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Andreas Häusler, Kerstin Krause-Köhler u.a.: Psychosoziale Therapie bei beginnender Demenz

Cover Andreas Häusler, Kerstin Krause-Köhler, Mechthild Niemann-Mirmehdi, Johanna Nordheim, Michael Rapp: Psychosoziale Therapie bei beginnender Demenz. Das DYADEM-Unterstützungsprogramm für Menschen mit Demenz und ihre Partner. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2014. 112 Seiten. ISBN 978-3-86321-181-3. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 34,60 sFr.
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Thema

Die Diagnose Demenz ist für erkrankte Menschen und deren Lebenspartner erschütternd. Die Folgen für das gemeinsame Leben reichen weit. Eine psychosoziale Therapie kann dabei unterstützen, die Lebens- und Beziehungsqualität der dementen Menschen und ihrer Familien zu verbessern.

Autorinnen und Autoren

  • Andreas Häusler ist Diplom-Psychologe und Psychotherapeut (VT) in Ausbildung. Er arbeitet seit 2011 in der Forschungsgruppe der DYADEM-Studie und ist seit 2013 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Potsdam.
  • Kerstin Krause-Köhler ist Diplom-Sozialarbeiterin am Gerontopsychiatrischen Zentrum der Charité am St. Hedwig-Krankenhaus. Darüber hinaus ist sie als systemische Beraterin tätig. Seit 2011 arbeitet sie in der Forschungsgruppe der DYADEM-Studie.
  • Mechthild Niemann-Mirmehdi ist Diplom-Sozialpädagogin und Leiterin der Therapeutischen Dienste der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité am St. Hedwig-Krankenhaus.
  • Dr. rer. medic Johanna Nordheim ist Diplompsychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medizinische Soziologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin und koordiniert dort seit mehreren Jahren Forschungsprojekte, die sich mit neuen, nicht-medikamentösen Therapien bei Demenz beschäftigen, wie z.B. die DYADEM-Studie.
  • Prof. Dr. med. Dr. phil. Michael Rapp ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie mit Zusatzbezeichnung Geriatrie, hat die Professur für Sozial- und Präventivmedizin an der Universität Potsdam inne und forscht seit mehreren Jahren zu Verbesserungsmöglichkeiten der Versorgung von Demenzkranken in Deutschland. Seit 2011 leitet er die DYADEM-Studie.

Entstehungshintergrund

Die DYADEM-Studie ist ein gemeinsames Projekt des Gerontopsychiatrischen Zentrums der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus und des Instituts für Medizinische Soziologie der Charité und wird unter der Leitung von PD Dr. Dr. Michael Rapp durchgeführt.

Aufbau

In der Einleitung stellen die Autoren die Ziele, Voraussetzungen und Anwendungsgrundlagen des DYADEM-Unterstützungsprogramms vor. Nach einer graphischen Übersicht über den Programmablauf folgt dann der Hauptteil des Buches. Dieser erläutert das Behandlungsmanual.

Inhalt

Das DYADEM-Programm stellt einen kombinierten Ansatz von sozial- und psychotherapeutischer Unterstützung dar. Das Programm sieht eine gemeinsame Durchführung eines Psychotherapeuten und eines Sozialpädagogen vor. Dies kann aber auch von geeigneten, anderen Berufsgruppen übernommen werden.

Das DYADEM-Programm wurde für die ambulante Begleitung entwickelt. Die Autoren weisen darauf hin, dass das Unterstützungsprogramm auch in teil- und vollstationären Versorgungsbereichen angewendet werden kann, wie beispielsweise während der klinischen Akutbehandlung oder Rehabilitation.

Ziel ist es, gemeinsam mit den demenzkranken Menschen und ihren Partnern Strategien zu entwickeln, um mit den Belastungen der Krankheit im Alltag und in der Partnerschaft zurecht zu kommen. Die Beziehungsqualität hat entscheidenden, langfristigen Einfluss auf die Lebensqualität des dementen Menschen. Zugleich gilt auch umgekehrt, die Gesundheit und Zufriedenheit des betreuenden Lebenspartners im Laufe der fortschreitenden Demenz zu erhalten. Das DYADEM-Programm bietet Entlastung nicht nur durch die Beratung über mögliche Hilfsangebote, sondern vor allem auch durch Stärkung der emotionalen und sozialen Ressourcen.

Das Behandlungsmanual besteht aus sieben persönlichen Sitzungen und zwei Telefonkontakten. Die persönlichen Sitzungen umfassen einen zeitlichen Umfang von zwei Stunden, die telefonischen von 30 Minuten. Insgesamt läuft die Behandlung über zehn Wochen mit wöchentlichem Sitzungsrhythmus.

Im Anhang zur Einführung geben die Autoren eine Liste von Handlungsempfehlungen zu möglichen Schwierigkeiten, die während der Intervention auftreten können. Diese können beispielsweise Ängste oder Depressionen bei dem dementen Menschen oder Partner sein, die die Mitarbeit erschweren.

Im Hauptteil stellen die Autoren das Behandlungsmanual vor. Die aufeinander aufbauenden Sitzungen werden zu Beginn gemeinsam, danach je nach Themen vom Sozialtherapeuten oder Psychotherapeuten durchgeführt. Die Autoren geben für jede Sitzung eine genaue Übersicht über die Inhalte und den dafür vorgesehenen zeitlichen Umfang an.

Die Sitzungen behandeln im Einzelnen:

  • Anamnese und Psychoedukation Demenz,
  • Netzwerk und Aktivitäten,
  • Partnerschaftliche Stressbewältigung,
  • Partnerschaftliche Kommunikation bei Demenz,
  • Telefonische Konsolidierung I,
  • Probleme lösen,
  • Alltagspraktisches Coping,
  • Telefonische Konsolidierung II,
  • Abschluss.

Im Anschluss an die entsprechenden Kapitel werden Materialien bereitgestellt wie zum Beispiel Wochenpläne für die Klienten, Dokumentationsbögen oder Gesprächshilfen für die Therapeuten. Hinweise auf weiterführende Informationen wie zum Beispiel zum Thema Fahrtüchtigkeit bei Demenz, stellen die Autoren ebenso zur Verfügung. Fallbespiele und Betroffenenzitate veranschaulichen die Lebenssituation und Bedürfnisse der erkrankten Menschen und ihrer Partner.

Diskussion

Das DYADEM-Programm schließt eine Lücke in der psychosozialen Versorgung von beiden Partnern nach der Diagnose Demenz. Die Kombination aus psychotherapeutischer und sozialtherapeutischer Intervention setzt bei der Krankheitsbewältigung des Menschen mit Demenz an und unterstützt zugleich den betreuenden Partner. Die Entwicklung von emotionalen und sozialen Bewältigungs- und Problemlösungsstrategien fördert die Lebens- und Beziehungsqualität. Außerdem wird damit die Möglichkeit verbessert, den demenzkranken Menschen Zuhause versorgen zu können.

Ein aktives, selbständiges Leben weiterzuführen, ist wichtig für die betroffenen Menschen. Die Diagnose Demenz darf weder zu Hilflosigkeit und Ohnmacht, noch zu sozialem Rückzug und Isolation führen.

Fazit

Das DYADEM-Unterstützungsprogramm für Menschen mit Demenz und ihre Partner zeigt einen zukunftsfähigen Ansatz durch die besondere Kombination von sozial- und psychotherapeutischer Intervention. Das Fachbuch der Autoren richtet sich an psychologisches und sozialpädagogisches Fachpersonal.


Rezensentin
Alexandra Günther
M.A., Pädagogin/Ethikerin
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Zitiervorschlag
Alexandra Günther. Rezension vom 30.10.2014 zu: Andreas Häusler, Kerstin Krause-Köhler, Mechthild Niemann-Mirmehdi, Johanna Nordheim, Michael Rapp: Psychosoziale Therapie bei beginnender Demenz. Das DYADEM-Unterstützungsprogramm für Menschen mit Demenz und ihre Partner. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2014. ISBN 978-3-86321-181-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16473.php, Datum des Zugriffs 20.10.2019.


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