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Angelika Ebrecht-Laermann: Angst

Rezensiert von Prof. Dr. med. et Dr. disc. pol. Andreas G. Franke, 08.01.2015

Cover Angelika Ebrecht-Laermann: Angst ISBN 978-3-8379-2250-9

Angelika Ebrecht-Laermann: Angst. Psychosozial-Verlag GmbH & Co. KG (Gießen) 2014. 140 Seiten. ISBN 978-3-8379-2250-9. D: 16,90 EUR, A: 17,40 EUR, CH: 24,90 sFr.
Reihe: Analyse der Psyche und Psychotherapie.

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Thema und Zielsetzung

Angelika Ebrecht-Laermann referiert im Rahmen der Reihe „Analyse der Psyche und Psychotherapie“ über Angst und erläutert diesbezüglich zahlreiche Aspekte aus psychoanalytischer Perspektive, indem sie die Werke Freuds referiert aber auch andere namhafte Autoren einbezieht.

Autorin

Frau Prof. Dr. phil. habil. Dipl. Psych. Angelika Ebrecht-Laermann wurde 1957 geboren und studierte Germanistik, Politikwissenschaft und Psychologie an der Freien Universität (FU) Berlin. Sie ist neben ihrer Tätigkeit als psychologische Psychotherapeutin als psychologische Gutachterin tätig. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Theoriegeschichte, Psychoanalyse, politische Psychologie, feministische Theorie und kulturelle Anthropologie, in denen sie zahlreiche Artikel und Buchbeiträge veröffentlicht hat.

Entstehungshintergrund

Das Buch „Angst“ ist im Rahmen der Reihe „Analyse der Psyche und Psychotherapie“ im Psychosozial-Verlag erschienen. Die Reihe beschäftigt sich mit grundlegenden Konzepten und Begrifflichkeiten der Psychoanalyse und stellt diese vor ihrem historischen Hintergrund dar. Angelika Ebrecht-Laermann leistet zu dieser Reihe einen kompetenten Beitrag.

Aufbau und Inhalt

Angelika Ebrecht-Laermann beginnt ihr Buch mit zwei Zitaten aus der Bibel und von Sigmund Freud, um dann in der Einleitung über die „Psychoanalytische Phänomenologie der Angst“ zu referieren.

Das erste Kapitel äußert sich „Zur Theorie der Angst“ und zeichnet Freuds Theorien der Angst nach. In den einzelnen vier Unterkapiteln folgt Ebrecht-Laermann den aufeinander folgenden Ausarbeitungen der Theorie der Angst von Freuds über die Jahrzehnte. Sie beschäftigt sich zuerst mit der Entwicklung der Angsttheorie Freuds beschäftigt und nennt hier die Angst als Folge von Verdrängung, wobei sie schon hier aufzeigt, dass Angst bei Freud im Verlauf der Weiterentwicklung der Angsttheorie zunehmend „als Anzeichen und Ausdruck von Beziehungsstörungen zu verstehen“ ist.

Im anschließenden Unterkapitel über „Somatische und traumatische Angst – Freuds erste und zweite Angsttheorie“ illustriert Ebrecht-Laermann und betont die außer-psychische Genese von Angst und eine konsekutive innere Beschäftigung bzw. Bearbeitung damit. Diese Angsttheorie wird von Freud schließlich abgelöst durch Betonung und Ausarbeitung der inneren Beschäftigung und Auseinandersetzung mit primär inneren (Spannungs-) Zuständen, was die Autorin im folgenden Unterkapitel darlegt. Die Autorin folgt schließlich Freuds Unterscheidung von neurotischer Angst und Realangst, um sich im anschließenden vierten Unterkapitel „Unbehagen als Über-Ich-Angst“ und somit Freuds vierte Angsttheorie vorzustellen. Den äußeren Bezug zu Regeln und Normen der Gesellschaft bedenkt Freud in seiner vierten Theorie im Gegensatz zu anderen Autoren seiner Zeit und gestaltet seine Angsttheorie entsprechend.

Im Anschluss an die Ausarbeitungen Freuds als Zentrum der Psychoanalyse greift Angelika Ebrecht-Laermann das Theoriegebäude von Melanie Klein auf und beschreibt ihre psychoanalytischen Ausarbeitungen über die Angst, die an die Ausarbeitungen Freuds m.o.w. direkt anknüpfen. Hierbei streift die Autorin in wichtigen und für das Verständnis der Angst bei Melanie Klein entscheidenden Anteil ihre Theoriegebäude über die Angst hinaus. Über Melanie Klein hinaus kommen die Ideen Hanna Segals zur Sprache, die die Autorin in Zusammenhang mit der Angst und ihrer Symbolisierung darstellt. Schon hier bedient sich Ebrecht-Laermann zur Illustration Fallvignetten und macht dem Leser somit die Ausarbeitungen Kleins verständlicher. Im Anschluss exzerpiert sie kurz Winnicots Theorie des Übergangsraumes und die „Katastrophale Zerstörung und Angst im Denken“ Wilfred R. Bions, um schließlich post-kleinianische Ansätze kurz anzureißen.

In der Folge arbeitet Ebrecht-Laermanndie die „Konzeption der Angst in der Tradition psychoanalytisch orientierter Affekttheorien“ aus. In diesem Unterkapitel streift sie mehrere Autoren und psychologische Strömungen (Ich-Psychologie, Selbst-Psychologie; Kohut, Stern, Dorner, Jacobson, etc.) und kommt mit den von ihr aufgegriffenen Strömungen und (deren) Protagonisten u.a. der „modernen“ Bindungs- und Säuglingsforschung nahe.

Schließlich beschäftigt sich Angelika Ebrecht-Laermann in der zweiten Hälfte ihre Buches mit der „[Zur] Psychotherapie der Angst“. Auf die Frage, welche Form der Angst überhaupt als pathologisch und somit behandlungsbedürftig angesehen werden dürfe, antwortet die Autorin selbst: „Meiner Meinung nach wird Angst dann pathologisch, wenn sie eine feste Leerstelle bildet, die das ´Denken der Gedanken´ hemmt, psychische Entwicklung verhindert und damit auch jene Punktionen blockiert, die helfen, die unweigerlich entstehende Angst immer wieder aufzulösen.“ Bevor sie sich aber der Psychotherapie widmet, ordnet Ebrecht-Laermann zunächst die bereits aufgegriffenen psychoanalytischen Angstkonzepte der ICD-Nomenklatur passend zu. Die sich hierbei ergebenden Schwierigkeiten greift sie auf, um sie im Anschluss zu bearbeiten und (erneut) „Typologie der Angstentwicklung“ darzustellen.

Mit „Angst in Übertragung und Gegenübertragung“ kommt die Autorin endgültig zum therapeutischen Setting und spart auch „Angst und Mut des Therapeuten“ nicht aus. Dem psychotherapeutischen Setting ordnet Ebrecht-Laermann verschiedene Kontexte zu wie die „Angst vor dem Anfang“, „Angst vor Gewalt und Zerstörung“, „Angst vor der Beziehung“ sowie weitere Kontexte zu.

Angelika Ebrecht-Laermann beschließt ihre Betrachtungen der Angst aus psychoanalytischer Perspektive mit einem Kapitel über „Die Angst mit Sinn füllen“.

Zielgruppe

Das Buch richtet sich genau wie die anderen Bücher dieser Reihe sowohl an Studierende aber vor allem an ausgebildete Psychotherapeuten aller Schulen und solche, die sich in der Ausbildung befinden. Vorkenntnisse der psychoanalytischen Nomenklatur und Zusammenhänge sind für die Lektüre von Vorteil.

Diskussion und Fazit

Angelika Ebrecht-Laermann schildert versiert psychoanalytische Erkenntnisse zur Angst und lässt neben Freud diverse weitere Autoren zu Wort kommen. Zweifelsohne ist eine „endgültige“ und all-umfassende Darstellung der Angst aus psychoanalytischer Perspektive ein schier heilloses Unterfangen, was Ebrecht-Laermann allerdings versiert durch Eklektizismus löst und dabei den Blick fürs Wesentliche nicht verliert. Ihre Schilderungen aus psychotherapeutischen Sitzungen dienen der Illustration und verleihen den psychoanalytisch-wissenschaftlichen Ausführungen ein praktisches Antlitz.

Angelika Ebrecht-Laermann liefert dem Leser insgesamt handhabbare theoretische als auch praktische (Er-) Kenntnisse über die Angst und hat damit – wie auch schon ihre Vorgänger mit: Trauma (Hirsch), Unbewusstes (Gödde & Buchholz), Perversion (Berner), etc. – einen weiteren lesenswerten Beitrag zur Analyse der Psyche und Psychotherapie geleistet.

Rezension von
Prof. Dr. med. et Dr. disc. pol. Andreas G. Franke
M.A. Professur für Medizin in Sozialer Arbeit, Bildung und Erziehung. Hochschule der Bundesagentur für Arbeit Mannheim
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Es gibt 73 Rezensionen von Andreas G. Franke.

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Zitiervorschlag
Andreas G. Franke. Rezension vom 08.01.2015 zu: Angelika Ebrecht-Laermann: Angst. Psychosozial-Verlag GmbH & Co. KG (Gießen) 2014. ISBN 978-3-8379-2250-9. Reihe: Analyse der Psyche und Psychotherapie. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16573.php, Datum des Zugriffs 21.02.2024.


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