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Armin Schneider: Fragebogen in der Sozialen Arbeit

Cover Armin Schneider: Fragebogen in der Sozialen Arbeit. Praxishandbuch für ein diagnostisches, empirisches und interventives Instrument. UTB (Stuttgart) 2013. 214 Seiten. ISBN 978-3-8252-4013-4. D: 22,99 EUR, A: 23,70 EUR, CH: 31,90 sFr.

Reihe: UTB - 4013.
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Thema

Der Band versteht sich als praxisnahe Anleitung zur Konzeption, Umsetzung und Auswertung eines Fragebogens im Kontext der Handlungswissenschaft Soziale Arbeit. Die Inhalte sind dabei kontinuierlich in den aktuellen (wissenschafts-)theoretischen Rahmen eingebettet und stellen durchgängig einen Bezug zur Profession her.

Autor

Prof. Dr. Armin Schneider ist Sozialarbeiter, Pädagoge und Hochschullehrer für empirische Sozialforschung und Management in der Sozialen Arbeit am Fachbereich Sozialwissenschaften der Hochschule Koblenz.

Entstehungshintergrund

In der Sozialen Arbeit als Disziplin und Profession existieren diverse Kontexte, in denen Wissen zur Umsetzung und Interpretation von Befragungen relevant ist. Die häufigste Variante dabei ist die Erhebung mit Hilfe eines Fragebogens. Er kann nicht nur als Forschungsinstrument, sondern ebenso zur Diagnose von komplexen sozialen Problemen und zur Erfassung von Lebenswelten der Klientel dienen. Darauf basierend können Interventionen der Sozialen Arbeit zielgenauer und effektiver und letztlich zum Wohle der Klientel eingesetzt werden, da die sie auf empirisch abgesichertem wissenschaftlichem Wissen basieren und nicht nach Bauchgefühl eingesetzt werden. Vor diesem Hintergrund ist es erforderlich, dass angehende Sozialarbeiter_innen die notwendigen Kompetenzen erwerben, einen Fragebogen in ihrer Praxis respektive Forschung entsprechend einzusetzen und dabei die Standards einzuhalten.

Aufbau

Das Buch umfasst neben einer Einleitung und einem Anhang (Literaturverzeichnis und Stichwortverzeichnis) insgesamt 8 Kapitel, die inhaltlich aufeinander aufbauen:

  • Fragebogen und Soziale Arbeit
  • Fragebogen in Forschung, Diagnose und Intervention
  • Von den Vorannahmen und der Theorie zum standardisierten Fragebogen
  • Methodik des Fragebogens
  • Fallstricke, Unwägbarkeiten und Herausforderungen
  • Auswertung, Analyse und Interpretation
  • Fragebogen und externe Wirkung
  • Gütekritieren für einen guten Fragebogen in der Sozialen Arbeit

Inhalt

Im ersten Kapitel Fragebogen und Soziale Arbeit liefert Armin Schneider einen Überblick zur Relevanz und Funktion von Fragen in der Sozialen Arbeit. Er beleuchtet die verschiedenen Ebenen Forschung, Diagnose und Intervention und verortet die Anwendung von Fragebögen jeweils im Kontext von Individuen, Organisation/System und Gesellschaft/Gemeinwesen. Ferner geht er auf die Wirkung von Fragen ein und bezieht den Prozess der Beantwortung und dahingehend wichtige Aspekte der Frageformulierung mit ein.

Im zweiten umfangreicheren Kapitel Fragebogen in Forschung, Diagnose und Intervention erläutert der Autor sehr ausführlich die Besonderheiten von Fragebögen in der Forschung respektive als Instrument der Diagnose und auch Intervention. Er steckt dabei sowohl die Grenzen als auch die Möglichkeiten von Fragebögen in den einzelnen Kontexten ab, erklärt Qualitätskriterien und Varianten. Darüber hinaus geht er auf verschiedene Formen der Evaluation sowie auf die Wirkungsforschung ein. Einzelne Aspekte untermauert er mit Beispielen oder stellt direkte Bezüge zu Themen oder Ansätzen der Sozialen Arbeit her, wie beispielsweise zum Kindesschutz oder zum Person in Environment - Ansatz (PIE).

Das dritte Kapitel Von den Vorannahmen und der Theorie zum standardisierten Fragebogen widmet Schneider den Hintergründen, Vorannahmen und dem Hintergrundwissen bei der Erstellung von Fragebögen. Er fokussiert in diesem Teil des Buches stark auf die Qualitätsstandards und Kriterien, an welchen sich Fragebögen in der Forschung, partiell auch im Kontext von Diagnose und Intervention messen lassen müssen und geht den Weg von der Fragestellung bis zur Erstellung des Fragebogens sehr detailliert ab.

Das dritte Kapitel heißt Methodik des Fragebogens umfasst Aspekte der Item-Formulierung, Frageformen und Antwortformate. Des Weiteren referiert der Autor die unterschiedlichen Befragungswege und ihre Voraussetzungen, Vor- respektive Nachteile, wie z. B. persönliche oder schriftliche Befragungen. Armin Schneider ergänzt das Kapitel mit gestalterischen und kontextuellen Aspekten und schließt dieses mit einem Fragebogencheck ab.

Nicht nur die Konzeption eines Fragebogens, sondern auch der Einsatz des Fragebogens im Feld stellt die befragenden und die befragten Personen vor mehrere Herausforderungen. Mögliche Probleme und Schwierigkeiten, welche in diesem Kontext auftreten können, werden im fünften Kapitel Fallstricke, Unwägbarkeiten und Herausforderungen benannt und erklärt. So finden Leser_innen hier u.a. wichtige Aspekte zur Antwortverzerrung oder zu Fehlern in der Beurteilung von Fragestellungen. Die Rolle der Fragenden wird hier ebenfalls miteingeschlossen.

Auf knapp 30 Seiten finden sich im sechsten Kapitel Auswertung, Analyse und Interpretation grundlegende Dimensionen der Verarbeitung von erhobenen Daten wider. Armin Schneider beginnt hierbei in einem kurzen Abschnitt mit der Datenbereinigung und -analyse. Danach führt er rudimentäre und weiterführende Aspekte zur statistischen Aufbereitung und Auswertung, aber auch die Grenzen dieser auf: Fragebogenkodierung, Datenmaske, Randauszählung, univariate und hypothesenüberprüfende Verfahren. Darüber hinaus werden die qualitative Inhaltsanalyse, die Generalisierung sowie Interpretation kurz dargelegt.

Im vorletzten Kapitel Fragebogen und externe Wirkung geht es vor dem Hintergrund der Frage, welchen praktischen Einschlag die erhobenen Daten in der Sozialen Arbeit haben können, um ethische Aspekte sowie um Fragen der Dokumentation und Publikation. Auch die Begrenztheit der gewonnen Erkenntnisse wird erneut aufgeführt und rundet das Kapitel ab.

Kapitel 8 Gütekritieren für einen guten Fragebogen in der Sozialen Arbeit fasst die wichtigsten Standards noch einmal unter Schlagwörtern, wie „Nutzen“ oder „Angemessenheit“ zusammen.

Diskussion

Es existieren im Allgemeinen sehr viele Bücher zur Erstellung von Fragebögen bzw. zur quantitativen Sozialforschung. Diese haben in den meisten Fällen einen soziologischen Hintergrund. Ein Bezug zu sozialarbeitswissenschaftlichen Fragestellungen bzw. der Sozialen Arbeit als Wissenschaft und Praxis im Allgemeinen ist deshalb Mangelware. Höheren Semestern der Sozialen Arbeit, besonders Master-Studierenden vermag es vielleicht einfach fallen, selbst einen Bezug herzustellen. Gerade aber für Erstsemester bzw. Studierende der Sozialen Arbeit, die sich zum ersten Mal mit Forschung beschäftigen, sind Bücher zu Forschung mit Bezug zu Sozialen Arbeit mehr als wünschenswert. Diese sollten darüber hinaus auch entsprechend didaktisch und motivierend aufbereitet sein, um das Image von Forschung als eher trockene Angelegenheit zu entkräften. Meines Erachtens erfüllt Armin Schneiders Buch alle diese Kriterien und kann hinsichtlich der Fragebogen-Thematik durchaus als aktuelles Standardwerk für Bachelor-Studierende angesehen werden. Nicht nur für diese, sondern ebenso für Forscher_innen, die ihr Wissen auffrischen oder einen schnellen, aber dennoch präzisen Überblick zu einzelnen Aspekten der Fragebogenerstellung wünschen. Das besondere und vielleicht den meisten Ausschlag gebende Merkmal ist jedoch, dass der Autor über den Forschungskontext hinausgeht und den Schwerpunkt des Einsatzes von Fragebögen auf die sozialarbeiterische Diagnostik/Analyse und die Intervention ausweitet. Es richtet sich damit also ebenso an Professionelle in der Praxis. Damit verbindet er die Frage nach der Wissenschaftlichkeit Sozialer Arbeit mit der Relevanz einer empirisch ausgerichteten Praxis, ohne die Sozialarbeiter_innen nicht professionell handeln können. Das Buch impliziert somit auch die Selbstverständlichkeit einer Verbindung von Praxis und Wissenschaft und verdeutlich dies auf sehr plastische Weise. Die notwendige Übersichtlichkeit erzielt Armin Schneider durch zahlreiche, teilweise sehr aufwendige Tabellen und Schaubilder. Vielzählige und umfangreiche Checklisten am Ende einzelner Abschnitte bieten nicht nur eine Zusammenfassung wichtiger Aspekte der Kapitel, sondern auch ein Instrumentarium zur Selbstkontrolle bei der eigenen Umsetzung von Erhebungen mittels eines Fragebogens.

Fazit

Der Fragebogen ist ein zentrales Instrument der Sozialforschung. Diesbezüglich hat Armin Schneider seine und die Expertise anderer Wissenschaftler_innen sehr detailliert und mit herausragender inhaltlicher und didaktischer Sorgfalt für die Soziale Arbeit aufbereitet. Vor diesem Hintergrund findet das Buch hoffentlich schnell seinen Weg in die Forschungsseminare Sozialer Arbeit. Es ist darüber hinaus auch Sozialarbeiter_innen in Wissenschaft und Praxis uneingeschränkt weiter zu empfehlen.


Rezension von
Jens M. Schneider
Sozialarbeitswissenschaftler, M.A. (Hochschule Fresenius - Standort Frankfurt am Main)
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Zitiervorschlag
Jens M. Schneider. Rezension vom 20.06.2014 zu: Armin Schneider: Fragebogen in der Sozialen Arbeit. Praxishandbuch für ein diagnostisches, empirisches und interventives Instrument. UTB (Stuttgart) 2013. ISBN 978-3-8252-4013-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16415.php, Datum des Zugriffs 10.08.2020.


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