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Christian Schlottfeldt, Lars Herrmann: Arbeitszeitgestaltung in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen

Rezensiert von Sonja Fröse, 04.08.2014

Cover Christian Schlottfeldt, Lars Herrmann: Arbeitszeitgestaltung in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ISBN 978-3-503-13867-8

Christian Schlottfeldt, Lars Herrmann: Arbeitszeitgestaltung in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Rechtskonforme Bereitschaftsdienstmodelle. Erich Schmidt Verlag (Berlin) 2014. 2., neu bearb. Auflage. 295 Seiten. ISBN 978-3-503-13867-8. D: 46,00 EUR, A: 47,30 EUR.

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Thema

Beschreibung und Benennung von Arbeitszeitmodellen, Informationen zu Arbeitszeitgesetzen und -regelungen – insbesondere Bereitschaftsdienst und Rufbereitschaftsdienst.

Autoren

Dr. Christian Schlottfeldt ist Rechtsanwalt in der ARBEITSZEITKanzlei in Berlin, geb. 1964 in Hamburg, seit 2001 selbständiger Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Arbeitszeitrecht, Autor zahlreicher Veröffentlichungen, bundesweite Referententätigkeit (entnommen der Homepage www.arbeitszeitkanzlei.de, Zugriff am 22.06.2014)

Lars Herrmann studierte Betriebswirtschaft und Psychologie, Diplom-Kaufmann. Lt. Homepage www.arbeitszeitberatung.de, Zugriff am 22.06.2014 in der „Unternehmensberatung als Arbeitszeitberater seit 1994“

Entstehungshintergrund

Im Vorwort zur vorliegenden 2. Auflage werden vielfältige Gründe zur Thematik genannt, so beispielsweise „überkommene Arbeitszeitstrukturen werden weder den juristischen noch den organistorischen Anforderungen gerecht“, ebenso würden MitarbeiterInnen verstärkt Arbeitszeitmodelle zur Verbesserung der Work-Life-Balance fordern und mit der „Ressource Arbeitszeit“ müsse aus wirtschaftlichen Gründen entsprechend umgegangen werden.

Aufbau

  1. Kapitel 1 befasst sich in strukturiert auf über 100 Seiten mit den „Rechtlichen Rahmenbedingungen der Arbeitszeitgestaltung“.
  2. Kapitel 2 benennt „Arbeitszeitmodelle“ und
  3. Kapitel 3 „Der Weg zum neuen Arbeitszeitmodell“.
  4. Im Kapitel 4 findet sich „Anhang: Gesetzliche, tarifvertragliche und kirchenrechtliche Regelungen“.

Jedes Kapitel beginnt mit einem Überblick. Die Überschriften der einzelnen Aushandlungen sind kurz und knapp in Stichworten gehalten.

Erklärende Fußnoten finden sich immer auf der gleichen Seite, so dass lästiges Nach- oder Umblättern entfällt.

Nicht durchgängig nummerierte Schwarzweiss-Abbildungen erläutern Dienstpläne oder zeigen graphisch beschriebene Texte.

Zu Kapitel 1 – „Rechtlichen Rahmenbedingungen der Arbeitszeitgestaltung“.

Arbeitszeitmodelle und -regelungen sind von unterschiedlichen Gesetzgebungen beeinflusst, wie z. B. Arbeitszeitgesetz, Tarifrecht sowie EU-Richtlinien des Europäischen Gerichtshofes. Bei der Entwicklung neuer Arbeitszeitmodelle müssen diese grundlegend einfließen und berücksichtigt werden.

Zunächst wird die Begrifflichkeit des Arbeitnehmers dargestellt. Vor allem hinsichtlich der Selbständig und freiberuflich Tätigen wichtig, da diese nicht unter den Geltungsbereich des Arbeitszeitgesetzes fallen. Ausnahmen werden beschrieben.

Im Zusammenhang mit Höchstarbeitszeiten, Ruhepausen und Ruhezeiten wird auch das Thema Nebentätigkeit besprochen – sowohl im Verhältnis einer freiberuflichen als auch einer selbständigen Nebentätigkeit.

Verdeutlicht wird, dass das Arbeitszeitgesetz lediglich „arbeits(zeit)schutzrechtliche“ Themen behandelt und sich „vergütungsneutral“ verhält. So ist die Vergütung von Arbeitszeit, Bereitschaftsdienst oder der Rufbereitschaft nicht Bestandteil des ArbZG. Überblick wird auch in die möglichen Arbeitszeitformen gegeben: So werden -Vollarbeitszeit, Arbeitsbereitschaft, Bereitschaftsdienst und Rufbereitschaft unterschieden. Diese Begrifflichkeiten haben festgelegte Definitionen. Diverse Abweichungen dieser Grundformen sind gesetzlich geregelt und werden stichpunktartig mit Verweis per Fußnoten erläutert.

Abbildungen und Beispiele erläutern die Texte. Arbeitszeitrechtliche Fragen, z.B. „Wöchentliche Höchstarbeitszeit als Spitzenwert?“ fließen ein und werden direkt beantwort.

Die graphische Darstellung einer Auslastungsanalyse eines Rufbereitschaftsdienstes zeigt die Abgrenzung zwischen Rufbereitschaft und Bereitschaftsdienst bzw. Vollarbeitszeit ab.

Weitere Begrifflichkeiten wie Belastungsanalyse bzw. Gefährdungsbeurteilung gem. § 5 Abs. 1 ArbSchG werden sowohl für die Vollarbeit als auch für Bereitschaftsdienstmodelle beschrieben und erläutert. Auf die Möglichkeit eines Checklisten-Downloads wird verwiesen.

Berechnungsmodelle zu jahresbezogenen Ausgleichszeitraum werden beschrieben, sowie die Möglichkeiten einer Verkürzung der werktäglichen Ruhezeit, Notfallregelungen, Grundlagen der Arbeitszeitaufzeichnung.

Zu Kapitel 2 – „Arbeitszeitmodelle“

Dieses Kapitel unterteilt sich in mehrere Abschnitte, wobei zunächst im ersten Abschnitt Arbeitszeitmodelle für den Bereitschaftsdienst vorgestellt werden, einschließlich notwendiger Anforderungen und Rahmenbedingungen. Auch werden im Zuge der Umsetzung bzw. Einführung der neuen Arbeitszeitmodelle mögliche Komplikationen benannt. Es werden insgesamt vier Grundmodelle beschrieben – einschließlich Pausenzeiten, Vor- und Nachteilen und Varianten, sowie praktischem Einsatzgebiet. Eine Bewertung der einzelnen Varianten wird textlich dargestellt.

Im zweiten Abschnitt werden Modelle zur „Rund um die Uhr-Besetzung ohne Bereitschaftsdienste“ beschrieben. Ein Überblick benennt die Möglichkeit des Einbaus einer Bereitschaftsdienstzeit und die wirtschaftliche Parameter gegenüber Bereitschaftsmodellen. Prinzipiell wird die Frage der Dauer der Schichten bei einer 24-Stunden-Versorgung gestellt (12 Stunden vs. 8 Stunden) oder weitere Varianten. Es werden vier Hauptgründe für 12-Std-Schichten ausgeführt. Vorstellung des Brutto- und Netto-Schichtmodells. Berechnungsgrundlage zum Netto- und Brutto-Personalbedarf anhand von Beispielen. Ein fortlaufender Schichtplan wird aufgezeigt. Es werden wichtige arbeitsmedizinische Empfehlungen, die bei der Erstellung solcher Pläne berücksichtigt werden sollen, benannt.

Im dritten Abschnitt finden sich Gestaltungsmöglichkeiten des Tagdienstes. Zunächst werden Herausforderungen benannt. Das Servicezeit-Modell wird vorgestellt. Möglichkeiten der Dienstplangestaltung können in einem zum download bereitgestellten Tool direkt angewandt werden.

Ausführlich wird die Möglichkeit persönlicher Zeitkonten beschrieben. Ein graphisches Beispiel mit textlicher Erklärung eines Ampelkontos verdeutlicht die Ausführung. Auch für die Zeiterfassung ist ein Download bereitgestellt.

Zu Kapitel 3 – „Der Weg zum neuen Arbeitszeitmodell“.

Die Umsetzung erfolgt im Rahmen eines Projektes, wobei die einzelnen Projektphasen ausführlich verdeutlicht werden. Beginnend mit der Projektgruppe und der Bestimmung des Projektziels, wird die Erstellung eines Projektfahrplans beschrieben. Notwendige Daten für eine Ist-Analyse werden aufgezählt. Für die Überprüfung bzw. Auswertung eines neuen Dienstmodells steht wieder ein Download zur Verfügung. In Beispielrechnungen werden die Bereitschaftsdienstkosten und der Personalbedarf ermittelt. Die Erarbeitung einer Dienstplansimulation wird beschrieben. Beispielhafte Abbildungen sind vorhanden. Es findet sich ein Musterbrief „Antrag auf Bewilligung der Verlängerung der werktäglichen Arbeitszeit gem. § 15 Abs. 1 Nr. 1 a) ArbZG“ sowie ein Muster einer „Rahmendienstvereinbahrung über Arbeitszeit“

Zu Kapitel 4 – „Anhang: Gesetzliche, tarifvertragliche und kirchenrechtliche Regelungen“.

Hier finden sich folgende Texte:

  • EU-Richtlinie über bestimmte Aspekte der Arbeitszeitgestaltung
  • Arbeitszeitgesetz (§§ 1 bis 25)
  • Tarifvertragliche Regelungen für Einrichtungen der Länder (Auszüge aus dem Tarifvertrag vom 12.10.2006 in der Fassung des Änderungstarifvertrages Nr. 6 vom 12.12.2012)
  • Tarifvertragliche Regelungen für kommunale Einrichtungen (Auszüge – in der Fassung vom 01.03.2012)
  • Regelungen für kirchliche Einrichtungen

Diskussion

Die Autoren benennen Arbeitszeit als Ressource und „Verbrauchsgut“ mit dem sinnvoll und wirtschaftlich, aber auch arbeitnehmerfreundlich umgegangen werden soll. Dies ist eine positive Grundhaltung, die sicherlich vielfach Zustimmung erhält. Wie können diese Ziele nun praktisch erreicht werden? Einfach das Buch nehmen und dann mal los? Stelle sich doch zunächst die Frage, was die Arbeitnehmer wollen und was der Arbeitgeber. Da die Autoren aus der Unternehmensberatung kommen und diesbezügliche Seminare halten (=direkter Kundenkontakt), könnten doch praktische Erfahrungen und Meinungen einfließen.

Die Einführung neuer Arbeitszeitmodelle kann keine Aufgabe eines einzelnen sein und gerade im Hinblick auf die im Buch vorgestellten Modelle, die sich überwiegend auf den Krankenhaus-Schichtbetrieb beziehen, stellt sich die Frage nach dem Leserklientel.

Das Potential, auch andere Einrichtungen hinsichtlich veränderter und angepasster Arbeitszeitmodelle zu unterstützen, geht durch die konsequente Betitelung krankenhausinterner Strukturen leider verloren.

Die erklärenden Begrifflichkeiten der arbeitszeitrechtlichen Grundlagen sind hilfreich und unentbehrlich für Dienstplanverantwortliche. Eine Zusammenfassung der zu beachtenden Regeln wäre schön gewesen.

Trotz ausführlicher Texte und zahlreicher Abbildungen, konnten nicht immer vergleichende Vor- und Nachteile oder Verbesserungen bei einzelnen Arbeitszeitmodellen für den Leser deutlich gemacht werden.

Einzelne Beispiele bringen den Leser auf neue Ideen zur Dienstplangestaltung und sind schnell umzusetzen, ohne ein aufwändiges Projektmanagement anwenden zu müssen („geblockte Dienste“, S. 142), wobei dies so gar nicht dargestellt wird. Eine Zusammenfassung von diesen einzelnen Beispielen wäre sicher sehr lesenwert und bereichernd, denn diese im Kontext ausfindig zu machen, ist mühsam.

Fazit

Die Betitelung „… in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen“ lässt eine Gleichgewichtung der Thematik vermuten, was leider nicht der Fall ist. Auch wenn von den Autoren eine Anpassung der Beispiele, die überwiegend aus Krankenhäusern stammten, möglich sei – so richtet sich der überwiegende Teil der Arbeitszeitmodelle und Beispiele auf Ärzte und den Bereitschaftsdienst.

Pflege-, Betreuungs- und Servicepersonal, die den laufenden Betrieb bilden, sind wenig berücksichtigt, obwohl hier auch die gleichen Problematiken mit eingefahrenen und starren Dienstzeiten zu finden sind.

Das Werk ist hinsichtlich der arbeitszeitrechtlichen Grundlagen und neuer Sichtweisen auf die Möglichkeiten der Dienstplangestaltung absolut empfehlenswert, jedoch eine Aufbereitung der unternehmensberaterischen Ideen und Strukturen in leserfreundliche Zusammenfassungen oder Zielgruppen entsprechende Kapitel würden das vorliegende Werk bedeutend aufwerten.

Rezension von
Sonja Fröse
Fachautorin für Pflege
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Es gibt 34 Rezensionen von Sonja Fröse.

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Zitiervorschlag
Sonja Fröse. Rezension vom 04.08.2014 zu: Christian Schlottfeldt, Lars Herrmann: Arbeitszeitgestaltung in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Rechtskonforme Bereitschaftsdienstmodelle. Erich Schmidt Verlag (Berlin) 2014. 2., neu bearb. Auflage. ISBN 978-3-503-13867-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16761.php, Datum des Zugriffs 19.06.2024.


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