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Jasmin Neuner: Fremdunterbringung durch die Jugendwohlfahrt

Rezensiert von Mag.a Dr.in Marianne Forstner, 27.11.2014

Cover Jasmin Neuner: Fremdunterbringung durch die Jugendwohlfahrt ISBN 978-3-658-04531-9

Jasmin Neuner: Fremdunterbringung durch die Jugendwohlfahrt. Einschätzungen aus der Sicht von heute erwachsenen Betroffenen. Springer Gabler (Wiesbaden) 2014. 111 Seiten. ISBN 978-3-658-04531-9. D: 49,99 EUR, A: 51,39 EUR, CH: 62,50 sFr.
Reihe: BestMasters.

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Thema

Das vorliegende Buch fasst die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Erhebung zum Thema Fremdunterbringung und subjektives Erleben der Unterbringung durch Betroffene zusammen.

Autorin

Die Autorin dieses Buches war Studierende am MCI Management Center Innsbruck.

Entstehungshintergrund

Das vorliegende Buch ist die Veröffentlichung der Masterarbeit der Autorin.

Aufbau und Inhalt

Das vorliegende Werk gliedert sich, wie bei einer wissenschaftlichen Arbeit üblich, in Vorwort, Einleitung inklusive Problemstellung, Hauptteil und Resümee und Fazit.

„Durch diese Masterarbeit wird erörtert, wie eine Fremdunterbringung durch die Jugendwohlfahrt von Betroffenen persönlich erlebt wurde und rückblickend bewertet wird“ (Neuner 2014, S. XIII). Das Ziel der Arbeit ist, diese qualitativen Beschreibungen zu bündeln und Fachkräften aus den verschiedenen relevanten Bereichen im Kontext der Kinder und Jugendhilfe zur Verfügung zu stellen. Dabei liegt nach Angaben der Autorin (Neuner 2014, S. 3) der Fokus der Betrachtungen „wie damals Minderjährige den Prozess der Fremdunterbringung, das Handeln der Jugendwohlfahrt in positiver beziehungsweise negativer Hinsicht bezüglich der Herkunftsfamilie und ihrem eigenen Leben erfuhren“ aber auch welche Auswirkungen aus subjektiver Sicht die Fremdunterbringung auf ihr aktuelles Leben habe.

Im zweiten Kapitel der Arbeit werden die kurz die Arbeitsweisen der Tiroler Kinder und Jugendhilfe mitsamt den gesetzlichen Grundlagen knapp erörtert.

Das dritte Kapitel der Masterarbeit befasst sich im knappen Überblick mit dem Bereich der Vollen Erziehung gemäß dem Landesgesetz in Tirol, den Hintergründen zu einer stationären Unterbringung und dem Handlungsfeld der Krisenunterbringung samt einer Aufzählung relevanter Einrichtungen. Auch wird kurz Volle Erziehung bei Pflegeeltern definiert.

Im vierten Kapitel werden forschungsrelevante Aussagen verschiedener Wissenschaftlerinnen zum Bereich Fremdunterbringung dargelegt. Besonders geht die Autorin auf bindungstheoretische Erkenntnisse ein (Brisch/Heilbrügge 2003, Bowlby 2006 u.a.). Neuner (2014, S. 40 – 50) verdeutlicht knapp mögliche Zusammenhänge der Bindungstheorie und Fremdunterbringung, mögliche Auswirkungen der Fremdunterbringung auf die Bindung zur Herkunftsfamilie und mögliche Auswirkungen der Fremdunterbringung auf die Persönlichkeit der Minderjährigen.

Im fünften Kapitel wird das Forschungsdesign dargelegt. Die Forschungsfrage dieser Arbeit lautet: „Wie erleben betroffene Minderjährige eine Fremdunterbringung durch die Jugendwohlfahrt und wie beurteilen sie diese Maßnahme aufgrund ihres subjektiven Erlebens aus der Retrospektive?“ (Neuner 2014, S. 51) Als Methode verwendete Neuner (2014) problemzentrierte Leitfadeninterviews mit Expertinnen und Experten, in diesem Fall mit fünf Personen, 3 männlichen und zwei weiblichen im Alter zwischen 21 und 73 Jahren, die fremduntergebracht waren.

Im sechsten Kapitel werden die Ergebnisse des qualitativen Forschungsverfahren gebündelt dargelegt und durch Zitate aus den Interviews innerhalb der gebildeten Kategorien verdeutlicht.

Im Kapitel sieben, einem kurz gehaltenen Resümee und Fazit, hält die Autorin unter anderem fest, „dass es bei einer Fremdunterbringung überaus wichtig ist, alle Betroffenen so weit als möglich in die Planung und Entscheidung miteinzubeziehen und ihre individuellen Situationen zu berücksichtigen“ (Neuner 2014, S. 105). Aber auch die nachsorgende ausschleifende Betreuung nach einer beendeten Unterbringung scheint nach zusammenfassender Erkenntnis der Autorin „überaus wichtig“ (ebd.), ebenso wie „aufklärende Gespräche über die Fremdunterbringung, regelmäßiger Kontakt durch die Jugendwohlfahrtssozialarbeiter/innen“ (ebd.).

Diskussion

Das vorliegende Werk von Jasim Neuner stellt einen interessanten Einblick die Thematik der subjektiven Bewertungen von Fremdunterbringung im Rahmen der Kinder und Jugendhilfe im Sinne einer retrospektiven Betrachtung Betroffener dar. Die qualitativen Aussagen der Befragten sind der besonders interessante Teil der Arbeit. Das Resümee und Fazit erscheint leider sehr knapp und könnte die Gelegenheit noch deutlicher und vor allem ausführlicher nutzen, die Ergebnisse gebündelt darzulegen.

Fazit

Diese Masterarbeit stellt interessante Ergebnisse aus einem qualitativen Forschungsvorhaben zur Verfügung und sollte, wie auch andere qualitative Forschungsergebnisse, mit besonderem Interesse im Sinn der Jugendwohlfahrtsforschung im Fachbereich der Kinder und Jugendhilfe gelesen werden.

Das Werk eignet sich damit für Fachleute aus dem Bereich der Kinder- und Jugendhilfe sowohl auf Behördenseite aber vor allem auch auf Seite der TrägerInnenorganisationen und deren Fachpersonal.

Literatur

  • Brisch, K. H.; Heilbrügge, Th. (2003): Bindung und Trauma. Risiken und Schutzfaktoren für die Entwicklung von Kindern. Stuttgart: Klett-Cotta.
  • Bowlby, J. (2006): Bindung und Verlus. Band 1. München: Ernst Reinhardt Verlag. [Originalausgabe 1969].

Rezension von
Mag.a Dr.in Marianne Forstner
Lehrende und Lehrgangseiterin FHOÖ, Lehrgang Sozialpädagogik und Erlebnispädagogik, Supervisorin und Mal- und Gestaltungstherapeutin
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Es gibt 14 Rezensionen von Marianne Forstner.

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Zitiervorschlag
Marianne Forstner. Rezension vom 27.11.2014 zu: Jasmin Neuner: Fremdunterbringung durch die Jugendwohlfahrt. Einschätzungen aus der Sicht von heute erwachsenen Betroffenen. Springer Gabler (Wiesbaden) 2014. ISBN 978-3-658-04531-9. Reihe: BestMasters. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16768.php, Datum des Zugriffs 03.12.2022.


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