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Marion Oberheiden: Eingewöhnung

Rezensiert von Prof. Dr. Agnieszka Maluga, 25.08.2014

Cover Marion Oberheiden: Eingewöhnung ISBN 978-3-589-24817-9

Marion Oberheiden: Eingewöhnung. Cornelsen Verlag GmbH (Berlin) 2014. 64 Seiten. ISBN 978-3-589-24817-9. 14,95 EUR.
Praxis Kindertagespflege.

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Autorin und Thema

Aus der Cornelsen-Reihe „Praxis Kindertagespflege“ von der Herausgeberin Jutta Hinke-Ruhnau, ist ein neues Heft erschienen, welches sich dem thematischen Baustein der Eingewöhnung zuwendet. Die Verfasserin dieses Heftes, Marion Oberheiden, wendet sich an Tagesmütter und Tagesväter, um ihnen zum Thema Eingewöhnung einen Leitfaden an die Hand zu geben. Diese Informationsbroschüre richtet sich an in der Kindertagespflege tätige Personen welche das Thema der Eingewöhnung als einen wesentlichen Aspekt im Prozess der Betreuung beleuchtet und zu diesem verschiedene Materialien in Form von Reflexionsfragen, Tabelle und Checklisten anbietet.

Aufbau

Drei thematische Bausteine gliedern das Heft: in einer ersten Ansprache an die Tagespflegepersonen wird für den Umstand des „neu seins“ sensibilisiert, bevor sich das zweite Kapitel dem Thema der Bindung(-stheorie) widmet. Der umfassendste dritte Abschnitt fächert die Eingewöhnung anhand verschiedener Aspekte auf. Ergänzt werden diese praxisbezogenen Ausführungen um Materialen zur Selbstorganisation und eine vertiefende Literaturliste. Visuell hervorgehobene Hinweise und Tipps zur Praxis, sowie Anregungen und direkte Ansprachen an die Tagespflegepersonen durchweben den fortlaufenden Text.

Inhalt

I. Neu sein. Beleuchtet wird zu Anfangs, was es bedeutet die Erfahrung von etwas Neuem und Unbekanntem zu machen. Aus der Perspektive aller am Betreuungsprozess Beteiligter, dem Kind, den Eltern, der Tagespflegeperson und der Kindergruppe, wird umrisshaft auf die stattfindenden individuellen inneren Prozesse eingegangen. An diesen Adressatengruppen orientierte Fragen dienen abschließend der eigenen Reflexion dieser verschiedenen Gefühlswelten und helfen dabei, den jeweils unterschiedlichen Perspektiven und Herausforderungen Beachtung zu schenken. (6-9)

II. Bindung. Eingeführt wird mit dem Verweis auf den Arzt und Psychiater John Bowlby, welcher sich mit seinen Arbeiten einen herausragenden Namen als Bindungsforscher gemacht hat. Sensibilisiert wird für das Thema der Eingewöhnung durch das Aufzeigen der menschlichen Bedürfnisse und Verhaltensweisen innerhalb von Bindungsprozessen: individuelle und generationenübergreifende Komponenten die sich auf das Bindungsverhalten auswirken können, werden benannt. Skizzenhaft wird die Klassifikation der vier Bindungstypen vorgestellt, zu jedem Bindungstyp wird der Tagespflegeperson ein Tipp zum sensiblen Umgang mit diesem Kind gegeben. Die Bedeutung der Rolle der Tagespflegeperson und ihre Eigenschaften werden abschließend beleuchtet. (11-17)

III. Eingewöhnung. Begonnen wird der Abschnitt, indem der Tagespflegeperson ihre Bedeutung und Verantwortung innerhalb der Eingewöhnungszeit aufgezeigt wird. Parallel hierzu wird immer wieder auf die wichtige Funktion der Beteiligung der ursprünglichen ersten Bindungspersonen (den Eltern) verwiesen. Mit dem von u.a. Hans-Joachim Laewen entwickelten Berliner Eingewöhnungsmodell wird der Tagesmutter bzw. dem Tagesvater ein Phasenmodell an die Hand gegeben, welches die Eingewöhnungszeit exemplarisch strukturiert. Die fünf phasenbegleitenden und bedeutenden Aspekte der Eingewöhnung (das Essen, das Wickeln, das Schlafen, das Übergangsobjekt, der Tagesablauf und die Rituale werden benannt) werden kurz erläutert, um daraufhin die einzelnen Phasen und die jeweiligen 21 Tage genauer zu beleuchten. Hinweise zum Umgang mit den Eltern, zur eigenen Reflexion und zur grundsätzlichen Organisation der Eingewöhnungszeit (bspw. der Raumgestaltung) und praxisnahe Informationen werden gegeben. Ein Interview mit einer Tagesmutter schließt diesen dritten Bereich ab. (19-49)

IV. Arbeitshilfen. Verschieden Hilfestellungen, die den konkreten Alltag der Kindertagespflege strukturieren, werden im vierten und letzten Teil des Heftes angeboten. Eine Checkliste für die Eingewöhnung findet sich neben einem Musterbrief für Eltern und einem vorstrukturierten Leitfaden für das erste Kontaktgespräch. Tiefergehende Reflexionsfragen und weiterführende Literaturvorschläge runden dieses Angebot ab. (50-62)

Diskussion

Ca. 100.000 Kinder unter drei Jahren erleben in der Kindertagespflege ihre erste Betreuung außerhalb des vertrauten Elternhauses. Die aktuellen Bestrebungen zur Professionalisierung der Elementarpädagogik inkludieren die Praxis der Kindertagespflege ein.

Das hier vorgestellte Heft der Reihe Praxis Kindertagespflege zum Schwerpunkt Eingewöhnung, kann als ein Baustein innerhalb der notwendigen Qualitätssicherung dieser Themenstellungen angesehen werden. Auf verständliche und anschauliche Art und Weise wird der zukünftigen zertifizierten Tagespflegeperson ein erster einführender Überblick über die komplexen und sensiblen Prozesse von Bindung und Eingewöhnung gegeben, teilweise ergänzt um Hinweise zur weiterführenden Fachliteratur. Neben Fragestellungen der Selbstreflexion der betreuenden Person (8, 61) wird die essentielle Partizipation der ersten Bezugspersonen, in der Regel der Eltern, immer wieder hervorgehoben (42,46, 51).

Die zahlreichen Abbildungen sind wertschätzend und hilfreich dem Text entsprechend ausgewählt und gestaltet. Die angebotenen Arbeitsmaterialen sind hilfreich, um die eigene Arbeit zu strukturieren und in einen dadurch unterstützten Prozess der Selbstreflexion zu gehen. Die Ausbuchstabierung der einzelnen Tage der Eingewöhnungsphase geschieht durch eine sensible und wertschätzende Sprache, verweist immer wieder auf die Bedürfnislagen der Kinder und der ersten Bezugspersonen bzw. der Eltern. Den richtigen und wichtigen Hinweis zur grundlegenden Individualität jeglicher Prozesse und Situationen und der Aufforderung zur Offenheit (45), hätte ich mir jedoch bereits innerhalb der ersten Seiten als Einstimmung gewünscht, damit nicht der Eindruck einer täuschenden Planbarkeit vor allem bei den Phasen der Eingewöhnung entsteht. Schade finde ich weiter, dass die männlichen Bezugspersonen in den Abbildungen des Heftes im Gegensatz zu den weiblichen sehr selten und unterrepräsentiert vorkommen. Des Weiteren hätte ich mir mehr Informationen zur Autorin gewünscht. Im Vorwort wird sie als systemische Beraterin und Therapeutin vorgestellt, weitere Hinweise lassen sich nicht finden.

Fazit

Die zertifizierte Tagespflegeperson findet in dieser Publikation eine hilfreiche und (sprachlich) leicht verständliche Handreichung, die das Curriculum des Zertifizierungskurses „Qualifizierte Kindertagespflegeperson“ gut und hilfreich ergänzen und begleiten kann. Zu empfehlen ist sie weiter für Personen, die sich im Prozess der Ablösung von ihrem Kind befinden und durch diese praxisnahen Schilderungen verschiedene Perspektiven auf das Geschehen erhalten. Für in der Elementarpädagogik grundständig ausgebildete Fachkräfte kann das Heft eine gute Erinnerung der in der Ausbildung bzw. im Studium erfahrenen Inhalte sein.

Rezension von
Prof. Dr. Agnieszka Maluga
Hochschule Koblenz
Professur für „Bildung, Erziehung, Betreuung und Prävention in der Kindheit“
Vorsitzende der Deutschen Korczak-Gesellschaft e.V.
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Es gibt 9 Rezensionen von Agnieszka Maluga.

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ISSN 2190-9245