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Sabine Jäck, Silke Proschmann: Qualitätsprüfung und -bewertung ambulanter Pflegedienste

Cover Sabine Jäck, Silke Proschmann: Qualitätsprüfung und -bewertung ambulanter Pflegedienste. Grundlagen - Konzepte - praktische Umsetzung. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2004. 176 Seiten. ISBN 978-3-17-018086-4. 16,00 EUR, CH: 28,60 sFr.

Reihe: PflegeManagement.
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Zum Thema des Buches

Die Einführung von eines QM-Systems in der stationären, teilstationären und ambulanten Pflege gehört spätestens seit Einführung der Pflegeversicherung (§ 80 SGB XI) und des Pflegequalitätssicherungsgesetzes (PQsG) zum Pflichtprogramm in den Einrichtungen. Ein Qualitätsmanagementsystem soll helfen, den gesetzlichen Auftrag zur internen Qualitätssicherung auf hohem Niveau zu sichern und mehr Transparenz zu schaffen. Ein QM-System soll helfen, die Versorgungssituation von Patienten (Kunden) zu verbessern und Willkür in der pflegerischen Versorgung (jeder macht wie er denkt) vorzubeugen. Das vorliegende Buch stellt mehrere Modelle von QM-Systemen vor, geht zunächst auf die Begrifflichkeiten ein und stellt ein Prüfraster für ambulante Pflegedienste vor, mit dem die Versorgungsqualität (mit all ihren verschiedenen Facetten) dargestellt werden kann. Das von den Autorinnen entwickelte Qualitätskonzept soll nach eigenen Angaben zur Überprüfung der Pflegequalität im Rahmen von externen Audits dienen. Es kann als "Vortest" auf die Qualitätsprüfung des MDK eingesetzt werden, aber auch, um eine umfassende Einschätzung der Pflegequalität zu erhalten.

Die Autorinnen benutzen dabei eine sehr differenzierte Sichtweise von Qualität. Sie vernetzen recht eindrücklich die verschiedenen Qualitätsperspektiven und versuchen Lösungsmöglichkeiten in der Schnittmenge der Perspektiven darzustellen. Die Qualitätsperspektiven werden jeweils aus Kunden - Mitarbeiter - und Organisationssicht betrachtet.

Die Autorinnen

  • Sabine Jäck. Kinderkrankenschwester und Dipl.-Pflegewirtin (FH), Qualitätsbeauftragte und interne Auditorin (DGQ), arbeitet als Qualitätsbeauftragte beim Arbeitgeberverband im Gesundheitswesen in Berlin und führt dort Qualitätsprüfungen nach den entwickelten Qualitätskriterien für die Mitglieder durch. Beim MDK ist Frau Jäck als freiberufliche Gutachterin im Rahmen des Pflegeversicherungsgesetzes tätig.
  • Silke Proschmann. Krankenschwester und Dipl.-Pflegewirtin (FH), Qualitätsbeauftragte und interne Auditorin (DGQ), war während des Studiums als Dozentin bei der Pflegeberatungsfirma "Social Consulting" in Prenzlau tätig.

Zielgruppe

Die Zielgruppe sind vornehmlich Geschäftsleitungen in ambulanten Pflegediensten, die sich stark mit dem Thema Qualitätsentwicklung beschäftigen, sowie alle für die Einführung und Umsetzungs eines QM-Systems Verantwortlichen.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in zwei große Teile gegliedert. Im Teil 1 (Kapitel 1 bis 4) geht es um Grundlagen und Konzepte. Im Teil 2 (Kapitel 5 bis 8) um die praktische Umsetzung. Folgende Inhalte werden in den Kapiteln behandelt:

  1. Die Pflegesituation in Deutschland. Schlagworte: Aktuelle Situation (Pflegebedürftige in Deutschland etc.), Steigerung des ambulanten Pflegebedarfes, Professionalisierung der Pflegeberufe, Pflegemängel (Fehlerquote)
  2. Kundenbegriff versus Patientenbegriff. Schlagworte: Pflegebedürftige als Kunden, strukturelle Defizite, Kundenzufriedenheit, Faktoren und Ansprüche, Serviceangebot und Qualität.
  3. Begriff, Entwicklung und Bedeutung von Qualität in der Pflege. Schlagworte: Defininition von Pflegequalität, Kunden-, Mitarbeiter-, Organisationssicht, Messbarkeit von Qualität, Ebenen der Qualität, Geschichte der Qualität, Qualitätszyklus, Verantwortung der Leitung, Konzepte zur Erfassung der Qualität, Einstufungen, Prüfrichtlinien des MDK
  4. Das Konzept zur Überprüfung und Beurteilung der Qualität von ambulanten Pflegediensten. Schlagworte: Soll-Definition der angestrebten Qualität, Bestimmung pflegerischer Werte, Themenwahl, Festsetzung von Standards und Kriterien. Erhebung der derzeitigen Qualität (Ist), Beurteilung der Qualität (Soll / Ist), Reduktion des Unterschieds, Änderungsplan.
  5. Struktumerkmale. Atmosphäre, Erreichbarkeit, Empfang, Ausstattungskriterien, Hygiene, Qualifikation, Einsatz der Mitarbeiter/innen, Leitbild, Einrichtungskonzept, Instrumente des QM und deren Anwendung, Vertragsgestaltung, Bereitschaft, Dienstplanung, Einsatz- und Tourenplanung
  6. Prozessmerkmale. Tätigkeitsbereiche der verantwortlichen Pflegefachkraft, Datenschutz und Privatsphäre, Dokumentation und Planung, Pflegeprozess, Pflegediagnosen, Pflegevisite, Erstkontakt, Einarbeitung neuer Mitarbeiter, Informationsweitergabe, Kooperation, Vernetzung, Schnittstellengestaltung, Mitarbeiterbeurteilung, Beschwerdemanagement, Öffentlichkeitsarbeit, Fortbildung,
  7. Ergebnismerkmale. Bewegung/Mobilität, Sturzrisiko, Körperpflege, Ernährung, gerontopsychiatrische Pflege, Wirtschaftlichkeit, Messung Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit
  8. Erfahrungen mit der Anwendung des Prüfkonzeptes in der Praxis
  9. Fazit

Diskussion

Die Autorinnen verstehen es im ersten Teil, Qualitätstheorien in den Kontext der Pflege zu stellen. Sie beschreiben die verschiedenen Ansätze und Merkmale von Qualität und zeigen im zweiten Teil recht eindrücklich, wie Qualität in der ambulanter Pflege gemessen und überprüfbar gemacht werden kann. Dabei stellen Sie ein eigen entwickeltes Prüfsystem vor, dass sich an die Forderungen nach § 80 SGB XI bzw. den "Gemeinsamen Grundsätzen und Maßstäben", sowie dem PQSG orientiert. Der Vorteil dieses Modells besteht in der "Sichtbarmachung" von bereits Erreichten und noch zu erreichenden Qualitätszielen. Dabei werden Qualitätskriterien festgelegt, die dann im Rahmen einer Überprüfung mit dem Ist-Zustand im Pflegedienst verglichen werden. Jedes Kriterium wird dabei mit Punkten versehen. Dabei werden, angelehnt an das Pflegequalitätsmodell der Kaderschule Aarau, vier Qualitätsstufen (Exzellente Pflege, Gute Pflege, Ausreichende Pflege, Gefährliche Pflege) unterteilt. Für jedes der untersuchten Qualitätskriterien gibt es eine Bewertungsmatrix nach dem Schema. Die Unterteilung der Kriterien erscheint m.E. relativ gut gelungen. Leider ist aus meiner Sicht, die Unterteilung nicht in allen Bereichen, insbesondere bei Unterstützungsprozessen, nicht wirklich zielführend. Gerade im Bereich der Verwaltung ist dies fraglich. Trotzdem: Den Wert des Buches schmälert dieses kleine Manko nicht!

Im Buch sind viele Abbildungen dargestellt, die komplizierte Sachverhalte einfach darstellen. Ferner gibt es zu dem vorgestelltem Prüfkonzept für jedes Thema eine Prüfmatrix, anhand man die eigene Qualität der Versorgung prüfen kann. Checklisten und Beispiele ergänzen den Praxiswert des Buches. Durch den Text wird man nicht nur durch Überschriften, sondern auch durch Schlagworte im Seitenbereich geführt. Dies gibt einem beim Lesen des Buches Orientierung und Hilfestellung.

Trotz all der positiven Seiten im Buch gibt es auch noch einige kleinere Schönheitsfehler.

  • Der Text selbst hakt an der einen oder anderen Stelle. Beispielsweise wird der Lesefluss teilweise durch ein springen in den Zeiten gestört. Okay - der Leser weiß, was gemeint ist. Für den nicht Englisch sprechenden Leser werden die zitierten englischsprachigen Textpassagen nicht nachvollziehbar sein, es sei denn, er ist bereit, sich durch ein englisches Wörterbuch zu hangeln und den Text - mehr oder weniger gut - zu übersetzen. Eine mitgelieferte Übersetzung wäre da sehr hilfreich gewesen.
  • Teilweise wird im Buch mit Spekulationen gearbeitet (z.B. die Verpflichtung ab dem Jahr 2005 Qualität mit einem externen Zertifikat zu belegen). Bisher ist dies jedenfalls nicht eingetroffen. Sicher ist für dieses Jahr nur, dass der MDK seine Prüfanleitung überarbeitet und das Prüfkonzept etwas anders aussehen wird.
  • Die Qualitätskriterien sind an wenigen Stellen nicht immer ganz korrekt. Als Beispiel sei hier die Struktur der Qualifikationen genannt. In den Kriterien steht: "Es besteht ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis der verantwortlichen und stellvertretenden Pflegefachkraft, sofern es sich nicht um einen privaten Pflegedienst handelt." Nach meiner Kenntnis besteht diese Verpflichtung für alle Pflegedienste. Ausschlüsse von der Regelung gibt es nicht!

Fazit

Ein gut strukturiertes Buch zum Thema "Qualität in ambulanten Pflegediensten". Es regt zum Nachdenken und überprüfen der eigenen Qualität an. Das vorgestellte Prüfkonzept ist weitestgehend schlüssig und gut anwendbar. Das Buch ist zu empfehlen, für Praktiker, die strukturiert an die Qualitätsentwicklung rangehen möchten. Es erleichtert die Arbeit durch vorhandene Checklisten und Muster. Trotz der kleinen Schönheitsfehler - ein lohnender Kauf!


Rezensent
Christoph Langewitz
selbständiger Organisationsberater für Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens. Beratungsschwerpunkte: Qualitätsmanagement, Strategieentwicklung und im Marketing


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Zitiervorschlag
Christoph Langewitz. Rezension vom 29.03.2005 zu: Sabine Jäck, Silke Proschmann: Qualitätsprüfung und -bewertung ambulanter Pflegedienste. Grundlagen - Konzepte - praktische Umsetzung. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2004. ISBN 978-3-17-018086-4. Reihe: PflegeManagement. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1641.php, Datum des Zugriffs 10.12.2018.


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