Suche nach Titel, AutorIn, RezensentIn, Verlag, ISBN/EAN, Schlagwort
socialnet Logo

Uwe Breitenborn (Hrsg.): Gravitationsfeld Pop

Rezensiert von Prof. Dr. Hubert Minkenberg, 06.11.2014

Cover Uwe Breitenborn (Hrsg.): Gravitationsfeld Pop ISBN 978-3-8376-2451-9

Uwe Breitenborn (Hrsg.): Gravitationsfeld Pop. Was kann Pop? Was will Popkulturwirtschaft? Konstellationen in Berlin und anderswo. transcript (Bielefeld) 2014. 432 Seiten. ISBN 978-3-8376-2451-9. D: 34,99 EUR, A: 30,70 EUR, CH: 38,90 sFr.
Reihe: Cultural studies - Band 45.

Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.

Kaufen beim socialnet Buchversand
Kaufen beim Verlag

Thema

Pop ist in aller Munde. Sei es Thomas Hecken oder Diedrich Diederichsen, viele der bekannten Autoren der deutschen Pop Theorie Szene brachten in jüngster Zeit ebenso hochkarätige wie auch schwergewichtige Veröffentlichungen zum Thema Pop heraus. Dies mag zum einen daran liegen, dass sich die Heroen und Begründer der Popmusik wie auch ihre theoretischen Begleiter langsam dem Pensionsalter nähern oder es auch schon überschritten haben (Mick Jagger, Keith Richards), und es Zeit zu sein scheint, abschließende umfassende Betrachtungen anzustellen, zum anderen daran dass Pop sich retrospektiv wirklich dazu eignet, als Modell einer Gegenwartskultur zu fungieren. Dies legt der für diese Buch gewählte Titel Gravitationsfeld Pop nahe. Pop als Kraftfeld, das durch die Existenz von Massen hervorgerufen wird und sich durch eine anziehende Kraft auf andere Massen äußert.

Herausgeber und Autoren

Uwe Breitenborn (Dr. phil.) ist Medienwissenschaftler an der Hochschule Magdeburg sowie an der Martin-Luther-Universität Halle.

Thomas Düllo (Prof. Dr. phil.) ist Universitätsprofessor an der Universität der Künste Berlin und lehrt Verbale Kommunikation.

Sören Birke ist Geschäftsführer Kesselhaus/Maschinenhaus der Kulturbrauerei Berlin, Musiker und Aufsichtsratsvorsitzender der Berlin Music Commission.

Das Herausgeberteam hat es geschafft eine umfangreiche, fachlich ausgewiesene illustre Schar von Autorinnen und Autoren in ihrem Buch zum Thema Pop zur Sprache kommen zu lassen. Insgesamt 29 Autorinnen – unter ihnen beispielsweise Dieter Gorny – äußern sich zu unterschiedlichsten Themen der Popkultur.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist zunächst in drei große Teile eingeteilt, in denen verschiedenen Akteure der deutschen Popkultur zu Wort kommen. Vorangestellt ist dieser Dreiteilung ein ausführlicher Diskurs zum Titel des Buches hier vor allem zur Frage der Gravitation also der Anziehungskraft und Schwerkraft, die die Popmusik und Popkultur auf Ihr Umfeld ausgeübt hat.

In den darauf folgenden drei großen Abschnitten wird unterschieden zwischen Produzenten, Reflektoren und Nutzern. Diese Aufteilung mag verdeutlichen, dass es sich in diesem Buch um überwiegend soziologische Betrachtungsweisen handelt.

Innerhalb dieser drei Abschnitte äußern sich in vielen kleineren Kapiteln unterschiedliche Personen – überwiegend im Rahmen von mit den Herausgebern geführten Interviews – zu einer Fülle von unterschiedlichen Aspekten von Popkultur.

In dem den Produzenten gewidmeten Teil reichen die Themen vom Gespräch über Popmusik als Teil einer Weltkultur (C. Borkowsky) über Fragen der Förderung von Spielstätten von Popmusik in Berlin (K. Lucker) hin bis zu Fragen der Digitalisierung analoger Medien (T. Wilke) In diesem Teil der Veröffentlichung wird vornehmlich und fast ausschließlich auf die Szene Berlin Bezug genommen, was allerdings zu sehr ausführlichen Einblicken in die Förderungsstrukturen von Pop durch den Berliner Senat führt. Ebenfalls in diesem Teil des Buches befindet sich ein aufschlussreicher Artikel über Pop als „Live Entertainment“ (K. Wiese) in dem in 16 Tracks und deinem outro Aspekte der heutigen Liveszene geschildert werden. Besondere Erwähnung bedarf ein Beitrag über die Funktion und Bedeutung der digitalen und sozialen Netzwerke bei der Distribution und Produktion von Popmusik DU(A. Paulus und C. Winter).

Im Kapitel über den Teufel und das Weihwasser und die Geschichte der Pop Förderung beschreibt der Verfasser den idealtypischen Verlauf der Karriere der Fantastischen Vier. Dies soll als Gegenbeispiel für eine alte Forderung Adornos dienen, dass Kultur nur durch Förderung entstehen und überleben kann (P. James). James ist der manifesten Überzeugung, dass eigentlich nur underground- oder Randgruppen-Kulturen einer staatlichen Förderung bedürfen.

In einem weiteren Abschnitt berichtet Simone Hofmann von ihren Erfahrungen mit der Übertragung des französischen Strassenmusikfestivals Fete de la musique auf deutsche Verhältnisse (S. 158 ff). Einer der besten Kenner und Wegbegleiter der deutschen Pop Kultur, Dieter Gorny, äußert sich generell zur Geschichte der Popkultur in Deutschland und den Möglichkeiten der Förderung. Der erklärt die Krise des Musikgeschäfts damit das Vertriebmittel, Vertrieb und Produktion sich in einem einzigen Medium abspielen und dies zu einem völlig veränderten Kaufverhalten führen muss.

In einer Reihe weiterer Aufsätze werden so unterschiedliche Themen wie die Semiotik der Popmusik, kulturelle Strategien im unternehmerischen Kontext, oder auch die Geschichte der Zeitschrift Spex intensiv beleuchtet. Interessant auch wie sich der medien- und haushaltspolitische Sprecher der CDU im Abgeordnetenhaus Berlin zur Aspekten der Pop Musikförderung äußert. Deutlich sind hier neoliberale Ansätze im Förderungsdenken erkennbar. Der Markt regiert das Geschäft.

In einem Abschnitt über den Zusammenhang von Internet und Pop vergleicht der Verfasser Philip Wagemann die heutigen Produktionsmethoden der Popmusik mit Hilfe von Musiksoftware mit den Anfängen des Punk. In beiden Fällen waren die MusikerInnen mit den traditionellen Techniken des Musikmachens weniger vertraut und schufen dennoch mithilfe ihrer Kreativität bedeutende neue Stilistiken.

Zielgruppe

Die vorliegende Veröffentlichung richtet sich an alle Menschen, die mit Strukturen von Förderung und Organisation populärer Musik zu tun haben also erfahrungsgemäß SozialpädagogInnen und KulturpädagogInnen. Sicherlich befinden sich in dem Buch auch wertvolle Informationen für aktive Musikerinnen und Musiker.

Fazit

Mit der Fülle von Informationen, die in diesem Buch – manchmal etwas wahllos – zusammengetragen wurden, ist der Nicht-Pop-Insider sicherlich überfordert. Allein schon die benutzte Terminologie setzt einschlägiges Fachwissen voraus.

Die Tatsache, dass sich ein Großteil der Artikel und Interviews auf Berliner Verhältnisse bezieht, macht das Buch für Nicht-Berliner nur bedingt lesenswert. Leider sind die durchaus interessanten und informativen Gespräche zum Thema kaum auf den Rest Deutschlands übertragbar.

Positiv zu erwähnen bleibt das sehr aktuelle und umfangreiche Literaturverzeichnis zum Thema.

Rezension von
Prof. Dr. Hubert Minkenberg
Professor für Medienpädagogik/Musikpädagogik
Fachhochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Mailformular

Es gibt 31 Rezensionen von Hubert Minkenberg.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Hubert Minkenberg. Rezension vom 06.11.2014 zu: Uwe Breitenborn (Hrsg.): Gravitationsfeld Pop. Was kann Pop? Was will Popkulturwirtschaft? Konstellationen in Berlin und anderswo. transcript (Bielefeld) 2014. ISBN 978-3-8376-2451-9. Reihe: Cultural studies - Band 45. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16750.php, Datum des Zugriffs 26.02.2024.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht