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Fritz Weilharter: Wie kommt Organisationsentwicklung ins Krankenhaus?

Cover Fritz Weilharter: Wie kommt Organisationsentwicklung ins Krankenhaus? Entwicklungsprozess von Supervision zu komplementärer externer und interner Beratung. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2014. 433 Seiten. ISBN 978-3-89670-983-7. 31,95 EUR.

Reihe: Organistions-beratung und -Entwicklung. Organisationsentwicklung und Gruppendynamik.
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Thema

Im Gesundheitswesen dürfte gegenwärtig kaum eine andere Institution stärker unter dem Druck der Veränderung stehen als das Krankenhaus. Inzwischen gibt es diesbezüglich eine ganze Reihe an strategie-, kosten-, prozess- oder personalorientierten Entwicklungskonzepten. Grundlagen einer effektiven Organisationsentwicklung im Kontext von Supervision und Beratung sind für diesen Sektor bislang kaum systematisch erhoben worden.

Entstehungshintergrund

Fritz Weilharter beschreibt die Entwicklung von Beratungskonzepten in oberösterreichischen Landeskrankenhäusern zwischen 1999 und 2013 sowie deren Auswirkungen und Ergebnisse mit Blick auf die Einführung und die Sicherung von Qualitätsstandards umfassender Beratungsleistungen. Der Autor untersucht die Möglichkeiten und Grenzen von Organisationsentwicklung im Krankenhaus vor allem unter psychologischen und soziologischen Aspekten. Die vorliegende Publikation beruht auf seiner Dissertation an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt.

Autor

Fritz Weilharter ist Pädagoge und promovierter Organisationsentwickler. Nach langjähriger Tätigkeit als Lehrer und Direktor eines Privatgymnasiums arbeitet er seit 1998 als selbstständiger Organisationsberater, Coach, Mediator und Trainer. Er ist spezialisiert auf Krankenhäuser, Schulen, Unternehmen, öffentliche Verwaltungen und Hochleistungssport.

Aufbau und Inhalte

Die Publikation enthält 17 Abschnitte.

Nachdem der Autor in seiner Einleitung die Ausgangssituation, seine persönliche Motivation, den Untersuchungsgegenstand sowie die Analyse seiner Rollen geschildert hat, skizziert er die wissenschaftliche Ausrichtung seiner Forschungstätigkeit und entwickeltseine Hypothesen und Fragestellungen.

Ein größeres Kapitel ist dann der Organisation Krankenhaus gewidmet. Insbesondere geht es dabei um die Aufbauorganisation einer Klinik, um die Berufsgruppen, das Krankenhaus als „komplexes System“ sowie um Krankenhaustypen. Daran anschließend schildert Fritz Weilharter die Grundlagen der Krankenhaussupervision und widmet einen Abschnitt Skandalen im Krankenhaus mit Schwerpunkt auf einen spezifischen Fall sowie die Krankenhaussupervision im Vergleich.

Daraufhin umreißt der Autor das Thema Supervision in oberösterreichischen Landesspitälern und schildert seine Kommunikationsstrategie, beschreibt Argumente für eine koordinierte Supervision, die Struktur des Supervisionskonzeptes, aber auch die Verrechnung und Dokumentation, die BeraterInnen, SupervisorInnen und Coaches sowie besondere Herausforderungen bei der Rollengestaltung. Der beiden nächsten Abschnitte konzentrieren sich auf Veränderungen und Entwicklungen 2003-2008 sowie den Entwicklungsprozess 2007-2012. Im zehnten Abschnitt wird eine Gesamtübersicht zu Beratungen 2000-2012 vorgelegt.

In den anschließenden beiden Kapiteln handelt der Autor die Implementierung des Zentrums für Organisationsentwicklung (ZOE) sowie die Umsetzung des ZOE-Konzepts ab, bevor seine Ausführungen in die Thematik der Organisationsentwicklung im Krankenhaus münden. Er schildert hier Theoriebeispiele und OE-Strukturen in Krankenhaussystemen. Der 14. Abschnitt steht unter dem Zeichen interner und externer Berater im Krankenhaus, der darauffolgende Teil fokussiert die Theoretiker Luhmann und Simon.

Den Abschluss dieser Arbeit bilden ein mit „Von Problemen zu Lösungen“ überschriebener Abschnitt sowie die Auswertung der Hypothesen. Unter anderem entwickelt Fritz Weilharter dabei konzeptionelle Eckpunkte über eine idealtypische Organisationsentwicklung im Krankenhaus, wobei er feststellt: „Im Krankenhaus braucht es vermehrt jene Logik von Organisationsentwicklung, die die Einbeziehung der Führungskräfte und der Mitarbeiterinnen in die Veränderungsprozesse fokussiert. Es braucht den offensiv geplanten und professionell gestalteten Prozess der Verbindung von internen und externen Beratungsleistungen, von Coaching, Teamentwicklung, Prozessberatung und Organisationsberatung auf der einen Seite und Personalentwicklung, Qualitätsmanagement und Klarheit in der Verantwortung für Organisationsentwicklung im Management auf der anderen Seite.“

Diskussion

Fritz Weilharter schildert in seiner Publikation sehr anschaulich konzeptionelle Veränderungsprozesse und Schritte einer Verankerung von Beratungsangeboten in ein Krankenhaussystem über einen quantitativ beachtlichen Zeitraum. Für die Leserinnen und Leser nachvollziehbar ist dabei auch die Klärung der organisatorischen Verantwortung für und entsprechender Prozesse der Organisationsentwicklung. Einerseits handelt es sich beim Gegenstand dieser Veröffentlichung um ein eher spezielles Thema. Andererseits können über die vom Autor hergestellten Bezüge zur Theorie der Organisationsentwicklung einige Erkenntnisse über Veränderung und deren Management im Krankenhaus abgeleitet werden. Das Buch ist damit durchaus auch ein nicht unwesentlicher Beitrag zur Frage von Potenzialen und der Grenzen organisationaler Entwicklung bzw. deren Implementierung im Klinikbereich.

Fazit

Eine interessante Studie über Change-Management und Organisationsentwicklung im Krankenhaus.


Rezension von
Prof. Dr. Harald Christa
Professor für Sozialmanagement an der Evangelischen Hochschule Dresden mit Schwerpunkt Sozio-Marketing, Strategisches Management, Qualitätsmanagement/ fachliches Controlling.
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Zitiervorschlag
Harald Christa. Rezension vom 19.09.2014 zu: Fritz Weilharter: Wie kommt Organisationsentwicklung ins Krankenhaus? Entwicklungsprozess von Supervision zu komplementärer externer und interner Beratung. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2014. ISBN 978-3-89670-983-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16660.php, Datum des Zugriffs 12.07.2020.


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