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Nicole Pötter (Hrsg.): Schulsozialarbeit im Übergang Schule - Beruf

Rezensiert von Prof. Dr. Fabian Lamp, 19.08.2014

Cover Nicole Pötter (Hrsg.): Schulsozialarbeit im Übergang Schule - Beruf ISBN 978-3-531-18458-6

Nicole Pötter (Hrsg.): Schulsozialarbeit im Übergang Schule - Beruf. Springer VS (Wiesbaden) 2014. 211 Seiten. ISBN 978-3-531-18458-6. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR.
Reihe: Beiträge zur sozialen Arbeit an Schulen - Band 3.

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Thema

In diesem Sammelband werden mehrere Themen zusammengeführt, die in den Diskursen um Jugendhilfe und Schule der letzten Jahre Hochkonjunktur haben: das Thema der Übergänge wird hier am Beispiel des Übergangs von der Schule in den Beruf aus der Sicht der Schulsozialarbeit in ihrer berufsorientierenden Funktion am Ort Schule und in den sie umgebenden Netzwerken betrachtet. Dieses Buch ist somit vor allem für jene interessant, die sich aus theoretischer oder praktischer Perspektive mit Schulsozialarbeit in der Sekundarstufe I und II befassen.

Herausgeberin

Herausgeberin des Buches ist Nicole Pötter, Professorin an der HAW München. Als AutorInnen mitgewirkt haben darüber hinaus eine Vielzahl von VertreterInnen aus Theorie und Praxis. Die Herausgeberin war vor ihrer Berufung zur Professorin mit verschiedenen Aufgaben im Bereich der Jugendsozialarbeit, der Beruflichen Bildung und der Beruflichen Bildungsforschung betraut (u.a. Koordinatorin der Berufsbildungsforschungsinitiative am Bundesinstitut für Berufliche Bildung (BIBB) in Bonn, Leiterin des Regionalen Übergangsmanagements (RÜM) Leverkusen, Referentin für Grundsatzfragen der Jugendsozialarbeit und Jugendberufshilfe bei der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Jugendsozialarbeit), zudem kann sie zahlreiche Veröffentlichungen im Bereich der Schulsozialarbeit vorweisen. Beide Bereiche werden in diesem Band zusammengeführt.

Aufbau

Der Sammelband umfasst insgesamt elf Kapitel auf etwa 200 Seiten. Die Kapitel werden jeweils von verschiedenen ExpertInnen verfasst.

Aufbau und Inhalt

Das Buch beginnt mit einem Beitrag der Herausgeberin Nicole Pötter, die zunächst in einem orientierenden Überblick die Entwicklungen im Übergangssystem Schule – Beruf des letzten Jahrzehnts skizziert. Stellungnahmen, Initiativen und Programme zur Reform des Übergangssystems Schule – Beruf werden vorgestellt und in ihrer Zielrichtung analysiert. Integriert in diesen ersten Aufsatz sind Elemente einer Einleitung, etwa Hinweise zum Aufbau des Sammelbandes (die Aufsätze zu Beginn des Buches gehen in allgemeiner Form auf das Thema Übergang Schule – Beruf ein, die späteren Aufsätze haben konkrete Good-Practice Projekte im Fokus) sowie die Kriterien für die Auswahl der Good-Practice Beispiele. Zudem geht Pötter auf die Schwierigkeiten bei der Sammlung der Good-Practice-Beispiele ein, die sich etwa aus dem häufig noch geringen Organisationsgrad der Schulsozialarbeit ergeben. Pötter schließt ihren einleitenden Aufsatz mit der (berechtigten) Forderung nach weiteren Professionalisierungsschritten der Schulsozialarbeit im Zusammenspiel von Fachverbänden, Hochschulen und Schulsozialarbeit.

Auch der zweite Aufsatz stammt von der Herausgeberin und skizziert Aufgaben der Schulsozialarbeit am Übergang von der Schule in den Beruf. Pötter skizziert zunächst theoretische Grundlagen der Schulsozialarbeit (Anschlussfähigkeit zwischen Systemen und Lebenswelten herstellen), verdeutlicht die Aufgabenstellung der Schulsozialarbeit im Übergang von der Schule in den Beruf (Arbeit mit schulmüden Kindern und Jugendlichen, Berufliche Orientierung und Entscheidungsfindung, Übergangsmanagement) und zeigt Professionalisierungsmöglichkeiten für die Schulsozialarbeit in diesem Aufgabenfeld auf.

Susanne Kretschmer und Sylvia Kestner widmen sich der Finanzierung von Angeboten im Bereich des Übergangs Schule – Beruf. Ausgehend von der Feststellung, dass Schulsozialarbeit bundesweit überwiegend als Leistung der Kinder- und Jugendhilfe angesehen wird und somit von den Kommunen zu finanzieren wäre (allerdings sind die Finanzierungssysteme der Schulsozialarbeit bundesweit nicht einheitlich), zeigen die Autorinnen darüber hinausgehende Möglichkeiten der Finanzierung von Projekten im Bereich des Übergangs Schule – Beruf auf. Dazu skizzieren sie zunächst die konzeptionellen Überlegungen einer ressortübergreifenden Arbeitsgruppe der Bundesministerien, die bestimmte Aufgabenschwerpunkte für die Begleitung von SchülerInnen im Übergang Schule – Beruf skizziert haben. Ausgehend von diesen Aufgabenschwerpunkten werden im Anschluss die Finanzierungsoptionen verschiedener Ebenen (Bundesagentur für Arbeit, Landesministerien, EU, Nicht-staatliche Akteure, Kommunale Einrichtungen, Bundesministerien) dargestellt.

Wilfried Kruse beleuchtet das Thema des Übergangs aus der Schule in den Beruf aus der Sicht der Kommunen. Dazu analysiert Kruse zunächst die Stellung der Kommune im Bereich des Übergangs in die Arbeitswelt, die keineswegs geklärt ist. Denn traditionell wird vor allem auf Bundes- und Landesebene koordiniert, die Befugnisse der Kommunen etwa im Bildungssystem sind beschränkt. Dennoch haben sich in den letzten Jahren zahlreiche regionale und lokale Maßnahmen der Übergangsgestaltung gebildet, die einzelne Schule (und die dortige Schulsozialarbeit) spielt in diesem Kontext, so Kruse, eine wichtige Rolle, wenn sie sich in den lokalen Kontext öffnet und sich der kommunalen Koordinierung zuordnet.

Am Beispiel der „Netzwerkstellen gegen Schulversagen“ in Sachsen-Anhalt beschreibt Herbert Schubert, in welcher Form Schulsozialarbeit den Schulerfolg von SchülerInnen unterstützen kann. Hierzu geht er von dem Konzept der Bildungslandschaft aus, führt in die Grundlagen der Netzwerkforschung und -gestaltung ein und erläutert dann am konkreten Beispiel der Netzwerkstellen, wie Fachkräfte für diese netzwerkende Tätigkeit qualifiziert werden können.

Bert Butz und Sven Deeken skizzieren in ihrem Beitrag eine subjektbezogene Berufsorientierung, die angelegt ist als individueller Lernprozess und die eine kooperative Aufgabe für Fachkräfte darstellt. Im Zentrum des Konzepts steht ein Paradigmenwechsel, in dessen Zentrum die Abkehr von der klassischen Berufsberatung und die Hinwendung zur Förderung eines beruflichen Selbstkonzepts steht. Dahinter steht die These und Forderung, dass Berufsorientierung in der individualisierten Gesellschaft auch ein individueller Lernprozess ist, der angemessen (also präventiv, langjährig, partizipativ) begleitet werden muss.

Ruth Enggruber präsentiert konzeptionelle Grundlagen für eine lebensweltorientierte Schulsozialarbeit an berufsbildenden Schulen. Dieser Aufsatz ist somit etwas anders angelegt als die vorherigen, denn die SchülerInnen an berufsbildenden Schulen befinden sich bereits im berufsbildenden System oder zumindest in dessen Kontext (beispielsweise auch in berufsvorbereitenden Jahren, in denen die Berufsorientierung eine wichtige Rolle spielt). Angelehnt an das heuristische Modell der 4-Felder-Matrix einer lebensweltorientierten Schulsozialarbeit von Bolay zeigt Enggruber auf, welche sinnvollen Aufgaben Schulsozialarbeit an berufsbildenden Schulen übernehmen kann.

Die letzten vier Aufsätze des Sammelbandes gehen sehr konkret auf spannende Modellprojekte in Wiesbaden, Berlin, Köln und Leipzig ein. Am Beispiel Wiesbaden beschreiben Dan Pascal Goldmann und Heiner Brülle ein umfassendes Unterstützungsnetzwerk der Schulsozialarbeit, insbesondere für Jugendliche mit herkunftsbedingter Bildungsbenachteiligung. Thomas Pudelko beschreibt am Beispiel der Integrierten Röntgen Sekundarschule Veränderungen, die sich in Berlin mit der Schulreform des Jahres 2010/2011 für den Bereich der sozialpädagogischen Arbeit, insbesondere für die berufliche Orientierung, ergeben haben (seitdem bestehen in Berlin nur noch zwei weiterführende Schularten, das Gymnasium und die Integrierte Sekundarschule ISS). Kirsten Kuhn porträtiert das Projekt Schule XXL, das in Köln Angebote zur Förderung der Berufswahlkompetenz an Haupt- und Förderschulen, sowie präventive Angebote gegen Schulabsentismus macht. Schließlich skizzieren Simone Baum und Bianca Wagner am Beispiel des Modellprojekts „Gemeinsam in die Zukunft“, wie Kooperationen mit Eltern in der Berufsorientierung gestaltet werden und welche Aufgaben welche Akteure in diesem Prozess übernehmen können.

Diskussion und Fazit

Die Herausgeberin, Nicole Pötter, beschreibt im ersten Aufsatz die Herausforderungen, die im Vorfeld der Herausgabe dieses Sammelbandes zu bewältigen waren: manche Projekte zur Berufsorientierung firmieren nicht unter dem Label Schulsozialarbeit, andere Projekte sind als Teilprojekte in größeren Vorhaben quasi „versteckt“, dort, wo es innovative Projekte gibt, fehlen nicht selten verschriftlichte, theoretisch fundierte Konzepte und die PraktikerInnen haben neben ihren ohnehin schon zahlreichen Aufgaben nicht auch noch die Zeit für die Erstellung von Sammelbandbeiträgen. So ist zunächst die Zusammenstellung der Beiträge als eine Leistung zu würdigen, die Fachkräften in der Praxis oder jenen in der Ausbildung, z.B. Hochschullehrende, als gute, fachkundige Orientierung dienen kann. Die Aufsätze beleuchten allesamt interessante Facetten der Schulsozialarbeit in der Perspektive der Berufsorientierung. Kritisch im Auge zu behalten ist die Frage, wie groß eigentlich der Beitrag der Schulsozialarbeit im Übergang von der Schule in den Beruf sein kann, solange die PraktikerInnen vor Ort mit derart geringen Personalschlüsseln operieren müssen, wie sie es derzeit vielerorts noch tun. Vor diesem Hintergrund mag eine zentrale Rolle der Schulsozialarbeit im Übergangsmanagement zwar durchaus fachlich sinnvoll und wünschenswert sein, kann aber auch eine Überforderung der Praxis bedeuten. In jedem Fall muss es das Ziel sein, die Schulsozialarbeit weiter zu professionalisieren, der vorliegende Sammelband stellt in dieser Hinsicht ein weiteres Puzzlestück dafür dar.

Rezension von
Prof. Dr. Fabian Lamp
Professor für das Fachgebiet Erziehung und Bildung im Übergang von der Kindheit zum Jugendalter an der FH Kiel
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Es gibt 8 Rezensionen von Fabian Lamp.

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Zitiervorschlag
Fabian Lamp. Rezension vom 19.08.2014 zu: Nicole Pötter (Hrsg.): Schulsozialarbeit im Übergang Schule - Beruf. Springer VS (Wiesbaden) 2014. ISBN 978-3-531-18458-6. Reihe: Beiträge zur sozialen Arbeit an Schulen - Band 3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16523.php, Datum des Zugriffs 07.02.2023.


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