Astrid Kerl-Wienecke, Tina Friederich: Zusammenarbeit mit Eltern in der Kita
Rezensiert von Dipl.Soz-Päd. Martin Walz, 28.10.2014
Astrid Kerl-Wienecke, Tina Friederich: Zusammenarbeit mit Eltern in der Kita.
Cornelsen Scriptor
(Berlin) 2014.
ISBN 978-3-589-24809-4.
14,95 EUR.
55 Fragen & Antworten.
Thema
Von der Elternarbeit zur Erziehungspartnerschaft: In den letzten Jahren vollzieht sich ein Perspektivenwechsel bei der Betrachtung der Rolle von Eltern im Rahmen der Kindertagesbetreuung. Las man vor einigen Jahren noch von „Elternarbeit“, so verstand man darunter oftmals die reine Information der Eltern über Aktivitäten in der Einrichtung durch diese. Bildung, Betreuung und Erziehung erfolgen allerdings nicht nur in diesem Lebensbereich der Kinder. Eine gelingende Kooperation zwischen pädagogischen Fachkräften und Eltern stellt eine wesentliche Grundlage dafür dar, dass die Kinder in beiden Bereichen unbefangen und offen die Welt entdecken können.
Autorinnen
Tina Friederich studierte Wirtschaftspädagogik und ist wissenschaftliche Referentin in der Abteilung Kinder und Kinderbetreuung im Deutschen Jugendinstitut.
Astrid Kerl-Wienecke ist Diplom-Sozialpädagogin und Erzieherin und arbeitet im Jugend- und Sozialamt Frankfurt/Main als Koordinatorin für Frühe Hilfen. Sie war wissenschaftliche Referentin im Deutschen Jugendinstitut im Bereich Kindertagespflege.
Entstehungshintergrund
Das Buch ist Teil der Reihe „55 Fragen & Antworten“ des Cornelsen Scriptor Verlags. Neben dem vorliegenden sind bisher vier weitere Bücher in dieser Reihe erschienen. Weitere Neuerscheinungen, z. B. zum Thema „Raumgestaltung“, sind bereits angekündigt.
Aufbau und Inhalt
Gegliedert in sieben Kapiteln geben die Autorinnen Antworten zu 55 Aspekten rund um das Thema „Zusammenarbeit mit Eltern in der Kita“. Am Buchende befindet sich ein Literatur- und Internetquellen- sowie ein Stichwortverzeichnis.
Eine anspruchsvolle Aufgabe – Zur Bedeutung der Zusammenarbeit mit Eltern. Nach einer grundlegenden Positionierung zur Zusammenarbeit mit Eltern gehen die Autorinnen auf die (Aus-)Wirkungen der Beziehungsgestaltung auf die Bildung ein. Außerdem betrachten sie die Fragen, wie sich die veränderte Lebenslage von Eltern auf die Zusammenarbeit auswirkt, ob das Alter des Kindes (unter oder über drei Jahren) dabei einen Unterschied macht, und ob es zu einer Stärkung der Erziehungskompetenz der Eltern im Zusammenhang mit der Betreuung kommt.
Eine Arbeit von öffentlicher Relevanz – Gesetzliche Rahmenbedingungen in der Zusammenarbeit. Neben Grundgesetz, Sozialgesetzbuch und Tagesbetreuungsausbaugesetz gehen die Autorinnen in diesem Kapitel auch auf die Bildungspläne, den Datenschutz und den Stellenwert von Jugendamt und Betreuungsvertrag ein.
Gemeinsam und miteinander für das Kind – Grundlegendes zur Zusammenarbeit. Zu Beginn dieses Kapitels stehen die Fragen „Wer sind die Eltern?“ und „Welche Erwartungen haben Eltern an die Zusammenarbeit?“ Dabei zeigen Kerl-Wienecke und Friederich relevante Unterscheidungsmerkmale auf und orientieren sich bei den Erwartungen auch an den drei Aufträgen Bildung, Betreuung und Erziehung. Des Weiteren fragen die Autorinnen nach den zweckdienlichen Haltungen und zeigen hier verschiedene Kennzeichen einer professionellen Haltung auf. Sie beantworten die Frage, welche Rolle Kommunikation und Transparenz spielen, und wie sich mit Nähe und Distanz umgehen lässt. Zum Ende des Kapitels bewerten Kerl-Wienecke und Friederich den Stellenwert der Konzeption der Einrichtung für die Zusammenarbeit. Diese sei für die Eltern nicht nur eine Information über Rahmenbedingungen und Abläufe, sondern gäbe das pädagogische Selbstverständnis der Kindertagesstätte wider. Somit sei sie „Aushängeschild“ und „für Eltern nicht selten ein wichtiger Anhaltspunkt für die Entscheidung, ihr Kind in dieser … anzumelden“. (S. 31)
Packen wir es an – Formen und Methoden der Zusammenarbeit. Dieses und das nachfolgende Kapitel sind die umfangreichsten der vorliegenden Publikation. Zu Beginn des Kapitels gehen die Autorinnen auf die unterschiedlichen Formen der Zusammenarbeit ein. Diese gliedern sie in: Zusammenarbeit mit Eltern einzelner Kinder; Elterngruppen und einrichtungsbezogene Zusammenarbeit; schriftliche und mediale Formen der Zusammenarbeit. Des Weiteren stellen sie dar, wieso bereits das Aufnahmegespräch so wichtig ist und was bei Tür- und Angel-Gesprächen zu beachten ist. Sie fragen „Inwiefern sind thematische Elternabende auch als Erwachsenenbildung zu verstehen?“ Diese seien, so Kerl-Wienecke und Friederich, eine attraktive Gelegenheit, sich über zentrale Themen von Erziehung und Bildung auszutauschen. Gerade die Elternabende zu einem bestimmten Thema, „bei denen die Ansammlung von neuem Wissen und die Erziehungsreflexion in den Fokus rücken, sind als (niederschwelliges) Angebot der Elternbildung …ein wichtiges Element der Zusammenarbeit mit Eltern.“ (S. 38) Des Weiteren fragen die Autorinnen nach den Zielsetzungen der Elternbildung. Nach einer Nennung der Rechtsgrundlagen und einzelner strukturierter Elternkurse zeigen sie die Ziele auf. Weitere Aspekte, die in diesem Kapitel aufgegriffen werden, sind beispielsweise Hospitationen, Elternbeirat, Motivation der Eltern für die Zusammenarbeit und konstruktive Gesprächsführung. Kapitelabschließend wird eine Systematisierung der Zusammenarbeitsformen vorgenommen und nochmals auf die partnerschaftliche Zusammenarbeit eingegangen.
Gut, da müssen wir uns jetzt zusammensetzen – Momente der Zusammenarbeit mit Eltern. Die Autorinnen beginnen hier mit der Eingewöhnungsphase, nennen die beiden bewährten Eingewöhnungskonzepte Berliner- und Münchener Eingewöhnungsmodell und beschäftigen sich mit den Fragen, wie Übergänge von der Familie in die Kita und von dieser in die Schule gelingend gestaltet werden können. Zweiter Schwerpunkt dieses Kapitels sind die Themen Entwicklungsgespräch, Bedeutung und Rolle von Migrationshintergrund, Kinder mit Behinderungen oder Familien in schwierigen sozialen Lagen. Das letzte thematische Drittel des Kapitels dreht sich um Konflikte, Beschwerden und schwierige Situationen. Dabei fragen Kerl-Wienecke und Friederich beispielsweise vorerst, ob diese „negativ“ seien, zeigen auf, warum ein Beschwerdemanagement in der Kindertagesstätte wichtig ist, und welche typische Konfliktsituationen auftauchen können. Außerdem beschäftigen sie sich mit der Frage „Wie soll mit dem Verdacht auf Kindeswohlgefährdung umgegangen werden?“
Licht ins Dunkle bringen - Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Zusammenarbeit mit Eltern. Kerl-Wienecke und Friederich nennen in diesem Kapitel Untersuchungen und Studien zu den folgenden Aspekten: Verhältnis zwischen Eltern und frühpädagogischen Fachkräften; Elterninteresse und Formen der Zusammenarbeit; Effekte erfolgreicher Zusammenarbeit und internationale Forschungen.
Heute den Grundstein für ein erfolgreiches Morgen setzen – Aktuelle und zukünftige Anforderungen an die Zusammenarbeit. Zu Beginn des Kapitels gehen die Autorinnen den Fragen der Selbstreflexivität der pädagogischen Fachkräfte und den Möglichkeiten der Unterstützung und Supervision nach. Bei „Zeit und Raum“ legen Kerl-Wienecke und Friederich den Schwerpunkt auf Zeit und plädieren beispielsweise dafür, den Fachkräften ausreichend Zeitressourcen zur Gestaltung der Zusammenarbeit zur Verfügung zu stellen. Nach der Beantwortung der Frage, wie ein Familienzentrum arbeitet, zeigen die Autorinnen zum Buchabschluss, wie die Zusammenarbeit mit den Eltern in Zukunft aussehen könnte. Dabei greifen sie die Aspekte U3-Betreuung, Erwerbstätigkeit, Familienzentren und Bildung auf.
Diskussion
Anders als in anderen Ratgebern wurde in diesem auf ein auflockerndes Layout oder auch Vorlagen verzichtet. Wer Antworten und Informationen sucht, den wird dies nicht weiter stören.
Kerl-Wienecke und Friederich greifen in einer kompakten und überschaubaren Art und Weise das Themenfeld auf. Selbstverständlich könnte dieses und könnten auch die Einzelaspekte ausführlicher erörtert werden. Doch dies ist nicht Anliegen dieser Veröffentlichung. Bereits auf der Buchrückseite wird dies deutlich gemacht: Fragestellungen werden „prägnant auf den Punkt gebracht.“ Dadurch erscheinen besonders komplexere Einzelfragen oftmals nur angerissen. Der Leser findet allerdings in gelungener wissenschaftlicher Art und ohne dass dies beim Lesen stören würde eine Nennung von Quellen und Autoren, so dass ein tiefergehender Einstieg in das Thema möglich ist. Das Buch erfüllt somit den auf der Buchrückseite propagierten Anspruch, der Leser erhalte schnell einen Überblick über wichtige Fachfragen und könne mitreden, wenn Fragen zu diesem Themenfeld auftauchen.
Fazit
Der Leser erhält wesentliche Informationen zum Themenfeld „Zusammenarbeit mit Eltern in der Kita“. Das Buch eignet sich besonders für Leser, die einen ersten Überblick erhalten möchten.
Rezension von
Dipl.Soz-Päd. Martin Walz
Master of Social Management, Diplom-Sozialpädagoge (FH)
Geschäftsführer Kindertageseinrichtungen mit mehrjähriger Berufserfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe
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