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Werner Weidenfeld, Wolfgang Wessels (Hrsg.): Europa von A bis Z

Cover Werner Weidenfeld, Wolfgang Wessels (Hrsg.): Europa von A bis Z. Taschenbuch der europäischen Integration. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2014. 13. Auflage. 521 Seiten. ISBN 978-3-8487-0519-1. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR, CH: 30,50 sFr.
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Thema

Mit dem unaufhaltsam erscheinenden Fortschreiten der europäischen Integration bekommt die Europäische Union auch für die Sozialwirtschaft eine immer stärkere Bedeutung. Dies schlägt sich schon seit geraumer Zeit auch in den Neuauflagen von „Europa von A bis Z“ nieder: So hat die Zahl der sozialpolitisch und sozialwirtschaftlich relevanten Themen stark zugenommen. In der aktuellen 13. Auflage zeigt sich dies etwa an den neuen Artikeln zu „Bankenunion“ und „Fiskalpakt“.

„Europa von A bis Z“ ist ein Nachschlagewerk, das „wissenschaftlich fundiert und zugleich verständlich“ (Klappentext) zentrale Gegenstände der europäischen Integration erörtert. Dabei wendet es sich „an alle Europa-Interessierten“ (Klappentext).

Herausgeber und Autoren

Herausgeber auch der Neuauflage sind die beiden renommierten Politikwissenschaftler und Europaexperten Werner Weidenfeld und Wolfgang Wessels. Das Autorenteam umfasst über 50 Personen, darunter äußerst renommierte Fachvertreter wie Mathias Joop, Siegfried Magiera, Andreas Maurer, Jürgen Mittag, Peter-Christian Mueller-Graf oder Siegmar Schmidt, aber auch zahlreiche Nachwuchswissenschaftler.

Aufbau

Das Nachschlagewerk gliedert sich in drei Teile:

  1. Zu Beginn steht ein längerer Überblick über die Geschichte der europäischen Integration von Werner Weidenfeld.
  2. Den über 400 Seiten umfassenden Hauptteil bildet „Europa zum Nachschlagen“ also das eigentliche Nachschlagewerk mit insgesamt 75 Beiträgen von „Afrikapolitik“ bis „Zuständigkeiten“.
  3. Den dritten Teil bildet eine den Einleitungsartikel ergänzende Zeittafel.

Inhalt

Den Kern des Gesamtwerks bilden die Lexikonartikel, die meist vier bis fünf Seiten umfassen, wobei die Erörterung einzelner Stichworte wie „Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik“ oder „Entwicklungspolitik“ auch bis zu 18 Seiten in Anspruch nehmen.

Die Artikel beginnen mit einem graphisch hervorgehobenen Infokasten, der grundlegende Informationen gibt (etwa die Vertragsgrundlage angibt sowie die Ziele und Instrumente skizziert). Im Infokasten finden sich auch Hinweise auf zentrale Dokumente der EU und Hinweise zu grundlegender Literatur sowie Internetquellen. Die jeweiligen Artikel sind durch Zwischenüberschriften nochmals deutlich gegliedert und daher übersichtlich gestaltet und mitunter durch Tabellen und Graphiken ergänzt.

Die Stichwörter orientieren sich an drei Themenkreisen:

  1. Etwa ein Viertel der Artikel behandelt Organe bzw. Einrichtungen der EU oder die Verfahren des EU-internen Willensbildungs- und Entscheidungsprozesses.
  2. Zwei Drittel der Beiträge behandeln einzelne Politikbereiche wie etwa die Sozialpolitik.
  3. Ergänzt wird diese Zusammenstellung durch einige wenige Überblicksartikel (etwa zu den Theorien europäischer Integration).

Aufbau und Intention der Artikel unterscheiden sich selbstverständlich je nach Themenkreis. Die Beiträge zu den Organen und Verfahren sind stark institutionell ausgerichtet und rekurrieren auf die Funktionsweise. Dabei beschränken sich die Autoren allerdings nicht auf das formalrechtlich Festgelegte, sondern beleuchten auch die politische Praxis. Diese Artikel vermitteln insgesamt nicht nur einen sehr guten Überblick über politische Prozesse in der EU, sondern durchaus auch relevantes Detailwissen.

Die Fülle der Beiträge zu den Politikfeldern vermittelt dagegen zunächst einmal einen imposanten Eindruck, mit welchen Themenfeldern sich die EU inzwischen bereits beschäftigt. Sie stellen aber selbstverständlich immer nur einen bestimmten Ausschnitt dar, so dass der Benutzer möglicherweise ergänzende Informationen zu Organen oder Verfahren benötigt. Durch das Verweissystem ist dies aber leicht möglich. Dem sozialpolitisch oder sozialwirtschaftlich Interessierten bieten Artikel zur „Jugendpolitik“, „Sozialpolitik“ oder „Struktur- und Regionalpolitik“ einen guten Erstüberblick über die Aktivitäten der EU.

Gegenüber der 2011 erschienen Vorauflage sind Artikel zu den Stichwörtern „Bankenunion“, „Fiskalpakt“, „Humanitäre Hilfe“, „Katastrophenschutz“, „Mittelmeerpolitik“ und „Sportpolitik“ hinzugekommen. Damit reflektiert die Neuauflage einerseits aktuelle Entwicklungen rund um das Geflecht aus Banken-, Haushalt-, Wachstums- und Beschäftigungsproblemen sowie die Migrationsproblematik im Mittelmeerraum. Andererseits trägt sie aber auch der Kompetenzerweiterung der EU im Rahmen des Vertrags von Lissabon Rechnung. Weggefallen sind Artikel zur „Südosteuropapolitik“ und zu den „Transatlantischen Beziehungen“. Vor allem aber wurde das „Europa-ABC“ gestrichen, ein zusätzliches Glossar, welches der Erläuterung von Fachbegriffen diente, aber nicht mit dem eigentlichen Lexikon verknüpft war.

Diskussion

„Europa von A bis Z“ gibt verlässliche Erstinformation über die EU und alle Themenfelder, die von ihr beeinflusst werden. Auswahl und Umfang der Stichwörter halten gut die Waage zwischen der erforderlichen Prägnanz eines Nachschlagewerks und der erforderlichen Ausführlichkeit, um die nicht trivialen Vorgänge in der EU verständlich zu machen. Dabei genügt es auch den Ansprüchen von Wissenschaftlern (zumindest wenn diese, wie der Rezensent, keine ausgewiesenen Europa-Experten sind).

In den jeweiligen Themenkreisen sind die Artikel einheitlich gegliedert, was die Orientierung erleichtert. Die Artikel sind sinnvoll miteinander verknüpft und auch deren Qualität sichergestellt. Durch die Neuauflage sind auch aktuelle Entwicklungen berücksichtigt – eine Aufgabe, mit der bei den hier behandelten Themen mitunter auch internetbasierte Nachschlagewerke überfordert sind. Überhaupt verdeutlicht „Europa von A bis Z“ sehr gut, was Wikipedia kann – oder eben auch (noch) nicht schafft: die umfassende Darstellung eines Gegenstandsbereichs in Form eines Nachschlagewerks, bei dem die Gewichtung der Artikel übergeordneten Überlegungen folgt – und kein Ergebnis zufälliger Entwicklungen ist.

Ärgerlich ist dann allerdings, dass es weder Herausgebern noch dem Verlag aufgefallen ist, dass die Stichworte unter G nicht alphabetisch geordnet sind (bei den Begriffen, die mit „Europäisch*“ beginnen, war es möglicherweise Absicht, die Flexionen zu ignorieren).

Zudem ist festzuhalten, dass der einleitende historische Überblick von Werner Weidenfeld gegenüber dem Lexikonteil deutlich abfällt. Werden die ersten Jahrzehnte der europäischen Integration noch sehr stringent geschildert, gerät die Darstellung spätestens mit der Binnenmarktreform aus der Form. Für den Leser ist der Beitrag sperrig: Für einen Lexikonbeitrag ist er zu lang, für eine eigenständige Kurzübersicht aber in der Gewichtung zu unausgewogen. Zudem ist er nicht durch Querverweise mit dem lexikalischen Teil verknüpft. Die Zeittafel erscheint in dieser Form völlig verzichtbar.

Fazit

„Europa von A bis Z“ ist weiterhin das kompakte Nachschlagewerk zu Europa für alle daran Interessierten – seien sie Wissenschaftler, in der Sozialwirtschaft tätige oder „nur“ interessierte Bürger. Diese Wertschätzung wird gewiss auch bei dieser Neuauflage die Bundeszentrale für politische Bildung durch eine preisgünstige Sonderausgabe zum Ausdruck bringen.


Rezensent
Prof. Dr. phil Dr. habil. Uwe Kranenpohl
Homepage www.evhn.de
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Zitiervorschlag
Uwe Kranenpohl. Rezension vom 19.05.2014 zu: Werner Weidenfeld, Wolfgang Wessels (Hrsg.): Europa von A bis Z. Taschenbuch der europäischen Integration. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2014. 13. Auflage. ISBN 978-3-8487-0519-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16715.php, Datum des Zugriffs 19.10.2019.


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