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Gertrud Siller: Bildungsberatung und Migration (Bildungsbiografie)

Rezensiert von Dr. Olga Frik, 05.12.2014

Cover Gertrud Siller: Bildungsberatung und Migration (Bildungsbiografie) ISBN 978-3-86388-060-6

Gertrud Siller: Bildungsberatung und Migration. Die Bedeutung der Bildungsbiografie. Budrich Academic Press GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2014. 160 Seiten. ISBN 978-3-86388-060-6. D: 22,90 EUR, A: 23,60 EUR, CH: 31,80 sFr.
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Autorin

Prof. Dr. Gertrud Siller ist Professorin für Bildung und Beratung an der Fachhochschule Bielefeld.

Thema

Die im Buch fokussierte gesellschaftliche Gruppe sind Menschen mit Migrationshintergrund. Siller thematisiert in ihrer Studie deren bildungsbiografische Erfahrungen. Das Anliegen der Studie ist die Antwort auf die Frage zu finden, welche Interessen und welchen Bedarf an Bildungsberatung Frauen und Männer mit Migrationshintergrund haben. Allgemein hat die Bildungsberatung das Ziel, Bildungs-, Ausbildungs-, und Berufsbiografien zu unterstützen und zu begleiten. In Buch werden zunächst die Begriffe „Bildung“ und „Beratung“ und ihre Verknüpfung theoretisch diskutiert. Empirisch konzentriert sich die Autorin auf Menschen mit Migrationshintergrund als eine spezifische Zielgruppe von Bildungsberatung. Die Perspektive des Subjekts wird in den Mittelpunkt der Studie gestellt. Siller analysiert biografische Gestaltungsformen der Bildungs- und Beschäftigungswege der Menschen mit Migrationshintergrund und die Rolle, die Beratung dabei spielt.

Aufbau und Inhalte

Die vorliegende Studie greift zentrale Aspekte auf, die für eine qualifizierte Betrachtung der Rolle der Bildungsberatung im Alltag von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland von Bedeutung sind. Das vorliegende Buch gliedert sich in die folgenden sechs Abschnitte:

  1. „Ausgangslage und zentrale Forschungsfragen“
  2. „Zur Verknüpfung von Bildung und Beratung – zeitdiagnostische, konzeptionelle und theoretische perspektiven“;
  3. „Methodologie und methodisches Vorgehen der Untersuchung“;
  4. „Bildungsberatung im Kontext bildungsbiografischer Erfahrungen – Ergebnisse der Fallrekonstruktionen“;
  5. „Bildungsberatung im Migrationskontext zwischen Wissens- und Orientierungsbedarf“;
  6. „Fazit und Ausblick auf mögliche Entwicklungslinien“.

Im ersten Kapitel „Ausgangslage und zentrale Forschungsfragen“ gibt die Autorin eine Einführung in die Thematik und einen Ausblick auf Inhalte und Aufbau ihrer Arbeit. Sie stellt das Thema der Bildungssituation der Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland dar. Zunächst stellt sie fest, dass bei dieser Gruppe nach wie vor eine Bildungsbenachteiligung zu beobachten ist. Der Autorin geht es in ihrer Studie darum, Erkenntnisse darüber zu gewinnen,

  • ob und wie bildungsbiografisch ein spezifischer Bedarf an Bildungsberatung sichtbar wird,
  • ob und wie Angebote der Bildungsberatung wahrgenommen wurden bzw. werden,
  • ob und wie diese Angebote für ihre Anliegen und Interessen hilfreich und zugänglich sind,
  • welche professionellen Kompetenzen Bildungsberaterinnen und -berater aus der Sicht dieser Menschen benötigen (vgl. S.11-12).

Im 2. Kapitel („Zur Verknüpfung von Bildung und Beratung – zeitdiagnostische, konzeptionelle und theoretische Perspektiven“) reflektiert die Autorin bildungspolitische Appelle an einen Ausbau von Beratung im Bildungssystem sowohl im Rahmen zeitgeschichtlicher Entwicklungen als auch aus bildungs- und beratungstheoretischer Perspektive. Es wird gezeigt, dass es sich im Falle der Bildungsberatung um ein Beratungsformat handelt, das nicht homogen ist, sondern je nach bildungs- und beratungstheoretischer Grundlegung in seiner Ausrichtung divergiert (vgl.S.32).

Im 3. Kapitel („Methodologie und methodisches Vorgehen der Untersuchung“) wird das methodische Design der Arbeit dargestellt. Als Rahmen der empirischen Analyse wird eine qualitative Forschungsperspektive mit biografietheoretischem Fokus ausgewählt.

Im Kapitel 4 („Bildungsberatung im Kontext bildungsbiografischer Erfahrungen – Ergebnisse der Fallrekonstruktionen“) wird die Spannbreite von Bildungsbiografien mit vier Einzelfallrekonstruktionen exemplarisch beleuchtet. Aus der Rekonstruktion wird eine große Heterogenität bildungsbiografischer Erfahrungen sichtbar, die die Bildungsbedarfe in Bildungsfragen vielfältig beleuchtet (vgl.S.41). Die aufgeführten Rekonstruktionen zeigen, dass Bildung im Rahmen der unterschiedlichen Migrationshintergründe durchgängig einen großen Stellenwert hat.

Im 5. Kapitel („Bildungsberatung im Migrationskontext zwischen Wissens- und Orientierungsbedarf“) werden aus der Fallrekonstruktionen Bedarfsstrukturen herausgefiltert, die sich im Verlauf der spezifischen Bildungsbiografien als beratungsrelevant erweisen. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen hier nicht mehr die einzelnen Menschen mit ihren bildungsbezogenen Erfahrungen und Handlungsorientierungen, sondern der Fokus richtet sich auf verdichtete bildungsbiografische Orientierungsmuster (vgl.S.137). Ein vielschichtiges Bild entsteht dadurch, dass diese Orientierungsmuster von der Autorin pointiert, differenziert und ergänzt werden.

Kapitel 6 („Ausblick auf mögliche Entwicklungslinien“) beschließt die Studie, fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und gibt einen Forschungsausblick für die Bildungsberatungsthematik.

Zielgruppe

Der Band ist insbesondere für diejenigen empfehlenswert, die unmittelbar mit Bildungs- und Berufsberatung befasst sind. Aber auch für angrenzende Tätigkeitsbereiche wie Ausbildung, Weiterbildung und Erwachsenenbildung könnte das Buch dazu dienen, ein besseres Verständnis der Adressaten – Menschen mit Migrationshintergrund zu gewinnen und die eigene Praxis kritisch zu hinterfragen.

Fazit

Im Fokus der Studie befindet sich die gesellschaftliche Gruppe von Menschen mit Migrationshintergrund. Die vorliegende Arbeit dient u.a. dazu, eine Forschungslücke in Bezug auf zielgruppenspezifische lebensweltliche Bildungsprozesse und ihren potentiellen Unterstützungsbedarf zu schließen. Denn auf der Angebotsseite liegen bereits umfassende Analysen vor, während es bisher kaum Forschungsarbeiten gibt, die die Perspektive von Menschen mit Migrationshintergrund in den Blick nehmen (vgl. S.7).

Die vorliegende Arbeit beleuchtet einen gesellschaftlich wichtigen Ausschnitt der Bildungberatung. Dazu wird ein qualitativ-empirischer Zugang gewählt, der besonders geeignet erscheint, um den Bedarf nach und den konkreten Umgang mit Bildungsberatung darzustellen. Die Forschungsergebnisse verweisen auf einen Bedarf an stärkerer Präsenz und Erreichbarkeit von bildungsbezogener Beratung als Orientierungshilfe, gleichzeitig auch auf Unkenntnis und skeptische Einstellung gegenüber diesem Beratungsformat.

Der Band leistet damit einen wichtigen Beitrag zur notwendigen Weiterentwicklung von Bildungsberatung. Zweifelsfrei ist es der Autorin gelungen, das Thema lebensnah, empirisch und theoretisch darzulegen.

Rezension von
Dr. Olga Frik
Sibirisches Institut für Business und Informationstechnologien / Finanzuniversität Omsk, Russische Föderation. Ehemalige Lehrbeauftragte und Gastwissenschaftlerin an der Leibniz-Universität Hannover
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Es gibt 41 Rezensionen von Olga Frik.

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Zitiervorschlag
Olga Frik. Rezension vom 05.12.2014 zu: Gertrud Siller: Bildungsberatung und Migration. Die Bedeutung der Bildungsbiografie. Budrich Academic Press GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2014. ISBN 978-3-86388-060-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16470.php, Datum des Zugriffs 12.08.2022.


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