socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Ursula Braun, Angelika Koch-Buchtmann u.a. (Hrsg.): Augenblicke - Unterstützte Kommunikation und Rett-Syndrom

Cover Ursula Braun, Angelika Koch-Buchtmann, Marc Westphal (Hrsg.): Augenblicke - Unterstützte Kommunikation und Rett-Syndrom. von Loeper Verlag (Karlsruhe) 2014. 166 Seiten. ISBN 978-3-86059-242-7. 29,90 EUR.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Das Rett-Syndrom ist mit starken kommunikativen Beeinträchtigungen verbunden, die zusammen mit der eingeschränkten Handmotorik die Teilhabe an allen Bereichen des Alltags und der Schule beeinträchtigen. In dem vorliegenden Buch werden Wege aufgezeigt, mit Hilfe der Unterstützen Kommunikation die Entwicklung und Partizipation der vom Rett-Syndrom betroffenen Mädchen und Frauen zu fördern.

Herausgeberinnen und Herausgeber

Ursula Braun ist eine der ersten Vertreterinnen der Unterstützten Kommunikation in Deutschland, die aufgrund ihrer jahrelangen Erfahrung auf diesem Gebiet sowohl in der Theorie als auch in der Praxis entscheidende Impulse gegeben hat. Ihre Mitherausgeber sind engagierte Eltern von Rett-Mädchen. Marc Westphal ist Sprecher des AKUK! (Arbeitskreis Unterstützte Kommunikation, s.a. AKUK-online.de). Angelika Koch-Buchtmann schrieb 2004 das Buch „Nicht ohne Sprache - Unterstützte Kommunikation für ein Mädchen mit Rett-Syndrom“.

Entstehungshintergrund

Da sowohl auf dem Gebiet der Rett-Forschung als auf dem der Unterstützten Kommunikation in den letzten Jahren bedeutsame Erkenntnisse gewonnen wurden, ist es den Autoren ein Anliegen, die verschiedenen Facetten einer Förderung vorzustellen.

Aufbau und Inhalt

Nach dem Vorwort von Wolfgang Praschak stellt Bernd Wilken das Rett-Syndrom aus medizinischer Sicht dar. Hier werden Epidemiologie, genetische Grundlagen, Pathologie, Diagnostik sowie Klinik und Verlauf mit den charakteristischen Problemen und therapeutischen Ansätzen vorgestellt.

Ursula Braun gibt in dem folgenden Beitrag zunächst eine Einführung in die Unterstützte Kommunikation, in der die Personengruppen und die verschiedenen Kommunikationsformen erklärt werden, und der darüber hinaus aktuelle Themen der Unterstützten Kommunikation wie die Frage nach dem Kern- und Randvokabular und nach den Besonderheiten der Gesprächssituation beim Einsatz von Unterstützter Kommunikation und den entsprechenden Partnerstrategien anspricht. Dabei wird der Bezug zu der Kommunikationsförderung von Mädchen und Frauen mit Rett-Syndrom deutlich aufgezeigt.

Angela Hallbauer betont in ihrem Beitrag die Bedeutung und Chancen der (Emergent) Literacy für Personen mit eingeschränkten kommunikativen Fähigkeiten. Sie beschreibt die Einschränkungen und Barrieren, denen Personen mit Rett-Syndrom ausgesetzt sind und zeigt kreative Wege auf, diese so weit wie möglich zu überwinden.

Antje Jurkoweit und Klaus Sarimski geben einen Überblick über Studien zum Gebrauch alternativer Kommunikationsformen bei Mädchen mit Rett-Syndrom und ergänzen ihn durch eine eigene Studie mit der Auswertung von etwa 60 Fragebögen. Bei allen Untersuchungen wird die hohe Bedeutung von Unterstützter Kommunikation, insbesondere auch der gezielten Ansteuerung durch Blickrichtung, betont.

In dem Artikel „Von Oben denken…“ weist Marie Just engagiert am Beispiel einer Schülerin darauf hin, dass die kognitiven Leistungen der Betroffenen leicht unterschätzt werden können und stellt die Vorteile einer inklusiven Beschulung heraus.

Sehr anschaulich und einfühlsam wird dann von Angelika Koch-Buchtmann der Alltag mit einem Rett-Syndrom beschrieben. Ihre Beispiele verdeutlichen die spezifischen Schwierigkeiten und die Versuche der Mädchen und Frauen diese Probleme zu lösen.

Romana Malzer stellt eine Fülle von konkreten Spiel- und Freizeitmöglichkeiten und Teilhabechancen durch den Gebrauch von Schaltern vor.

Aus der Sicht einer Integrationhelferin stellt Berit Remde einen Tag in der Schule vor. Angelika Pustlauk gibt einen Erfahrungsbericht über den Einsatz einer komplexen elektronischen Kommunikationshilfe in Wohnstätte und Werkstatt. Helga Pickenhan ergänzt diese Bericht aus den verschiedenen Lebensräumen durch die Schilderung ihres Umganges mit Unterstützter Kommunikation im häuslichen Umfeld.

Es folgen drei Taalkergeschichten, in denen Almuth von Lukas, Stephanie Bornfleth und Romana Malzer Begebenheiten und Erlebnisse ihrer Töchter im Ungang mit der elektronischen Kommunikationshilfe erzählen.

Stephanie Bornfleth zeichnet in „UK macht unser Leben nicht leichter“ die Entwicklung ihrer Tochter zu einen selbstbewusstem Menschen nach, wozu Unterstützte Kommunikation einen entscheidenden Anteil hat.

Bereits mit der Überschrift „Ein Leben ohne UK? – Undenkbar“ hebt Romana Malzer die Bedeutung von Unterstützter Kommunikation im Leben ihrer Tochter hervor. Sie schildert eine Reihe praktischer Ideen und schildert die Entwicklung der kommunikativen Fähigkeiten und die Erprobung verschiedener Kommunikationsformen.

Marc Westphal hebt in „Jeder Mensch ist anders. Und unsere Kinder sind eben noch ein bisschen mehr – anders“ hervor, dass für jeden von Rett Betroffenen individuelle Lösungen gefunden werden müssen, an denen Fachleute aus verschiedenen Disziplinen zusammenarbeiten sollten. Am Beispiel seiner Tochter stellt er dar, dass unter günstigen Bedingungen auch der Besuch einer Oberschule möglich sein kann.

Fazit

Das Buch vereint Beiträge von Fachleuten und Forschern aus der Medizin (Wilken) und der Sonderpädagogik (Braun, Hallbauer, Jurkoweit, Just, Remde und Sarimski) mit Beiträgen von Eltern, die sich ebenfalls zu Fachleuten für ihre Kinder entwickelt haben. Es wird weit über das theoretische Wissen hinaus eine Fülle von Anregungen, die im Alltag erarbeitet und erprobt wurden, gegeben. Diese sind mit konkreten nachvollziehbaren Anleitungen verbunden. So vermittelt diese Buch nicht nur neue Erkenntnisse sondern macht darüber hinaus Mut. Es ist vorbehaltlos sowohl Professionellen wie betroffenen Eltern zu empfehlen.


Rezensentin
apl. Prof. Dr. Susanne Wachsmuth
Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Heil- und Sonderpädagogik Geistigbehindertenpädagogik


Alle 39 Rezensionen von Susanne Wachsmuth anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Susanne Wachsmuth. Rezension vom 11.07.2014 zu: Ursula Braun, Angelika Koch-Buchtmann, Marc Westphal (Hrsg.): Augenblicke - Unterstützte Kommunikation und Rett-Syndrom. von Loeper Verlag (Karlsruhe) 2014. ISBN 978-3-86059-242-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16645.php, Datum des Zugriffs 24.03.2019.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung