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Eva Büschi, Claudia Roth (Hrsg.): Innovationsimpulse in der Sozialen Arbeit

Cover Eva Büschi, Claudia Roth (Hrsg.): Innovationsimpulse in der Sozialen Arbeit. Beiträge zu kooperativen, forschungs- und theoriebasierten Praxisprojekten. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2013. 181 Seiten. ISBN 978-3-86388-018-7. D: 18,90 EUR, A: 19,50 EUR.
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Thema

Im Rahmen einer angestrebten Wissenschaftsbasierung von Sozialer Arbeit stellen Studierende, aus einem Masterstudiengang der Fachhochschule Nordwestschweiz, einen Leistungsnachweis in Form wissenschaftlicher Artikel vor. Als theoretische Grundlage dient jeweils der „Praxis-Optimierungs-Zyklus“ POZ von Daniel Gredig (2011), in dem forschungsbasierte Interventionsentwicklungen formuliert werden. Diese angestrebten Entwicklungen sollen sich auf eine „Verschmelzung von wissenschaftlichem Wissen… mit anderen Wissensformen“ (S.6) der Praxis beziehen.

Herausgeberinnen

Eva Büschi studierte u.a. Soziale Arbeit, promovierte in Erziehungswissenschaft und lehrt seitdem als Professorin in der Nordwestschweiz. Ihre Interessen liegen dabei in der Optimierung von Theorie-Praxis-Prozessen im Kontext Sozialer Arbeit. Claudia Roth ist Diplom Sozialpädagogin und ebenfalls Professorin an einer Schweizer Hochschule für Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Praxisausbildung als interaktives Geschehen.

Aufbau und Zielgruppen

Der eher schmal erscheinende Band spricht auf 180 Seiten eine Leserschaft an, die einerseits aus Lehrenden der Hochschulen für Soziale Arbeit besteht, da acht Beispiele gelungener kooperativer Praxisforschung vorgestellt werden, die von Studierenden im Masterstudiengang während eines (!) Semesters durchgeführt und abschließend für gekürzte Artikel überarbeitet wurden. Das Vorwort und die, leider sehr kurze, Einführung der Herausgeberinnen legen den allen Projekten zugrundeliegenden vierschrittigen Handlungsansatz POZ dar, auf den im Verlauf des Lesens immer wieder einmal zurückgegriffen werden sollte. Andererseits wendet sich das Buch an Studierende, die derartige beispielhafte Projektdurchführung für eigene Studienarbeiten anwendungsorientiert studieren sollten. Letztlich wendet sich der Band auch an die in der Sozialen Arbeit Beschäftigten, also besonders an Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter (die in Deutschland höchst ungern „Sozialarbeitende“ genannt werden wollen), die Impulse für Innovation und Kooperation mit den Hochschulen suchen.

Inhalt

Studierende der Sozialen Arbeit werden zunehmend auf eine Sozialarbeitswissenschaft eingestimmt, die ein erstes empirisches Arbeiten bereits während des Studiums verlangt. Zumindest im Rahmen des Masterstudiums sollten Forschungskompetenzen gefördert und verlangt werden, denn in den sie erwartenden Praxis- oder Handlungsfeldern sind Innovationen und/oder gesellschaftspolitisches Agieren ohne empiriegestützte Erkenntnisse nicht denkbar. Die vorliegende Arbeit setzt ihren Akzent auf akquirierende Studierende in diversen Organisationen, die ein Auftragsverhältnis mit den Studierenden für ein Semester eingehen. Diese Offenheit führt zu einen großen Bandbreite von Praxisprojekten in der Westschweiz, die u.a. in der Jugendarbeit, der Schulsozialarbeit sowie der klinischen Sozialarbeit angesiedelt sein können. Die Autorinnen und Autoren wenden vorwiegend qualitative Forschungsmethoden an, nicht selten auch einen Methodenmix. Ihre Begründungen dafür liegen einerseits im explorativen Charakter der Fragestellungen, andererseits auch im formativen, kooperativen Prozess, der vielfach mit kleinen Samples sei es von Experten, sei es von Probanden startet. Für eine qualitative Datengewinnung scheinen Studierende der Sozialen Arbeit prädestiniert zu sein, sind doch Kommunikation und methodische Gesprächsführung ein bedeutsamer Bestandteil des Bachelor-Studiengangs. In den vorgelegten Projektberichten gibt es zumindest kaum Hinweise auf besondere Schwierigkeiten, wie mit problembereitenden Personen(kreisen).

Die insgesamt sechs Autorinnen und fünf Autoren fassen ihre acht Forschungsergebnisse jeweils auf 15-20 Seiten zusammen, was vielfach eine Herausforderung hinsichtlich der Stringenz darstellt. Der einleitend dargelegte Praxis-Optimierungs-Zyklus (POZ) mit seinen vier einzuhaltenden Schritten und auch der transformative Dreischritt von Silvia Staub-Bernasconi (2007) werden zur Überbrückung des Grabens zwischen Wissenschaft und Praxis angewandt (vgl. Lüthi S. 62). Die empirischen Methoden werden überwiegend kleinteilig und gut nachvollziehbar beschrieben, manchmal ging der Praxishintergrund dabei etwas verloren, zumal Organisationsstrukturen in der Sozialen Arbeit über Ländergrenzen hinweg nicht immer übertragbar sind. Als besonders erfreulich für die Rezensentin ist die abschließende (selbst-)kritische Überprüfung des Innovationscharakters eines jeden Praxisprojektes. Eine gründliche Evaluation darf danach nicht aus Zeitmangel fehlen, denn sonst geht manch ein nicht so deutlich erkennbares Innovationspotential verloren.

Diskussion

Praxisforschung bedarf der theoretisch methodischen Rahmung, wozu Daniel Gredig das Modell des POZ bereits in der Lehre anwendet, um „künftige Generationen von Professionellen auch für die Tätigkeit in diesem Feld zwischen Forschung und Praxis zu befähigen“ (S.7). Auch dieses Modell bedarf in der praktischen Anwendung einer Evaluation, die hiermit angeregt werden soll.

Fazit

Wer sich für kooperative Praxisforschung im Kontext eines Hochschulstudiums interessiert, erhält vielfältige Anregungen zu diversen Projektmöglichkeiten und methodischen Vorgehensweisen in unterschiedlichen Handlungsfeldern.


Rezension von
Prof. Dr. Brigitte Wießmeier
Forschungskoordinatorin Institut für Innovation und Beratung an der Evangelischen Hochschule Berlin, INIB
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Zitiervorschlag
Brigitte Wießmeier. Rezension vom 07.03.2015 zu: Eva Büschi, Claudia Roth (Hrsg.): Innovationsimpulse in der Sozialen Arbeit. Beiträge zu kooperativen, forschungs- und theoriebasierten Praxisprojekten. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2013. ISBN 978-3-86388-018-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16380.php, Datum des Zugriffs 01.03.2021.


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