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Carsten Rensinghoff: Zur schulischen Inklusion nach Hirnverletzung

Cover Carsten Rensinghoff: Zur schulischen Inklusion nach Hirnverletzung. Teil I: Medizinische und neuropsychologische. Aspekte aus der Betroffenenperspektive. united p.c. (Berlin) 2014. 142 Seiten. ISBN 978-3-7103-1403-2. D: 16,40 EUR, A: 16,90 EUR, CH: 24,50 sFr.
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Thema

In diesem Buch berichtet der Autor aus autobiografischer Perspektive über seinen Lebensweg nach einer Hirnverletzung. Er berichtet von vielen Facetten, die verarbeitet werden müssen. Einen besonderen Fokus legt er nach eigener Aussage auf medizinische und neuropsychologische Aspekte. Zudem wird deutlich, wie viele Enttäuschungen verkraftet werden mussten und ein Ende ist nicht in Sicht.

Autor

Carsten Rensinghoff, Jahrgang 1969 erlitt im Alter von 12 Jahren einen Unfall, bei dem er eine Hirnverletzung erlitt, die seinen weiteren Lebensweg maßgeblich beeinflusste.

Entstehungshintergrund

Das Buch ist im united p.c. Verlag erschienen. Dahinter stehen Menschen, die meinen, dass jedes gute Manuskript als Buch veröffentlicht werden sollte. Dafür wurde ein Verlagskonzept entwickelt. Jeder Autor erhält kostenlos die Möglichkeit, schnell und einfach Bücher zu veröffentlichen. Jede Veröffentlichung erhält eine ISBN. Der Verkauf findet über den Buch- und Großhandel oder über Onlineshops wie Thalia oder Amazon statt.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist im DIN A6 Format erschienen und umfasst 141 Seiten. Es enthält nach einem Vorwort sieben Kapitel und acht Abbildungen.

  1. Anatomische Orientierungsregeln
  2. Das Gehirn
  3. Das kindliche Schädel-Hirntrauma
  4. Wie man behindert wird – Persönliche Erfahrung nach einer Hirnverletzung im Kindesalter
  5. Neuropsychologische Aspekte
  6. Die kontextsensitive Beratungsarbeit
  7. Literatur

Das erste Kapitel umfasst sieben Seiten und handelt von den anatomischen Orientierungsregeln. Darin führt der Autor aus, wie der Körper in verschiedenen Ebenen aufgeteilt werden kann. Diese Ausführungen belegt er mit Abbildungen.

Das zweite Kapitel Das Gehirn umfasst 14 Seiten und hat den Aufbau des Gehirns und die neurologischen Schädigungen zum Inhalt, mit dem Ziel bestimmte Beeinträchtigungen nach einer Hirnverletzung erklärbar zu machen.

Im dritten Kapitel das kindliche Schädel-Hirn-Trauma erläutert er auf 18 Seiten, was man darunter versteht.

Im vierten Kapitel Wie man behindert wird schildert der Autor auf 24 Seiten seine persönlichen Erfahrungen nach einer Hirnverletzung im Alter von 12 Jahren.

Im fünften Kapitel beleuchtet er auf 48 Seiten neuropsychologische Aspekte. Dabei betrachtet er vier fundamentale Funktionseinheiten des Gehirns und erläutert, die Folgen von Störungen mit dem besonderen Fokus auf den Schulalltag. Hirnverletzte Schülerinnen und Schüler haben Lernstörungen, deren Folgen bis in den Berufsalltag wirken. Auch Verhaltensauffälligkeiten sind keine Seltenheit. Als Beispiele führt er autobiografische Erlebnisse aus.

Das letzte sechste Kapitel im Umfang von sieben Seiten hat er dem von ihm entwickelten Ansatz gewidmet, den er als kontextsensitive Beratungsarbeit bezeichnet. Er beschreibt darin ein Unterstützungssystem im Sinne eines Peer Supports, bei dem Betroffene Betroffene beraten sollen.

Das Buch schließt mit Kapitel sieben mit dem Literaturverzeichnis.

Diskussion

Das Büchlein „Zur schulischen Inklusion nach Hirnverletzung, Teil 1 Medizinische und neuropsychologische Aspekte aus der Betroffenenperspektive“ ist ein autobiografischer Bericht mit knappen eingestreuten theoretischen Inputs. Carsten Rensinghoff erlitt mit 12 Jahren eine Hirnverletzung mit weitreichenden Folgen auf sein gesamtes Leben. Er konnte -nach Entlassung aus dem Krankenhaus- nicht weiter die bisherige Klasse seines Gymnasiums besuchen und machte seinen Abschluss an einer Schule für Körperbehinderte. Auch sein beruflicher Werdegang war holprig. Solche Lebensverläufe sind bei Hirnverletzungen nicht selten und es ist wichtig, dass aus Betroffenensicht darüber geschrieben wird.

Das hier vorgelegte Buch wird als erster Teil bezeichnet, was vermuten lässt, dass weitere Teile folgen werden. Um welche es sich dabei handelt habe ich leider nicht herausgefunden.

Das Buch ist trotz des Titels kein Fachbuch im eigentlichen Sinn. Es ist ein sehr persönliches Buch und gibt einen tiefen Einblick in die Wege und Umwege des Autors nach seinem Unfall. Sehr gespannt war ich auf seine Ausführungen zur schulischen Inklusion nach Hirnverletzung. Leser, die wie ich erwarten, dass darüber geschrieben wird, welche Faktoren zum Gelingen der Inklusion beitragen werden enttäuscht werden, denn sie gehen leer aus. Zudem war ich auf den vom Autor entwickelten Ansatz zur „kontextsensitiven Beratungsarbeit“ gespannt. Die Ausführungen sind leider extrem kurz (drei Seiten) und sie zählen nur auf, wie ein derartiger Peer Support aussehen sollte.

Dem Schreibstil und der Art der Darstellung ist anzumerken, dass der Autor viele Enttäuschungen erlebt hat. Er wirkt verbittert. Teilweise hat er Schriftwechsel über Streitigkeiten abgedruckt. Leider hat sich mir nicht erschlossen, welche Intention der Autor damit verfolgt. Als Leserin fühlte ich mich in Konflikte hinein gezogen, was ich als sehr unangenehm und unangemessen empfunden habe. Hier wäre weniger mehr gewesen.

Fazit

In diesem Buch berichtet der Autor aus autobiografischer Perspektive über seinen Lebensweg nach einer Hirnverletzung. Er berichtet von vielen Facetten, die nach so einem Schicksalsschlag verarbeitet werden müssen. Er zeigt auf, wie viele Enttäuschungen er verkraften muss(te). Dabei erläutert er kurz und knapp medizinische und neuropsychologische Aspekte. Eine Geschichte, die betroffen macht.


Rezensentin
Dipl.-Päd. Petra Steinborn
Heilpraktikerin für Psychotherapie. Einrichtungsleitung in einer großen Ev. Stiftung in Hamburg-Horn und freiberuflich in eigener Praxis ABC Autismus tätig. Schwerpunkte: Herausforderndes Verhalten, Strategien der Deeskalation, Autismus, TEACCH, Erworbene Hirnschädigungen
Homepage www.abc-autismus.de
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Zitiervorschlag
Petra Steinborn. Rezension vom 10.03.2015 zu: Carsten Rensinghoff: Zur schulischen Inklusion nach Hirnverletzung. Teil I: Medizinische und neuropsychologische. Aspekte aus der Betroffenenperspektive. united p.c. (Berlin) 2014. ISBN 978-3-7103-1403-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16821.php, Datum des Zugriffs 24.03.2019.


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