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Margit Haas: Pflegende in Entscheidungsprozessen zur PEG-Sonde bei Demenz

Cover Margit Haas: Pflegende in Entscheidungsprozessen zur PEG-Sonde bei Demenz. Eine Analyse von Settings und Rollen. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2014. 160 Seiten. ISBN 978-3-86321-159-2. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 34,60 sFr.
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Thema

Die Arbeit untersucht die Sichtweisen Pflegender auf ihr professionsspezifisches Handeln und ihre Rollen in Entscheidungsfindungsprozessen hinsichtlich der PEG-Ernährung bei Menschen mit fortgeschrittener Demenz.

Als Settings wählte Haas in ihrer Untersuchung Krankenhäuser, Altenheime sowie die häusliche Pflege.

Autorin

Die Autorin Margit Haas ist promovierte Pflegewissenschaftlerin und absolvierte vor ihrem Studium der Pflegewissenschaft (MScN – Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar) ein Diplom-Studium der Pflegepädagogik (Evangelische Fachhochschule Ludwigshafen) sowie eine Ausbildung zur Krankenschwester.

Seit Oktober 2013 arbeitet sie als Fachhochschullehrerin für Pflegewissenschaft an der Fliedner Fachhochschule in Düsseldorf.

Zudem hat sie Erfahrung in Forschung, als wissenschaftliche Mitarbeiterin und in der Aus-, Fort- und Weiterbildung im Gesundheitswesen und in der Altenpflege.

Zielgruppe

Die vorliegende Publikation richtet sich in erster Linie an Akteure in Wissenschaft und Praxis der Pflege, Medizin und Seelsorge; ist darüber hinaus jedoch auch Lehrenden und Lernenden weiterer Gesundheitsfachberufe -speziell im Kontext der Versorgungsgestaltung von Menschen mit Demenz- zu empfehlen.

Damit wird mit dieser Publikation schlussendlich eine multidisziplinäre Leserschaft angesprochen.

Aufbau

Die Publikation gliedert sich in folgende Kapitel (auf die Darstellung der Unterkapitel wird verzichtet):

  • Vorwort
  • Abkürzungsverzeichnis
  • Einleitung
  • 1. Stand der Forschung
  • 2. Empirischer Teil
  • 3. Darstellung der Ergebnisse
  • 4. Diskussion
  • 5. Zusammenfassung
  • 6. Ausblick
  • Literatur
  • Persönliches Nachwort

Zu Kapitel 1

Im ersten Kapitel legt Margit Haas den aktuellen Stand der Forschung zum Untersuchungsgegenstand -gegliedert in drei Unterkapitel- dar:

Unterkapitel 1.1 zeigt die theoretischen Hintergründe zu Entscheidung, Entscheidungstheorien und Entscheidungsmodellen auf. Dabei wird zunächst die historische Entwicklung des Begriffs „Entscheidung“ beschrieben und darauf aufbauend dessen Bedeutungswandel durch Entscheidungstheorien erörtert. Einen besonderen Schwerpunkt setzt die Autorin hier auf Rationale Entscheidungstheorien (Rational Choice-Theorien) als normativen Rahmen im Kontext medizinischer Entscheidungsfindung. Die praktische Umsetzung dieses handlungstheoretischen Ansatzes wird anhand ausgewählter Elemente des Shared Desicion Making, als Interaktionsmodell zwischen Professionellen und Patient, vertieft.

In einem weiteren Abschnitt thematisiert die Autorin den Aspekt der ‚Ungewissheit‘ bei Behandlungs- und Versorgungsentscheidungen; hierbei beleuchtet Haas die Auswirkungen von Emotionen und Intuition in Entscheidungsfindungsprozessen.

Das nachfolgende Unterkapitel 1.2 gibt einen Überblick bezüglich der Prävalenz, der Krankheitsdauer und der Mortalität demenzieller Erkrankungen sowie über Assessments zur Einschätzung des Schweregrades. Des Weiteren werden Störungen der Nahrungsaufnahme und die hieraus resultierende Frage ob das Nicht-Essen bei fortgeschrittener Demenz als Willensäußerung angesehen werden kann, diskutiert. Darauf aufbauend thematisiert Haas die künstliche Ernährung mittels PEG-Sonde als potenzielle Konsequenz der Nahrungsverweigerung.

Im Unterkapitel 1.3 gibt die Autorin einen Einblick in den internationalen und nationalen Stand der Forschung hinsichtlich des Rollenhandelns Pflegender in Entscheidungsfindungsprozessen zur PEG-Ernährung bei Menschen mit Demenz.

Zu Kapitel 2

Das zweite Kapitel dokumentiert die methodische Vorgehensweise bei der Planung, Konzeption und der Datenauswertung der Studie:

In Unterkapitel 2.1 wird die Entwicklung der Forschungsfrage („Welche Rollen haben Pflegende in verschiedenen Settings in Entscheidungsfindungsprozessen über eine PEG-Ernährung bei Menschen mit fortgeschrittener Demenz inne?“) und die Eingrenzung des Forschungsfeldes aufgezeigt, sowie in einem zweiten Schritt -Unterkapitel 2.2- das Forschungsdesign offengelegt. Im Zuge dessen führt Margit Haas zunächst einige Grundannahmen und Kennzeichen qualitativer Forschung auf und begründet auf Basis derer sowohl die Auswahl des Experteninterviews als Datenerhebungsmethode der Untersuchung, als auch den Einsatz des QUAGOL-Leitfaden, mit welchem die Autorin den Prozess der Datenanalyse innerhalb der Grounded Theory Methodologie strukturiert.

Nachfolgend werden in Unterkapitel 2.3 einige forschungsethische Überlegungen zum Untersuchungsgegenstand aufgeführt.

Unterkapitel 2.4 beschreibt die Vorbereitung und Durchführung der Interviews, hierbei legt Haas zunächst die Entwicklung des Interviewleitfadens dar und skizziert darüber hinaus die Feldzugangsstrategien sowie die Auswahl der Einrichtungen und der Probanden (N=24).

Beschlossen wird das Kapitel mit der Deskription des Durchführungsprozesses der Datenerhebung (Unterkapitel 2.5) und der Datenanalyse (Unterkapitel 2.6).

Zu Kapitel 3

Nach der Schilderung der methodischen Vorgehensweise schließt sich im dritten Kapitel die Darstellung der Ergebnisse aus den Experteninterviews mit den Pflegefachkräften an.

Die Unterkapitel 3.1 bis 3.7 beschreiben die Entscheidungsfindung als prozesshaftes Geschehen in aufeinander aufbauenden Schritten analog derer die Pflegenden agieren:

  • 3.1 Pflegende und Patient: Beziehungen entstehen
  • 3.2 Pflegerisches Handlungsfeld: Ernährung sichern
  • 3.3 Deutung des Nicht-Essens: Es muss etwas geschehen
  • 3.4 Kommunikation in den Settings
  • 3.5 Entscheidung und Entscheider
  • 3.6 Pflegende bewerten die Entscheidungen
  • 3.7 Nach der Entscheidung

Im Unterkapitel 3.8 kontrastiert die Autorin auf der Grundlage des Datenmaterials die Handlungsweisen der Pflegenden in vier zentrale Rollen: Experten, Vermittler, Begleiter und Advokaten.

Den Abschluss des Kapitels bildet in Unterkapitel 3.9 die Rolle pflegerischen Handelns im Entscheidungsfindungsprozess vor dem Hintergrund der verschiedenen, von Haas in der Untersuchung fokussierten, Settings. Dabei werden zentrale Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in Bezug auf das Handeln herauskristallisiert.

Zu Kapitel 4

Gemäß der klassischen Gliederungsform wissenschaftlicher Arbeiten mündet die Autorin im Anschluss an die Ergebnisdokumentation in die Diskussion ein. Das Kapitel gliedert sich in zwei Unterkapitel:

Zunächst werden die Untersuchungsergebnisse kritisch hinterfragt, indem die Befunde der Interviews dem bisherigen empirischen Kenntnisstand gegenübergestellt werden (Unterkapitel 4.1). Es folgt in Unterkapitel 4.2 eine Reflexion des gesamten Forschungsprozesses, bei der die Autorin die Stärken und Grenzen ihrer Untersuchung erörtert.

Zu Kapitel 5 und 6

Beschlossen wird das Werk mit einer kurzen Zusammenfassung der Thematik (Kapitel 5) und einem Ausblick, in dem Haas die Relevanz der Untersuchung für die Praxis sowie einige weiterführende forschungsrelevante Überlegungen aufzeigt (Kapitel 6).

Diskussion und Fazit

Margit Haas leistet mit ihrer Untersuchung einen innovativen und wertvollen Beitrag im pflegewissenschaftlichen Diskurs, indem sie den -aus pflegerischer Perspektive- im deutschsprachigen Raum bislang noch wenig vertretenen Bereich der klinischen Ethik fokussiert.

Im Kontext dessen exploriert sie die konfliktreiche Frage der Nahrungsaufnahme am Lebensende der äußerst vulnerablen Patientengruppe von Menschen mit Stadium Haas untersucht im Zuge ihrer Promotion den Entscheidungsfindungsprozess formell Pflegender für oder gegen den Einsatz einer PEG-Sonde systematisch, schlüssig und konsistent.

Dabei arbeitet sie zu Beginn ihrer schriftlichen Ausarbeitung die Hauptaspekte des empirischen Kenntnisstandes zur Thematik zusammenfassend heraus; wer an dieser Stelle detaillierter in den Forschungsstand eindringen möchte, muss jedoch anderweitig nachlesen.

Insgesamt legt die Autorin sowohl den Untersuchungsgegenstand als auch die gewonnenen Ergebnisse sehr instruktiv dar und erarbeitet pointiert die Besonderheiten der verschiedenen Settings (Krankenhaus, Altenheim und häuslicher Bereich). Im Zuge dessen wäre eine weiterreichende Ausführung und Analyse des Datenmaterials, in der das Verhältnis bzw. die Interferenz zwischen Setting und Rollenhandeln unter theoretischer Perspektive noch stärker ausdifferenziert worden wäre, spannend.


Rezensentin
Manuela Lautenschläger
cand. M.A. Pflegewissenschaft,Wissenschaftliche Mitarbeiterin im multiprofessionellen Masterstudiengang „Versorgung von Menschen mit Demenz“ an der Universität Witten/Herdecke
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Zitiervorschlag
Manuela Lautenschläger. Rezension vom 22.05.2014 zu: Margit Haas: Pflegende in Entscheidungsprozessen zur PEG-Sonde bei Demenz. Eine Analyse von Settings und Rollen. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2014. ISBN 978-3-86321-159-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16421.php, Datum des Zugriffs 19.10.2019.


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