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Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Herbert Schubert (Hrsg.): Lernende Bildungslandschaften

Cover Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Herbert Schubert (Hrsg.): Lernende Bildungslandschaften. Ein Leitfaden zur Qualitätsentwicklung. Klett-Kallmeyer (Seelze/Velber) 2014. ISBN 978-3-7800-4822-6. D: 18,95 EUR, A: 19,50 EUR, CH: 27,50 sFr.
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Herausgeber und Autoren

Nach ihrem wertvollen Praxishandbuch „Wie geht´s zur Bildungslandschaft? Die wichtigsten Schritte und Tipps“ legt die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung nun einen weiteren Band zum Thema Bildungslandschaften vor, dieses Mal in Ko-Herausgeberschaft mit Herbert Schubert, dem ausgewiesenen Experten für kommunale Netzwerkentwicklung und Leiter des Forschungsschwerpunktes Sozial – Raum- Management (SRM) an der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften, Fachhochschule Köln.

Der neue Leitfaden zur Analyse lokaler Stärken und Schwächen der Bildungsversorgung basiert auf Erkenntnissen aus dem Programm „Lebenswelt Schule“ der Kinder- und Jugendstiftung in Zusammenarbeit mit der Jacobs Foundation, das vier Kommunen beim Aufbau ihrer jeweiligen Bildungslandschaft Unterstützung gewährt hatte. Dieser Entwicklungsprozess war durch die Fachhochschule Köln evaluiert worden.

Verantwortlich für den Inhalt des Bandes sind, als Autoren oder Berater, Mitarbeiter der genannten Institutionen.

Thema und Zielgruppen

Lokale Bildungslandschaften sind, nach der Definition des o.a. Praxishandbuchs, langfristige, professionell gestaltete, auf gemeinsames, planvolles Handeln abzielende, kommunalpolitisch gewollte Netzwerke zum Thema Bildung, die - ausgehend von der Perspektive des lernenden Subjekts – formale Bildungsorte und informelle Lernwelten umfassen und sich auf einen definierten lokalen Raum beziehen. Bildungslandschaften sollen Gewähr dafür bieten, dass die lokale Bildungspolitik traditionelle Strukturen (wie Versäulung und Verinselung der Angebote, Ressorts und Zuständigkeiten) mit den bekannten Folgen mangelnder Koordinierung und uneinheitlicher Standards überwindet und stattdessen integrierte Konzepte entwickelt, in verstärkter Autonomie der verschiedenen Partner. (Vgl. die früher erschienene Besprechung des Praxishandbuchs durch dieselbe Rezensentin)

Der nunmehr neu vorgelegte Leitfaden für „Lernende Bildungslandschaften“ richtet sich „an Menschen, die Verantwortung in lokalen oder kommunalen Bildungslandschaften tragen und die Qualität ihrer Bildungslandschaft weiterentwickeln wollen“ (Vorwort). Er bietet Grundlageninformationen zur Evaluation bereits vorhandener Bildungslandschaften und damit zur möglichst günstigen Weiterentwicklung vor Ort. Er soll als praxisprorientiertes Instrument für die Gestaltung und Weiterentwicklung der je eigenen Bildungslandschaft konstruktive Ideen und Ratschläge geben.

Aufbau und Inhalt

Der Leitfaden besteht aus zwei großen Hauptteilen:

  1. einem Orientierungsrahmen, der die Leser über die fünf übergeordneten Themen informiert, die für eine kommunale Bildungslandschaft von zentraler Bedeutung erscheinen, und
  2. einem Qualitätskreislauf, der Vorschläge für ein Verfahren enthält, wie Qualitätsentwicklung in die Praxis umgesetzt werden kann.

„Zwei wichtige Fragen vorweg“ widmen sich einführend den beiden strategisch wichtigen Problemen nach der ‚richtigen Reihenfolge‘ bei der Auswahl der Themen der Evaluation sowie den Initiatoren eines Qualitätsentwicklungsprozesses. Hier wird, wie im früheren Praxishandbuch ausführlich, noch einmal kurz auf das Zusammenspiel der drei unterschiedlichen Ebenen (operativ, strategisch, normativ) und ihrer jeweiligen Bedeutung im Blick auf das ganze Geschehen hingewiesen. Wichtig ist den Autoren die Empfehlung an die Akteure vor Ort, sich nicht zu viele Themen auf einmal vorzunehmen, sondern lieber einen Qualitätszirkel zu einem Thema vollständig durchzuführen und dann mit einem anderen Thema den Kreislauf von vorn noch einmal neu zu beginnen.

Teil 1, der Orientierungsrahmen, bildet die fünf zentralen Themen einer Bildungslandschaft ab, unter anderem durch ein anschauliches Schaubild. Herzstück ist der „Inhaltliche Kern“, eingerahmt durch einerseits handlungs- und entscheidungsfähige Strukturen, andererseits durch gut funktionierende Prozesse. Die fünf übergeordneten Themen gliedern sich in insgesamt 15 konkrete Entwicklungsbereiche auf, die unmittelbar zu den Fragen hinführen, die im Qualitätsentwicklungsprozess geklärt werden müssen. Auf jeweils einer Doppelseite finden sich in dem Band zu jedem der 15 konkreten Entwicklungsbereiche jeweils eine Kernfrage und mehrere Orientierungsfragen, die von den Akteuren für ihre Analyse von Stärken und Schwächen herangezogen werden können, außerdem weiterführende Hinweise auf gedruckte Literatur und Onlinequellen, Praxisbeispiele und Werkstattberichte. Broschüren und Filme.

Teil 2, der Kreislauf der Qualitätsentwicklung, zeigt in einem weiteren Schaubild zunächst einen „Reflexionskreis zur Qualitätsentwicklung“, der in sieben Schritten von der Analyse von Stärken und Schwächen zur Entwicklung von notwendigen Veränderungen und Handlungsempfehlungen führt. Für jeden Schritt finden sich Hinweise zur konkreten Ausgestaltung, jeweils gegliedert nach der Frage „Was passiert?“ und darauf folgenden „3 Empfehlungen“. Allerdings gebe es, so die wichtige Warnung der Autoren vorweg, in der Realität nicht immer die Chance zum idealtypischen Vorgehen. Auch für solche Abweichungen bietet der Leitfaden in der Folge aber manch nützlichen Tipp.

Die stringente Abfolge der einzelnen Themen und Fragen wird unterbrochen durch eingestreute Kurzberichte aus Modellkommunen und/oder Interviews mit verantwortlichen Akteuren solcher Kommunen, deren Bildungslandschaft mit Unterstützung der Kinder- und Jugendstiftung und der Jacobs Foundation aufgebaut wurde.

Fazit

Der Band ist verdienstvoll und nützlich. Er ist verständlich geschrieben, hat ein attraktives und übersichtliches Layout und erleichtert durch seinen strukturierten Aufbau die rasche Orientierung. Zumindest als Einstieg in einen Qualitätskreislauf zur Entwicklung einer lokalen Bildungslandschaft erscheint dieser Leitfaden sehr gut geeignet.


Rezension von
Prof. Dr. Sylvia Greiffenhagen
Die Rezensentin hat bis zu ihrer Pensionierung Politikwissenschaft mit Schwerpunkt auf Sozial- und Gesundheitspolitik an der Evangelischen Hochschule Nürnberg im Fachbereich Soziale Arbeit gelehrt.


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Zitiervorschlag
Sylvia Greiffenhagen. Rezension vom 19.06.2014 zu: Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Herbert Schubert (Hrsg.): Lernende Bildungslandschaften. Ein Leitfaden zur Qualitätsentwicklung. Klett-Kallmeyer (Seelze/Velber) 2014. ISBN 978-3-7800-4822-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16479.php, Datum des Zugriffs 27.05.2020.


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