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Gudrun Schulz: Reime und Gedichte für Kita-Kinder

Rezensiert von Bettina von Balluseck, 04.09.2014

Cover Gudrun Schulz: Reime und Gedichte für Kita-Kinder ISBN 978-3-589-24856-8

Gudrun Schulz: Reime und Gedichte für Kita-Kinder. Sprachkompetenz spielerisch fördern. Cornelsen Verlag GmbH (Berlin) 2014. 128 Seiten. ISBN 978-3-589-24856-8. 19,95 EUR.

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Thema und Autorin

In dem Buch von Gudrun Schulz: Reime und Gedichte für Kita-Kinder,

Cornelsen Verlag, Berlin 2014 werden Reime und Gedichte für Kinder im Kindergartenalter vorgestellt mit dem erklärten Ziel, Sprachkompetenz spielerisch zu fördern.

Gesammelt und zusammen gestellt wurden sie von Gudrun Schulz, Universitätsprofessorin I.R., die zu Fragen der Rezeption von Literatur und zu solchen der Leseförderung, im Besonderen auch für Kinder und Jugendliche geforscht und zahlreiche Publikationen dazu veröffentlicht hat.

Aufbau

Der Band gliedert sich in drei Hauptteile:

  1. „Reime und Gedichte fördern die Sprachkompetenz“ führt mehr oder weniger theoretische Überlegungen zum Erlernen der Sprachkompetenz über Gedichte und Reime an (S.9-S.28).
  2. Es folgen Fragen und Hinweise zur pädagogischen Verwendung von Reimen und Gedichten in dem Kapitel „Reime und Gedichte in der Kita“ (S.30-S.40).
  3. Und schließlich die eigentliche „Sammlung der Kinderreime und Gedichte“ ( S. 42- S.114). Im Anhang finden sich Literaturangaben zu den Gedichten, soweit bekannt, und Sekundärliteratur zu den theoretischen Ausführungen.

Inhalte

Die Autorin hat dem Sammelband einige Ausführungen in acht Kapiteln vorangestellt, die Kenntnisse über den Erwerb der Sprachkompetenz allgemein vermitteln und die Möglichkeiten der Sprachförderung anhand von Reimen und Gedichten erläutert. Wichtige Aussagen sind formal und farblich optisch hervorgehoben. Die Darlegung des Zusammenhangs von Sprach- und Denkentwicklung anhand von Textbeispielen zieht sich durch die einzelnen Kapitel durch, dient auch dem Titel des ersten. Im folgenden „Reime helfen, die Grammatik ‚spielend‘ zu erlernen“ führt sie Beispiele an, um zu zeigen, dass Gedichte und Reime Wortschatz- und grammatische Kompetenzen spielerisch erweitern können. Dazu werden zwei Beispiele grammatischer Förderung (Imperfektbildung und Konjunktiv II) in zwei Kinderliedern analysiert. In „Sprache entwickelt sich im Umgang mit anderen“ thematisiert die Verfasserin, dass für eine Sprachförderung immer auch die Kommunikation mit einem Anderen, dem „Du“, notwendig ist. Hier wird die besondere Verantwortung des/r Erziehers/ Erzieherin in der Kita für die Sprachentwicklung des Kindes angesprochen.

In dem Kapitel „Mit Reimen in die Welt hineinwachsen“ wird auf einzelne Reime eingegangen und deren unterschiedlicher Ausprägung von kindlichen Gegebenheiten und Wirklichkeiten, die an Hand von Reimen benannt, neu gelernt und memoriert werden. In dem Untertitel: „Gereimtes gibt Lebensregeln wieder“ weist Schulz auf den historischen Ursprung von Reimen und deren einprägsame Formen hin, die auch von modernen Dichtern noch genutzt werden.

Im Abschnitt „Vom ‚Reimlexikon‘ im Gehirn“ bezieht sich Schulz auf Erkenntnisse von modernen Gehirnforschern (Schrott/Jacobs, 1911), die eine enge Verbindung zwischen Gedichtrezeption und Förderung der Gehirntätigkeit festgestellt haben. Unterschiedliche Reimformen, Reimschemata, Wortwiederholungen, Satzreihungen und Elisionen in Gedichten begünstigen diese Auswirkungen ihrer Meinung nach noch. Charakteristische Merkmale der Kinderreime und Gedichte, wie etwa die Wortwiederholung, erleichtern dem Kind, sich Wörter, Satzstrukturen, Bedeutungen zu merken.

Ein weiteres Kapitel mit dem Titel: „Reime und Gedichte in der Kita“ geht der Gedichtsammlung voraus, in dem Schulz zunächst die thematische Gliederung der Sammlung begründet und anschließend die Schaffung eines zugewandten und „vergnüglichen“ Raums betont als Vorbedingung für eine spielerische Förderung der Sprachentwicklung in Reimen und Gedichten. Es folgen Vorschläge zum Hören, Singen, Rhythmisieren und Spielen von Gedichten, dabei wird wieder auf Elemente der Reimbildung wie Rhythmus und Reimschema zurück gegriffen. Die Bedeutung des gestischen Spiels wird, auch wenn die verbale Sprache noch schwer fällt, unter Bezugnahme auf Brecht hervor gehoben und an einem Beispiel verdeutlicht.

Die Verfasserin schließt ihre Ausführungen mit einem Hinweis „Zum nützlichen Gebrauch des Buches“ (S.36), der zunächst den Aufbau des Buches zusammenfasst. Hier werden für die Erzieher/Innen dann auch unterschiedliche Möglichkeiten der Gedichtpräsentation aufgezeigt und Anlässe für das Vortragen oder Vorspielen von Gedichten in der Kita-Einrichtung aufgezählt.

Zur Gedichtsammlung

Die 141 Kinderreime und Gedichte sind drei Altersgruppen zugeschrieben, den jüngsten, den mittleren und den älteren Kindern. Die Reime und Gedichte jeder Altersgruppe wurden Kontexten des Alltags und der Natur zugeordnet, die sich naturgemäß in allen Altersgruppen zwar fast immer wiederholen, die aber auch spezifisch auf eine der Altersgruppen bezogen sind. Die ausgewählten Texte nehmen entsprechend dem Alter der Kinder an Länge und Komplexität zu.So findet sich in allen drei Gruppen das Thema Essen und Trinken wieder, jedoch altersgerecht in unterschiedlichen Ausprägungen. Die Reime für die Jüngsten faszinieren vor allem durch Klang und Rhythmus – „Backe, backe, Kuchen“ (S.44), die Texte für die etwas Älteren ermöglichen dagegen eher die Freude am Mitsprechen, auch einzelner Silben (s. Meine Mu, meine Mu, ebd. S.60). Auf der nächsthöheren Stufe fließen inhaltliche Zusammenhänge zu dem Wie, Woher und Wohin ein, hier geht es im Gedicht – auch – um Erkenntnisgewinn und Moral (s. Der Birnenschmaus, S. 90). Entsprechend ändern sich auch die Spiel- und Gestaltungsvorschläge der Autorin, die als Fußnoten unter etwa 35% der Texte erscheinen. Während im ersten Teil noch Reime zum Spielen „mit Händen und Füßen“ auffordern, tauchen zunehmend u.a. „Zungenbrecher und Sprachspiele“ für die mittlere Gruppe und für die Größeren Empfehlungen zu Rollenspielen auf.

Diskussion

Warum dieses Buch, warum diese Sammlung, fragt sich Leser/In. Das Buch ist ansprechend in der Aufmachung und übersichtlich mit seinen optischen Hervorhebungen. Relativ neu und angenehm ist, dass die Gedichte und Reime drei unterschiedlichen Altersgruppen in einem Band zugeordnet sind, so dass mit diesem Band schon viele Bedürfnisse abgedeckt werden. Sie sind zu einem guten Drittel versehen mit je nach Altersgruppe variierenden Anregungen und Ideen zum Spielen, Bearbeiten o.ä. Vor allem in den beiden höheren Altersgruppen tritt das Nachdenken und Sprechen über den Text mehr in den Vordergrund, das Gedicht wird hierbei als Anlass zur Förderung der Kommunikation und Sprachentwicklung genutzt. Kurze Anmerkungen zur Sprachförderung bei den einzelnen Gedichten, wie der Untertitel erwarten lässt, wären hier durchaus noch einmal sinnvoll gewesen, sind jedoch in diesem Teil des Bands bei den unteren Altersgruppen verhältnismäßig spärlich zu finden. Die Gestaltungsvorschläge der Autorin sind dort meist beliebig auf sämtliche Gedichte und Reime anwendbar. Es ist nicht recht nachvollziehbar, dass die Verfasserin dabei auf eine didaktische Begründung hinsichtlich ihrer Auswahl für ein bestimmtes Gedicht verzichtet hat. Ebenso, dass sie artikulatorische und auditive Fördermöglichkeiten als doch immerhin wichtigem Bereich von Sprachkompetenz vernachlässigt.

Der theoretisch-didaktische Teil wirkt assoziativ erzählend und lässt es an Klarheit fehlen, besonders deutlich im Kapitel: „Gereimtes gibt Lebensregeln wieder“. Hier fließen überlieferte Reime aus dem 19.Jahrhundert, Gedanken zu mundartlichen Variationen, Beispiele zu Umwandlungen von vergangenen Formen in modernere Inhalte, Vermutungen zu einer alten Reimformel, didaktische Überlegungen zu einem Gedicht von Frederik Vahle und schließlich eine Aussage zur Textauswahl ein. Durch all das aber zieht sich ein großes Verständnis für die Kinderseele und gereimte Sprache.

Sehr informativ für die Arbeit mit Reimen und Gedichten in der Kita sind die Ausführungen zur Vermittlung von Grammatik sowie die allgemeinen „Vorschläge zum Umgang mit Reimen“ (S.30) und die Hinweise für den „nützlichen Gebrauch des Buches“ (S.36). Hier schärft sich der Blick für lyrische Texte und deren Verwendung. Die Verfasserin scheut auch nicht davor zurück, ihre Überzeugung zu wiederholen, dass Gedichte und Reime Sprache und Denken des Kindes am besten fördern, die sie mit Meinungen anderer Autoren und auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse zu belegen sucht. Diese Begeisterung teilt sich auch dem Leser, der Leserin mit, ein/e angehende/r Erzieher/in erhält hier Ermutigung und Anregung, den Wert von Gedichten für die Arbeit in der Kita stärker zu erkennen und zu berücksichtigen.

Fazit

Auch wenn das Buch von Gudrun Schulz: Reime und Gedichte für Kita-Kinder seinem Anspruch der Förderung der Sprachkompetenz nicht befriedigt, wird die vorhandene Literatut doch um ein nach Sachthemen gut gegliedertes und modern gestaltetes Exemplar ergänzt und dürfte vor allem junge Leser ansprechen.

Rezension von
Bettina von Balluseck
Pädagogische Fachkraft
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Es gibt 5 Rezensionen von Bettina von Balluseck.

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ISSN 2190-9245