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Arne Hoffmann: Not am Mann. Sexismus gegen Männer

Cover Arne Hoffmann: Not am Mann. Sexismus gegen Männer. Gütersloher Verlagshaus Verlagsgruppe Random House GmbH (Gütersloh) 2014. 255 Seiten. ISBN 978-3-579-07065-0. D: 19,99 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 28,50 sFr.
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Thema

Menschenrechte kennen kein Geschlecht. Dennoch werden Menschenrechtsverletzungen gegenüber Männern übersehen oder negiert. Im vorliegenden Buch von Arne Hoffmann geht es um zentrale männerpolitische Themen, wie dem alltäglichen Sexismus gegen Männer, verschiedenen Formen von Männerdiskriminierungen, die Jungenkrise und deren Folgen, um die Männer als verschwiegene Opfer häuslicher und sexueller Gewalt und den Mann als ökonomischen Verlierer.

Autor

Arne Hoffmann, geboren 1969, ist Journalist, Buchautor und Blogger. Er studierte Literatur- und Medienwissenschaft in Mainz. Arne Hoffmann veröffentlichte zahlreiche Bücher über das Verhältnis von Männern und Frauen. Sein Blog „Genderama“, der sich für eine zeitgemäße und faire Geschlechterpolitik engagiert, versteht sich als Sprachrohr des linken Flügels der Männerbewegung. Hoffmann lebt in der Nähe von Wiesbaden.

Aufbau und Inhalt

Im Vorwort führt der Autor in die Thematik ein und weist darauf hin, dass die Benachteiligungen und sozialen Problemlagen von Männern weitgehend marginalisiert werden. Er unterstreicht seine Aussagen mit diversen Hinweisen auf Untersuchungen und Studien aus Europa und den USA. Zum Beispiel bezieht er sich auf die amerikanische Psychologin Dr. Helen Smith, die sich als Feministin auch mit dem Leiden der Männer auseinandersetzt.
„Ein Mensch, der diskriminiert wird, zum Opfer wird oder aus anderen Gründen leidet, verdient Zuwendung und Unterstützung – unabhängig von seinem Geschlecht“ (S. 10), so die zentrale These des Buches. Geklärt wird der oft irreführend verstandene Begriff des „Maskulismus“. Es geht dem Maskulismus nicht darum Männer statt Frauen zu unterstützen, sondern darum Männern wie Frauen zu ihrem Recht zu verhelfen (S. 10). Nach wie vor erlebt es der Autor als Tabubruch vom „allgemeinen Glaubensbekenntnis“ Unterdrücker Mann – Opfer Frau, abzuweichen.

Im ersten, von insgesamt zehn Kapiteln, befasst sich der Autor mit dem alltäglichen Sexismus gegen Männer. Sexismus gegen Männer ist nicht etwas Neues. Das Thema wird aber aufgrund der Marginalisierung und des Verschweigens regelmäßig neu entdeckt. Mit verschiedenen, sehr anschaulichen und eindrücklichen Beispielen aus diversen Medien gelingt es Arne Hoffmann den von ihm im Titel des Kapitels als alltäglich bezeichneten Sexismus gegen Männer zu belegen.

Im zweiten Kapitel setzt sich der Autor mit den Geschlechterrollen auseinander. Dabei bezieht er sich, unter anderem, auf den Soziologen Professor Walter Hollstein. Er geht dabei zum Beispiel der Frage nach, warum sich Jungen und Männer viel häufiger das Leben nehmen als Frauen und Mädchen. Weiter thematisiert der Autor die Vorbehalte Männern gegenüber die in traditionellen Frauenberufen arbeiten. Welches könnte die Alternative zum traditionellen Verständnis („Männer müssen hart sein und dürfen nicht jammern“) bzw. zum vom Genderismus geprägten Männerverständnis („Männlichkeit ist einer Art Krankheit, von der die Menschen geheilt werden müssen“) sein? Der Autor fordert hier eine „emanzipatorische Männerpolitik“ mit „Respekt vor jedem Individuum, wie es ist und sein will, solange es andere Menschen dadurch nicht schädigt“. (S. 42)

Im dritten Kapitel stellt der Autor „Die vielen Facetten der Männerdiskriminierung“ dar. Dabei stellt er fest, dass „die derzeit in unserer Gesellschaft betriebene Geschlechterpolitik (…) an Einseitigkeit kaum noch zu überbieten“ ist. (S. 44) Den Männern werde lediglich die Rolle des Schuldigen an den Problemen zugeschrieben. Die Anliegen und Probleme der Männer würden weitgehend ignoriert. Auf folgende Themenbereiche wird in eigenen Unterkapiteln eingegangen:

  • Unterschiedliche Lebenserwartung: keine biologischen Ursachen
  • Bei Männern tickt das Gesundheitssystem anders
  • Selbsttötung
  • Einseitige Forschung
  • Diskriminierung am Arbeitsplatz
  • Zwangsdienste
  • Diskriminierung von Männern mit Behinderung
  • Väterrechte
  • Sexistische Justiz
  • Internationale Hilfe

„Dass es Jungen in vielfacher Hinsicht heute schlechter geht als Mädchen ist eines der Themen der Männerbewegung, die inzwischen in der breiteren Öffentlichkeit angekommen sind“. (S. 63) So wird in das vierte Kapitel eingeleitet, welches sich mit den Folgen der Jungenkrise beschäftigt. Hauptsächlich geht es darin um die Chancenungleichheit von Jungen in der Bildung. Seine Ausführungen unterstreicht der Autor mit Zitaten aus verschiedenen Untersuchungen.

Im fünften Kapitel wird „Der Mann als ökonomischer Verlierer“ thematisiert. Dieser Titel mag zuerst erstaunen. Wird doch häufig genau das Gegenteil behauptet. Der Autor stellt darin nachvollziehbar dar, dass sich ein Gehaltsgefälle und Jobabbau zu Lasten von Männern anbahnt. Ein weiteres wichtiges Thema ist sodann die Tatsache, dass immer mehr Scheidungsväter unter der Armutsgrenze landen. Männer sind zudem überwiegend von Wohnungs- und Obdachlosigkeit und tödlichen Unfällen am Arbeitsplatz betroffen. Schritte gegen die beängstigende Diskriminierung von Männern sind deshalb dringend angezeigt, so die Schlussfolgerung des Autors am Schluss des Kapitels.

Im sechsten Kapitel geht der Autor auf ein weiteres oft tabuisiertes Thema ein. Männer als „Die verschwiegenen Opfer häuslicher Gewalt“. Er fordert darin die Abschaffung von Frauenhäuser zugunsten von Gewaltschutzhäuser für beide Geschlechter. Er geht aber auch den Ursachen von häuslicher Gewalt nach. Diese sieht er in den Konflikteskalation in Paarbeziehungen und den sozialen Problemlagen mit welchen die betroffenen Menschen konfrontiert sind. Er stellt diesbezüglich fest: „In Wahrheit weist vieles darauf hin, dass häusliche Gewalt weit effektiver dadurch reduziert werden dürfte, dass man soziale Problemlagen mit größerem Nachdruck angeht und sich nicht vom Geschlechterkampf den Blick darauf versperren lässt“. (S. 119)

„Sexuelle Gewalt gegen Männer – gibt es das?“ Mit dieser Frage ist das siebte Kapitel betitelt. Der Autor fokussiert darin den Aspekt der sexuellen Gewalt erwachsener Männern durch Frauen. Bewusst ausgeklammert werden die durch den Autor in anderen Publikationen aufgearbeiteten Aspekte wie die sexuelle Ausbeutung von Jungen und sexueller Gewalt in homosexuellen Partnerschaften. Die Thematik wird, unter anderem, anhand von Beispielen aus der deutschen Presse in den vergangenen Jahren sehr anschaulich aufgearbeitet. So muss die im Titel des Kapitels gestellte Frage leider klar mit Ja beantwortet werden.

Von vielen Menschenrechtsverletzungen sind typischerweise Männer betroffen. Dies wird in der Gesellschaft bislang aber kaum thematisiert. Der Autor befasst sich im achten Kapitel „Menschrechte kennen kein Geschlecht“ mit Genderziden -also mit Massen- und Völkermorden, bei denen vor allem Mitglieder eines Geschlechtes umgebracht werden. Männer sind dabei bei Weitem die häufigsten Opfer. Weiter thematisiert der Autor Massenvergewaltigungen in kriegerischen Auseinandersetzungen, Menschhandel und Prostitution, Zwangsrekrutierungen, Todesstrafe und Polizeigewalt. Er geht auf die Themen „Religiöse Beschneidung“ und „Entzug des Kontakts zu den eigenen Kindern“ ein um abschließend der Frage nachzugehen warum es keinen besseren Schutz gegen Menschenrechtsverletzungen speziell zulasten von Männern gibt.

Männer, welche sich für Männerrechte einsetzen werden diffamiert und ausgegrenzt. Dies musste der Autor, gemäß seinen Schilderungen, schon mehrmals selber erleben.
„Die (…) Männerfeindlichkeit unserer Gesellschaft potenziert sich in ganz besonderer Weise, wenn es gegen diejenigen geht, die sich stark für Männer engagieren“. (S. 166). Sehr befremdlich ist die mit diversen Beispielen belegte Tatsache, dass Menschen und Organisationen die Männerrechte thematisieren und sich gegen Diskriminierung von Männer zu Wehr setzen, dadurch diffamiert werden, in dem sie in die braune Ecke gestellt, also mit rechtsradikaler Gesinnung in Verbindung gebracht werden.

Der Schluss des Buches bildet das zehnte Kapitel mit dem Titel „Ausblick: Wir brauchen eine Demokratisierung der Geschlechterpolitik“. Hier werden die zentralen Aussagen der vorangegangen Kapitel noch einmal zusammenfassend dargestellt und ein Ausblick gewagt.

Diskussion

Arne Hoffmann stellt in seinem Buch die Problemen und Schwierigkeiten von Männern in unserer Gesellschaft ins Zentrum. Dies ist durchaus legitim. Die vielen zitierten Studien, Untersuchungen und statistischen Zahlen wirken zum Teil ermüdend, ermöglichen es aber gut die Argumentationen des Autors nachvollziehen zu können. Er zeigt insbesondere die verschiedenen Facetten von Männerdiskriminierung und die Schwierigkeiten einer ausschließlich auf Frauen konzentrierten Subventionskultur auf. Das erwartete Plädoyer für eine zukunftsfähige Geschlechterpolitik und die Forderung nach einer echten Gleichberechtigung; für Frauen und Männer, kommen meiner Ansicht nach dabei etwas zu kurz.

Fazit

Das vorliegende Buch von Arne Hoffmann ist ein engagierter Beitrag zur aktuellen Diskussion rund um die Diskriminierung von Jungen und Männern in unserer Gesellschaft. Es ist wichtiger Beitrag gegen die Tabuisierung unbequemer Themen. Der Autor ruft darin zu einer zukunftsorientierten Männerpolitik und einer echten Gleichstellung beider Geschlechter auf. Allen in der Männerpolitik engagierten Menschen bietet es eine Fülle von gut recherchierten Fakten und Daten für eine engagiert geführte Diskussion und Argumentation. Das Buch kann allen am Thema interessierten Frauen und Männern sehr zur Lektüre empfohlen werden.


Rezension von
Armin Eberli
Dozent, HF Agogis, Zürich
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Zitiervorschlag
Armin Eberli. Rezension vom 22.07.2014 zu: Arne Hoffmann: Not am Mann. Sexismus gegen Männer. Gütersloher Verlagshaus Verlagsgruppe Random House GmbH (Gütersloh) 2014. ISBN 978-3-579-07065-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16753.php, Datum des Zugriffs 31.05.2020.


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ISSN 2190-9245

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