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Montag Stiftung Urbane Räume (Hrsg.): Neue Partner für die Quartiersentwicklung

Cover Montag Stiftung Urbane Räume (Hrsg.): Neue Partner für die Quartiersentwicklung. Die KALKschmiede* in Köln. Methoden - Erkenntnisse - Interviews. transcript (Bielefeld) 2013. 175 Seiten. ISBN 978-3-8376-2664-3. D: 16,99 EUR, A: 17,50 EUR, CH: 24,00 sFr.

Reihe: Urban Studies.
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Thema

Wie sich Quartiere entwickeln, hängt von den Akteuren ab, die es im Quartier entwickeln und hängt davon ab, wie und mit wem man im Quartier Quartiersentwicklung praktiziert. Wir kennen Formen von Public-Private-Partnership in Kommunen in einer ganzen Reihe von Handlungsfeldern – wir kennen sie wenig ausgeprägt im Bereich der Quartiersentwicklung, speziell der Wohnraumversorgung und der städtebaulichen Gestaltung von Quartieren.

Selbst kommunale Wohnbaugesellschaften tun sich schwer, ihre kommunal- oder sozialpolitische Kompetenz vor den wirtschaftlichen Nutzen zu stellen - und gerade im Bereich benachteiligter Quartiere hat kommunale Wohnraumversorgung eine wichtige Funktion im Rahmen kommunaler Sozialstaatlichkeit. Kommunale Wohnraumversorgungskonzepte werden zunehmend eingefordert, die Auskunft geben über die Vorstellungen, wer wo wie wohnen soll. Dabei müssen alle zusammengebracht werden, die sich mit der Wohnraumversorgung beschäftigen – angefangen von der kommunalen Verwaltung über die Immobilien- und Wohnungswirtschaft, die Banken und Kreditgeber bis hin zu Vertreterinnen und Vertreter des Quartiers – Schlüsselpersonen und Bewohnerinnen und Bewohner.

Autorinnen und Autoren

Frauke Burgdorff ist Raumplanerin, leitete das Europäische Haus der Stadtkultur in Aachen und ist derzeit Vorstand der Montag Stiftung Urbane Räume gAG Bonn.

Christian Holl ist Architekt und ist als freier Autor und Kurator tätig. Zudem ist er Geschäftsführer des BDA Hessen.

Im Übrigen ist an dem Projekt das Team Kalkschmiede beteiligt: Marie Charlotte Selter, Susanne Stübben, Enes Biyik, Jennifer van de Loo, Sandra Bernien und Isabell Finkenberger.

Entstehungshintergrund

Die Montag Stiftung Urbane Räume - eine Stiftung, die sich dafür einsetzt, dass Räume „wohnbar“ im umfassenden Sinne sind – hat sich zusammen mit der GAG Immobilien AG (ein Partner der kommunalen Wohnungswirtschaft) zum Ziel gesetzt, den Norden des Stadtteils Köln-Kalk aufzuwerten und die Wohn- und Lebensbedingungen dort zu verbessern. Die KALKschmiede umfasst alle Akteure, die bislang auch dort tätig waren und nunmehr mit Mitteln der Stiftung ein Integriertes Handlungskonzept Kalk Nord 2013+ entwickelt haben und umsetzen wollen.

Aufbau

Nach einem kurzen Vorwort gliedert sich das Buch in vier große Kapitel:

  1. Das Projekt KALKschmiede
  2. Interviewreihe zur Zukunft des Quartiersmanagements in Deutschland
  3. Vier Fragen zu Kalk Nord: Akteure nehmen Stellung
  4. Resümee: Integrierte Stadtteilentwicklung

Den Abschluss bildet ein umfangreicher Anhang, in dem die Autoren, das Team der KALKschmiede und die Montag Stiftung vorgestellt werden sowie Literaturhinweise und Bildnachweise zu finden sind.

Zu 1. Das Projekt KALKschmiede

In ihrer Einführung fragen die Autorin und der Autor „Wie die KALKschmiede entstand, warum die Wahl auf Kalk Nord fiel, welche Ziele das Projekt verfolgte und welche Besonderheiten die KALKschmiede auszeichneten“.

Dabei stießen sie auf fünf Faktoren, die sie für relevant hielten:

  • Das Quartier ist als sozioökonomisch problematisch einzustufen, gemessen an Belastungsindikatoren wie Schulabschluss und SGB II-Bezug;
  • die Wohnungsbestände waren in einem sanierungsbedürftigen Zustand;
  • die öffentlichen Räume waren ungepflegt und unattraktiv;
  • die GAG war als Bestanderhalter ein wichtiger Partner;
  • das Förderprogramm Soziale Stadt lief aus.

Daraufhin wurde das Projekt gestartet und die KALKschmiede sollte zwar experimentell, aber durchaus auch konkret Impulse für Verbesserungen und für die weitere Entwicklung geben.

Die KALKschmiede war die Weiterentwicklung des Quartiersmanagement aus dem Programm der Sozialen Stadt. Es ging den beiden zentralen Akteuren – Stiftung und Wohnungswirtschaft – um die Stabilisierung des Viertels und darum, dass sich die Lebens- und Aufwachschancen verbessern. Es ging um „einfach gut wohnen“.

Im Folgenden werden die Phasen der Arbeit beschrieben und eine erste Bilanz gezogen. 2013 hat die GAG eine Reihe neuer Wohnungen in alten Häusern durch Neubau ersetzt; es gab einen weiteren Partner, der sich für Stadtentwicklung stark gemacht hat und der auch in seine Bestände investiert hat.

F. Burgdorff und C. Holl beschreiben dann den sich entwickelnden Ansatz, der sich vom Quartiersmanagement in drei Punkten unterscheidet:

  • Direktes Agieren und der perspektivische Prozess wurden auf einander bezogen. Während im öffentlichen Raum Diskussionen stattfanden, hat die GAG bereits strategische Entwicklungsperspektiven diskutiert.
  • Die KALKschmiede war als zivilgesellschaftlicher Akteur nicht auf kommunale Fördermittel angewiesen und stand damit auch nicht unter deren Kautelen.
  • Die KALKschmiede hatte die Freiheit, Strategien und Schwerpunkte zu entwickeln, zu verändern und auch zu verwerfen.

Im weiteren Verlauf werden Grundlagen wie die soziale Situation, die Struktur der Wohnungseigentümer, die städtebauliche Gestalt und die Zufriedenheit der Bewohnerschaft mit ihrem Lebensumfeld eruiert, um dann zu theoretischen und analytischen Vertiefungen zu kommen und hypothetische Zusammenhänge herzustellen.

Weiter werden erste Projekte und Initiativen vorgestellt und Handlungsfelder erörtert, auf die sich die Aktivitäten im Quartier konzentrieren sollten: Wohnen, öffentlicher Raum und lokale Ökonomie. Dies wird dann ausführlich dargestellt und begründet.

Weiter erläutern die Autorin und der Autor die neue Rolle der KALKschmiede, die sich aufgrund der veränderten Themenstruktur ergab, was auch zu einer veränderten Kooperationsstruktur führte. Um andere Akteure auch zu gewinnen, löste man sich von der engen Bindung an die Stadt und die Wohnungswirtschaft.

Unter dem Stichwort Werkzeugkasten wird eine Übersicht über die Analyse- und die Handlungsbausteine gegeben, die von der KALKschmiede initiiert, eingeleitet oder unterstützt wurden. So z. B. unter dem Titel „Vorbereiten und Einbeziehen“:

  • Schmieden, Aktionen zum Kennenlernen von Menschen im Quartier oder Kalker Pläne, eine Übersicht über aktuelle und geplante Maßnahmen oder aber auch
  • Kalktauscht, eine Tauschbörse, die sich an bestehenden Festen beteiligt.
  • Bei „Engagement, Bündeln, Dialog fördern“ geht es um das Anstoßen konkreter Verbesserungen. Dazu dienten der Wohndialog, der Runde Tisch Quartiersentwicklung, Perspektiven für die Zukunft schaffen.

Im Kapitel „Themen, Formate, Projekte“ geht es um die Frage, „Wie die Themen den Rahmenbedingungen neu angepasst wurden, welche Methoden in den einzelnen Handlungsfeldern verfolgt und welche Ergebnisse dabei erzielt wurden“.

Hier geht es um die Dimensionen Wohnen, Bildung und Zusammenleben. Unter dem Stichwort Wohnen wird ausführlich zum Wohndialog Stellung bezogen und dargestellt, was wichtig und was kritisch war.

Ebenso wird Nachbarschaft und Zusammenleben thematisiert, Netzwerke und Projekte vorgestellt sowie die Rolle des „Veedelshausmeisters“ als Ansprechpartner, Seismograph und Brückenbauer erläutert. Weiter wurde der Runde Tisch und seine Zusammensetzung vorgestellt.

Auch hier wird noch einmal kurz zusammengefasst, was wichtig und was kritisch war.

Das Thema Bildung wird mit der Vorstellung eines Bildungsatlas eingeleitet, der im Rahmen des Integrierten Handlungskonzepts entstand, Dabei wurden alle kritischen Faktoren der Bildungsbenachteiligung diskutiert, die wir aus anderen Zusammenhängen auch kennen. Auch hier wieder: was war wichtig und was war kritisch?

Das Integrierte Handlungsprogramm Kalk Nord 2012+ beinhaltet „was in Zukunft noch geändert werden muss, wer sich zum Handeln verpflichtet und welche Prioritäten gesetzt werden müssten“. Dieses zentrale Ergebnis der KALKschmiede wird ausführlich erörtert, Intention und Methode vorgestellt, um dann zu drei Maßnahmenpakten zu kommen:

  • Ausbau und Kontinuität der Kinder- und Jugendarbeit und Verbesserung der Elternarbeit, um die Chancen junger Menschen zu erhöhen, ein selbständiges und stabileres Leben zu führen.
  • Bewahrung und Schaffung günstigen familien- und altersgerechten Wohnraums, um auch Menschen, vor allem Familien mittelfristig an das Quartier zu binden.
  • Verbesserung der Aufenthaltsqualität öffentlicher Räume und Freiflächen, damit das Leben wertschätzender gestaltet werden kann.

Weiter werden Handlungsfelder vorgestellt, die dann ausführlich begründet werden: Netzwerk und Zusammenarbeit, Versorgung und Infrastruktur, Alter und Gesundheit, Sicherheit und Sauberkeit, Jugend und Bildung, Wohnen und Wohnumfeld, Nachbarschaft und Zusammenleben sowie Beteiligung und Teilhabe. Diese Handlungsfelder werden bezogen auf die Inhaltsebenen Analyse, Ziele, Indikatoren und Maßnahmen.

Die Handlungsfelder werden beschrieben, indem auf die Ausgangslage eingegangen wird sowie auf Potentiale und Herausforderungen, Wünsche und Empfehlungen.

„Handeln im Rahmen“ ist eine Begründung „warum die Rahmenbedingungen, unter denen die KALKschmiede gearbeitet hat, zum Wesen und zur Qualität dieses Projektes gehören“. Die eher außergewöhnliche Herangehensweise, ohne öffentlichen Auftrag und kommunales Mandat in die Quartiersentwicklung eines benachteiligten Quartiers einzusteigen, hat sicher zunächst auch verwirrt und hat sich im Laufe der Zeit aber zum Positiven gewandelt. Als Absteigerquartier war es offensichtlich auch in der Stadt keine attraktive „Baustelle“. Es ging um Vertrauen schaffen, Bewegung und Entwicklung in den Raum zu bekommen; weiter ging es um praktisches Handeln, um zielgerichtete Moderation und dennoch um gründliche und offene Analysen.

Die Meilensteile des Projekts werden in einer Graphik anschaulich gemacht.

Zu 2. Interviewreihe zur Zukunft des Quartiersmanagements in Deutschland

In diesem Kapitel werden sieben Interviews wiedergegeben, die mit Verantwortlichen und Akteuren im Quartiersmanagement gemacht wurden. Einleitend wird zuvor noch einmal betont, wie wichtig es ist, mit starken Partnern gemeinsam und aktiv gegen sozialräumliche Segregation und ihre negativen Folgen vorzugehen. Weiter plädierten die Autorin und der Autor dafür, Quartiersentwicklung zu Chefsache zu machen.

Bildung, Gemeinwesenarbeit und Teilhabe scheinen die Schlüsselthemen zu sein, für die man sich engagieren muss, wobei auch Bildung in einem umfassenderen Sinne verstanden wird als Schulbildung und Qualifizierung. Und schließlich geht es bei Teilhabe auch um soziale Verortung, um Eingebundenheit in Kommunikationsprozesse und öffentliche Diskurse, um Vertrauen in Strukturen des Quartiers und um das Gefühl der Zugehörigkeit und der Anerkennung.

Und was auch immer kommunale Politik unterstützen kann – es geht auch um andere Akteure, um zivilgesellschaftliche Akteure, aber noch mehr um institutionell verankerte oder um die mit besonderen Interessen dort agierenden Akteure die wesentlich zur Gestaltung des Quartiers beitragen.

„Man braucht eine lange Zeit um soziale Strukturen zu verändern“ – Interview mit F. Bielka, Vorstandmitglieder degewo, dem größten kommunalen Wohnungsunternehmen Berlins und E. Heußen, Unternehmensberater, der mit der degewo zusammenarbeitet, über das Engagement der Wohnungsunternehmen in der Stadteilentwicklung und der Bedeutung von Bildung für die Stabilität im Quartier.

Die Zusammenfassung wird jeweils vorweg gestellt:

  • Stadtteilentwicklung ist ein Interesse der Wohnungsunternehmen wegen ihrer Kompetenzen und weil sie unmittelbar mit den Menschen im Quartier verbunden sind.
  • Ohne Vernetzung der maßgeblichen Akteure ist Quartiersmanagement nur begrenzt wirksam.
  • Nur ein Maßnahmenmix, das individuell auf die Probleme des Quartiers abgestimmt ist und die Lage außerhalb des Quartiers im Auge hat, kann angemessen auf die Probleme des Quartiers reagieren.

„Wir wollen für 90 Prozent der Bevölkerung da sein“ – Interview mit D. Wilde, Vorstand der Hattinger Wohnungsgenossenschaft.

  • Genossenschaften orientieren sich am gemeinschaftlichen Wohl ihrer Mitglieder.
  • Genossenschaften haben keine externen Eigentümer. Deshalb können sie soziale Verantwortung übernehmen, die anderen Unternehmen versagt ist.
  • Die aktuelle Förderpraxis der öffentlichen Hand entspricht vielfach nicht mehr den Bedürfnissen von Wohnungsunternehmen.

„Bildung ist das Thema, um das es geht“ – Interview mit Kirsten Sehgal, die für die Hamburger Laweatz-Stiftung ein Stadtteilbüro leitet.

  • Erfolgreiche Quartiersarbeit braucht engagierte, potente und zugleich verantwortungsvolle Partner.
  • Die Arbeit in der Quartiersentwicklung sollte entbürokratisiert werden, um Menschen vor Ort besser erreichen zu können.
  • Hamburg hat die Förderung der Quartiersentwicklung durch die Finanzierung nicht-investiver Projekte ermöglicht, was zur Verbesserung der sozialen Infrastruktur führte.

„Quartiersarbeit muss auch politisch sein“ – Interview mit J. Barloschky, Mitbegründer des Bewohnertreffs in der Großwohnsiedlung Bremen-Tenever und Anne Knauf, Leiterin der Kita Kinderhafen in Tenever.

  • Quartiersarbeit ist eine Daueraufgabe, solange es Benachteiligung und sozialräumliche Segregation gibt.
  • Quartiersarbeit ist erfolgreich auf der Basis von Engagement und einer intensiven Zusammenarbeit im Sinne von Gemeinwesenarbeit.
  • Erfolgreiche Beteiligung funktioniert, weil Menschen gehört und respektiert werden, weil sie mit entscheiden können und weil die Beschlüsse zu realen Konsequenzen führen.

„Stadterneuerung ist eine gesamtstädtische Aufgabe“ – Interview mit S. Rommelfanger, stellvertretender Leiter des Referats Stadtplanung der Stadt Gelsenkirchen und Leiter der Koordinierungsstelle Stadterneuerung.

  • Effektive Stadtteilentwicklung hängt davon ab, ob die Akteure eigenständig agieren können, aber auch in der Verwaltung feste Bezugspartner haben.
  • Innerhalb der sektoralen Verwaltungsgliederung bedarf es neuer Freiräume für Personen in der Verwaltung, die einen Teil ihrer Arbeit gezielt einem bestimmten Gebiet widmen können.
  • Verstetigung kann nur erreicht werden, wenn in einem Gebiet mit anderen Instrumenten weiter gemacht werden kann.
  • Stadtteilprogramme müssen in ein gesamtstädtisches Entwicklungskonzept integriert werden, um nicht Probleme in andere Gebiete zu verlagern.

„Ohne einflussreiche Fürsprecher geht es nicht“ – Interview mit Th. Krüger, Leiter des Arbeitsgebietes Projektentwicklung und -management in der Stadtplanung an der HCU Hamburg und S. Kreutz und P. Stotz, die wissenschaftliche Mitarbeiter dort sind.

  • Verfügungsfonds sind sinnvoll in der Stadtteilarbeit.
  • Verstetigung braucht bauliche Elemente und stabile Kommunikationsstrukturen im Quartier.
  • Bei segmentierten Zuständigkeiten und Interessen muss die Kommunikation von außen moderiert werden.
  • Die Öffentliche Hand braucht neue Instrumente für die Unterstützung zivilgesellschaftlicher Akteure in den Quartieren.

„Die Rolle der Pioniere!“ - Interview mit Th. Sieverts, Stadtplaner und Hochschullehrer.

  • Die Arbeit unabhängiger Akteure ist eine wichtige Ergänzung der Verwaltungsarbeit, weil sich Verwaltungen mit diesen Themen noch nicht beschäftigt haben.
  • Wir brauchen ein neues Verständnis, das sich am großen Bestand orientiert, wie das Verhältnis von investiven und konsumtiven Maßnahmen ausbalanciert werden kann.
  • Für die Zukunft der Stadtentwicklung wird das kommunikative Verhältnis von unabhängigen Akteuren und der Verwaltung entscheidend sein.

Zu 3. Vier Fragen zu Kalk Nord

Die Mitarbeiter der KALKschmiede haben einer Reihe bestimmter Akteure vier Fragen gestellt, die sie in kurzen Statements beantworteten:

  1. Warum lohnt es sich, sich in Kalk Nord zu engagieren?
  2. Wie hat sich Kalk Nord in den vergangenen Jahren verändert?
  3. Was erhoffen Sie für die Zukunft von Kalk Nord?
  4. Welche Partner müssen in Zukunft gewonnen werden, damit die Entwicklung weiter geht?

Die Akteure stammen aus der Wohnungswirtschaft, von Initiativen, Einrichtungen und Projekten, aus der Politik und der Verwaltung. Diese Statements zu den einzelnen Fragen sind schwerlich zusammenzufassen. Grundsätzlich sehen die meisten eine Notwendigkeit eines Engagements in Kalk Nord (Frage 1); man kann auch bei den unterschiedlichen Akteuren finden, dass sie Veränderungen in Kalk zu einem besseren auch eher verstetigten integrativen Leben und Wohnen feststellen (Frage 2); die Hoffnung für die Zukunft teilen alle Akteure, dass sich verstetigte und nachhaltige Strukturen entwickeln und festigen, die auch Vertrauen in das Quartier erzeugen (Frage 3) und dass sich in Zukunft noch mehr Partner bereit erklären, zusammen mit der Wohnungswirtschaft und der Verwaltung das Quartier zu entwickeln und neue Akteure dazu zu gewinnen (Frage 4).

Zu 4. Resümee: Integrierte Stadtteilentwicklung

In diesem letzten Kapitel werden Erfahrungen reflektiert und neue zivilgesellschaftliche Perspektiven entwickelt, aber auch Fragen aufgeworfen. Welche Chancen haben Menschen in prekären Lebenslagen, noch erschwinglichen Wohnraum zu finden und führt die soziale Spaltung der Gesellschaft auch zu einer sozialräumlichen Spaltung der Städte? Mit welchem Konfliktpotential müssen wir zukünftig rechnen und bedroht das die Integrationspotentiale der Städte und Kommunen? Wie kann gedeihliches Zusammenleben unter den Bedingungen sozialer und kultureller Vielfalt gelingen?

Die Hoffnung auf die Instrumente der Städtebauförderung und vor allem auf das Programm „Soziale Stadt“ ist groß und die Frage ist, wie sich kommunale Wohnbaugesellschaften auf dem Markt verhalten – als Marktteilnehmer nach Marktlogik?

Stadtteilentwicklung muss bei den konkreten Problemen ansetzen, weil man sich nur im Stadtteil angemessen sozial verorten kann, also Vertrauen in die Alltagsbewältigung im Quartier hat, Anerkennung erfährt und ein Gefühl der Zugehörigkeit entwickeln kann. Dazu bedarf es Projekte und Programme, die vor Ort implementiert werden müssen. Dazu braucht es auch einer guten Gemeinwesenarbeit, an deren Grundsätzen sich auch das Quartiersmanagement orientieren soll. Vor allem geht es darum, die Menschen im Quartier zu Akteuren zu machen; man muss mit ihnen und nicht für sie etwas zu entwickeln.

Strategische Stadtentwicklungspolitik muss die Stadtteile in ihrer Eigenart entwickeln und sie gleichzeitig verstehen als Teile eines Ganzen. Das sind Prozesse, die komplex sind und die immer weiter laufen und nie abgeschlossen werden können.

Diskussion

Die Frage wird immer bedeutsamer, mit wem Kommunalverwaltungen zusammenarbeiten sollen, um Quartiere oder gar Städte weiter zu entwickeln. Es geht weniger um Ansprüche an Kommunen, mitreden zu wollen im Sinne von Governance. Vielmehr geht es um das Einholen von Kompetenzen und Ressourcen anderer Akteure und es geht um ihre Einbindung in die Verantwortung für das Gemeinwesen. Dass dies nicht von oben her verordnet werden kann, sondern ein bottom up-Prozess ist, wissen wir aus der Gemeinwesenarbeit und dem Quartiersmanagement. Und gerade die Wohnungswirtschaft ist ein Schlüsselakteur in diesem Prozess, weil es immer um ein gutes Wohnen und ein gelungenes Aufwachsen im Kontext eines Quartiers geht.

Und hier geht es auch um die Frage, wie Verwaltung und Politik mit solchen Akteuren umgeht, ob sie auf Augenhöhe beteiligt sind und freiwillig dabei sind und wie sie ihre Interessen einbringen können. Das sind schwierige Prozesse, die oft auch nur über Moderation bewältigbar sind.

Das Projekt KALKschmiede macht vor, wie komplex diese Prozesse zum Teil auch ablaufen, auch Ambivalenzen und Widersprüche aushalten müssen und dennoch gelingt etwas. Solcher Projekte bedarf es mehr und das Projekt macht auch deutlich, wie die Vorgeschichte der Kommunikation zwischen den Akteuren eigentlich sein muss, damit etwas gelingt. Solche Projekte zeigen eigentlich auch, wie sich Politik und Verwaltung verändern müssen, um den Prozess mit anderen gestalten zu können.

Fazit

Ein gelungenes Werkbuch und für die von Interesse und Bedeutung, die in solche Prozesse vor allem praktisch involviert sind.


Rezension von
Prof. Dr. Detlef Baum
Professor em. Arbeits- u. Praxisschwerpunkte: Gemeinwesenarbeit, stadtteilorientierte Sozialarbeit, Soziale Stadt, Armut in der Stadt Forschungsgebiete: Stadtsoziologie, Stadt- und Gemeindeforschung, soziale Probleme und soziale Ungleichheit in der Stadt
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Zitiervorschlag
Detlef Baum. Rezension vom 19.03.2014 zu: Montag Stiftung Urbane Räume (Hrsg.): Neue Partner für die Quartiersentwicklung. Die KALKschmiede* in Köln. Methoden - Erkenntnisse - Interviews. transcript (Bielefeld) 2013. ISBN 978-3-8376-2664-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16356.php, Datum des Zugriffs 11.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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