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Bärbel Weid-Goldschmidt: Zielgruppen Unterstützer Kommunikation

Cover Bärbel Weid-Goldschmidt: Zielgruppen Unterstützer Kommunikation. Fähigkeiten einschätzen – Unterstützung gestalten. von Loeper Verlag (Karlsruhe) 2013. 120 Seiten. ISBN 978-3-86059-125-3. 24,90 EUR.
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Thema

Die Gruppe der Menschen, die nicht oder nicht hinreichend über Lautsprache verfügen, ist sehr heterogen. Damit die Angebote der Unterstützten Kommunikation individuell auf unterschiedlichen Fähigkeiten, Lebenswelten, Bezugspersonen und Erfahrungen zugeschnitten werden können, sollten sie auf einer differenzierten Diagnostik beruhen.

Autorin

Bärbel Weid-Goldschmidt hat jahrelange Erfahrung in der Diagnostik und Intervention bei nicht oder nicht hinreichend über Lautsprache verfügenden Menschen; unter anderen arbeitete sie am sprachtherapeutischen Ambulatorium der Technischen Universität Dortmund. Sie gehört zu den Pionierinnen der Unterstützten Kommunikation

Entstehungshintergrund

Im Rahmen einer praktischen Förderarbeit, der Ausbildung von Studierenden an der Universität Dortmund und einem intensiven Erfahrungsaustausch sowohl mit Kolleginnen und Kollegen sowie mit Betroffenen und ihren Eltern und darüber hinaus auf der Basis eines Literaturstudiums entstand das vorliegende Buch.

Aufbau und Inhalt

Nach dem einleitenden ersten Kapitel folgen im zweiten Kapitel grundlegende Überlegungen zu nachfolgenden Themen.

In Abschnitt „Allgemeine Grundlagen für die Beschreibung der Zielgruppen“ werden zunächst das komplexe Bedingungsgefüge für gelingende Kommunikation dargestellt sowie Ursachen und Auswirkungen von Beeinträchtigung der Kommunikation.

Es folgt eine Übersicht über die regelrechte Kommunikations- und Sprachentwicklung, die in die vier Kompetenzstufen

  1. prä-intentionale Kompetenz und nichtsymbolische Kommunikationsformen
  2. intentionale Kompetenzen und vorsymbolische Kommunikationsformen
  3. und 4. verbal-symbolische Weiterentwicklung und Entstehung der Symbole

gegliedert wird. Darauf aufbauend werden die Aspekte der Kommunikationsentwicklung unter erschwerten Bedingungen erläutert. Bezüglich der Diagnostik wird besonderer Wert auf die Einschätzung des Partnerverhaltens gelegt und das niederländische COCP-Programm (Programm zur kommunikativen Entwicklung von nicht-sprechenden Kindern und ihren Kommunikationspartnern) ausführlich vorgestellt.

Im Kapitel 3 werden folgende Aspekte für diese Zielgruppen der Unterstützten Kommunikation jeweils nach der gleichen Reihenfolge behandelt:

  • Allgemeine Voraussetzungen
  • Kommunikativ-sprachliche Kompetenzen
  • Grundlagen für die unterstützende Gestaltung der Kommunikationssituation
  • Maßnahmen der Kommunikationsunterstützung
  • Beispiele für die Umsetzung der Kommunikationsfunktionen
  • Beispiele für die Umsetzung von Partnerstrategien
  • UK-Maßnahmen im Praxisbeispiel

Im Zusammenhang mit der zweiten Zielgruppe behandelt Weid-Goldschmidt ausführlich das Thema der Ja-Nein-Fragen und zeigt auf, ab wann welche Form der Ja-Nein-Fragen sinnvoll sein kann. Im Zusammenhang mit der dritten Zielgruppe werden Fragestrategien beschrieben, die Kommunikationspartnern helfen können, effektiver Antworten zu bekommen. Die Beispiele für die vierte Zielgruppe werden zum Teil von unterstützt Kommunizierenden selber geschrieben.

Im Anhang befinden sich kopierbare Übersetzungen der zum COCP-Programm gehörenden Formulare „Kommunikationsuntersuchung: Funktion und Form“ und das Evaluationsformular für Videoaufnahmen.

Fazit

Dieses Buch hat bisher gefehlt! Es ist sehr gut lesbar geschrieben, übersichtlich gegliedert und voller anschaulicher Beispiele, die aus Weid-Goldschmidts langjähriger engagierter Praxisarbeit entnommen sind. Dabei werden die bereits vorliegenden Erkenntnisse zur Diagnostik wie die von Boenisch/ Sachse (2007), Otto und Wimmer (2007) oder Zollinger (1995) einbezogen.

Weid-Goldschmidt geht für jede der vier Zielgruppen auch auf Personen ein, die nicht mit der Behinderung geboren wurden, sondern sie erworben haben. Das zeichnet die Veröffentlichung aus, denn meist findet dieser Personenkreis kaum Berücksichtigung.

Ein Zeichen der wertschätzenden Haltung gegenüber den Betroffenen ist es, dass Weid-Goldschmidt sie selber mit ihren Erfahrungsberichten zu Worte kommen lässt.

Besonders aufschlussreich sind die Erläuterungen zum Ja-Nein-Konzept und die konsequente Berücksichtigung der Kommunikationspartner. Das COCP-Programm ist in Fachkreisen zwar bekannt, es fehlt aber bisher eine ausführliche Darstellung, die hier mit Anleitungen, Kopiervorlagen und Beispielen gegeben wird.


Rezensentin
apl. Prof. Dr. Susanne Wachsmuth
Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Heil- und Sonderpädagogik Geistigbehindertenpädagogik


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Zitiervorschlag
Susanne Wachsmuth. Rezension vom 20.10.2014 zu: Bärbel Weid-Goldschmidt: Zielgruppen Unterstützer Kommunikation. Fähigkeiten einschätzen – Unterstützung gestalten. von Loeper Verlag (Karlsruhe) 2013. ISBN 978-3-86059-125-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16720.php, Datum des Zugriffs 19.01.2019.


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