socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Jeremias Amstutz: Sozialmanagement und das Verhältnis zur Sozialen Arbeit

Cover Jeremias Amstutz: Sozialmanagement und das Verhältnis zur Sozialen Arbeit. Eine empirische Analyse. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2014. 97 Seiten. ISBN 978-3-658-04541-8. D: 34,99 EUR, A: 35,97 EUR, CH: 44,00 sFr.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Diskursanalytisch beleuchtet Jeremias Amstutz das Verhältnis von Sozialmanagement und Sozialer Arbeit aus einer Metaperspektive. Eine zentrale Erkenntnis ist, dass beide in einer notwendigen Abhängigkeit zueinander stehen, die jedoch von unterschiedlichen Positionen in einem Spannungsverhältnis geprägt ist.

Zielgruppe

Laut Verlag: Dozierende und Studierende des (Sozial-)Managements und Sozialer Arbeit sowie Fach- und Führungskräfte im Sozialbereich, die sich mit Fragen des Spannungsfeldes zwischen ökonomischen und fachlichen Anforderungen in ihrem Berufsalltag auseinandersetzen.

Autor

Jeremias Amstutz, M.A., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut Beratung, Coaching und Sozialmanagement an der Hochschule für Soziale Arbeit, Fachhochschule Nordwestschweiz.

Aufbau

Das Buch umfasst fünf Kapitel.

Zu Kapitel 1: Einleitung

Einleitend führt Amstutz in die Thematik ein. Er benennt zwei disziplinäre Ausrichtungen von Sozialmanagement – eine eher betriebswirtschaftlich und eine eher sozialwissenschaftlich orientierte Ausrichtung. Daraus ergebe sich eine Unklarheit bezüglich der Verortung, die sich auch bei der Analyse verschiedener Studiengänge des Sozialmanagements im deutschsprachigen Raum zeige. Ungeachtet dessen sei den Studiengängen jedoch gemein, dass sie überwiegend an Hochschulen für Soziale Arbeit beheimatet seien. U.a. aus der kurz skizzierten Problematik ergebe sich, dass theoretische Verortung, Gegenstand und Professionalisierungsgrad von Sozialmanagement nicht deutlich zu bestimmen seien, was ebenso auch für die Positionierung innerhalb der Sozialen Arbeit zutreffe. Diese kurz angerissenen Entwicklungen werden zum Erkenntnisgegenstand der Arbeit gemacht. Wobei der Fokus aus einer Metaperspektive auf den in der Fachöffentlichkeit geführten Fachdiskurs zur Thematik gerichtet wird. Es sollen Disparitäten, aber auch Gemeinsamkeiten herausgestellt werden. Amstutz legt seiner diskursanalytischen Untersuchung zwei erkenntnisleitende Thesen zugrunde:

  • „Die Soziale Arbeit wurde schon seit Beginn ihrer Professionalisierung in den 1920er Jahren ‚gemanagt‘. Soziale Organisationen, in deren Kontext Soziale Arbeit erbracht wird, mussten schon damals organisiert, der Mitteleinsatz geplant und die Mitarbeitenden geführt werden. Für die Erfüllung ihres Auftrages mussten schon damals geeignete Rahmenbedingungen bereitgestellt werden und schon damals haben wechselseitige Abhängigkeiten zu Gesellschaft, Politik und Wirtschaft bestanden.“ (S. 13)
  • „Die Soziale Arbeit und der im organisationalen Kontext erbrachte Handlungsvollzug erfordert eine Instanz, die für das Management, also das Planen, Umsetzen und Evaluieren von sozialen Dienstleistungen und die Systemsteuerung (Maelicke 2009: 711ff.) zuständig ist.“ (S. 13)

Ausgehend von diesen Thesen stellt Amstutz die Frage der Definition von Sozialmanagement und des Verhältnisses zur Sozialen Arbeit. Zugleich erfolgt der Hinweis, dass eine präzisere Operationalisierung der Fragestellung im Verlauf der Arbeit erfolgen werde. Es erfolgen sodann knappe einführende Begriffsklärungen: Der Fachdiskurs als Spezialdiskurs wird dahingehend abgegrenzt, dass es ein innerhalb einer Fachöffentlichkeit geführter Diskurs ist, wobei die Fachöffentlichkeit über entsprechende Qualifikationen der Deutung und Analyse verfügt. Sozialer Arbeit wird eine sozialpolitische wie auch Gesellschaft mitgestaltende Funktion zugeschrieben, wozu sie auf eine interdisziplinäre Offenheit zurückgreift. Mit Bezug auf Staub-Bernasconi wird sie als Handlungswissenschaft verortet. Sozialmanagement aus der Perspektive unterschiedlicher Begrifflichkeiten als Untersuchungsgegenstand wird zunächst lediglich umrissen und in seiner Unklarheit beschrieben, um im weiteren Verlauf eine detailliertere Abgrenzung vornehmen zu können.

Zu Kapitel 2: Theoretische Grundlagen. Und zu Kapitel 3: Methodisches Vorgehen

Nachfolgend wird die Methodenauswahl entsprechend des Untersuchungsgegenstandes erläutert. Da das Verhältnis des Sozialmanagements zur Sozialen Arbeit aus der Perspektive subjektiver Positionen von VertreterInnen des Faches untersucht werden soll, wählt Amstutz ein qualitatives Forschungsparadigma. Folgend wird die Diskursanalyse in ihren Grundzügen erläutert. Aus vier skizzierten diskursanalytischen Zugängen und Ansätzen wird die „Wissenssoziologische Diskursanalyse“ nach Keller – die sich durch die Kombination des wissenssoziologischen Ansatzes, der sozialwissenschaftlichen Hermeneutik und der interpretativen Sozialforschung auszeichnet – ausgewählt und näher beschrieben.

Es wird sodann das Diskursfeld eingegrenzt. Der Fachdiskurs zum Thema Sozialmanagement als Gegenstand, Lehrende und Forschende von Hochschulen als Akteure, Begrenzung auf den deutschsprachigen Raum und als zeitliche Eingrenzung die Entwicklungen ab den 1990er Jahren. Amstutz formuliert Suchhypothesen und operationalisiert sie in folgenden Forschungsfragen:

  • „Welche gesellschaftlichen und historischen Ereignisse werden in Zusammenhang mit Sozialmanagement und dessen Entwicklung genannt?
  • Wir wird Sozialmanagement im Fachdiskurs definiert, umschrieben, dargestellt?
  • Auf welche theoretische und konzeptuelle Wurzeln wird Bezug genommen?
  • Welche Anforderungen, Voraussetzungen, Tätigkeiten werden genannt?
  • Welche Themen, Inhalte, Schlüsselbegriffe werden verwendet?
  • Wie wird das Verhältnis zwischen Sozialmanagement und Sozialer Arbeit beschrieben?“ (S. 28)

Als Datenmaterial dienten die internationalen Kongresse, bzw. die zugehörigen Kongressbände, der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Sozialmanagement / Sozialwirtschaft (INAS), da Amstutz davon ausgeht, dass die Kongresse Orte des aktuellen Fachdiskurses unter Beteiligung aller relevanten AkteurInnen darstellen. Insgesamt wurden 71 Beiträge auf Schlüsselwörter, die in Zusammenhang mit dem Forschungsgegenstand stehen, hin überprüft. Nach dieser Vorselektion blieben als Datenkorpus 38 Beiträge, die in einer Feinanalyse mittels eines Analyserasters ausgewertet wurden. Amstutz benennt, dass mit dem Datenkorpus eine (theoretische) Sättigung erreicht werden konnte.

Zu Kapitel 4: Ergebnisse

Einleitend skizziert Amstutz den Fachdiskurs zum Sozialmanagement in der Art, dass er sich „in einem dynamischen Kontext befindet und auf einen breiten Wissensfundus zurückgreifen kann, gleichzeitig aber neue Impulse, insbesondere in Form von Forschung und Theoriebildung benötigt.“ (S. 35) Im Anschluss erfolgt die Ergebnisdarstellung orientiert an den sechs Forschungsfragen. An dieser Stelle sollen die Erkenntnisse lediglich in Auszügen referiert werden:

Ereignisse: Sozialmanagement habe eine dynamische Entwicklung genommen, geprägt von gesellschaftlichen Umwälzungsprozessen, disziplinärer Selbstverortung, Interdependenzen mit Verwaltung und Politik. Es bestehe ein Spannungsverhältnis zwischen AkteurInnen der Sozialen Arbeit und denen des Sozialmanagements. Die Entwicklungen seien noch nicht abgeschlossen.

Definitionen: Verschiedene Begrifflichkeiten, wie z.B. Management in sozialen Organisationen oder Management in der Sozialwirtschaft, verweisen zum Teil auf unterschiedliche Aspekte des Sozialmanagements. Es sind jedoch auch gemeinsame Tendenzen der verschiedenen Aspekte wie auch im Zusammenspiel mit der Sozialen Arbeit erkennbar.

Theoretische / konzeptuelle Grundlagen: Eine einheitliche Theorie des Sozialmanagements bestehe, u.a. aufgrund verschiedener disziplinärer Bezüge und bestehender Begriffsdiffusitäten, aktuell nicht.

Anforderungen: Es bestehe im Fachdiskurs ein einheitlicher Wertebezug des Sozialmanagements, der sich aus den Erfordernissen der Sozialen Arbeit ableiten lasse.

Themen und Inhalte: Die Gegenstandsbereiche im Sozialmanagement seien breit gefächert, dies zeige sich u.a. bei der Betrachtung der unterschiedlichen theoretischen konzeptionellen Ausrichtungen der Ausbildungsinstitutionen.

Verhältnis: Sozialmanagement und Soziale Arbeit agieren in einem Spannungsverhältnis zwischen Gemeinsamkeiten, fachlichen Distanzen und sogar Abwehrhaltungen. Daraus resultiere, dass die jeweiligen Gegenstandsbereiche, aber auch Machtkonstellationen sich noch in einem anhaltenden Klärungsprozess befinden.

Zu Kapitel 5: Erkenntnisse und Diskussion

Abschließend erfolgt die Beantwortung der Forschungsfragen und Bezugnahme auf die erkenntnisleitenden Thesen (siehe oben), welche durch die Untersuchung empirisch bestätigt werden konnten. Amstutz bezieht folgend Position zur Relevanz seiner Ergebnisse. So liege der Untersuchung kein Anspruch auf Vollständigkeit und Repräsentativität zugrunde, insbesondere vor dem Hintergrund, dass aktuelle Grundlagenliteratur, Forschungsergebnisse etc. nicht mit einbezogen wurden. In dem reflexiven Teil diskutiert er den Begriff des „Managerialismus“ im Zusammenhang mit Sozialmanagement und Sozialer Arbeit. Diese Diskussion dient u.a. als Überleitung zu einer eigenen Definition von Sozialmanagement als ein Handlungsfeld innerhalb der Sozialen Arbeit:

„Sozialmanagement ist ein ‚neues‘ Handlungsfeld in der Sozialen Arbeit – in Ergänzung zu den bestehenden Handlungsfeldern […] als ‚Organisationsarbeit‘ zu verstehen – das zuständig ist für die Bereitstellung von Rahmenbedingungen und Handlungsspielräumen auf organisationaler Ebene, damit sich eine professionelle Soziale Arbeit entfalten kann. […] Damit ermöglicht es den Professionellen ‚an der Front‘ die Fokussierung auf ihr Handeln für und mit den Adressatinnen und Adressaten und schirmt sie ab vor fachfremder Einflussnahme. Ebenso beteiligt es sich aktiv am sozialpolitischen Diskurs, mit dem Ziel der Mitgestaltung gesellschaftlicher Modellierung und orientiert sich an den Berufs- und Ethik-Kodices der Sozialen Arbeit […].“ (S. 88)

Diskussion

Amstutz legt mit seiner Untersuchung ein informatives Werk vor, mit dem er Spannungsverhältnisse zwischen verschiedenen Ansprüchen innerhalb des Sozialmanagements wie auch in dessen Bezügen zur Sozialen Arbeit empirisch belegt. Es sei an dieser Stelle lediglich auf zwei ausgewählte Aspekte hingewiesen:

Der Datenkorpus beschränkt sich auf Tagungsbeiträge der INAS (ein Zusammenschluss von Lehrenden und Forschenden im Bereich des Sozialmanagements / der Sozialwirtschaft), aktuell geführte Fachdiskussionen aus weiteren Publikationen, Zeitschriften etc. werden nicht in die Untersuchung einbezogen. Ebenso wird hier eine Perspektive von VertreterInnen des Sozialmanagements dargelegt (die natürlich auch eingebunden sind in Fachdiskurse der Sozialen Arbeit), gegenüberstellend hätten Sichtweisen von VertreterInnen der Sozialen Arbeit jedoch sicherlich interessante Erkenntnisse hervorgebracht. In der Folge erscheint insbesondere die Frage nach dem Verhältnis von Sozialmanagement zur Sozialen Arbeit als überwiegend einseitig beantwortet. Weitere Forschungsleistung wäre hier sicherlich sinnvoll. Amstutz ordnet sein Werk dementsprechend nur folgerichtig als erste Systematisierung und als Grundlage für weitere empirische und theoretische Untersuchungen ein.

Die Verortung des Sozialmanagements als ein Handlungsfeld in der Sozialen Arbeit neben anderen, wie beispielsweise der Einzelfallarbeit, erscheint aus der Perspektive einer sachlogischen Systematik als diskussions- bis gar fragwürdig. Denn – wie Amstutz auch anführt – ist Sozialmanagement die Gestaltung von organisatorischen, sozialpolitischen und professionspolitischen Rahmenbedingungen. Hier wäre dann die Frage zu beantworten, ob beispielsweise die Einzelfallarbeit dies in gleicher Weise wie das Sozialmanagement kann oder ob es nicht zu großen Anteilen um Einseitigkeiten geht?

Fazit

Jeremias Amstutz legt mit seiner Untersuchung ein interessantes Werk zur Verortung des Sozialmanagements vor. Lesenswert insbesondere für Studierende und Lehrende des Sozialmanagements und der Sozialen Arbeit. Hilfreich zum Abbau von Berührungsängsten.


Rezensent
Dr. Florian Hinken
E-Mail Mailformular


Alle 7 Rezensionen von Florian Hinken anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Florian Hinken. Rezension vom 06.02.2014 zu: Jeremias Amstutz: Sozialmanagement und das Verhältnis zur Sozialen Arbeit. Eine empirische Analyse. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2014. ISBN 978-3-658-04541-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16361.php, Datum des Zugriffs 20.02.2019.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung