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Heinz Schuler, Uwe Peter Kanning (Hrsg.): Lehrbuch der Personalpsychologie

Rezensiert von Prof. Dr. Rüdiger Falk, 01.07.2014

Cover Heinz Schuler, Uwe Peter Kanning (Hrsg.): Lehrbuch der Personalpsychologie ISBN 978-3-8017-2363-7

Heinz Schuler, Uwe Peter Kanning (Hrsg.): Lehrbuch der Personalpsychologie. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2014. 3. Auflage. 1274 Seiten. ISBN 978-3-8017-2363-7. D: 99,95 EUR, A: 102,80 EUR, CH: 135,00 sFr.

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Herausgeber, Autorinnen und Autoren

Die beiden Herausgeber sind der emeritierte Professor für Psychologie an der Universität Hohenheim, Prof. Dr. Heinz Schuler und Prof. Dr. Uwe Peter Kanning, der an der Hochschule Osnabrück Wirtschaftspsychologie lehrt.

Insgesamt 32 namhafte Autorinnen und Autoren, die hier nicht alle genannt werden können, haben Beiträge für diese Publikation geliefert. Hervorzuheben ist, dass sich die letzten Publikationen von Prof. Dr. Dr. h.c. Lutz Rosenstiel, dem langjährigen Ordinarius für Wirtschaftspsychologie an der LMU München, in diesem Buch befinden; Lutz Rosenstiel ist am 12. April 2013 verstorben.

Entstehungshintergrund

Die dritte Auflage dieses Lehrbuchs erscheint zwölf Jahre nach der Erst- und sechs Jahre nach der Zweitauflage. Mit diesem Zeitraum wird gleichermaßen der rasante Anstieg des Umfangs der Personalpsychologie und der Studentenzahlen in diesem Fach abgebildet. Als empirisch fundierte Wissenschaft hat die Personalpsychologie zunehmend Wertschätzung sowohl in der „Scientific Society“ – der wissenschaftliche Impact – als auch in Gesellschaft und Wirtschaft gefunden – der gesellschaftliche Impact. Kaum ein Unternehmen wählt heute noch Mitarbeiter ohne die Erkenntnisse der Personalpsychologie aus, Potenziale und Karrieren werden mit den Instrumenten der Personalpsychologie bestimmt und Coaching erweist sich zunehmend als Reflexionsspiegel für Führungskräfte, um nur einige Beispiele zu nennen.

Während im „Feld“ die Erkenntnisse der Personalpsychologie mehr oder weniger kritiklos angewandt werden, ist ihre wissenschaftliche Fundierung durchaus noch Anlass für Diskussionen. Schuler sieht sie als einen Teilbereich der Organisationspsychologie, die aus der ursprünglichen Arbeits-, Berufs- und Organisationspsychologie erwachsen ist. Im Unterschied hierzu sieht er nicht mehr die Sozialpsychologie mit ihrem Erkenntnisobjekt Gruppen- und Kommunikationsstrukturen als einzige Grundlagenwissenschaft, sondern auch die Differentielle Psychologie. Es geht um die Unterschiede im Verhalten und Erleben von Menschen im Berufsleben sowie um die Abgrenzung und Messung psychischer Merkmale und Merkmalsdifferenzen.

Aufbau

Mit dem Buch werden vor allem die Gruppen Studenten, Dozenten und Berufspraktiker angesprochen, die jeweils besondere Ansprüche stellen. Um diesen zu genügen, wurden verbesserte didaktische Hilfsmittel eingeführt. Zentrale Aussagen werden in blau eingefärbten Kästen hervorgehoben und es gibt zahlreiche gute Abbildungen. In jedem Kapitel wird anhand eines Praxisfalls aufgezeigt, wie sich die Inhalte im Berufsleben umsetzen lassen und am Ende gibt es explizite Tipps für die Praxis. Um den individuellen Lernprozess zu unterstützen, gibt es am Ende jeden Kapitels ein Lernquiz und eine Übung zur praktischen Anwendung ausgewählter Inhalte.

Vor allem für Dozenten gibt es zahlreiche weitere Unterstützungen, die teilweise über das Internet heruntergeladen werden können: weiterführende Literatur, Vorlesungsfolien, 250 Prüfungs- und Klausurfragen, ein Glossar und ein umfangreiches Stichwortverzeichnis.

Inhalte

Das sehr umfängliche Buch ist in sechs Kapitel mit insgesamt 28 Aufsätzen gegliedert, was es trotz seines Umfangs übersichtlich macht. Hinzu kommt ein Anhang mit Glossar, der Vorstellung der Autorinnen und Autoren sowie ein Sachregister. Im Einzelnen:

I. Person – Arbeit – Organisation. Heinz Schuler und Lutz von Rosenstiel befassen sich in ihren beiden grundlegenden Aufsätzen mit der Abgrenzung der Personalpsychologie sowie der Bedeutung von Arbeit.

II. Personaldiagnostik. Insbesondere dieser Bereich der Personalpsychologie hat in den letzten Jahren einen Boom erlebt, so dass es notwendig ist, sich in neun Aufsätzen ausführlich hiermit zu beschäftigen. Themen sind Arbeits- und Anforderungsanalyse, Personalmarketing, verschiedene Verfahren der Personalauswahl und ihre Qualitätsstandards, Leistungsbeurteilung und Mitarbeiterbefragung sowie die Persönlichkeit aus sozioanalytischer Perspektive.

III. Personalentwicklung. In den 1970er- und 1980er-Jahren war Personalentwicklung ein wichtiges Thema, verschwand durch das controllinggeleiteten Human Capital Management – Personal als Kosten- und Werttreiber – weitgehend in der Versenkung und feiert derzeit angesichts demografischer Probleme in den westlichen Industrieländern wieder fröhliche Urständ. Aus personalpsychologischer Sicht wird die Personalentwicklung mit Themen wie Coaching, Innovationsförderung und Selbstmanagement verknüpft. Weitere Aufsätze befassen sich mit der beruflichen Entwicklung und organisationalen Sozialisation sowie dem Prozess und Methoden der Personalentwicklung.

IV. Personalführung. Parallel zu Management und Unternehmensführung, die sich eher an Kennzahlen orientieren, gewinnt zunehmend „Leadership“ als Führungskompetenz an Bedeutung. Führung, Motivierung, Mitarbeitergespräche, Management von Veränderungsprozessen sowie internationaler Personaleinsatz sind die fünf Aufsätze, die sich mit Personalführung befassen.

V. Interaktion. Während die ersten vier Kapitel große Schnittmengen zum Human Resource Management und zur Berufspädagogik aufweisen, sind in diesem Kapitel die Bezüge zur Sozialpsychologie leitend. Persönlichkeit und berufsbezogenes Sozialverhalten, Gruppenarbeit und Management von Teams, Einflusskompetenz, Konflikte, Mikropolitik sowie Belastungen und Ressourcen sind die vier Themen dieses Kapitels.

VI. Evaluation. Jeder Prozess sollte mit einer abschließenden Bewertung enden. Hierzu gibt es drei Aufsätze: Erfolgsüberprüfung personalpsychologischer Arbeit, Personalentscheidung, Nutzen und Fairness sowie Rechtliche Aspekte der Personalarbeit.

Diskussion

Insbesondere der sehr lesenswerte Aufsatz von Lutz von Rosenstiel „Die Bedeutung von Arbeit“ geht weit über die pragmatische Darstellung von Eignungsmessungen für den Beruf und ähnliches hinweg. Bereits Max Weber hatte der Arbeit in seinem Bürokratiemodell eine ethische Dimension gegeben, indem er Karrieren unabhängig von persönlicher Sympathie oder Antipathie machen wollte. Wenn heute das berufliche „Networking“, ob im privaten Umfeld oder auf dafür geschaffenen Internetplattformen wie Xing oder LinkedIn, epidemisch um sich greift, dann ist die Frage nach dem Sinn und Wert von Arbeit weitgehend irrrelevant geworden. Arbeit und Beruf werden nicht mehr reflektiert, sondern nur noch als Mittel der Existenzsicherung gesehen, deren Ergebnisse in Form eines möglichst hohen Entgelts und Prestiges erst die soziale Positionierung durch Freizeit- und Statusaktivitäten ermöglichen.

Wenn diesem Buch vor allem ein Lob gebührt, dann das, dass sich hier auch mit der ethischen Dimension der Personalpsychologie auseinandergesetzt wird. Nicht die stupide Anwendung von Leistungs- und Potenzialmessung nach dem Motto „Fit für den Profit“ oder den „richtigen Arbeitnehmer auf die richtige Stelle“, wie sie vielfach in den sogenannten Sachbüchern zu finden ist, sondern die Reflexion über die Möglichkeiten und den Sinn personalpsychologischer Methoden bildet den Kern dieser Publikation.

Rezension von
Prof. Dr. Rüdiger Falk
em. Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Human Resource Management und Berufsbildung sowie Sportmanagement an der Hochschule Koblenz
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Es gibt 172 Rezensionen von Rüdiger Falk.

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Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 01.07.2014 zu: Heinz Schuler, Uwe Peter Kanning (Hrsg.): Lehrbuch der Personalpsychologie. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2014. 3. Auflage. ISBN 978-3-8017-2363-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16377.php, Datum des Zugriffs 07.12.2022.


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