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Kersten Reich: Inklusive Didaktik

Cover Kersten Reich: Inklusive Didaktik. Bausteine für eine inklusive Schule. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2014. 392 Seiten. ISBN 978-3-407-25710-9. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 40,10 sFr.

Reihe: Pädagogik.
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Thema

Dieses Buch bietet Bausteine einer inklusiven Didaktik in pädagogischer, systemischer und schulpolitischer Perspektive. Die Basis der beinahe vierhundert Seiten ist ein kulturell orientierter Konstruktivismus, dem alle anderen Aspekte untergeordnet werden. Das Buch reagiert auf die vom Autor ausgemachten gesellschaftlichen Veränderungen und bildungspolitischen Herausforderungen. Die Ausführungen spiegeln eine dezidiert systemisch-konstruktivistische Sicht des Autors wider, die seines Erachtens notwendig ist, um Inklusion an deutschen Schulen zu installieren und die Schul- und Lernkultur radikal „umzukrempeln“.

Autor

Prof. Dr. Kersten Reich ist als Professor für Internationale Lehr- und Lernforschung tätig am Institut für Vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften der Universität Köln. Er wurde am 14. August 1948 in Hamburg geboren, studierte für das Lehramt Kunst und Politikwissenschaften und zusätzlich Philosophie, Psychologie sowie Pädagogik. Nach Promotion zum Dr. phil. mit einer Arbeit über Theorien der Allgemeinen Didaktik (1976) habilitierte er sich zwei Jahre später mit einer Ausarbeitung über Erziehung und Erkenntnis. Danach hielt er sich zu Studienzwecken längere Zeit in Großbritannien, den USA und in der Volksrepublik China auf, wurde Professor in Köln und begründete in den 1990er Jahren einen interaktionistischen Konstruktivismus, was schließlich in sein zweibändiges Hauptwerk „Die Ordnung der Blicke“ (1998) mündete. Kersten Reich ist verheiratet und Vater zweier Kinder.

Entstehungshintergrund

Das fast 400 Seiten starke Buch basiert zwar auf Kersten Reichs Werk „Konstruktivistische Didaktik“ (vgl. die Rezension), bezieht sich aber wesentlich auf Fragen und Fakten zur Implementierung von Inklusion. Hierbei will der Autor Hürden mindern und Herausforderungen meistern helfen. Hintergrund ist die Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung. Große Teile des Buches legen Erkenntnisse und Erfahrungen des Autors zugrunde, die er selbst begleitend und fördernd in einem Kölner Projekt rund um Inklusion gesammelt hat.

Aufbau

Das Werk hat 392 Seiten und enthält neben fünfzig Schaubildern auch einen Link zur weiterführenden bzw. ergänzenden Internetseite (Materialien- und Linkseite), die kontinuierlich erweitert wird, entsprechend der Buchkapitel gegliedert ist und Anregungen, Beispiele und vertiefende Texte enthält. Die acht Bereiche des Buches gliedern sich folgendermaßen:

  1. Voraussetzungen und Standards einer inklusiven Schule
  2. Eine Schule macht sich auf den Weg: erste Schritte
  3. Inklusive Didaktik ist konstruktive Didaktik
  4. Bausteine einer inklusiven Didaktik
  5. Methoden der inklusiven Didaktik
  6. Unterrichtsplanung in der inklusiven Didaktik
  7. Unterrichtsqualität in der inklusiven Didaktik
  8. Sisyphos und die Grenzen der Inklusion?

Inhalt

Das Buch im ersten Kapitel (S. 11-40) ein mit Voraussetzungen und Standards einer inklusiven Schule. Nach Kersten Reich gebe es etliche zu überwindende Mythen und Inklusion in einer konstruktivistischen Einbettung sei alternativlos. Da es auf eine Grundhaltung ankomme und Demokratie und Inklusion einander bedingten, müsse man sich auf Standards und Verpflichtungen im Blick auf Inklusion einigen. Letztere werden schließlich ausführlich aufgelistet und als Non plus Ultra dargestellt.

Das zweite Kapitel (S. 41-47) mit der Überschrift Eine Schule macht sich auf den Weg: erste Schritte erläutert Merkmale und Hinweise einer sich inklusiv gebärdenden Schule. Grundlegend dafür sei die Arbeit mit dem Index für Inklusion, einem entsprechenden kommunalen Index sowie mit den in Kapitel 1 aufgelisteten Standards und Verpflichtungen.

Im dritten Kapitel (Inklusive Didaktik ist konstruktive Didaktik) erläutert Kersten Reich auf den Seiten 48-58 ausführlich, warum eine allgemeine Didaktik als Begründungstheorie nicht ausreiche und verweist auf erfolgreiche Erfahrungen mit Inklusion in internationalen Schulsystemen. Auf der negativen Folie heutiger „Stückwerk-Didaktik“ zeichnet der Autor seine Vision einer inklusiven, d.h. konstruktivistischen Didaktik. Erstens müsse Inklusion prozessual verstanden und in ihrer Komplexität wahrgenommen werden, was eine elementare Veränderung von Unterricht und Schule überhaupt mit sich brächte. Zweitens zwängen die Standards der Inklusion zu einer tiefgreifenden Umwälzung bisheriger theoretischer Begründungen und praktischer Ausarbeitungen. Drittes habe eine inklusive Didaktik Vorrang vor einer Fachdidaktik und müsse diese durchdringen.

Das vierte Kapitel (S. 59-313) ist mit über 250 Seiten das eigentliche Zentrum des Buches und stellt Bausteine einer inklusiven Didaktik vor, worunter vor allem fallen:

  1. Beziehungen und Teams;
  2. Eine demokratische und chancengerechte Schule, die sich mit Themen wie Heterogenität, Gender-Mainstreaming, Migration und Mehrsprachigkeit und Mobbing und Homophobie beschäftigt. Zu diesem Punkt gehört auch die Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit den Eltern;
  3. Eine qualifizierende Schule;
  4. Rhythmisierende Ganztagschule;
  5. Förderliche Lernumgebung;
  6. Lernende mit Förderbedarf;
  7. Differenzierte Benotung bzw. Beurteilung;
  8. Eine geeignete Schularchitektur;
  9. Eine Schule in der Lebenswelt;
  10. Beratung, Supervision und Evaluation.

Die spezifischen Methoden der inklusiven Didaktik werden im fünften Kapitel (S. 314-324) behandelt mit dem Schwerpunkt auf einer Arbeit in Lernkontexten und mit einem Methodenpool (Methoden der Vielfalt).

Die unterrichtliche Realität kommt im sechsten Kapitel (S. 325-340) Unterrichtsplanung in der inklusiven Didaktik zum Tragen. Dabei geht es zum einen um elementare Planungen bei Instruktion und Konstruktion, zum anderen um die inklusive Planung einer Lernlandschaft, von handlungsorientierten Themenlinien und Projekten, Werkstattarbeit sowie um fächerverbindende Planungen und inklusive Planungen im Zusammenhang.

Im siebenten Kapitel Unterrichtsqualität in der inklusiven Didaktik kommen auf den Seiten 341 bis 361drei Fragen zum Zug:

  1. Was beobachten wir, um uns zu verbessern?
  2. Was tun wir bei ungünstigen Ergebnissen
  3. Wie verändert sich die Ausbildung der Lehrkräfte?

Das Buch mündet schließlich in das achte Kapitel (S. 362-372) mit der Überschrift Sisyphos und die Grenzen der Inklusion. Darin werden auf einer ansatzweise philosophischen Ebene Vorbehalte rund um Inklusion zur Sprache gebracht und Grenzen von Inklusion aufgezeigt, wobei dies an die Metapher vom Weg, der das Ziel ist, erinnert. Ein Verzeichnis der Schaubilder und umfangreiches, 18seitiges Literaturverzeichnis rundet das Buch ab.

Diskussion

Kersten Reich führt in seinem Buch eine Fülle an Fragen und Fakten zu Inklusion und Didaktik an. Dabei relativiert er jedoch jede Vorstellung, die seiner konstruktivistisch-systemischen Sicht widerspricht. Damit hat das Buch zwar ein ganz eigenes, ausgeprägtes Profil, überzeugt aber leider kaum durch schlüssige Argumentation und Faszination für die Inklusion-Idee. Vielmehr wird Inklusion in einer bestimmten Ausprägung als selbstverständlich vorausgesetzt und in keiner Weise hinterfragt. Trotz der von Kersten Reich betonten „Wertschätzung der Abweichung“ darf es offensichtlich keine Abweichung von seinem Standpunkt geben. Stattdessen werden Gedanken zu Inklusion apodiktisch gekoppelt mit anderen bildungspolitischen und unterrichtsbezogenen Überzeugungen des Autors und Inklusion erscheint als Mogelpackung, um eigentlich ganz anderes zu bewirken. Damit schafft der Autor eine dogmatische Entweder-oder-Situation von Zustimmung oder Ablehnung. Die Frage der Inklusion selber tritt eher in den Hintergrund. Ob von einer „neuen Vielfalt“ (S. 30) gesprochen werden muss? Sicherlich gibt es zusätzliche Aspekte zur Heterogenität. Doch Vielfalt an sich hat es schon immer gegeben und war schon immer einer Herausforderung. Und es gab schon immer Personen, die aus dem Raster fielen und sich nicht als inklusiv erlebten. Ein rechtlicher Anspruch für eine Beschulung an einer Regelschule, wie ihn Kersten Reich immer wieder anführt, ist aus der UN-Konvention so selber gar nicht eindeutig abzuleiten. Hier wäre eine Darstellung des juristischen Diskurses zumindest in Ansätzen angebracht gewesen.

Positiv fällt auf, dass Kersten Reich sich gegen eine flache Ratgeber-Literatur rund um Inklusion wendet, bei der es nur um praktische Tipps für den Alltag geht. Hier hat sich tatsächlich ein problematischer Zweig pädagogischer Hilfen etabliert. So formuliert Kersten Reich auf S. 52 passend: „Gerade das Thema der Inklusion verlangt nach einer ganzheitlichen Betrachtung, die sich kulturkritisch mit gesellschaftlichen und individuellen Erziehungs- und Bildungsprozessen auseinandersetzt und sich nicht auf kurzlebige praktische Tipps beschränkt.“ Auch ist es sinnvoll, dass in dem Buch immer wieder betont wird, dass Inklusion keine sonderpädagogische Aufgabenstellung sei, sondern sich an alle Personen wende. Ob aber deshalb die grundständige Sonderpädagogik grundsätzlich abgeschafft werden muss, wie es Kersten Reich auf S. 63 und immer wieder fordert?!

Es ist zu diskutieren, ob die inklusive Schule, wie Kersten Reich sie beschreibt, tatsächlich so erstrebenswert wäre. Eine Elternpartnerschaft (früher noch: Zusammenarbeit) öffnet einem Einfluss von Eltern in der Schule Tor und Tür, ohne dass deren problematisches Potential auch nur gesehen wird. Eigentlich sollen alle in der Kommune vorfindlichen Organisationen und Personen sich in die Inklusive Schule einbringen, zumal die Kosten für eine inklusive Schule nicht mehr von den Kommunen alleine getragen werden können. Eine solch ausgeprägten Bündnispartnerschaft führt nicht nur zu „Kölsche Klüngel“, sondern auch zu einer Ökonomisierung von Bildung.

Ist eine Schule wirklich wünschenswert, in der es nur noch Teams gibt, alles sich an Schülern und deren Horizont orientiert, wo es statt „eines Lehrerzimmers (…) eine Cafeteria für Lehrkräfte und Besucher/innen (gibt)“ (S. 43) und Klassenzimmer aufgelöst werden, zumal es nur noch Lernlandschaften und Lernbegleiter gibt und die Wände voller Präsentationen der Schüler sind (Was für eine Reizüberflutung für viele Schüler mit sonderpädagogischem Bedarf!). Angestrebt ist mehrheitlich fächerübergreifender Unterricht und im Grunde genommen eine Auflösung des Fachunterrichts zugunsten eines an bestimmten Kompetenzen orientierten Unterrichts, bei dem die Fachinhalte selbst zugunsten methodischer Möglichkeiten und Sozialtrainings vernachlässigt werden können. Fachinhalte werden von Kersten Reich permanent diskreditiert (S. 51, 109, 122f., 134, 143, 149 u.ö.). Im Grunde genommen sollen die Schüler sich selbst und untereinander etwas beibringen, weshalb auch eine Digitalisierung der Schule gefordert wird. Überall existieren Regale mit Lernmaterialien. Die Lehrkräfte werden von einer Vielzahl unterstützender Personen wie Sozialarbeitern, Schulpsychologen, Sprachtherapeuten, Heilpädagogen, Sozialpädagogen und Assistenzhelfern begleitet, wobei anzustreben sei: „auf den ersten Blick ist nicht erkennbar, wer was ist.“ (S. 44). In diesem Zusammenhang wird dann auch gleich eine Bezahlungsgerechtigkeit zwischen Lehrkräften und anderem Personal gefordert … Überhaupt spielen sämtliche Spielarten von moderner Gerechtigkeit eine große Rolle, ohne dass der Gerechtigkeitsbegriff historisch und kulturell analysiert und von Gleichmacherei und Gleichheit abgegrenzt würde.

So arbeitet der Autor gerne, wenn es um in seinem Sinne positive Perspektive geht, sprachlich mit Superlativen wie „äußerst“ oder Formulierungen wie „besonders wichtig“, „zwingend“ oder „effektiv“. Inklusionskritisches dagegen wird schnell ohne Argumente mit Ausdrücken wie „stark verengt“ (S. 49), „Inklusionsverweigerer“, „unsinniger“ (S. 52), „ausgedient“ (S. 66), „erst spät … entschieden“ (S. 92) abgewertet. Wer das Buch sprachlich-ideologiekritisch in Blick nimmt, wird schnell überrascht sein, wie bei Inklusion nicht nur eine „Gerechtigkeit“ für Behinderte angebahnt, sondern auch anderes, durchaus Ideologisches, durchgesetzt werden soll: „radikale Verwirklichung“, „hinreichende Kontrollmechanismen“ (S. 96), „Durchsetzung von“ (S. 50), „zwingen“ (S. 51), „effektives Vorgehen“ (S. 51), „strikt“ (S. 73), „erzwingen“ (S. 79), „handlungsleitend“ (S. 80), „rächt es sich“ (S. 87), „nicht beliebig“ (S. 91), „darf nicht länger“ (S. 358), „erzwingt“ (369). In Teilen lesen sich Passagen des Buches wie ein sozialdemokratisches, grünes oder linkes Bildungspapier. Die Ganztagsbeschulung, die mit Inklusion allen aufgezwungen würde, wird gar nicht erst problematisiert, sondern als Ideal propagiert, wobei man sich verabschieden soll von der Vorstellung, vormittags würde gelernt und nachmittags betreut: nein, den ganzen Tag über soll in inklusiver Weise gelernt werden.

Als gebräuchliches Argument wird dann die Zeit selbst zum Dogma gemacht nach dem Motto „Heute könne man doch nicht mehr …“ (S. 48f., „alte Zeitmuster der Schule“ 100, 120, 244 u.ö.). Gibt es tatsächlich keine Alternative zur Orientierung am Zeit-Geist?

Neben dem Zeit-Argument wird die Internationale Situation zum Maßstab erhoben, als wenn es in Deutschland nicht eine spezifische Schul- und Bildungssituation gebe (S. 48, 50, 60, 65, 87, 101, 134, 138, 145 u.ö.).

Die von Kersten Reich geforderten grundlegenden, fundamentalen Veränderungen der Schulkultur widersprechen selbst dem inklusiven Ansatz, da bisherige für den Lehrberuf kompetente Personen ausgeschlossen werden, weil oder wenn sie den Vorstellungen einer inklusiven Kompetenz nicht mehr entsprechen. Interessant ist, dass die behinderte Lehrkraft in dieser Inklusiven Didaktik gar nicht vorkommt, als ginge es bei Inklusion ausschließlich um Schüler …

Die Didaktik erscheint sehr auf Messinstrumente, Maßnahmen, Indices, Listen usw. bezogen, wodurch letzten Endes die individuelle Person und Persönlichkeit von Lehrkräften und Schülern zu kurz kommt. Den Inklusionsindex kann man so wie er von Kersten Reich ins Spiel gebracht wird, auch als Machtinstrument, das nicht hinterfragt werden darf, deuten – selbst wenn dies nicht so gemeint sein sollte (S. 45).

Meines Erachtens überschätzt der Autor die Bedeutung empirischer Begleitung und evaluativer Prüfungen (z.B. S. 37, 49, 60, 88, 95f., 107f., 135, 357) und sieht kaum die Problematik einer Sozialpsychologisierung des Lehrerberufs und einer partizipatorischen Pädagogik-Kultur. Etliche Vorstellungen entspringen und entsprechen einer Erwachsenen-Logik, die ihre Art des Umgangs mit der Welt, miteinander und mit Lerninhalten auf junge Menschen projiziert, ohne den eigenen Charakter und die eigenen Bedürfnisse und Problematiken zu berücksichtigen.

Die Frage, ob bei einer dermaßen fundamentalen Veränderung der Schule überhaupt noch grundgesetzgemäß eine allgemeine Schulpflicht aufrecht erhalten werden kann, wenn von Seiten der Schule dermaßen in die Erziehungskompetenz der Eltern eingegriffen bzw. diese beschnitten wird, ist in dem Buch ebenso unberücksichtigt wie sämtliche Herausforderungen einer adäquaten Förderung von Hochbegabten und Sonderbegabten, die immer noch in der Regel in den Schulen exkludiert werden.

Leider fehlt in dem Buch ein Personen- und Stichwortverzeichnis, sodass man auf das Inhaltsverzeichnis angewiesen ist, um zu ahnen, wo bestimmte Themen und Personen im Buch vorkommen.

Kersten Reich veranschaulicht in seiner Inklusiven Didaktik, wie grundlegend und umwälzend die durch Inklusion ausgelösten Veränderungen in Schule und Unterricht anvisiert werden. Eine Konfrontation mit anderen Auffassungen wird durch die Ausführungen des Buches jedenfalls ausgelöst und kann zu einem konstruktiv-kritischen Diskurs beitragen. Ob aber dadurch gegenüber Inklusion skeptisch, ablehnend oder unschlüssig eingestellte Personen für die Sache der Inklusion gewonnen werden können, sei dahingestellt.

Fazit

Das Buch bietet in weiten Teilen eine am kulturellen Konstruktivismus orientierte Didaktik mit einem Fokus auf Fakten und Fragen von Inklusion. Eine präzise, auch Einwände konstruktiv einbeziehende Argumentation findet dagegen nicht statt. Die Darstellung von Hintergründen ist einigen (durchaus zu hinterfragbaren) empirischen Befunden unterstellt und orientiert sich an OECD-Studien, Ökonomie und international vermeintlich erfolgreichen Bildungssystemen. Der Autor spricht sich vehement gegen das jetzige Schulsystem aus und fordert eine radikale Umgestaltung ausgerichtet an marktwirtschaftlichen Interessen und entsprechenden Kompetenzen. Antworten auf inklusionskritische Fragen findet man in dem Buch leider nicht, auch nicht wie konkret eine Inklusion von mehrfach behinderten Menschen an einer Regelschule aussehen kann und wie man konkret mit durch Inklusion ausgelöste Problematiken jenseits einer Bereicherungs-Rhetorik („Aber sie bereichert doch die Gruppe“; „Wer weiß, was die Gruppe von ihm lernen kann“ u.ä.) umgehen kann. Zurecht fordert der Autor eine didaktische Durchdringung jenseits rein praxisorientierter Ratgeber-Literatur rund um Inklusion.

Wer dem Autor zustimmt, wird das Buch mit großem Gewinn lesen und als Basis für eine Implementierung von Inklusion zu nutzen wissen.


Rezensent
Dr. phil. Reiner Andreas Neuschäfer


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Zitiervorschlag
Reiner Andreas Neuschäfer. Rezension vom 19.09.2014 zu: Kersten Reich: Inklusive Didaktik. Bausteine für eine inklusive Schule. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2014. ISBN 978-3-407-25710-9. Reihe: Pädagogik. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16681.php, Datum des Zugriffs 24.03.2019.


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