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Johannes Schopp: Eltern stärken - die dialogische Haltung in Seminar und Beratung

Cover Johannes Schopp: Eltern stärken - die dialogische Haltung in Seminar und Beratung. Ein Leitfaden für die Praxis. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2013. 4., überarb. Auflage. 283 Seiten. ISBN 978-3-8474-0126-1. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR, CH: 28,50 sFr.
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Thema

Das ursprünglich für die Elternbildung konzipierte „Dialogische Konzept“ von Schopp will Fachkräfte unterstützen, die in ihrer Arbeit ratsuchenden und überforderten Eltern begegnen. Die Veröffentlichung will einen Beitrag leisten, damit diese sich in ihrer alltäglichen Erziehungstätigkeit auf ihre dialogischen Stärken beziehen können.

Autor

Johannes Schopp ist Dipl.-Sozialarbeiter, Entwickler des Konzepts „Eltern Stärken“ und Leiter des Fachreferates Elternbildung des Jugendamtes Dortmund.

Aufbau und Inhalt

In diesem Buch entwirft Johannes Schopp ein praxistaugliches Konzept zur Umsetzung des Anliegens, die Erziehungspotentiale von ratsuchenden Eltern freizusetzen und Erfahrungen von Eltern zum Austausch zu bringen. Das Buch gliedert sich nach zwei wertschätzenden Vorworten von Prof. Dr. Gerald Hüther und Prof. Dr. Sigrid Schöpe-Scheffler in sechs Kapitel.

Kapitel 1: „Wie Eltern ihre Potentiale entdecken können“ führt aus, wie es möglich ist, die Erziehungskompetenzen von Eltern aufzudecken. Der erfolgreiche Weg führt über eine wertschätzende, offene und neugierige Fragetechnik, die es ermöglicht, das möglichst viele Aspekte eines Anliegens bedacht und Lösungswege erkannt werden. Da es in Fragen der Erziehung keine festgeschriebenen oder gar endgültigen Lösungen gibt, sind die Auseinandersetzungen in den Dialogischen Elternseminaren ein kontinuierlicher und konstruktiver Diskussionsprozess.

In Kapitel 2: „Das Wesen des Dialog“ werden die philosophischen Fundamente für eine dialogische Haltung beleuchtet. Schopps Ausführungen sind der Philosophie Martin Bubers verpflichtet. Dialog ist demzufolge mehr als nur menschliche Kommunikation. Ein Dialog soll zu einer wirklichen Begegnung zwischen Menschen führen. Ausgehend von einer theoretischen Fundierung zieht Schopp praktische Folgerungen, die er in Form von zehn dialogischen Kernfähigkeiten vorstellt. Mit ihnen soll sichergestellt werden, dass es zu einer Beziehung kommen kann, die von Wertschätzung und Respekt geprägt ist.

Kapitel 3: „Fünf Ebenen im Dialog“ fokussiert auf ein erfahrungsbezogenes Lernen, welches Eltern ermöglich soll, sich auf der Ebene der persönlichen Auseinandersetzung im Hier und Jetzt sowie der Reflexion des eigenen Denkens, Fühlen, Handeln und Wollens einzulassen. Methodisch gesehen werden Eltern im Dialog unterstützt, sich auf fünf konkrete Ebenen zu beziehen: Auf die Sachebene, die Beziehungsebene, die Ebene der Selbstoffenbarung, auf die biografische Ebene und auf die Sinnebene.

Kapitel 4: „Der Dialogbegleiter und seine Aufgaben“ thematisiert die Kompetenzen, welche die Seminarleitung in den Elternseminaren einbringen muss, um einen förderlichen „Lern-Raum“ für Eltern zu schaffen. Von grundlegender Wichtigkeit sind hier der angemessene Umgang mit den Aspekten Angst, Sicherheit, Wertschätzung, Humor, Liebe, Macht, Ordnung und Zeit. Ein Überblick über die verschiedenen Kompetenzebenen (S.172) rundet das Kapitel ab.

Kapitel 5: „Der Seminarablauf“ zeigt exemplarisch das entwickelte Lernkonzept „Eltern Stärken“ in der ausführlichen Darstellung von zwei prototypischen Seminarabenden. Die Ausführungen konkretisieren den Verlauf, die Methode und das Lerngeschehen, ohne das hier ein Rezept oder eine Gebrauchsanweisung präsentiert würde. Die Beispiele konkretisieren, wobei zu beachten ist, dass es sich um Momentaufnahmen handelt, die nicht einfach zu kopieren wären. Es gilt hier, offen und ideenreich auf die Teilnehmer/innen einzugehen, damit sich fruchtbare Dialoge entwickeln können.

Im Kapitel 6: „Einstiegshilfen und Übungen für Dialogisches Arbeiten“ werden zum Abschluss vielfältige Praxishilfen angeboten. Eine Reihe von konkreten Vorschlägen soll den Einstieg in die Seminare erleichtern, damit vor allem die Prozesse des Erfahrungsaustausches in Schwung gebracht und vertieft werden können.

Zielgruppen

Das Buch richtet sich ausdrücklich an professionelle Multiplikatoren der Elternbildung, insbesondere an Seminarleiter, die den Dialog der Eltern in ihren Veranstaltungen auf den Weg bringen wollen. Darüber hinaus eignet es sich vorzüglich für interessierte Fachkräfte in pädagogischen Kontexten sowie Studierende pädagogischer Fachrichtungen.

Fazit

Es ist ein sehr lesenswertes Buch, welches verständlich und engagiert geschrieben ist. Deutlich wird, dass hier jemand schreibt, der Wissen über und Praxis in Elternarbeit besitzt. Möge dieses Buch in viele Hände von kompetenten Personen fallen, zu deren Aufgaben es gehört, verunsicherten und ratsuchenden Eltern Hilfe in alltäglichen Erziehungsfragen zu geben. Das Buch ist daher allen zu empfehlen, die in der Elternbildung tätig sind oder mit Eltern in pädagogischen Institutionen zusammenarbeiten.


Rezensent
Prof. i.R. Dr. Peter Bünder
Vormals Hochschule - University of Applied Sciences - Düsseldorf, Lehrgebiet Erziehungswissenschaft am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Homepage www.systemische-praxis-bruehl.de
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Zitiervorschlag
Peter Bünder. Rezension vom 01.07.2014 zu: Johannes Schopp: Eltern stärken - die dialogische Haltung in Seminar und Beratung. Ein Leitfaden für die Praxis. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2013. 4., überarb. Auflage. ISBN 978-3-8474-0126-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16456.php, Datum des Zugriffs 24.10.2018.


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