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K. Peter Fritzsche: Menschenrechte. Eine Einführung mit Dokumenten

Cover K. Peter Fritzsche: Menschenrechte. Eine Einführung mit Dokumenten. Verlag Ferdinand Schöningh (Paderborn) 2004. 406 Seiten. ISBN 978-3-8252-2437-0. 15,90 EUR.

Reihe: UTB - 2437.

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Einführung in das Thema

Menschenrechte sind angeboren, für jeden Menschen zu jeder Zeit, an jedem Ort und in jeder kulturellen Gemeinschaft gültig. "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren", so heißt es in Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte", die von den Vereinten Nationen am 10. 12. 1948 proklamiert wurde. Und in Art. 2 wird attestiert, dass Jedermann Anspruch auf die in dieser Erklärung aufgeführten Rechte und Freiheiten habe, und zwar ohne "irgendeine Unterscheidung, wie etwa nach Rasse, Farbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer und sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, nach Vermögen, Geburt oder sonstigem Status".

Der bisher einzige UNESCO-Lehrstuhlinhaber für Menschenrechtserziehung an einer deutschen Hochschule, der Universität Magdeburg, Prof. Dr. K. Peter Fritzsche, hat eine längst fällige Arbeit, einen "Wegweiser zu den Menschenrechten", vor gelegt. Wenn auch Menschenrechte jedem Menschen auf der Erde zustehen, so sind sie, wie wir alltäglich erfahren können, nicht selbst verständlich. Menschenrechtsverletzungen und Missachtung der von den Vereinten Nationen in der o.a. Erklärung bereits 1948 deklarierten Rechte und Freiheiten im menschlichen Dasein gibt es überall, in der Vergangenheit und Gegenwart. Zur Wahrung und Durchsetzung der Menschenrechte als unverzichtbare und allgemeingültige Werte und Normen ist es notwendig, über sie Bescheid zu wissen, die vielfältigen nationalen und internationalen Dokumente und Statuten zu kennen, von der Entstehungsgeschichte der (modernen) Menschenrechte, mit den "Virginia Bill of Rights" von 1776, der "Französischen Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte" von 1789, bis hin zu den im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland festgelegten Bindungen und Verpflichtungen zur Verwirklichung der Menschenrechte, und nicht zuletzt zu den im internationalen Diskurs formulierten Normen, z. B. im (noch) bisherigen Entwurf einer Verfassung für Europa avisierten Werten, wie "die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte".

Inhalt

Die bisher in unterschiedlichen und für Interessierte nur mühsam und unvollständig auffindbaren Quellen werden von Fritzsche dokumentiert. Dabei fehlen weder die o. a. aufgeführten traditionellen Dokumente, die bereits in der Sammlung von internationalen Abkommen, Vereinbarungen und Erklärungen von der Deutschen UNESCO-Kommission 1981 enthalten sind, noch in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannte "Kairoer Erklärung über Menschenrechte im Islam" von 1990, in der, auf der Grundlage der islamischen Scharia in 25 Artikeln das Menschenrechtsverständnis der Muslime dargelegt wird. Es ist dringend geboten, die verschiedenen, für die internationale Menschenrechtsdiskussion notwendigen und für alle Menschen verpflichtenden Normen bekannt zu machen und in den Kontext zu stellen, den Fritzsche als wichtige Argumente seinem Buch voran stellt, nämlich

  1. ein roter Faden zu sein durch die zuweilen verwirrende Landschaft des internationalen Menschenrechtsschutzes,
  2. ein Wegweiser zum Kern der Menschenrechtsidee: individuelle Selbstbestimmung und Gleichberechtigung ("Nichtdiskriminierung") darzustellen,
  3. den Blick auf die unterschiedlichen Dimensionen der Menschenrechte vor allem die politische, moralische, rechtliche und Bildungsseite zu richten,
  4. den Gedanken zu stärken, dass Menschenrechte, die nicht im Bewusstsein der Bürger und Bürgerinnen verankert sind, macht- und wirkungslos bleiben,
  5. einen Ausblick auf noch unvollendete Projekte der Menschenrechte zu geben,
  6. eine praktische Anregung zur Nutzung und zu den Möglichkeiten der Einbeziehung des Internets als zusätzliche Informationsquelle zur Verwirklichung der Menschenrechte anzubieten.

Fritzsche gliedert das Buch in handhabbare und für die Menschenrechtsarbeit in den verschiedenen Zusammenhängen und Bereichen nützliche Fragestellungen, wie z. B.:

  • Begriffsklärung,
  • Kategoriebildung und Modellstrukturen;
  • eine Auseinandersetzung mit Fragen des nationalen und internationalen Menschenrechtsschutzes;
  • der Diskussion um die Unteilbarkeit von Menschenrechten,
  • strittige Aspekte
  • und unvollendete und anzustrebende Entwicklungen.

Besonders wichtig ist die Beschäftigung mit den Menschenrechten von besonders verletzlichen und betroffenen Gruppen, wie etwa: Frauen- und Kinderrechte, Situation von Flüchtlingen, Asylsuchenden, Migranten und Minderheitenrechte.

Für Politiker als auch für Engagierte bei Nichtregierungsorganisationen und Vereinen, für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit, ist sicherlich die kommentierte Auflistung von Adressen, Fundstellen im Internet, Quellenangaben und Literaturhinweisen nützlich. Sie sind hilfreich und notwendig, um das zu erkennen und mit realisieren zu helfen, was Fritzsche die "kritische Kraft" der Menschenrechte nennt: "Vor allem die Aufklärung über die Menschenrechte und das Lernen der Menschenrechte können eine große Kraft der Veränderung freisetzen, denn sie befähigen Menschen, Verhältnisse zu kritisieren und umzugestalten, in denen die Menschenrechte noch nicht verwirklicht sind oder verletzt werden".

Der zweite Teil des Buches besteht in der auszugsweisen Darstellung von wichtigen Dokumenten zur Entwicklung und Verwirklichung der Menschenrechte im nationalen und internationalen Rahmen Dass dies, bei dem gewählten Buchumfang und der Zielsetzung, auswahlhaft erfolgen muss, ist selbstverständlich. Auch wenn wichtige Aspekte und Dokumente fehlen, wie z. B. der Hinweis darauf,

  • dass es eine weitgehend unbekannte "Afrikanische Charta der Rechte der Menschen und Völker" gibt,
  • dass, für die interkulturelle Diskussion nicht uninteressant, Erklärungen von indigenen Völkern und Minderheiten zu Menschenrechtsfragen vorliegen,
  • dass der 1998 in Genf gegründete "International Council on Human Rights Policy", sowie das im Herbst 2001 in Berlin eingerichtete "Deutsche Institut für Menschenrechte" im Spannungsfeld der Terrorismusbekämpfung und des internationalen Menschenrechtsschutzes, besonders nach dem 11. September 2001, wichtige Leitgedanken zur aktuellen Diskussion liefern;
  • dass schließlich Aktivitäten wie die von der "Gesellschaft Minderheiten in der Schweiz" und der "Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus" alljährlich herausgegebenen Dokumentationen über "rassistische Vorfälle in der Schweiz" beispielhafte und nachahmenswerte Menschenrechtsarbeit leisten.

Fazit

K. Peter Fritzsches verdienstvolle Arbeit passt sich ein in eine Reihe von Initiativen, wie etwa die an der Universität Oldenburg geleistete Arbeit zur Durchsetzung von "Lernprozessen zwischen gesellschaftlicher Anpassungsgewalt und Widerstand (W. Nitsch u.a.: Statt Menschenliebe: Menschenrechte, 2002), Auseinandersetzungen zur "Zivilcourage und Mut im Alltag" (Gerd Meyer, 2004; vgl. die Rezension zu diesem Buch), Beiträgen zur qualitativen Migrationsforschung (Tarek Badawia u.a., 2003, vgl. die Rezension des Buchs) und Volker Lenharts "Pädagogik der Menschenrechte" (vgl. die Rezension des Buchs). Sie füllt damit eine Lücke im Diskurs um Menschenrechtsfragen und deren Durchsetzung im "globalen Dorf", das wir nur allzu gerne als "Eine Welt" bezeichnen; und in der die Verwirklichung der allgemeingültigen und unteilbaren Menschenrechte am Anfang steht. Diese Aufgabe als "kritische Kraft" und als Chance zur humanen Weiterentwicklung der Menschheit zu begreifen, ist Verpflichtung für alle Menschen, in jeder Altersstufe, in welchem Lebens- und Arbeitsbereich und in welcher Kultur auch immer.

Das Buch sollte "handgreiflich" sein, in den Bibliotheken, Handapparaten und Arbeitsstellen, überall.


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 27.04.2004 zu: K. Peter Fritzsche: Menschenrechte. Eine Einführung mit Dokumenten. Verlag Ferdinand Schöningh (Paderborn) 2004. ISBN 978-3-8252-2437-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1648.php, Datum des Zugriffs 21.09.2019.


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