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Hubertus Halbfas: Die Bibel für kluge Kinder und ihre Eltern

Cover Hubertus Halbfas: Die Bibel für kluge Kinder und ihre Eltern. Patmos Verlag (Ostfildern) 2013. 293 Seiten. ISBN 978-3-8436-0439-0. 30,00 EUR.
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Thema

Die zu besprechende Publikation ist eine Bibel für Kinder ab dem 12. Lebensjahr.

Autor

Der 1932 geborene Hubertus Halbfas war von 1967 bis 1987 Professor für Katholische Theologie und Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Reutlingen.

Entstehungshintergrund

Der Verfasser fragt danach, warum sich die Kinder und deren Eltern mit der Bibel befassen sollen – und die Antworten auf diese Frage stellen den Entstehungshintergrund dar:

  1. weil es sich bei der Bibel um ein Grundlagenwerk unserer Kultur handelt. Christen und Nichtchristen werden von ihr berührt;
  2. weil die Bibel Geschichten enthält, welche die Genese des Menschen aufzeigen. Sie ist Bestandteil des kulturellen Gedächtnisses;
  3. weil es in der Bibel um Gott geht.

Aufbau

Die Publikation ist folgendermaßen strukturiert:

1. Die Jüdische Bibel – Das Erste oder Alte Testament

  • Urgeschichten
  • Die Doppelbelichtung der Tora
  • Vätergeschichten
  • Mose und die Gottesoffenbarung
  • Die nie stattgefundene Landnahme
  • Auf dem Weg zum Königtum
  • Davids Königtum
  • Die Teilung des Reiches
  • Das Nordreich Israel
  • Israel und das Südreich Juda
  • Exilszeit und Neuanfang
  • Der Einbruch des Hellenismus

2. Die christliche Bibel – Das Zweite oder Neue Testament

  • Anfänge
  • Das Evangelium vom Reich Gottes
  • Jesus, Freund der Armen und Kranken
  • In Jerusalem
  • Über Nachfolge
  • Ostergeschichten
  • Der Weg in die Welt
  • Österliche Rückblenden: Geburt und Kindheit Jesu
  • Salz der Erde, Licht der Welt

Inhalt

In seinem Nachwort, das ich zu Beginn zu lesen empfehle, erklärt Hubertus Halbfas wofür der Inhalt dieser Publikation steht: Das Buch beinhaltet ein Lese-, Bilder-, Geschichts-, Religions- und v. a. Sachbuch. Vordergründig beinhaltet es unverhüllte Informationen. Unter Anwendung der historisch-kritischen Forschung wird in verständlicher Weise das Geschehene dargestellt.

Eingeleitet wird in Halbfas´ Bibel durch das die Publikation Allumfassende: Das ist das Land der Bibel, das sich zwischen Ägypten und Mesopotamien befindet.

Dann führt der Autor aus, was alles in der Bibel steht: Zum größten Teil stehen in der Bibel Sagen, die ursprünglich nur mündlich weitergegeben wurden. Später erst wurde die Bibel als schriftliches Dokument aufbewahrt.

Für die schriftliche Aufbewahrung der Sagen benötigte man die Schrift. Im nächsten Schritt also widmet sich diese Bibel der Entstehung der Schrift, die, beginnend von den ersten Bildzeichen bis zur Buchstabenschrift, eine lange Wegstrecke zurück gelegt hat.

Im letzten Teil dieser Einleitung erfährt die Leserin bzw. der Leser etwas über den Wahrheitsgehalt der Sprache. Es geht Halbfas um den Wahrheitsgehalt der Bibel. Nicht wenige Menschen verstehen die Bibel wörtlich. Der Bibelleser wird dazu aufgefordert, die Wahrheit und die sprachliche Form nicht voneinander zu trennen.

Es folgen in dem Buch der Bücher nun die beiden Bibelteile, aus denen ich mir erlaube jeweils ein Buch zu besprechen.

Die Jüdische Bibel beginnt mit den Urgeschichten. Da ist das Gedicht oder der Lobpreis von der Schöpfung, welches Halbfas in einer gut verständlichen Sprache gemäß Genesis 1,1-2,4a erzählt. Eingeleitet wird in dieses Gedicht mit Albrecht Dürers 1512 erstellten Blaurackenflügel. An den Seitenrändern befinden sich erklärend z. B. von einem Sioux-Medizinmann die Worte zur Schöpfung aus dem Jahr 1911 oder Ein Ameisenlöwe von Fridolin Stein. Erklärend für dieses Urereignis entdecken wir Das große Rasenstück von Albrecht Dürer und die Anbetung stehend von Ferdinand Hodler. Dem Lobpreis schließt sich die kritische Kommentierung desselben an. Der Urknall der Welt vor 13,8 Milliarden Jahren aus der Perspektive der Physik folgt dann der religiösen Darstellung

Wie die Menschwerdung biblisch erzählt wird, ist der Erzählung von der Erschaffung des Menschen nach Genesis 2,4b-24 zu entnehmen. Zwei Bilder rahmen die Erzählung von der Menschenerschaffung ein – und das ist Die Erschaffung des Menschen von Marc Chagall und Das Paradies des vorgenannten Künstlers. Die Kommentierung dieser Erzählung, die älter ist als das Schöpfungsgedicht, geht von dem -Garten aus, „den Gott für den Menschen gepflanzt hat“ (S. 30). Ein Foto der im Jahre 3 n. Chr. gegründeten Stadt Gur im Iran verdeutlicht der Leserin bzw. dem Leser den geschützten Raum, wie der Garten war, von dem in der Bibel berichtet wird. Wie die naturwissenschaftliche Entstehung des Lebens vor 4 bis 3,5 Milliarden Jahren betrachtet wird, folgt der biblischen Erzählung.

Dass die Menschen gemäß Genesis 3,1-24 nackt sind, wird der listigen Schlange märchenhaft in den Mund gelegt. Sie überredet Eva von der Frucht des in der Mitte gelegenen Baumes zu essen und diese Frucht mit Adam zu teilen. Eine bildnerische Darstellung von Helmut Andreas Paul Grieshabers Bedrohtes Paar führt in die Erzählung vom Verlust des Paradieses ein.

Der Streit zwischen Kain und Abel, der schließlich in der Ermordung Abels endet (Genesis 4,1-16) ist eingerahmt durch die Bilder Kain oder Hitler in der Hölle von George Grosz und Miss America von Wolf Vostell. Die Erzählung erfährt von Hubertus Halbfas eine verständliche Kommentierung.

Die Sintflut-Erzählung, wobei jene der Jüdischen Bibel entstammende eine von über 250 Flutsagen ist, rundet das Kapitel Urgeschichten ab. Neben der biblischen Erzählung nach Genesis 6,5-8,22 enthält dieser Abschnitt das Gligamesch-Epos, Hierbei handelt es sich um eine babylonische Sintflutgeschichte aus dem 19. bis 18. Jh. v. Chr. Das Bild Noach entsendet die Taube von Marc Chagall illustriert die Sintflutgeschichte.

Da die vorliegende Rezension um die Osterzeit 2014 verfasst wird, erscheint es konsequent, sich diesem Abschnitt aus der christlichen Bibel zu widmen, da es sich ja gewissermaßen auch hierbei, obwohl am Lebensende geschehen, dann doch um eine Urgeschichte handelt, die denjenigen, auf dem die christliche Bibel fußt, bekannt macht. Ohne der Kenntnis der Osterbotschaft wäre uns Jesus ja völlig fremd geblieben. Erst die Auferstehung macht ihn zu einer der prominentesten Persönlichkeiten.

Das Kapitel Ostergeschichten befasst sich zu Beginn mit der Auferstehung Jesu, für die der Verfasser den Begriff Auferstehung mit An- und Ausführungsstrichen markiert hat und die ca. im Frühjahr 51 durch Paulus der Gemeinde in Korinth mitgeteilt wurde (vgl. 1. Korinther 15,3-9). In diesem Brief zählt der Schreiber diejenigen Menschen auf, denen Jesus erschienen ist – und auch erschienen setzt Halbfas in An- und Ausführungsstriche. Konkretisiert wird diese Erscheinung im zweiten Brief des Paulus an die Korinther (vgl. 2. Korinther 12,1-4). In der Kommentierung dieses Auferstehungs- und Erscheinungsereignisses lesen wir u. a.: „Insgesamt wurde der Auferstehungsglaube durch Visionen gestiftet. […] Ein solcher Vorgang spielt sich nicht in der äußeren Realität, sondern im Innern des Menschen ab“ (S. 253). Der Auferstehungsglaube ist die Grundlage für die Evangelien, die Jahrzehnte später entstanden sind.

Von der Botschaft am leeren Grab erzählt uns Markus 16,1-8. Ca. 20 bis 50 Jahre nach den Briefen des Paulus entstanden die österlichen Legenden der Evangelien. Diese Ostergeschichten machen das Unanschauliche anschaulich. Vier Bilder veranschaulichen für die kindlichen Leserinnen und Leser das leere Grab.

In der Emmausgeschichte, wie sie von Hubertus Halbfas nach Lukas 24,13-35 erzählt wird, wird aufgezeigt, wo der Mensch dem Auferstandenen immer wieder begegnen kann. Derartige Begegnungen finden statt z. B. im Bibelkreis oder beim gemeinschaftlichen Essen.

Die der Auferstehung folgende Himmelfahrt Jesu wird von Lukas in der Apostelgeschichte 1,4-12 erzählt. Eingeleitet wird in die Himmelfahrt Jesu mit zwei Bildern:

  1. mit der Abbildung eines um 400 entstandenen Elfenbein-Reliefs, auf welchem die Frauen am leeren Grab und die Himmelfahrt Jesu zu sehen ist;
  2. mit dem Bild Himmelfahrt Christi, das 1403 von Konrad von Soest fertiggestellt wurde.

Zur Erläuterung der lukanischen Himmelfahrt werden der römische Schriftsteller Titus Livius und eine Erfahrung des Elija nach 2 Könige 2,11 f. zitiert. Es folgt die Kommentierung des Geschehens, mit welchem Lukas den Gemeinden zu sagen beabsichtigte, dass sie nicht länger in den Himmel schauen und die Wiederkunft des himmlischen Christus herbeisehnen sollten. Die Himmelfahrt Christi Rembrandts aus dem Jahre 1636 ist eine weitere Abbildung, die das Himmelfahrtsereignis bildnerisch erklärt.

Mit dem Pfingstereignis nach der Apostelgeschichte 2,1-13 werden die Ostergeschichten abgeschlossen. Der Turmbau zu Babel, von Richard Seewald 1957 produziert, führt bildnerisch in die Geschichte ein, da die Pfingstlegende mit der Geschichte des Turmbaus zu Babel verglichen werden kann. Beim Turmbau zu Babel wird von der sprachlichen Verwirrung der Menschen berichtet. Überwunden wird diese Verwirrung durch den alle Menschen erfüllenden Geist Gottes. Und so verstehen sich dann alle Menschen welche Sprache sie auch sprechen. Den Abschluss bildet Die Geistausgießung von Richard Seewald ebenfalls aus dem Jahre 1957.

Die österlichen Rückblenden befassen sich dann mit der Geburt und der Kindheit Jesu, die erst im Matthäus- und im Lukasevangelium aufgeschrieben sind. Diese beiden Evangelien enthalten das, was über eine lange Phase des Nachdenkens über Jesus berichtet wurde. Die Geburt Jesu erzählt der Autor gemäß Lukas 2,1-20. Drei Abbildung stellen das Geburtsereignis bildnerisch dar:

  1. die Geburt Jesu Nach Matthäus, die im 12. Jh. in Bamberg entstanden ist;
  2. die Verkündigung an die Hirten, 1130/40 in Köln produziert;
  3. das um 1480 von Hugo van der Goes entstandene Bild Die Anbetung der Hirten.

Die heidnische Huldigung und das Jerusalemer Erschrecken schließen die österlichen Rückblenden ab. Hier geht es um das Sternsingen, das nach Matthäus 2,1-12 von Hubertus Halbfas erzählt und interpretiert wird. Ein Schwarz-/Weißbild und das Bild Anbetung der Könige von Rogier van der Weyden erklären den Text für des Lesens Unkundige in künstlerischer Art und Weise.

Diskussion

Beim Lesen des Titels kam ich zunächst ins Schwimmen. Da hat Halbfas also eine Bibel für kluge Kinder geschrieben. Was ist nun mit den Kindern, die nicht so klug sind, die beispielsweise keine Gymnasialempfehlung ausgesprochen bekommen. Erst bei der Lektüre des Nachworts erfahre ich dann, was der Autor dieses bisher einzigartigen Werks meint, wenn er auf Seite 290 schreibt, dass die bis hierher besprochene Bibel mit klugen Kindern rechnet, die sich wach und aufgeschlossen mit dem hervorragenden Werk befassen. Und das es sich hierbei nicht um eine traditionelle Kinderbibel handelt, habe ich durch das Lesen der Geschichten dann auch erfahren dürfen. Erwachsene – und das müssen m. E. nicht immer nur Eltern von wachen und aufgeschlossenen, also klugen, Kindern sein – können auch einen nicht zu unterschätzenden Gewinn aus der Publikation ziehen.

Fazit

Ein Lehrwerk, das Einzug in jede Sekundarschule finden sollte und für die Menschen etwa ab dem 12. Lebensjahr, wie Halbfas es in seinem Nachwort vorschlägt, empfohlen werden kann. Ich meine jedoch das die Publikation früher gelesen werden kann. Durch die großartige Bebilderung können kluge Eltern den Kindern die Bibel nahe bringen, ihnen erklärend daraus vorlesen und sie dadurch klug machen. Ab dem 12. Lebensjahr können sie dann selber alles noch einmal rezipieren.


Rezensent
Dr. Carsten Rensinghoff
Dr. Carsten Rensinghoff Institut - Institut für Praxisforschung, Beratung und Training bei Hirnschädigung, Leitung: Dr. phil. Carsten Rensinghoff, Witten
Homepage www.rensinghoff.org
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 30.04.2014 zu: Hubertus Halbfas: Die Bibel für kluge Kinder und ihre Eltern. Patmos Verlag (Ostfildern) 2013. ISBN 978-3-8436-0439-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16724.php, Datum des Zugriffs 21.11.2018.


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