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Ainsley Johnstone, Matthew Johnstone: Mit dem schwarzen Hund leben

Rezensiert von Dipl.-Päd. Petra Steinborn, 04.04.2014

Cover Ainsley Johnstone, Matthew Johnstone: Mit dem schwarzen Hund leben ISBN 978-3-88897-594-3

Ainsley Johnstone, Matthew Johnstone: Mit dem schwarzen Hund leben. Wie Angehörige und Freunde depressiven Menschen helfen können, ohne sich dabei selbst zu verlieren. Verlag Antje Kunstmann GmbH (München) 2009. 80 Seiten. ISBN 978-3-88897-594-3. 14,90 EUR.

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Thema

Viele Menschen erkranken an einer Depression. Oft fehlen Worte für diesen schwer fassbaren Zustand. Johnstone vergleicht seine Depression mit einem großen schwarzen Hund, der von nun an sein Leben und das seiner Frau und Familie begleitet. Er berichtet in diesem Buch von den Erfahrungen mit dieser Erkrankung. Das Buch handelt davon, wie man lernen kann, einen Weg ins Leben mit dem schwarzen Hund zu finden.

Autoren

Geboren wurde Matthew Johnstone 1964 in Australien. Er arbeitete als Kreativdirektor in renommierten Werbeagenturen in Sydney, San Francisco und New York. Neben diesem Buch schrieb er in zwei weitere Bücher. Sie sind in Deutschland, Australien, Neuseeland und England erschienen und Bestseller geworden. Gemeinsam mit seiner Frau Ainsley Johnstone schrieb er dieses Buch und findet Wege mit der Depression umzugehen.

Entstehungshintergrund

Matthew Johnstone erkrankte im Alter von 20 Jahren an Depressionen. „Der Schwarze Hund“ ist sein erstes Buch. Gemeinsam mit seiner Frau Ainsley Johnstone schrieb er diese Fortsetzung unter dem Titel „Mit dem schwarzen Hund leben. Wie Angehörige und Freunde depressiven Menschen helfen können, ohne sich dabei selbst zu verlieren“. Das hier vorliegende Buch ist aus der Perspektive der Ehefrau geschrieben, der es so ergeht, wie vielen anderen Angehörigen auch. Das dritte Buch trägt den Titel „Den Geist beruhigen“. Darin berichtet er von seinen Erfahrungen mit der Meditation (www.socialnet.de/rezensionen/16378.php).

Aufbau und Inhalt

Dieses Buch im Din A 5 Querformat umfasst 80 Seiten. Zahlreiche Illustrationen umrahmen kurze Texte und Erklärungen. Das Buch hat verschiedene Kapitel (Fettdruck), aber keine Seitenzahlen.

Es beginnt mit dem, was Angehörigen zuerst auffällt. Am Anfang sind es nur Momente, die anders sind wie z.B. Spuren oder das Verschwinden des Leuchten in den Augen. Es folgt eine Beschreibung darüber, was man nicht sagen oder tun sollte wie z.B. gut gemeinte Ratschläge oder Appelle geben. Daran anschließend macht sie Vorschläge, was man Gutes tun und sagen kann wie z.B. das Thema sensibel anzusprechen, einfach nur zuhören oder zu ermutigen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Hilfreich ist, weniger Stress zu haben, denn das bedeutet, dass der schwarze Hund weniger da ist. Bewährt hat sich z.B. eine „Hau ab, Hund“ Schachtel, in der der depressive Partner Dinge vorfindet, die ihn aufmuntern. Es wird beschrieben, wie man den schwarzen Hund akzeptieren kann z.B. indem man sich über die Krankheit informiert. Wissen ist Macht. Hilfreich ist auch Schlüsselreize frühzeitig zu erkennen. Für Angehörige ist es besonders wichtig, dass sie nicht alles alleine lösen wollen und können, sondern erkennen, dass professionelle Hilfe hinzugezogen werden sollte. Es besteht die Gefahr, dass Angehörige so sehr unterstützen, dass sie selber in ein burnout rutschen. Deshalb macht es Sinn, ein paar einfache Vereinbarungen zu schließen wie z.B. nicht zu helfen, wenn der Erkrankte selber nicht einsichtig ist. Am Ende des Buches findet der Leser eine Liste mit Hilfsangeboten. Ainsley Johnstone hat viel Erfahrung im Umgang mit Depressionen und zahlreiche Gespräche mit anderen Angehörigen geführt. Sie beschreibt, wie man sich als Angehörige selber schützen kann z.B. die negativen Gefühle des Partners nicht persönlich zu nehmen und sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen, denn es tut gut, von Menschen umgeben zu sein, die verstehen. Zudem ist auch wichtig, die eigenen Kontakte zu pflegen und sich mit Freunden zu treffen, um „Trost, Unterstützung und Lebensklugheit“ zu bekommen. Das Buch endet mit einem Plan B also Vorkehrungen, die ein Auffangnetz sein können, wenn sich die Depression des Partners verschlimmert, Literaturhinweisen und Webseiten in Deutschland, der Schweiz und Österreich.

Mit einer Depression ist es wie mit einem Hund, der einem zu läuft und dann nicht mehr von der Seite weicht. Anfänglich weiß man nicht, mit der Situation umzugehen und nicht selten passiert es, dass der Hund die Regie übernimmt. Eine Wende kann dann eintreten, wenn die Erkenntnis reift, dass es gelingen muss mit dem schwarzen Hund zu leben und ihm einen Platz einzuräumen, anstatt ihn das tun zu lassen, was er will und frei herumlaufen zu lassen.

Im Nachwort dieses Buches beschreibt der Autor, dass das Schreiben der Bücher eine Befreiung war, weil er sich mit der Krankheit auseinander setzen musste. Seit dem Erscheinen der Bücher hält er sehr viele Vorträge und hilft anderen Menschen, mit ihrer Erkrankung umzugehen.

Diskussion

Eines Tages trat ein schwarzer Hund in das Leben des Familie Johnstone. Anfänglich war nicht klar, was das bedeutet. Die Wahrscheinlichkeit an Depressionen zu erkranken ist nicht gering, denn eine von 4 Frauen und einer von 6 Männern sind betroffen. Die Autorin hatte zuvor nie mit Depressionen zu tun gehabt und sie wusste nicht, wie diese Situation sich auf sie und ihr Leben auswirken würde.

Als Angehörige musste sie lernen im Schatten des Hundes zu leben. Angehörige spielen eine zentrale Rolle bei der Bewältigung dieser Erkrankung. Ainsley Johnstone hat mit vielen Angehörigen gesprochen und erfahren, wie wichtig es ist, die eigenen Erfahrungen zu teilen und zu wissen, dass man nicht alleine ist. Das gibt Trost. Aufgrund dieser Erfahrungen hat sie das Buch geschrieben.

Ein Weg aus der Erkrankung ist einen individuell passenden Umgang zu finden und anstatt gegen den schwarzen Hund zu kämpfen. Es ist hilfreicher seine Energie darauf zu verwenden, einen Umgang mit ihm zu finden.

Fazit

Ein Bilderbuch für Erwachsene? Wozu? Dies könnte die erste Reaktion sein, wenn man die Bücher von Ainsley und Matthew Johnstone zur Hand nimmt. Es scheint ein neuer Trend zu sein, Bilderbücher dieser Art zu veröffentlichen. Solche Bücher machen neugierig, denn es sind vor allem die Illustrationen, die ansprechen. Ein Bild kann mehr sagen als 1000 Worte.

Auch wenn es anfänglich so wirkt, sind diese Bücher nicht nur zur Unterhaltung geschrieben. Die Bilder sind so gewählt, dass sie dem Betrachter die Möglichkeit eröffnen, an eigene Erfahrungen anzuknüpfen. Es ist gelungen, aussagekräftige Bilder zu finden, die eine starke Wirkung ausüben. Kurze Texte geben kleine Orientierungshilfen. Eine Depression ist ein schwer fassbarer Zustand. Trotz der Schwere des Themas macht das Buch Mut, denn es zeigt Möglichkeiten und Wege mit dem schwarzen Hund zu leben und Perspektiven zu entwickeln. Empfehlenswert!

Rezension von
Dipl.-Päd. Petra Steinborn
Tätig im Personal- und Qualitätsmanagement in einer großen Ev. Stiftung in Hamburg-Horn. Freiberuflich in eigener Praxis (Heilpraktikerin für Psychotherapie). Leitung von ABC Autismus (Akademie-Beratung-Coaching), Schwerpunkte: Autismus, TEACCH, herausforderndes Verhalten, Strategien der Deeskalation (systemisch), erworbene Hirnschädigungen
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Zitiervorschlag
Petra Steinborn. Rezension vom 04.04.2014 zu: Ainsley Johnstone, Matthew Johnstone: Mit dem schwarzen Hund leben. Wie Angehörige und Freunde depressiven Menschen helfen können, ohne sich dabei selbst zu verlieren. Verlag Antje Kunstmann GmbH (München) 2009. ISBN 978-3-88897-594-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16487.php, Datum des Zugriffs 20.05.2024.


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