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Hamid Reza Yousefi: Interkulturelle Kommunikation

Cover Hamid Reza Yousefi: Interkulturelle Kommunikation. Eine praxisorientierte Einführung. Wissenschaftliche Buchgesellschaft (Darmstadt) 2014. 204 Seiten. ISBN 978-3-534-26260-1. D: 39,90 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 53,90 sFr.
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Thema

Hamid Reza Yousefi sieht im Weltalter der Globalisierung einen grundlegenden Revisionsbedarf der Debatte um Interkulturalität und interkulturelle Kommunikation. In Erweiterung der klassischen interkulturellen Ansätze entwickelt er eine eigene praktische Theorie der Kommunikation, mit der Absicht, Interesse an einer echten Verständigung mit kulturell und religiös anderen zu wecken und auf neue Grundlagen zu stellen. Die Theorie für solche neuen Umgangsformen sieht er als das „Ergebnis eines fragend-verstehenden Konzeptes, in dem sich das eigene Bild des Eigenen und des Anderen mit dem anderen Bild des Eigenen und des Anderen reziprok korrigierend ergänzen“ (S.7).

Autor

PD Dr. Hamid Reza Yousefi ist Privatdozent für interkulturelle Philosophie und Geschichte der Philosophie an der Universität Koblenz-Landau und der Gründungspräsident des Instituts zur Förderung der Interkulturalität in Trier. Seine Forschungsbereiche sind moderne Theorien der Religionswissenschaft, Ethik, Toleranz, Hermeneutik und Kommunikation. Zudem ist er als Herausgeber der Schriftenreihe „Interkulturelle Bibliothek“ tätig. Er lebt in einer deutsch-iranischen Partnerschaft.

Aufbau

Nach der Einleitung, die den Aufbau des Buches skizziert, folgen sieben aufeinander aufbauende Kapitel.

Die ersten drei Kapitel bilden einen begrifflichen, theoretischen und methodischen Hintergrund. Das vierte Kapitel beschreibt interkulturelle Kommunikation am Beispiel einer deutsch-iranischen Tauschfamilie, im fünften Kapitel entwickelt Yousefi eine dialogische Pädagogik der Interkulturalität aus kulturwissenschaftlicher Sicht, und im sechsten Kapitel bespricht er theoretische und praktische Hindernisse interkultureller Kommunikation. Das siebente Kapitel zeigt die Funktion der Medien als Aufklärungsorgane.

Eine kurze Schlussbetrachtung, ein ausführliches Begriffswörterbuch sowie das Literaturverzeichnis schließen das Buch ab.

Zu 1. Problemgeschichte der interkulturellen Kommunikation

Der Autor skizziert kritisch die frühen Ansätze der Kommunikationsforschung (Hall, Kluckhohn, und andere) sowie neuere Ansätze, unter anderem die pädagogische Ausländerpolitik und Ansätze von Jürgen Habermas (herrschaftsfreier Diskurs mit dem Ziel echter Verständigung), Friedemann Schulz von Thun (wir hören mit vier Ohren: Sachinhalt, Beziehung, Appell und Selbstoffenbarung) sowie der Bildungstheorie Wilhelm von Humboldts (kulturunspezifisch, als Förderung der Gesamtheit von Fähigkeiten und Eigenschaften des Menschen). Während Yousefi eine Verbreiterung der Forschungsgrundlage lobt, kritisiert er doch, dass es bei den meisten Theorien mehr um die eigene Fremd- und Selbstwahrnehmung gehe, die eine außereuropäische Sichtweise unberücksichtigt lasse. Ziel einer verstehenden, lernenden Darstellungsweise sei stets, jede Form von Bevormundung des Anderen, theoretisch wie praktisch zu vermeiden, und dafür sei eine Pädagogik der Interkulturalität von Bedeutung, die im fünften Kapitel entwickelt wird.

Zu 2. Modelle von Kulturtransformationen

An modernen Theorien, wie der der Kulturstandards von Alexander Thomas kritisiert Yousefi, dass diese zu stark von einer generalisierten Kommunikation ausgingen, da sich menschliche Kommunikation nicht mit technischen Standards vergleichen lasse, weswegen ihnen ein „geschlossener“ Kulturbegriff zugrunde liege. In einem „offenen“ Kulturbegriff der Kommunikation spielen auch kulturübergreifende Momente eine Rolle, die Unterschiede innerhalb einer Kultur stärker betonen können als Unterschiede zwischen Kulturen.

Zur Einordnung moderner Kulturtheorien analysiert er sieben Orientierungen des Kulturbegriffs: normengebende (idealistische), kugelhafte (geschlossene, starke Einheit aber externe Ausgrenzung), intellektualistische (Systemtheorie, Analyse von Machtverhältnissen), symbolisch-strukturelle (symbolische Ordnungen, Strukturen und Bedeutungen), multikulturelle (verschiedene einander wesensfremde Orientierungen und Kulturen nebeneinander), transkulturelle (völlige Grenzenlosigkeit der Kulturen) und interkulturelle (offenes Aushandeln) Perspektivierungen zu. Insbesondere die letzten drei Schlüsselbegriffe werden kontrovers diskutiert. Multikulturalität und Transkulturalität stellen Extreme eines Kontinuums, wogegen der Interkulturalität ein offener und veränderbarer Kulturbegriff zugrunde liegt. Während die Multikulturalität Gefahr läuft Unterschiede über zu betonen, übersieht die Transkulturalität unaufhebbare Differenzen völlig und blendet sie durch konstruierte Idealsituationen aus. Interkulturalität verkörpert dagegen einen offenen Überlappungs-, Übersetzungs- und Aushandlungsprozess mit dem Ziel eines Dialogs auf gleicher Augenhöhe. Vertreter der Interkulturaliät sind Mohammed Ali Mehimani und Dieter Senghaas. Yousefi geht es nicht darum, Orientierungen zu überwinden, sondern sie kritisch würdigend zu erweitern und für ein interkulturelles Miteinander fruchtbar zu machen.

Zu 3. Interkulturalität als akademische Disziplin

Yousefis Ziel ist der konzeptionelle Entwurf einer Theorie der Interkulturalität als wissenschaftlicher Disziplin in Lehre und Forschung. Der zugrundeliegende Kulturbegriff ist ein offenes, dynamisches veränderbares Sinn- und Orientierungssystem und lässt keine Verabsolutierung eigener Auffassungen zu.

Interkulturalität ist eine fachübergreifende und interdisziplinäre Theorie und Praxis, die sich mit dem Verhältnis aller Kulturen und Menschen auf Grundlage ihrer völligen Gleichwertigkeit beschäftigt.

Die tragende Säule der Interkulturalität bildet die Menschenwürde als Unverfügbarkeit des Individuums und Unantastbarkeit seiner Würde, jenseits kultureller, religiöser und nationaler Grenzen.

Das Weltalter der Globalisierung verlangt nach einer begrifflichen Neuorientierung, die Innen- und Außenperspektiven miteinander verknüpft und definitionsoffen bleibt, um Interdisziplinarität, Konvergenzen und Divergenzen gleichermaßen Rechnung zu tragen.

Die Methode der Interkulturalität ist pluralistisch, fach-und kulturübergreifend, ihre Vorgehensweisen sind analytisch, historisch, komparatistisch, semantisch, enzyklisch, empirisch, wissenschaftstheoretisch, normativ, rationalistisch und dialektisch. Dabei unterscheidet Yousefi drei methodische Orientierungsbereiche: die historische Interkulturalität (Geschichtsschreibungen), die systematische Interkulturalität (Analyse wichtiger Schlüssel- oder Korrelatbegriffe, die im folgenden Kapitel beschrieben werden) sowie die vergleichende Interkulturalität (vergleichende Untersuchung von Begriffen in Theorie und Praxis der Kulturen unter Berücksichtigung ihrer Kontextualitäten).

Yousefi unterscheidet dabei vier mögliche Zugänge zur Interkulturalität:

  • (Bedingungslose) Übernahme der Interkulturalität: Demonstration von Offenheit
  • Zurückweisung der Interkulturalität: Geschlossener Kulturbegriff
  • Vereinnahmung der Interkulturalität: Bindung des Kulturbegriffs an ausschließlich eine Tradition
  • Reflektierter Umgang mit der Interkulturalität: interkulturelle Philosophie, die unterschiedliche Geistesgeschichten als gleichwertige Traditionen im Zusammenspiel reflektiert.

Zu 4. Idee einer kontextuellen Theorie der Kommunikation

Im ersten Teil des Kapitels wird interkulturelle Kommunikation am Beispiel einer deutsch-iranischen Tauschfamilie erläutert. Dabei tauschen zwei vierköpfige Familien aus Berlin und aus Teheran jeweils Mutter und Sohn miteinander. Es handelt sich dabei um eine gedankliche Übung, bei der der Leser die Länder auch durch andere ersetzen kann, da die Familien einen nicht generalisierbaren Einzelfall darstellen.

Vor der Abreise begeben sich die Familien auf Informationssuche und recherchieren im Internet, Büchern, Medien, fragen Freunde und Bekannte nach ihren Erfahrungen und befassen sich mit der Sprache sowie den politischen Beziehungen zwischen den Ländern. Vor Ort beginnen dann intensive Umdenk- und Lernprozesse, was vor allem bei Erwachsenen oft eine grundlegende Revisionsbereitschaft bisherigen Wissens voraussetzt.

Für die interkulturelle Kommunikation müssen wir lernen, mit den vier Ohren (Schulz von Thun) auf unterschiedlichen Ebenen, d.h. im jeweiligen kulturellen, situativen und individuellen Kontext zu verstehen. Diese Überlegung verdeutlicht Yousefi an Kommunikationsmodellen und Beispielen. Die dabei entstehenden theoretischen und praktischen Herausforderungen diskutiert er entlang acht sogenannter „Korrelatbegriffe“ (=Schlüsselbegriffe):

  • Das Eigene und das Andere: Was ist Identität? Was ist „fremd“, „exotisch“, „anders“?
  • Interkulturelle Kompetenz: Wie erwerben wir Informationen über andere?
  • Interkulturelle Semantik: Sprachliche Dimensionen, kulturspezifische oder -sensitive Symbolik, die in Wörterbüchern oft nicht dargestellt wird
  • Interkulturelle Hermeneutik: Individuelles Verstehen. Yousefi unterscheidet apozyklische Hermeneutik (= restaurativ-reduktive Methode, Betrachtung aus der eigenen Perspektive heraus) und enzyklische Hermeneutik (= argumentative Methode, interaktives Miteinander, nicht generalisierend).
  • Interkulturelle Komparatistik: Nach welchem Maßstab vergleichen wir? Eine ausschließliche Verankerung der Vergleiche in einer einzigen Tradition sowie Verallgemeinerungen sind zu vermeiden.
  • Interkulturelle Toleranz: Toleranz kann eine „nicht ablehnende“ oder eine „aktiv akzeptierende“ Haltung sein. Die Grenzen liegen da, wo die Würde des Menschen unmittelbar verletzt wird.
  • Interkulturelle Ethik: Tradition (in einer Tradition verhaftete Ethik) und Moderne (globalistische Ethik) werden ersetzt durch einen kulturübergreifenden Ansatz, der eine allgemeinverbindliche Menschwürde einfordert, aber auch kulturell- und traditionsgebundene Besonderheiten umfasst.

Zu 5. Dialogische Pädagogik der Interkulturalität aus kulturwissenschaftlicher Sicht

Yousefi siedelt die Pädagogik der Interkulturalität in den Kulturwissenschaften an und beschreibt sie als kontextuell und dialogisch. Er unterscheidet die Dimensionen interkulturell-kontextuelle Kulturpädagogik, Erwachsenenpädagogik, Berufspädagogik, Sozialpädagogik und Medienpädagogik. Eine interkulturell-kontextuelle Didaktik versteht er als Wissenschaft des kritischen Lehrens und Lernens auf der Grundlage einer dialogischen Theorie und Praxis in kulturübergreifender Absicht, wobei er von seinem offenen und dynamischen Kulturbegriff ausgeht. Ziel ist die Herausbildung der Fähigkeiten Mitbestimmung, Selbstbestimmung und Solidarität mit der Aufgabe einer dialogischen Neuorientierung der Kommunikation. Die zugrundeliegende Methodik ist pluralistisch.

Als zentrale Aufgabe der Lehrinstitutionen versteht er nicht nur in der Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten, sondern auch Werte und ein Bewusstsein für die Bewahrung der Umwelt und Verantwortung für künftige Generationen.

Zu 6. Hindernisse interkultureller Kommunikation

In diesem Kapitel diskutiert der Autor fünf potentielle theoretische und praktische Hindernisse:

  • Inklusivität und Exklusivität: Ein exklusiver Wahrheits-und Absolutheitsanspruch erhebt einen Universalitätsanspruch, während ein inklusiver Wahrheitsanspruch subjektiv bleibt und auf Universalität verzichtet.
  • Vorurteile: Während Vor-Urteile einerseits wichtige Funktionen für das Vorverständnis haben, können Vorurteile die Kommunikation behindern, wenn sie zu typisiertem Wissen, typisierten Emotionen und typisiertem Verhalten führen. Letztere gilt es, im verstehenden Dialog zu beseitigen.
  • Geographisierung des Denkens: Empirische Erkenntnisse zu einem westlich orientierten (analytischen) und östlich orientiertem (holistischen) Denken hält Yousefi für hinderlich, wenn sie „totalisiert“ verwendet werden, d.h. auf alle Menschen im jeweiligen Kulturkreis generalisiert werden.
  • Positive und negative Macht: Yousefi unterscheidet negative (zentristisch, herrschaftsorientiert, ohne Rücksicht auf die Interessen anderer) und positive (Macht für eine gleichheits-und gerechtigkeitsorientiere Kommunikation einsetzen) Machtformen.
  • Ablehnende Anerkennung: Als ein möglicher Weg zu konvergenz-und differenzorientierter Kommunikation geht ablehnende bzw. kritische Anerkennung über die reine Duldung (Toleranz) hinaus und erkennt den Anderen als Teil der Gesellschaft unter Wahrung seiner Würde an, aber ohne die Pflicht, seine Einstellungen und Überzeugungen mit einzuschließen.

Zu 7. Funktionen der Medien als Aufklärungsorgane der Gesellschaft

Die freie Presse (elektronische und Printmedien) können als „vierte Gewalt“ bezeichnet werden, weswegen ihren Journalisten eine ethische Verpflichtung zukommt. Dabei laufen sie Gefahr, von Medienorganisationen oder anderen Interessenverbänden manipuliert zu werden. Konfliktjournalismus kann durch ausschließliche Betonung von Unterschieden und/oder Polemisierungen polarisieren und ein Krisenklima erzeugen, während Friedensjournalismus Konvergenzen und Divergenzen gleichermaßen in Betracht zieht und wahrheitsorientiert, kritisch menschlich und lösungsorientiert arbeitet. Als Beispiel geht Yousefi auf das Deutschland- und das Iranbild in den jeweiligen Medien im Ländervergleich ein. Dabei ist das Deutschlandbild im Iran positiver als das Iranbild in Deutschland.

Zu den Schlussbetrachtungen

Nach einem zusammenfassenden Überblick plädiert Yousefi für die Kulturwissenschaft als Heimat für die interdisziplinär ausgerichtete Interkulturalität. Heterogenität und Vielschichtigkeit der Interkulturalität machen deutlich dass Kontakte zwischen Menschen von mehreren sozialen Faktoren gesteuert werden und es einseitig wäre, allein Rationalität zur Grundlage von Kommunikation zu erheben.

Diskussion

Inhaltlich überschneiden sich Kapitel 4 und 6 mit dem ebenfalls 2014 erschienenen Buch Yousefis „Grundbegriffe der interkulturellen Kommunikation.“ Das vorliegende Buch ergänzt dazu vor allem eine Konzeption einer interkulturellen Pädagogik sowie die Idee der Tauschfamilien, die ab Kapitel 4 als Beispiele zur Verdeutlichung theoretischer Konzepte und praktischer Herausforderungen dienen. Dabei ist Yousefi bemüht, jede Form der Generalisierung zu vermeiden, was dazu führt, dass viele Beispiele aus den Tauschfamilien auf einem recht abstrakten Niveau oder bloße Fragestellungen bleiben. Deshalb spiegelt das Projekt leider wenige konkrete Erfahrungen (wie beispielsweise auf Seite 156, wo eine Diskussion über Mythen und Symbole geführt wurde) wider – mehr davon hätten es lebendiger und überzeugender gemacht. Daneben arbeitet Yousefi aber auch mit etlichen Beispielen aus anderen Lebensbereichen und Parabeln, die seine Ideen veranschaulichen.

Kernstück seiner Kommunikation und interkulturell-kontextuellen Pädagogik ist die konkrete Begegnung, der Dialog zwischen Menschen, die im Dialog voneinander lernen. Während er für die Kommunikation verschiedene Perspektiven, Gefahren und Herausforderungen aufzeigt und mit Beispielen unterlegt, bleibt der Ansatz seiner Pädagogik theoretisch. Da die Möglichkeit zum direkten Dialog nicht immer gegeben ist, sind wir auch auf andere Informationsquellen und Vermittlungsmethoden angewiesen. Dazu lernen wir aus dem Buch, in erster Linie solche Informationen kritisch auf Reduktionismus, Universalitätsanspruch, Zentrismus und ähnliche Dialogschranken zu hinterfragen und damit selbst Verantwortung für unseren Lernprozess zu übernehmen. Yousefi erwähnt dazu die erweiterte Aufgabe der Lehrenden, nicht nur Wissen, sondern auch ein „fundiertes Bewusstsein für die Bewahrung Umwelt und Verantwortung für künftige Generationen“ (S. 146) zu vermitteln, was „ein hohes Maß an Kompetenz und didaktischen Sinn“ erfordere. Dies ist einleuchtend, für die angewandte Praxis jedoch noch wenig greifbar.

Interkulturelle Kommunikation setzt den Willen zum Dialog auf beiden Seiten voraus. Diese Voraussetzung ist nicht immer gegeben, was ebenso wie weitere Herausforderungen (z.B. die eigene Komfortzone so zu erweitern, dass „unüberbrückbare“ Differenzen zwischen grundlegenden Werten oder in der Auffassung von Menschenwürde und Menschenrechten geschlossen werden könnten), etwas zu kurz kommen.

Sprachlich verfällt das Buch stellenweise in einen soziologischen und politisch hochkorrekten Jargon, der zwar bemüht ist, Festlegungen und Endgültigkeit zu vermeiden, dadurch diese Stellen aber auch entsprechend mühsam zu lesen macht.

An anderer Stelle (S.127) wird er seinen eigenen Forderungen untreu, wenn er den „Studierenden der Wirtschafts- und Politikwissenschaften“ unterstellt, „Strategien kennen zu lernen, wie sie mit dem geringstmöglichen Aufwand den größtmöglichen Nutzen erzielen können“, womit an den Universitäten „eine Elite ohne Moral“ ausgebildet werde. Dies ist erstens nicht richtig (das Optimierungsziel lautet, „mit gegebenem Aufwand/Ressourcen den größtmöglichen Nutzen zu erzielen“ oder „ein gegebenes Ziel mit geringstmöglichem Aufwand zu erreichen“) und zweitens, in Yousefis Terminologie, reduktionistisch, stereotyp und dialoghemmend.

Verdienst des Buches ist, dass es in einer eigenen Systematik zum kritischen Nachdenken über traditionelle Kulturkonzepte und Methoden einlädt, die (nicht nur) interkulturelle Kommunikation, oft unbewusst und wohlgemeint, zum Scheitern bringen können, und aufzeigt, wie Kommunikationsfallen im Dialog erkannt und vermieden werden können.

Fazit

Yousefi sieht einen grundlegenden Revisionsbedarf der Konzepte von Interkulturalität und interkultureller Kommunikation. Er stellt in seiner eigenen konzeptuellen Systematik Anforderungen an und Herausforderungen für eine interkulturelle Kommunikation in der heutigen globalisierten Welt vor. Am Beispiel deutsch-iranischer Tauschfamilien diskutiert er Schlüsselbegriffe und Hindernisse der interkulturellen Kommunikation sowie die Problematik der Medienkommunikation. Das Buch bietet einen umfangreichen, wenn auch nicht vollständigen, Ansatz, kritisch und konstruktiv über Interkulturalität sowie interkulturelle Kommunikation und Pädagogik nachzudenken. Voraussetzung zur gelungenen Kommunikation sind der Wille zum Dialog sowie die ständige Berücksichtigung von Kontext, Situation und Individuum. Etwas weniger Fachjargon und eine stellenweise straffere Darstellung hätten das Buch noch schöner zu lesen gemacht.


Rezension von
Dipl.-Kfm. Tatjana van de Kamp
Dipl. Kauffr.; MA (Arbeits- und Organisationspsychologie)
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Zitiervorschlag
Tatjana van de Kamp. Rezension vom 22.09.2014 zu: Hamid Reza Yousefi: Interkulturelle Kommunikation. Eine praxisorientierte Einführung. Wissenschaftliche Buchgesellschaft (Darmstadt) 2014. ISBN 978-3-534-26260-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16436.php, Datum des Zugriffs 30.05.2020.


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ISSN 2190-9245

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