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Jimmy Gut, Margit Kühne-Eisendle: Bildbar. 100 Methoden zum Arbeiten mit Bildern und Fotos [...]

Cover Jimmy Gut, Margit Kühne-Eisendle: Bildbar. 100 Methoden zum Arbeiten mit Bildern und Fotos im Coaching, Training, in der Aus- und Weiterbildung, Therapie und Supervision. managerSeminare Verlags GmbH (Bonn) 2014. 270 Seiten. ISBN 978-3-941965-82-9. D: 49,90 EUR, A: 51,30 EUR, CH: 66,90 sFr.

Reihe: Edition Training aktuell.
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Thema

In diesem Buch werden 100 erprobte Methoden für den Einsatz von Bildkarten in Training und Coaching oder Beratungssettings vorgestellt. Die Methoden beschreiben den möglichen Einsatz von Bildern für unterschiedliche Beratungs- und Trainingskontexten. Anliegen ist es, durch den Einsatz von Bildern und Fotos den Teilnehmenden oder KlientInnen neue Zugänge zu ihren jeweiligen Themen, ihren inneren Prozessen und ihren Ressourcen anzubieten. Das Buch ist gut kombinierbar mit der Bildkartensammlung „Bildbar – Das KartenSet“ (vgl. die Rezension), grundsätzlich ist aber auch ein Einsatz alternativer Bildersammlungen denkbar.

Autor und Autorin

Jimmy Gut ist Psychotherapeut (System. Familientherapie), Sozialpädagoge, Supervisor und Coach, Lehrtrainer für Gestaltpädagogik.

Margit Kühne-Eisendle ist Supervisorin, Coach, Lehrtrainerin für Gestaltpädagogik und Systemisches Management, Organisationsentwicklerin, Stress- und Gesundheitscoach.

Neben den Texten der beiden HerausgeberInnen umfasst das Buch zahlreiche Beiträge anderer Autorinnen mit umfangreichen Erfahrungen in der Erwachsenenbildung, Coaching, Therapie oder Beratung.

Aufbau

Das Buch bietet eine Übersicht über 100 Methoden zum Arbeit mit Bildern und Fotos. An ein kurzes Vorwort schließt sich eine Einführung in die Methode des Arbeitens mit Bildern ein. Ein sogenannter Schnellfinder listet entsprechende Einsatzoptionen auf. Dabei werden in einer übersichtlichen Matrix alle Methoden einem Kontext bzw. Anlass für den möglichen Einsatz zugeordnet. Relevante Kategorien sind dabei:

  • Feedback
  • Konflikt
  • Stress
  • Fähigkeiten
  • Ressourcen
  • Veränderung/Entwicklung
  • Herausforderung
  • Werte
  • Zukunft/Ziel
  • Kennenlernen
  • Reflexion
  • Diversity
  • Lernen
  • Entscheidung
  • Team
  • Organisation
  • Selbstcoaching
  • Leiten/Führen
  • EQ – Emotionale Intelligenz
  • Wahrnehmung
  • Auflockerung
  • Selbstbestimmung

So können die einzelnen Methoden schnell ausgewählt werden. Den Abschluss bildet ein Verzeichnis der Autorinnen und Autoren, das ihren jeweiligen Hintergrund kurz beleuchtet.

Ausgewählte Inhalte

Die Methoden werden sehr praxisnah und anwendungsorientiert aufbereitet. Es werden gute kreative methodische Anregungen präsentiert, die vielfache innovative Impulse für die eigene pädagogische oder therapeutische bzw. beraterische Praxis bieten können.

Hilfreich ist auch der durchgängige parallele Aufbau der einzelnen Beiträge, die sich an folgender Struktur orientieren:

  • Ziel
  • Ablauf/Beschreibung
  • Setting
  • Variationen
  • Kommentar
  • Einsatzmöglichkeiten
  • Technische Hinweise
  • Schlagworte
  • Technische Hinweise
  • Quellen/Literatur.

Dabei wird mit konkreten Leitfragen und Imaginationsübungen gearbeitet, die zur (Selbst-)Reflexion, Standortvergewisserung oder zum Dialog einladen. Die Vorstellung ist jeweils kurz und knapp und überschreitet in der Regel auch zwei Seiten nicht, ist aber dennoch aussagekräftig und ohne großen zusätzlichen Vorbereitungsaufwand (sofern man über entsprechende Fotosammlungen verfügt) umsetzbar.

Beispielhaft seien hier die folgenden fünf Methoden vorgestellt:

In der Methode „Es war einmal…“ (62) werden die Teilnehmenden/KlientInnen, gebeten, sich aus einem Stapel verdeckter Bildkarten drei Karten auszuwählen, und sich spontan eine Geschichte unter einer bestimmten Fargestellung „Was führt mich hierher?“ auszudenken und zu erzählen, in der eben diese drei Bildmotive eine Rolle spielen. Diese Methode ist besonders für Anfangssituationen in Trainings, Seminaren oder Beratunsgsituationen geeignet.

In der Methode „Bild ohne Bild“ (32) geht es um die Frage jeweils individuell konstruierter Wirklichkeiten und der Auseinandersetzung mit dem Konstruktivismus. Der/die TrainerIn/BeraterIn leitet eine Imaginationsübung ein, in der sich der/die Klientin vorstellt, an einer Radiosendung zum Thema Bilder teilzunehmen. Es gibt aber faktisch gar keine realen Bilder, über die diskutiert werden könnte, so dass die entsprechende Person eingeladen wird, Bilder zu einem entsprechenden Thema zu imaginieren. Dazu werden entsprechene weiterführende Leitfragen angeboten.

Die Methode „Landkarte der Veränderung“ (120) ist für den Einsatz in Change-Prozessen gedacht und soll in diesem Zusammenhang entsprechende Emotionen verbalisieren helfen. Die Teilnehmenden erhalten eine kopierte Vorlage mit einem Länderumriss, der das Land der Veränderung darstellt. Die TeilnehmerInnen werden gebeten, die für ihn/sie jeweils relevanten „Landesteile“ mit Fotokarten zu bekleben und dabei bzw. danach zu reflektieren, mit welchen Emotionen diese „Landesteile“ bzw. Bilder verbunden sind. Im Anschluss folgt eine Imaginationsübung mit der Aufforderung, eine „Führung“ durch die entsprechende Landkarte für die anderen in der Gruppe vorzubereiten. Sind alle „Führungen“ erfolgt, bei der seitens der Trainingsleitung die verbalisiereten Emotionen auf Moderationskarten notiert wurden, kann mit diesen im weiteren Verlauf des Seminar weitergearbeitet werden.

Einen alternativen Zugang zur Mindmap-Methode bietet der Vorschlag „Mindmap“ (152): hier wird der Zugang zu einem klassischen Mindmap durch ein freies Brainstorming zu Fotokarten vorbereitet, die entsprechende Assoziationen zu den relevanten Oberbegriffen erleichtern sollen.

Die Methode „Problembild“ (162) will zur Analyse einer Problemsituation beitragen. Dabei wählt der die KlientIn ein Bild aus, das aus individueller Sicht gut zum zu bearbeitenden Problem passt. Dieses Foto wird auf einem DIN-A-Blatt befestigt und der/die Klientin wird gebeten, darum herum ein Bild zu malen, in dessen Zentrum das gewählte Foto steht und das Problem näher beleuchtet. Diese Methode soll helfen, das betreffende Problem vertieft zu betrachten und zu reflektieren, wozu auch entsprechende Reflexionsfragen angeboten werden. Alternativ oder zusätzlich ist auch eine Gestaltung als Lösungsbild denk- bzw. kombinierbar.

Diskussion und Fazit

Das Buch ist mit viel methodischer Erfahrung und kenntnisreich geschrieben. Es ist sehr übersichtlich, systematisch und anwenungsorientiert aufgebaut und für den Einsatz in den unterscheidlichsten Kontexten sehr gut geeignet: für (Einzel- und Organisations-)Beratung und Coaching, Supervision und Therapie, Erwachsenen- oder Jugendbildung etc. Gut in der Arbeit mit Einzelpersonen, aber auch mit Paaren, manche Methoden sind auch in Gruppensettings gut einsetzbar. Die inhaltlichen Fragestellungen, die in den vorgestellten Methoden angesprochen werden, sind vielfältig und durch Modifikationen in der Fragestellung leicht bei Bedarf auf andere Kontexte übertragbar.

Das Buch, das in gewissem logischen Zusammenhang zu einer Fotosammlung gleichen Namens steht, ist auch unabhängig von der Bildbar-Kartensammlung einsetzbar in dem Sinne, dass auch andere Bildkarten, ob gekauft oder selbst erstellt zum Einsatz kommen können. Allerdings beziehen sich einige methodische Vorschläge explizit auf diese oder andere entsprechende Produkte, so dass der/die TrainerIn oder Berater/in, so sie über diese Bildsammlungen nicht verfügt, eine entsprechende eigene Sammlung aufbauen muss oder die Fragestellung entsprechend an anderes Fotomaterial (Kalenderblätter, Postkarten, Freecards etc.) anpassen muss.

Gut gelöst ist auch die Herausforderung nach dem Umgang mit geschlechtergerechter Sprache, denn hier haben sich die HerausgeberInnen zu folgender Lösung entschieden: „Aufgrund unseres Genderbewußtseins und der Lesefreundlichkeit sind etwa 50 Prozent der Methoden in weiblicher und 50 Prozent in männlicher Form dargestellt.“ Positiv ist auch die Produktion in einer Einrichtung zur Eingliederung von Menschen mit Behinderung zu bewerten.

Gesamtbewertung: Sehr gelungen und mit vielseitigen kreativen und innovationen Einsatzmöglichkeiten in Therapie, Coaching, Supervison, Erwachsenenbildung, Seminar oder Training.


Rezensentin
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
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Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 03.06.2014 zu: Jimmy Gut, Margit Kühne-Eisendle: Bildbar. 100 Methoden zum Arbeiten mit Bildern und Fotos im Coaching, Training, in der Aus- und Weiterbildung, Therapie und Supervision. managerSeminare Verlags GmbH (Bonn) 2014. ISBN 978-3-941965-82-9. Reihe: Edition Training aktuell. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16803.php, Datum des Zugriffs 18.08.2017.


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