziger Halt ist. In dieser ausweglosen Situation fällt sein Blick auf eine rote Beere ganz in seiner Nähe. Er greift nach der Beere, steckt sie in den Mund und siehe da: Sie schmeckt köstlich!

Selbstfürsorge, Selbstakzeptanz und Selbstvertrauen

Selbstfürsorge ist eine Erfahrung der Freude an sich selbst, weil man Zugang zu sich hat. Um diesen Zugang zu finden, braucht es viel Übung. Selbstakzeptanz meint ein fundamentales Annehmen der eigenen Person, das auch die Akzeptanz eigener Schwächen einschließt (Potreck-Rose & Jacob 2007, S. 70). Es gehe darum, sich selbst mit den eigenen Meinungen, Reaktionen, Haltungen und vor allem auch Bedürfnissen wertzuschätzen, damit einverstanden zu sein, auch wenn diese unbequem oder schwierig sind. Selbstakzeptanz meint, zu sich selbst zu stehen, so wie man eben ist und zwar nicht immer hundertprozentig, aber im Großen und Ganzen. Große Bedeutung hat dabei der Körper: das eigene Leib-sein zu akzeptieren sehen die Autorinnen oft als großes Problem insbesondere von Frauen. Selbstvertrauen meint das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, sich zuzutrauen, Aufgaben bewältigen zu können und dies nach eigener Einschätzung gut zu machen. Dafür ist es nötig, die eigenen Grenzen zu kennen und zu respektieren. Dann ist es auch leichter, sich weder zu über- noch zu unterschätzen. Es wird deutlich, dass man sich selbst erst dann vertrauen kann, wenn man sich einigermaßen gut kennt.

Autorinnen

Friederike Potreck-Rose, Priv.-Doz., Dipl.-Psych, ist Psychologische Psychotherapeutin in eigener Praxis in Freiburg im Breisgau. Ausgebildet ist sie in Verhaltenstherapie und in Gestalttherapie. Seit vielen Jahren ist sie als Supervisorin und Dozentin an Ausbildungsinstituten für Verhaltenstherapie in Freiburg, Tübingen, Stuttgart und Zürich tätig, außerdem als Privatdozentin an der Universität Freiburg.

Gitta Jacob, Dr. phil., Dipl.-Psych., Psychologische Psychotherapeutin mit in Verhaltenstherapie, ist an der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Freiburg tätig.

Aufbau und Inhalt

Das Buch „Selbstzuwendung, Selbstakzeptanz, Selbstvertrauen“ setzt sich aus zwei Teilen und acht Kapiteln zusammen:

Teil I: Theorie

1. Zum Stellenwert von Selbstwert, Selbstvertrauen und Selbstakzeptanz in der Psychotherapie. Ein Überblick über die wissenschaftliche und anwendungsorientierte Literatur zeigt, dass es praktisch keine Störung oder Problematik gibt, die nicht mit einem Mangel an Selbstwert oder Selbstvertrauen in Zusammenhang gebracht wird. Dabei können viele verschiedene therapeutische Wege zur Steigerung von Selbstwert und Selbstvertrauen beschritten werden können.

2. Theoretische Grundlagen. Im Grund hat jeder Mensch eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Verfügung, um seinen Selbstwert zu stärken. Der Erfolg selbstwertdienlicher Bemühungen kann sehr unterschiedlich ausfallen. Zum einen hängt er davon ab, wie flexibel eine Person in der Wahl ihrer Selbstwert-Strategien ist, d.h., wie bereit ihr diesbezügliches Repertoire ist und wie leicht es ihr fällt, jeweils passende Vorgehensweisen zu finden. Zum anderen spielt die soziale Akzeptanz der Selbstwert-Strategie bzw. das damit einhergehende Konfliktrisiko eine wesentliche Rolle für den Erfolg der Maßnahme.

3. Die 4 Säulen des Selbstwertes. Vor dem Hintergrund der psychologischen Forschung und Theoriebildung zum Konstrukt des Selbstwertes sowie verwandter Konzepte werden in diesem Kapitel die psychotherapeutischen Perspektiven eines Menschen aufgezeigt, dessen Selbstwert als gesund oder angemessen ausgeprägt betrachtet werden kann. Das hier dargestellte Selbstwertmodell setzt sich aus zwei subjektiven, intrapersonellen Dimensionen (Selbstakzeptanz, Selbstvertrauen) und zwei interpersonellen Dimensionen (soziale Kompetenz, soziales Netz) zusammen.

Teil II: Praxis

4. Stufen der Selbstzuwendung: Sensibilisierung des Ichs. Achtsamkeit beschreibt eine Grundhaltung größtmöglicher positiv gefärbter Aufmerksamkeit auf sich selbst in Bezug auf alle gegenwärtigen Erfahrungen, Erlebnisse und Körperempfindungen. In diesem Sinne werden Grundlagenübungen der Achtsamkeit vorgestellt, die im Sinne des körperlichen Wohlseins, den wertvollsten oder angemessensten Zustand zwischen so viel Anspannung wie nötig und so wenig Anspannung wie möglich, unterstützen.

5. Schritte zur Selbstakzeptanz: Differenzierung des Wertesystems. In diesem Kapitel geht es darum, mit alten dysfunktionalen, vielleicht sogar anachronistischen Lebens- und Benimmregeln aufzuräumen, sie zu entrümpeln und das System von Lebensregeln so zu erneuern, dass es den Prioritäten, den Lebensbedingungen, der Lebensphase der Person sowie ihren Wünschen und Zielen für ihr Leben besser entspricht. In diesem Zusammenhang werden die vier umfangreichen Interventionsvorschläge „die sieben Lebensgebote“, „der Rollenkünstler“, „der Energiekreis“ und „die Energieampel“ vorgestellt.

6. Wege zum Selbstvertrauen: Selbstregulation und Selbstkontrolle. Hier werden praktische Interventionen vorgestellt, die folgende Ziele haben:

  • Stärkung des Vertrauens in sich selbst, sich verändern zu können.
  • Stärkung des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten und Leistungen.
  • Förderung der Entwicklung von Verhalten und Gewohnheiten, die für den Selbstwert förderlich sind.
  • Unterstützung der Veränderung von Verhalten und Gewohnheiten, die den Selbstwert bedrohen.

7. Risiken selbstwertstärkender Interventionen. Die Stärkung des Selbstwertes ist nicht immer und uneingeschränkt sinnvoll. Bei Menschen mit überhöhtem oder extrem hohen Selbstwert, die sich weit über andere stellen und deren Umgebung in der Regel unter ihrem übersteigerten Selbstwert leidet, verbietet sich die Förderung des Selbstwertes als sinnvolles Therapieziel von selbst. Der therapeutische Weg muss immer ein ausbalancierter Zustand zwischen der Achtsamkeit gegenüber anderen und der Fürsorge für sich selbst sein.

8. Interventionen zum Aufbau des Selbstwertegefühls im psychotherapeutischen Gesamtkonzept. Das Abschlusskapitel geht auf die nähere Interventionsplanung ein, die fallspezifische Organisation der selbstwertbezogenen therapeutischen Arbeit anspricht als auch deren Einbindung in ein Behandlungskonzept, das sich nicht ausschließlich auf die Stärkung des Selbstwertes richtet.

Zielgruppe

Das Buch richtet sich an Fachpersonal aus den helfenden Berufen sowie an psychologisch Interessierte und hilfesuchende Menschen.

Fazit

Das Buch „Selbstzuwendung, Selbstakzeptanz, Selbstvertrauen“ von Friederike Potreck-Rose & Gitta Jacob beschäftigt sich mit diesen zentralen Konzepten des Selbstwertes in der Psychotherapie. Es gibt praktisch kaum eine Störung oder Problematik, die nicht mit einem Mangel an Selbstwert oder Selbstvertrauen einhergeht. Dies gilt für psychische Störungen wie Depressionen, Ängste oder Essstörungen, aber auch für Problemverhaltensweisen wie Rauchen oder Aggressivität. Die Autorinnen verzichten auf einige strengwissenschaftliche Faktoren, wie z.B. statistische Angaben und verweisen stattdessen auf die entsprechenden Originalquellen. Einige der genannten Übungen sind erfahrenem Fachpersonal aus helfenden Berufen sicher bekannt. So ergibt sich eine gut lesbare Gesamtdarstellung zum Thema, die einen guten Überblick verschafft, zahlreiche Übungen zur Verbesserung verschiedener Aspekte des Selbstwertes darstellt und gleichzeitig flexible Einsatzmöglichkeiten für Fachpersonal unterschiedlichster Therapieschulen und therapeutischer Richtungen anbietet.

Rezension von
Dr. Kirsten Oleimeulen
Psychologin – Familienberaterin, akkreditierte Psychologin für Gesundheitspsychologie und Prävention (BDP), systemische Familientherapeutin und Supervisorin, online-Beraterin
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Es gibt 96 Rezensionen von Kirsten Oleimeulen.

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Zitiervorschlag
Kirsten Oleimeulen. Rezension vom 25.07.2014 zu: Friederike Potreck-Rose, Gitta Jacob: Selbstzuwendung, Selbstaktzepanz, Selbstvertrauen. Psychotherapeutische Interventionen zum Aufbau von Selbstwertgefühl. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2014. 8., erweiterte und aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-608-89148-5. Reihe: Leben lernen 163. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16261.php, Datum des Zugriffs 18.08.2022.


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