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Rainer Göckler, Matthias Rübner u.a.: Beschäftigungsorientiert beraten und vermitteln

Cover Rainer Göckler, Matthias Rübner, Karl-Heinz Kohn, Ursula Jäger, Michael Franck: Beschäftigungsorientiert beraten und vermitteln. Handbuch für Arbeitsförderung und Grundsicherung. Walhalla Fachverlag (Regensburg) 2013. 300 Seiten. ISBN 978-3-8029-7521-9. D: 24,95 EUR, A: 25,70 EUR, CH: 35,50 sFr.
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Thema

Der Titel „beschäftigungsorientiert beraten und vermitteln“ bezeichnet prägnant das Thema und das Anliegen dieses (Hand-) Buches:

  • Die Verben verweisen auf die Kompetenzen, über die BeraterInnen und VermittlerInnen aus der Sicht des Autorenteams verfügen sollten, das Beraten- und Vermitteln-Können.
  • Das Adjektiv verweist auf das Anwendungsfeld, die sozialrechtlich konstituierte Beschäftigungsförderung als Teil des Sozialgesetzbuchs.

Dem Autorenteam geht es darum, den Aufbau dieser Kompetenzen dadurch zu unterstützen, indem es ausgewählte, relevante Ergebnisse aus der heterogenen, multidisziplinär geprägten Wissensbasis für dieses komplexe Tätigkeitsfeld verständlich vorstellt.

AutorInnen

Alle fünf AutorInnen, die aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen (Wirtschaftspädagogik, Soziologie, Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre) stammen, arbeiten seit Jahrzehnten im Feld der Arbeitsförderung und Grundsicherung. Durch teilweise lange Kooperationen an denselben Bildungseinrichtungen (Fachhochschule des Bundes – Fachbereich Arbeitsverwaltung und Hochschule der Bundesagentur für Arbeit), lehren und forschen sie in diesem Feld nicht nur unter ihrer je eigenen wissenschaftlichen Perspektive, sondern kennen die disziplinären Schnittstellen im Feld durch den interdisziplinären Austausch sowie die Praxis in Arbeitsagenturen und JobCentern.

Entstehungshintergrund

Ein Ziel des interdisziplinären und kollegialen Austauschs bestand stets darin, zukünftige BeraterInnen und VermittlerInnen möglichst gut auf die komplexen Anforderungen im Feld der Beschäftigungsförderung vorzubereiten, sie handlungsfähig zu machen und ihnen (Meta-) Kompetenzen zu vermitteln, die es ihnen ermöglichen, mit unterschiedlichen Menschen in berufsbiographisch schwierigen Situationen – auf die diese je individuell reagieren - förderlich und, je nach Bedarf, wegweisend bis -begleitend umzugehen und dabei die kontextuellen Dynamiken zu berücksichtigen, die durch wirtschaftliche, soziale, rechtliche oder innerorganisatorische Veränderungen entstehen.

Seit langem fehlt ein allgemein zugängliches Handbuch für Studierende, Fach- und Führungskräfte, das die multidisziplinären Inhalte und Perspektiven unter Bezug auf das Arbeitsfeld der Beschäftigungsförderung sammelt, bündelt und aufeinander bezieht.

Aufbau

Das, was in einer kompetenten Praxis zusammenfließen soll, muss in einem Buch notwendigerweise analytisch differenziert werden; das Autorenteam bildet dazu die folgenden sechs Kapitel:

  1. Arbeitsmarkttheoretische Grundlagen (R. Göckler & M. Franck)
  2. Bildungs- und Berufswissenschaften (K.-H. Kohn & R. Göckler)
  3. Vermittlung und Integration (M. Rübner & U. Jäger)
  4. Instrumente der aktiven Arbeitsmarktpolitik (K.-H. Kohn & R. Göckler)
  5. Beratung in der Arbeitsförderung und Grundsicherung (M. Rübner & R. Göckler)
  6. Case Management in der Beschäftigungsförderung: Das beschäftigungsorientierte Fallmanagement ( R. Göckler & U. Jäger).

Inhalt

Im ersten Kapitel, den Arbeitsmarkttheoretischen Grundlagen fokussieren die beiden Autoren R. Göckler & M. Franck auf drei Aspekte: Zum einen auf „arbeitsmarktbezogene Grundzusammenhänge“ (Kap. 1.1), in dem sie die Angebots- und Nachfrageseite des Arbeitsmarktes vorstellen, gerade mit seinen Unterschieden zu Gütermärkten.

Zum Zweiten, im Abschnitt 1.2, auf die Arbeitsmarktstatistik, einer spezifischen, für die Vermittlung und Beratung zentralen Informationsgrundlage: Was bedeutet bspw. die absolute Zahl an Arbeitslosen, die uns monatlich in den Nachrichten vorgestellt wird? Die Tabelle 5 (S. 51) zeigt für das Jahr 2011, dass sich 8.218.000 Menschen bei der BA arbeitslos gemeldet und sich 8.449.000 Menschen abgemeldet haben; wie kann es dann über das Jahr fast 3.000.000 Arbeitslose geben? Nach der Lektüre ist deutlich, dass es nicht um fast 3 Millionen konkrete Individuen geht, sondern dass die Arbeitslosenzahl eine gedankliche Konstruktion ist, die sich aus drei verschiedenen Größen zusammen setzt. Erst eine Detailanalyse zeigt, dass von diesen beinahe 3 Mill. Menschen etwa ein Drittel ein ganzes Jahr und länger arbeitsuchend war. Da „der Arbeitsmarkt“ eine Abstraktion ist, die aus konkreten, beruflichen Teil-Arbeitsmärkten zusammengesetzt ist, eröffnet das Kapitel 1.2.5 mit den „Chancenindikatoren“ neue Perspektiven auf das Problem und damit neue vermittlerische Handlungsoptionen.

Den dritten Aspekte (Kap. 1.3) bilden die wichtigsten Theorien, die das Phänomen der Arbeitslosigkeit erklären bzw. zu erklären suchen und insofern oft genug handlungsleitend sind für Regierungen, um das Problem zu verringern. Mit der Theorie der Übergangsmärkte (Kap. 1.3.2.6) eröffnen die Autoren Vermittlern wie ihren Führungskräften Perspektiven für das je eigene strategische Handeln in größerem politischen Rahmen.

Eine weitere Wissensbasis jeglicher berufsberaterischer wie -vermittlerischer Tätigkeit sind profunde Kenntnisse um (Aus-)Bildungswege und Berufe. Das ist der Gegenstand des zweiten Kapitels von K.-H. Kohn & R. Göckler. Die Vielzahl der Ausbildungswege in Deutschland (ca. 400), der Studiengänge (ca. 18.000) sowie der Berufe (ca. 35.000 Berufsbezeichnungen) ist nur mit Hilfsmitteln überschaubar und strukturierbar zu machen, was exemplarisch sowohl für Bildungswege (S. 85) wie für Berufe (S. 90 f) im Kapitel 2.2 gezeigt wird. Von der Ebene konkreter Bildungsgänge mit ihren Inhalten bzw. beruflicher Tätigkeiten mit ihren spezifischen Anforderungen ist man damit noch sehr weit entfernt – es werden jedoch Wege skizziert, wie Fachkräfte auf die Ebene der Details gelangen können.

Pragmatisch gewendet, in Richtung notwendiger Kompetenzen, sind die beiden letzten Abschnitte des Kapitels: Im Abschnitt 2.3 geht es um die „Einschätzung von Integrationschancen auf beruflichen Teilarbeitsmärkten“ (S. 94). Die Autoren wählen dafür einen Weg über die Formulierung von drei Analyseproblemen, die von BeraterInnen und VermittlerInnen in jedem Einzelfall gelöst werden müssen, um zu einer tragfähigen Einschätzung zu gelangen.

Vor diesem Hintergrund formulieren die Autoren im abschließenden Teilkapitel 2.4 sieben Konsequenzen für die Qualitätssicherung innerhalb dieser zentralen Wissensdomäne.

Das dritte Kapitel von M. Rübner & U. Jäger behandelt die beiden zentralen Stichworte „Vermittlung und Integration“ (S. 105). Es ist mit 83 Seiten das umfangreichste Kapitel, das in sechs Abschnitte gegliedert ist. Beginnend mit geschichtlichen Aspekten der Einrichtung einer öffentlich-rechtlichen Arbeits- und Ausbildungvermittlung in Deutschland (Kap. 3.1), folgen im Abschnitt 3.2 die rechtlichen Grundlagen (§§ 35-36, § 41 SGB III) des vermittlerischen Tuns. Die Teil-Kapitel 3.3 und 3.4 dienen der Verknüpfung des rechtlichen Auftrags mit dem fachlichen Handeln. Letzteres wird – kompetenzorientiert – in zwei zentrale Teilhandlungen zerlegt: Im Abschnitt 3.5 geht es um das diagnostische Tun, die Beschreibung einer Person und ihrer aktuellen Situation. Auf welche Merkmale (S. 130) ist dabei zu achten? Woran kann man sie erkennen und was ist an ihnen bedeutsam (S. 130-142)? Dieses Teilkapitel wird beschlossen durch eine Beschreibung der „Erfolgskritischen Faktoren der Situationsanalyse“ (S. 146) differenziert nach „konzeptionellen“ sowie „organisatorischen und geschäftspolitischen“ Voraussetzungen. Sie machen einerseits die Komplexität dieser Teilhandlung sichtbar und zeigen andererseits, wie ihre Qualität unterstützt bzw. abgesichert werden kann.

Die zweite zentrale Teilhandlung ist das Vermitteln: Zunächst werden die gesetzlich definierten Zielvorgaben vorgestellt (S. 149 f), anschließend vier Strategien, die zunächst im Überblick (Abb. 23, S. 154) vorgestellt und anschließend differenziert erläutert werden: direkte Strategien (Kap. 3.6.2), indirekte Strategien (Kap. 3.6.3), Strategien zur Unterstützung der Selbstständigkeit (Kap. 3.6.3) sowie Strategien für verschiedene Zielgruppen (Kap. 3.6.5). Innerhalb der ersten beiden Strategie wird sowohl die Perspektive der Arbeitnehmer (Kap. 3.6.2.2; 3.6.3.1) als auch die der Arbeitgeber (Kap. 3.6.2.3; 3.6.3.2) differenziert betrachtet.

Das Kapitel 4 „Instrumente der aktiven Arbeitsmarktpolitik“ von K.-H. Kohn & R. Göckler, hängt eng mit dem vorhergehenden zusammen: Das Arbeitslosengeld als passive Entgeltersatzleistung wird ergänzt durch eine aktive Begleitung und Unterstützung von arbeitslos Gewordenen durch Beratung (s. Kap. 5) und Integrationsstrategien (s. o.). Die aktive Rolle des Staates, der Legislative durch eine entsprechende Gesetzgebung, der Exekutive durch Beratungs- und Vermittlungs-Dienstleistungen sowie Förderleistungen wird in diesem Kapitel vorgestellt. Das Kapitel ist in drei Abschnitte unterteilt: Das Kap. 4.1 bildet einen breit angelegten advanced organizer. Zunächst wird die Rechtsentwicklung bis zur aktuellen Situation skizziert, anschließend werden die Ziele (Kap. 4.1.2) des Gesetzgebers beschrieben, die gesetzlichen Teilaufträge (Kap. 4.1.3) benannt sowie ein Überblick über alle Leistungen (Kap. 4.1.4; Tab. 12) gegeben. Im Abschnitt 4.2 werden die sechs gesetzlichen Teilaufträge genauer dargestellt.

Der letzte Abschnitt 4.3 ist der empirischen Seite aller solcher Maßnahmen gewidmet, ihrer Wirksamkeit: Mittels Instrumenten des Controllings sowie der Evaluation wird die Effizienz und Effektivität solcher Maßnahmen untersucht. Auf der Basis von ausgewählten Ergebnissen aus dem Jahr 2011 entwerfen die Autoren „Erfolgsfaktoren“ (Kap. 4.3.3), die bei der Kombination von Maßnahmen berücksichtigt werden sollten.

Den Kern des Kapitels 5 von M. Rübner & R. Göckler bildet die „Beratung in der Arbeitsförderung und Grundsicherung“. Es ist in neun Teilkapitel aufgeteilt: Die ersten fünf Teilkapitel konkretisieren den vagen Begriff „Beratung“ für das Arbeitsfeld „Beschäftigungsförderung“, indem sie bspw. Aspekte „hilfreicher Beratung“ (Kap. 5.2), die „Grundstruktur von Beratung“ (Kap. 5.3) oder das „Menschenbild“ (Kap. 5.4) thematisieren. Auch der Gesetzgeber verwendet den Begriff, lässt ihn jedoch relativ unbestimmt, so dass die Autoren ihn durch den Kontext deuten und konkretisieren (Kap. 5.6.1 – 5.6.4). Trotz der gesetzlichen Unbestimmtheit, setzt der Gesetzgeber Funktionen, Aufgaben und Ziele, die mittels „Beratung“ erreicht werden sollen (Kap. 5.7).

Vor diesem Hintergrund entwickeln die Autoren im Teilkapitel 5.8 einen „sozialintegrativen Beratungsansatz für die Beschäftigungsförderung“. Diesen entwickeln und explizieren sie in fünf Teilschritten, in denen sie die Funktion und Aufgabe von Beratung (Kap. 5.8.1) analysieren; die Angebotsstruktur (Kap. 5.8.2) sowie die Heterogenität der Anliegen (Kap. 5.8.3) thematisieren, um anschließend ein Grundverständnis (Kap. 5.8.4) zu formulieren, das sie mit Umsetzungshinweisen verbinden (Kap. 5.8.5).

Den Abschluss bildet das Kapitel 5.9, in dem öffentliche Beratung in drei kontrastierenden, nicht automatisch konfliktfrei zueinander stehenden und im konkreten Fall oft genug – mit unterschiedlichen Anteilen – einander ergänzenden Facetten beschrieben wird: als Fach-, Rechts- sowie Lebensberatung.

Das sechste und letzte Kapitel von R. Göckler & U. Jäger beschäftigt sich mit dem Case Management, einem ganzheitlichen Ansatz der Sozialarbeit, transferiert in das Setting der Beschäftigungsförderung. Zunächst wird in den Teilkapiteln 6.1 bis 6.3 das Konzept des Case Management mit seinen historischen Wurzeln vorgestellt. Mit dem folgenden Abschnitt beginnt der Transfer: Beginnend mit den rechtlichen und konzeptionellen Grundlagen (Kap. 6.4), über das dem Setting angepasste Prozessmodell des Case Management (Kap. 6.5), Organisationsvarianten in den JobCentern (Kap. 6.6) bis zu ersten Evaluationsergebnissen im Kontext des SGB II (Kap. 6.7). Die folgenden vier Kapitel liegen auf der Meta-Ebene und thematisieren verschiedene Aspekte: Die Diskussion – vor allem in der Soziologie und der Politikwissenschaft – um den politischen, „neoliberalen“ Kern des Gesetzes (Kap. 6.8); die Anforderungen und Kompetenzen von Case Managern (Kap. 6.9); organisationale, „erfolgskritische“ Aspekte der Implementierung in Verwaltungsstrukturen (Kap. 6.10); die Bedeutung und Notwendigkeit der Netzwerkarbeit (Kap. 6.11) sowie die „Sozialintegrativen Leistungen der Grundsicherung“ (Kap. 6.12).

Diskussion

Durch die gravierenden strukturellen Änderungen im Sozialrecht, die im Alltag unter dem Stichwort „Hartz-IV“ bekannt geworden sind, ist mit einer neuen Institution, den „JobCentern“, ein breit angelegtes, komplexes Aufgabenfeld entstanden. Das Autorenteam erhebt den Anspruch, für verschiedene Zielgruppen (Studierende, Fach- sowie Führungskräfte), in dieses Handlungsfeld wissens-, gar kompetenzorientiert einzuführen. Dafür nutzt es, durch die Autoren repräsentierte, wissenschaftliche Disziplinen, die für dieses Aufgabenfeld relevant sind.

Das besondere Verdienst des Teams besteht darin, dass es die Inhalte der Fachwissenschaften nicht additiv nebeneinander stellt, sondern durch spezifische inhaltliche Setzungen – bspw. bestimmte Theorien, Methoden oder Operationalisierungen auszuwählen – aufeinander bezieht, wodurch ein Wissensnetz für das Tätigkeitsfeld sichtbar wird. Konsequenter Weise tragen nur wenige Kapitel wissenschaftsdisziplinäre Überschriften; das das Arbeitsfeld konstituierende Sozialrecht taucht nicht einmal als Titel eines Kapitels auf! Letzteres bedeutet jedoch nicht, dass das Autorenteam die rechtliche Grundlage ignoriert hätte – sie ist als handlungslegitimierendes Fundament in alle Kapitel integriert und ist je nach Kapitel mal breiter, mal schmaler angelegt: Eine inhaltlich sinnvolle wie formal elegante Lösung.

Möglicherweise um die einzelnen Kapitel vergleichbar umfangreich zu machen, sind ihre jeweiligen Inhalte, wissensklassifikatorisch gedacht, auf verschiedenen Ebenen der Abstraktion angeordnet, so dass die Wege zum kompetenten Handeln sehr unterschiedlich weit und langwierig sind, ohne dass das von dem Autorenteam deutlich gemacht wird. Drei Beispiele verdeutlichen dieses Problem: Im arbeitsmarkttheoretischen Kapitel wird die operationale Definition von Arbeitslosigkeit vorgestellt, so dass rational sofort einsichtig ist, was dieses Konzept im Rahmen der Arbeitsmarktstatistik bedeutet. Dagegen liegen die Personmerkmale „Motivation“ oder „Leistungsfähigkeit“ wissenssystematisch auf höherer Ebene, da bspw. keines der vielen Motivationsmodelle mit ihren operationalen Definitionen vorgestellt wird: Ein diagnostisches Erkennen und Beurteilen der Motivation eines Ratsuchenden oder Leistungsberechtigten ist damit nicht möglich. Wissensklassifikatorisch gilt vergleichbares für das Konzept „Beruf“. Hinzu kommt aus kognitionspsychologischer Sicht die Differenzierung zwischen prozeduralen und strukturellen Wissenskomponenten, die sich gleichfalls auf die Handlungskompetenz auswirken. Von diesen beiden Hindernissen für die Entwicklung einer größeren Handlungsfähigkeit sind die Themen der einzelnen Kapitel in unterschiedlichem Maße betroffen.

Um trotz der unterschiedlichen Abstraktionsebenen und Funktionen des Wissens die Handlungsfähigkeit der Zielgruppen zu stärken oder zu erweitern, greifen die Autoren immer wieder darauf zurück, „Strategien“ vorzustellen oder die Unendlichkeit der Problemkonstellationen durch Typologien zu systematisieren als (Zwischen-) Schritte zu einer größeren Handlungskompetenz. Für die Zielgruppen wäre es nützlich, wenn es den Autoren gelänge, ihre impliziten Heuristiken weiter zu explizieren.

Wie in jedem komplexen Handlungsfeld gibt es nicht nur Schwierigkeiten, sondern auch verschiedene, bspw. systematische oder strukturelle Probleme, die die Autoren erfreulicher Weise weder auslassen noch verharmlosen. Alle, die in diesem Feld als Experten oder Führungskräfte Verantwortung übernehmen, werden vermutlich froh darüber sein, zumindest auf einige dieser kritischen Stellen durch die Lektüre vorbereitet zu sein.

Ein tief gegliedertes fünfseitiges Inhaltsverzeichnis sowie ein achtseitiges Stichwortverzeichnis erleichtern den Zugang zu den verschiedenen Themen, so dass das Buch nach der ersten Lektüre gut als Handbuch genutzt werden kann.

Nicht extrem seltene orthographische Fehler schmälern zwar nicht die inhaltliche Güte, stören aber den sehr guten Eindruck.

Fazit

Ich habe bisher noch kein Handbuch zu dem Handlungsfeld gesehen, das sich der Vielfalt der relevanten wissenschaftlichen Disziplinen stellt, die für dieses Feld Geltung beanspruchen. Mit seiner spezifischen thematischen Gestaltung sowie der gleichzeitigen Anstrengung um Klärung, Konkretisierung und Vernetzung hat dieses Handbuch das Potential, zu einem Klassiker zu reifen.


Rezensent
Prof. Dr. Gert-Holger Klevenow
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) z. Zt. Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA) University of Applied Labour Studies Mannheim
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Zitiervorschlag
Gert-Holger Klevenow. Rezension vom 10.10.2014 zu: Rainer Göckler, Matthias Rübner, Karl-Heinz Kohn, Ursula Jäger, Michael Franck: Beschäftigungsorientiert beraten und vermitteln. Handbuch für Arbeitsförderung und Grundsicherung. Walhalla Fachverlag (Regensburg) 2013. ISBN 978-3-8029-7521-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16502.php, Datum des Zugriffs 21.07.2017.


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