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Peter Finke: Citizen Science

Rezensiert von Prof. Dr. Uwe Helmert, 24.08.2015

Cover Peter Finke: Citizen Science ISBN 978-3-86581-466-1

Peter Finke: Citizen Science. Das unterschätzte Wissen der Laien. oekom Verlag (München) 2014. 239 Seiten. ISBN 978-3-86581-466-1. D: 15,99 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 27,90 sFr.
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Thema

Wissenschaft und Forschung gelten mittlerweile als Privileg der Profis, das oftmals lebensnähere Wirken der Laien als zweitklassig. Dabei sind ihre Leistungen bedeutsamer denn je: das Jahrhundertprojekt Wikipedia wäre ohne Citizen Science undenkbar und auch erfolgreiches bürgerliches Engagement kommt ohne fundierte Sachkenntnisse nicht aus. Der Autor legt eine Einführung in die Ideenwelt von Citizen Science vor und lädt ein, die unterschätzte Welt der Wissensbürger zu entdecken.

Autor

Prof. Dr. Peter Finke hatte 25 Jahre lang eine Professur für Wissenschaftstheorie an der Universität Bielefeld inne bis er sich 2005 aus Protest gegen die politische Durchsetzung der sogenannten Bologna-Reform vorzeitig in den Ruhestand versetzen ließ. Er gilt als der führende Experte für Citizen Science im deutschsprachigen Raum.

Aufbau

Das Buch ist in vier Kapitel unterteilt:

  1. Die Expedition, oder: Laien sind nicht dumm
  2. Der Apfelbaum, oder: Lebensnähe als Prinzip
  3. Das Gebäude, oder: Das Wissen der freien Bürger
  4. Die Pyramide, oder: Der schwierige Weg in eine zukunftsfähige Welt

Nachwort von Ervin Laszlo: Citizen Science: Wissenschaft für die Bürger einer Welt im Wandel

Zu Kapitel 1

Das erste gezielt zum Thema geschriebene Buch des englischen Wissenssoziologen Alan Irwin erschien 1995 unter dem Titel „Citizen Science: A Study of People, Expertise and Sustainable Development“ zu einer Zeit, als es die neuen Formen von Citizen Science noch gar nicht gab; es ging um ein Programm. Der Titel verweist bereits darauf, dass es dabei immer auch um Nachhaltigkeit geht. Die häufigsten Citizen Science-Aktivitäten finden noch heute in den Wissensfeldern statt, die sich mit Natur und Umwelt befassen, sowie mit den in unseren Lebens- und Kulturformen liegenden Ursachen für die dortigen Probleme. Irwings Buch unterscheidet sich in einem sehr wichtigen Aspekt von vielem, was später publiziert wurde. Es wird von einem philosophischen Impetus geleitet, von einem emanzipatorischen, auf ökologischen und sozialen Erkenntnisfortschritt gerichteten Denken. Keineswegs beschränkt es die Forschungsinteressen auf naturwissenschaftliche Inhalte. Von dieser Weitsicht ist heute nur wenig übrig geblieben.

Erst 17 Jahre später, im Jahr 2012, erschien ein erster Sammelband: das von den Amerikanern Janis L. Dickinson und Rick Bonney herausgegebene Buch „Citizen Science: Public Participation in Environmental Research“. Es konzentrierte sich ganz auf die Rolle von Citizen Science als spezielle Methode innerhalb der professionellen Wissenschaft. Die beiden Herausgeber sind Direktor bzw. Mitgründer des Citizen-Science-Programms am Laboratorium für Ornithologie der Cornell Universität in New York, und dies ist bezeichnend und bemerkenswert zugleich. Die Ornithologie, die „Scientia amabilis“, wie sie genannt worden ist, hat über die Lust an der Vogelbeobachtung – ein Gebiet, das leichter zugänglich und attraktiver ist als andere – schon sehr viele Menschen dazu gebracht, ihren Wissensdurst durch Eigeninitiative zu stillen und tiefer in eine Sache einzudringen, als es vielleicht ursprünglich beabsichtigt war. Sie ist deshalb eine der „Geburtshilfedisziplinen“ von Citizen Science und hat ihre führende Rolle bis heute beibehalten. Doch soviel dieses sicherlich informative Werk über die amerikanische Citizen Science-Szene auch aussagt, hinter dem Nötigen bleibt es weit zurück. Es behandelt Citizen Science als einen Teil der professionellen Wissenschaft, der sich für die Beteiligung vieler Interessierter öffnet, jedoch lediglich eine willkommene neue Vorgehensweise der umweltbezogenen Forschung darstellt. Der dabei verwendete Wissenschaftsbegriff wird auch hier nicht reflektiert, sondern einfach vorausgesetzt. Die Botschaft erscheint simpel, sie lautet: „Naturwissenschaftler! Bezieht die Laien in eure Forschung ein. Sie machen gern mit, erschließen euch neue Datenfelder und alles ist auch noch kostengünstig!“ Diese Einstellung gilt für die meiste bisher zum Thema publizierte Literatur.

Ganz andere Themenfelder, die mit Irwins Zielen eng zusammenhängen, wie etwa das Lernen aus der Geschichte, die Auseinandersetzung mit aktuellen interkulturellen oder sozialen Problemen und mit den Krisen der Wirtschaft, das sich Wehren gegen die Fetische unserer Zeit, „Geld“, „Markt“ oder Fortschritt, die Sorge um die soziale Zukunft unserer alternden Gesellschaften oder die Bemühungen um eine Weiterentwicklung der Demokratie fehlen in großen Teilen der bisherigen Literatur.

Zu Kapitel 2

In diesem Kapitel geht es darum, die Besonderheiten von Citizen Sciences als Basislager der Wissenschaft genauer kennenzulernen. Die Vielzahl der Profis in vielen verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen ergibt eine höchst differenzierte Spezialistenlandschaft, denn das Wissen der professionellen Wissenschaft ist heute in erster Linie Fachwissen. Die neueste Forschung des jeweiligen Faches definiert, womit sich ein Forscher befassen muss. Um ernst genommen zu werden muss er sich mit anderem, zuvor publiziertem Fachwissen zu seinem Problem auseinandersetzen. Wissenschaft ist keine Veranstaltung in „Einsamkeit und Freiheit“; sie findet im realen und virtuellen Raum einer Gemeinschaft statt, der „Scientific Community“: denjenigen Personen, die sich mit annähernd den gleichen Problemen befassen und dort annähernd den gleichen Wissensstand haben, in annähernd der gleichen Fachsprache miteinander kommunizieren, und dies schließt auch Konkurrenz ein. Das bedeutet in der professionellen Wissenschaft in erster Linie Konkurrenz um die gesuchte Wahrheit, aber auch fast immer Konkurrenz um die fast immer zu wenigen Stellen.

Citizen Science setzt grundsätzlich andere Akzente. Alle genannten Aspekte sind von geringerer Bedeutung: Die Scientific Community gibt es, aber mehr virtuell als bei den Professionals. Deshalb verläuft auch die Forschung hier weniger koordiniert: Der Citizen Scientist ist darum freier als der Profi, sich selbst seine Themen zu suchen und diese abzuhandeln. Statt des die Profiwissenschaft völlig dominierenden Fachbezugs gibt es in Citizen Science den Lebensbezug, der zwar bei den Profis nicht völlig fehlt, aber doch weniger sichtbar und naheliegend ist. Dieser Lebensbezug, um den die professionelle Wissenschaft nicht selten vergeblich ringt, den sie aber oft auch als für sie irrelevant außer Acht lässt, ist in Citizen Science fast ein Selbstläufer. Bei den Laien gibt es also keinen Zwang, bestimmte abstrakte Themenfelder bearbeiten zu müssen, nur weil eine vorgegebene Wissenschaftssystematik oder die aktuelle Konkurrenzsituation dies erfordern. Man befasst sich mit dem, was aus praktischen, in der Lebenssituation der Citizen Scientists angesiedelten Gründen naheliegt. Dies kann durchaus auch keinen unmittelbaren Nutzenkontext besitzen, ergibt sich aber doch oft aus lokalen, regionalen oder Praxiszusammenhängen.

Zu Kapitel 3

In diesem Kapitel wird erörtert, welche Sachgebiete für Citizen Science relevant sind und welche Probleme die Bemühungen der Bürger um Wissen prägen. Citizen Science orientiert sich weniger an den einzelnen Wissenschaftsdisziplinen, als vielmehr an komplexen Wissensfeldern. Bei Citizen Science wirkt als Antrieb, was die Menschen persönlich interessiert oder was ihnen in ihrem Lebensumfeld als Besonderheit auffällt. Personen mit unterschiedlichen Bildungsbiografien, die in verschieden regionalen Bezügen leben und sich auf jeweils bestimmten Sachfeldern auskennen, nehmen verschiedene Herausforderungen für ihren Forscherdrang wahr. Das bürgerschaftliche Engagement im regionalen Raum stellt einen der wichtigsten Citizen Science-Antriebe dar. Der Aufstieg der NGOs in den letzten Jahrzehnten ist eng mit Citizen Science-Aktivitäten verbunden: ihr Wissensengagement wird oft vor dem Hintergrund ihres politischen Engagements übersehen. Der Autor benennt dann die zehn gegenwärtig wichtigsten Betätigungsfelder von Citizen Science: (1) Biodiversität und Naturschutz, (2) Unbelebte Natur und Technik, (3) Geschichte, Sprache, Literatur und Kunst, (4) Öffentliche Wohlfahrt und Gefahrenabwehr, (5) Wirtschaft und Geld, (6) Praktische Nachhaltigkeit, Ethik und Lebensstile, (7) Zusammenleben von Alt und Jung, (8) Gesellschaftliche Gruppen und Migration, (9) Demokratie, Gerechtigkeit und Freiheit, (10) Allgemeine Vernetzung, Zusammenhänge und Vielfalt.

Zu Kapitel 4

Das letzte Kapitel handelt davon, was Citizen Science erreichen will und kann. Sie kann uns durch ihre Andersartigkeit auf veränderungswürdige Tatsachen und Störfaktoren in der Profiwissenschaft aufmerksam machen. Ein ganz entscheidendes, wenn auch subtiles und in seiner Bedeutung bislang zu wenig wahrgenommenes Problem liegt in den Fallstricken eines Begriffs, an den wir uns so gewöhnt haben, dass er inzwischen fast allen leicht über die Lippen geht: Paradigma. Es gibt kleine und große Störfaktoren in der Wissenschaft. Relativ wenig stört zum Beispiel ein gelegentlicher Betrüger. Dies ist aber kein großes Problem der Wissenschaft; sie wird mit Lügnern und Betrügern fertig. Ein wesentlich ärgerlicher Störfaktor kann der Einfluss ökonomischer Interessen auf die Wissenschaft sein. Wenn man bedenkt, dass die Wirtschaft Hochschulen finanziert und sogar selbst gründet, kann man sich unschwer ausmalen, dass ökonomische Interessen leicht auf die Forschung und die Darstellung der Ergebnisse einwirken können. Selbst an staatlichen Universitäten kann dies der Fall sein, wenn auch meist indirekt und schwer erkennbar. Doch seitdem angesichts der knapper werdenden staatlichen Kassen viele Lehrstühle geradezu aufgefordert, sich nach privaten Zusatzmitteln umzutun, weil die Fortsetzung ihrer Forschung sonst gefährdet wäre, ist der Einfluss der privaten Geldgeber zweifellos gewachsen. Darin noch nicht einmal eine potenzielle Irritation für die Wissenschaft zu erkennen, heißt schon, eine gewisse Blauäugigkeit an den Tag zu legen.

Nicht nur potenziell, sondern aktuell wirkt sich etwas aus, was vielen Wissenschaftlern gar nicht bewusst ist: das Paradigmadenken. Dabei handelt es sich um ein Denken der Wissenschaftler selbst, aber auch ihres Umfelds. Niemand hat es ihnen aufgezwungen, es ist eine Theorie der Wissenschaftsforschung, ein Denken in Machtkategorien. Vielen Wissenschaftlern scheint nicht bewusst zu sein, was dies bedeutet. Je mehr Macht in den Vordergrund rückt, desto mehr verdrängt es die Wahrheitssuche. Eine der für die Zukunft der Wissenschaft wichtigsten Perspektiven, die mit Citizen Science verbunden sind, ist die Hoffnung, dieses Denken in Paradigmen wieder zu schwächen und dazu beizutragen, es zu überwinden. Wissenschaftstheoretisch gesehen, ist die das Anspruchvollste, was Citizen Science leisten kann. Innerhalb dieser Denkweise kommt als Alternative für ein Paradigma nur ein anderes Paradigma in Frage. Viele professionelle Wissenschaftler können sich eine Alternative zu einem Paradigmawechsel gar nicht vorstellen – ein Indiz dafür, welche Rolle Macht inzwischen in den Disziplinen spielt. Die Vorstellung, man könne ein Denken in Paradigmen ganz unterlassen, ist nicht weit verbreitet, und doch ist dies möglich. Man kann die Konzeption, der man eine Wahrheitschance gibt, bloß als Hypothesenzusammenhang sehen, der sie tatsächlich ist, und nicht dem Machtdenken erliegen, die Vielzahl seiner Befolger als zusätzliches Argument für seine Wahrheit zu nehmen. Doch leider ist die Macht herrschender Schulen in der professionellen Wissenschaft inzwischen sehr einflussreich. Gerade junge, noch nicht festgelegte Wissenschaftler können oft ein Lied davon singen, wie sie die Macht eines herrschenden Paradigmas zu spüren bekommen, die schon manche Promotion oder Habilitation kreativer Neudenker verhindert hat. Auch solche Qualifikationswettbewerbe gibt es in Citizen Science nicht.

Noch brisanter als für die Wissenschaftstheorie, die letztlich nur einige Fachleute interessiert, dürfte die Bedeutung sein, die Citizen Science für die Politik besitzt. Bisher hat sie es sich damit bequem gemacht, Citizen Science weitgehend zu ignorieren. Aber auch Citizen Science kann nur so gut sein, wie es das allgemeine Bildungssystem zulässt. Und dieses lässt für viele Menschen die natürlichen Wissensfähigkeiten ungenutzt und unterentwickelt. Breitenbildung findet nur sehr sehr eingeschränkt statt, von Wissensgerechtigkeit sind wir noch weit entfernt. In Deutschland entscheidet nach wie vor die soziale Herkunft eines Menschen über seine Lebenschancen, über den erwerbbaren Wissenshorizont, über späteres Engagement und Zivilcourage. Der Zusammenhang zwischen Bildungsqualität und Citizen Science ist eng und wurde als demokratische Aufgabe bislang vernachlässigt. Deutschland hat noch immer ein Bildungssystem, das für „bildungsferne Schichten“ Barrieren enthält, die undemokratisch sind, und die unter dem vorgeschobenen Argument der Verschiedenartigkeit der Menschen nur den Effekt haben, den von Geburt aus Bildungsprivilegierten ihre Privilegien zu sichern.

Zum Nachwort

Dieses Buch zu schreiben erforderte von dem Autor eine gehörige Portion Zivilcourage. Er wirft seinem eigenen Fach vor, uns bisher ein zu abgehobenes und enges Bild von der Wissenschaft vermittelt zu haben, die auch an Macht und Prestige und nicht an der Wahrheitssuche orientiert ist. In der heutigen Welt bilden nicht die traditionellen Eliten der führenden Experten die Avantgarde des Wissens, sondern diese besteht vielmehr aus den sich in vielen neuen Kommunikationsformen bewegenden überwiegend jungen Leuten, die die heraufziehenden neuen Kulturen repräsentieren. Sie sind der in Trägheit verharrenden Mainstream-Kultur weit voraus, denn ihr Denken und Fühlen entspricht den gegenwärtigen und neu zu schaffenden Lebensbedingungen auf diesem Planeten viel eher als der Mainstream der Gewohnheiten und und des etablierten Denkens.

Neues Wissen aus der professionellen Wissenschaft über Bildung und Weiterbildung in die Köpfe einer kritischen Masse in der Zivilgesellschaft zu befördern, ist die Aufgabe von weitsichtigen, den Bürgern und der Öffentlichkeit zugewandten Wissenschaftlern. Immer mehr nehmen sich dieser Aufgabe an, was schon die steigende Anzahl der populärwissenschaftlichen Bücher beweist, die von führenden Wissenschaftlern allein aus dem Bereich der Naturwissenschaften geschrieben werden.

Das ist Public Science. Das aber die Bürger selbst in die Lage versetzt werden, das veränderte Wissen über die Welt aufzunehmen, durch eigenes Forschen an ihren Problemen und Erfahrungen im regionalen Raum selber weiterzuentwickeln, für sich selbst und andere anwendungsfähig zu machen, und durch jenes Feedback eine Wissensgesellschaft aufzubauen, ist die Aufgabe von Citizen Science, wie Peter Finke sie in diesem Buch beschreibt. Dies ist keine passive, mechanische Aufgabe, sondern eine aktive, die viel Kreativität erfordert.

Auf den allermeisten Gebieten sind wir alle Laien. Das neue Bürgerwissen muss im Einzelnen und im Zusammenhang aufgebaut, entwickelt und in seinen Implikationen für unser Weiterleben durchdacht werden. Dieses kreative, verantwortungsvolle Bemühen ist nicht hinreichend, aber es ist eine Voraussetzung, um jene Wissenspyramide mit breiter Basis zu errichten, von der in diesem Buch die Rede ist und die wir für ein zeitgemäßes Update unseres teilweise überholten Denkens und Handelns neu erbauen müssen. Es ist die notwendige Bedingung dafür, die sich schnell verändernden, sich vielfach verschlechternden Lebensbedingungen auf den neuen Weg einer wirklich nachhaltigen Entwicklung umzuleiten und den Bürgern tatsächlich zukunftsfähige Perspektiven für ihr Leben und ihre weitere Entwicklung anzubieten. Deshalb ist Citizen Science aus der Sicht von Ervin Laszlo die beste, in einer demokratischen Gesellschaft vielleicht die einzige Möglichkeit, jenes neue Bürgerwissen zu fördern, das wir brauchen. Wir werden es aber nur gewinnen, wenn wir die Wissensgerechtigkeit zwischen Experten und Laien neu justieren und den Laien mehr als bisher zutrauen. Auch wer an der Zukunft der professionellen Wissenschaft interessiert ist, muss einräumen, dass vieles davon abhängen wird, welche Bildung und Rolle den rational handelnden Laien künftig zugestanden wird. Dabei hilft die begriffliche Trennung der Wissenschaft von ihren Institutionalisierungen, die in diesem Buch konsequent vorgenommen wird: sie ist leider oft unüblich, aber notwendig. Die Wissenschaft hat – wie uns der Autor dieses Buches zeigt – weniger Kritik verdient als die Organisationsformen, mit denen wir sie immer wieder behindern. Citizen Science kann dies ans Licht bringen, denn die lebensnahe, ungebundene Wissenschaft der Bürger ist anders: Sie ist frei.

Diskussion

An manchen Stellen des Buches vereinnahmt der Autor bestimmte Errungenschaften etwas eigenmächtig für die Citizen Science. Als Beispiele lassen sich anführen: Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) (S. 128) und Wikipedia (S. 153).

Zielgruppen

Freizeitforscher und ehrenamtlich engagierte Forscher, aber auch akademischen Forscher, die erkunden möchten welche Potenziale die Welt von Citizen Science bietet.

Fazit

Peter Finke, der wohl führende Repräsentant von Citizen Science im deutschsprachigen Raum, legt mit seinem Buch eine kritische Einführung in die Ideenwelt und die Aktivitäten der Citizen Science Bewegung vor und lädt die Leserinnen ein, die unterschätzte Welt der Wissensbürger zu entdecken.

Rezension von
Prof. Dr. Uwe Helmert
Sozialepidemiologe

Es gibt 101 Rezensionen von Uwe Helmert.

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Zitiervorschlag
Uwe Helmert. Rezension vom 24.08.2015 zu: Peter Finke: Citizen Science. Das unterschätzte Wissen der Laien. oekom Verlag (München) 2014. ISBN 978-3-86581-466-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16684.php, Datum des Zugriffs 22.05.2022.


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