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Annika Schlitte (Hrsg.): Philosophie des Ortes

Cover Annika Schlitte (Hrsg.): Philosophie des Ortes. Reflexionen zum Spatial Turn in den Sozial- und Kulturwissenschaften. transcript (Bielefeld) 2014. 248 Seiten. ISBN 978-3-8376-2644-5. D: 29,99 EUR, A: 30,90 EUR, CH: 40,10 sFr.
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Thema

Man kann auch in einer globalisierten Welt nicht überall zuhause sein. Man braucht Orte, wo man wohnt, wo man in lokale Lebenszusammenhänge eingebunden ist, wo man hingehört und vertraut ist mit seiner Umgebung, mit den Leuten, der Sprache, vielleicht auch den Vorstellungen vom Leben insgesamt. Man braucht also Orte, Schnittstellen von biographischen Ereignissen und sozialräumlichen Einbettungen, wo sie passieren.

Seit wir den Raum in den Sozialwissenschaften entdeckt haben und ein entsprechendes Raumverständnis eines relationalen Raums entwickelt haben, seit wir das Verständnis haben, dass Menschen dem Raum eine Bedeutung geben, sie sich ihn aneignen und entsprechend konstruieren, seit wir weg sind vom physikalischen Raum, entwickeln wir in den Sozial- und Kulturwissenschaften auch ein Verständnis von der Stadt oder dem Dorf als einem gelebten und erfahrenen sozialräumlich bestimmten Sozialzusammenhang. Der spatial turn ist zum Dreh- und Angelpunkt jedweder Debatte um die förderlichen und behindernden Rahmenbedingungen des gesellschaftlichen Lebens und Handelns geworden.

Herausgeber und Herausgeberinnen

Dr. Annika Schlitte ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Philosophie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Drs. Thomas Hünefeldt ist Postdoc an der „Sapienza“ Universität Rom und an der Katholischen Universität Eichstätt.

Daniel Romic wird als Mitherausgeber mit seinen Daten nicht aufgeführt.

Prof. Dr. Joost van Loon ist Lehrstuhlinhaber für Allgemeine Soziologie und Soziologische Theorie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Autorinnen und Autoren

Die weiteren Autorinnen und Autoren kommen aus den Bereichen der Literatur- und Kulturwissenschaften, der Soziologie, der Medienpädagogik, der Theologie und der Philosophie.

Aufbau

Nach einer Einleitung der Herausgeberinnen und Herausgeber folgen elf Beiträge, die im Folgenden im Einzelnen vorgestellt werden.

Zur Einleitung

Die Unterscheidung von Raum und Ort macht deutlich, dass wir uns zwar mit dem Raum inzwischen intensiv auseinandersetzen, aber nicht mit dem Ort. Dies gilt sowohl für die Philosophie als auch für die Sozialwissenschaften.

Die Herausgeberinnen und Herausgeber setzen sich mit den Begriff von Ort und Raum in der Philosophie auseinander, vor allem mit den rudimentären Ansätzen einer Philosophie des Ortes, um dann auf den spatial turn in den Kultur- und Sozialwissenschaften und auf die Bedeutung und Problematik einzugehen.

Worin besteht der mögliche Beitrag der Philosophie des Ortes zur Grundlagenreflexion der Kultur- und Sozialwissenschaften nach dem spatial turn? Die Autorinnen und Autoren machen drei Problemfelder aus:

  • einmal besteht die Gefahr, dass Raum und Zeit als Antagonismen begriffen werden;
  • zum anderen besteht eine Spannung zwischen der Vorstellung des Raums als soziale Konstruktion (Soziologie) und der Determination durch den Raum (Geographie) und
  • zum dritten erfährt angesichts der globalen Vernetzung das Lokale eine neue Bedeutung.

Anschließend werden die einzelnen Beiträge kurz vorgestellt.

Zu: Stephan Günzel: Vom Raum zum Ort – und zurück

Der Titel lehnt sich an die Schrift Hans Blumenbergs „Zu den Sachen und zurück“ an und bezieht sich auf die Auseinandersetzung mit den Neukantianern und Husserl.

„Zu den Sachen zurück“ impliziert auch die Frage „woher man denken kann“.

Weiter setzt sich Günzel mit Heidegger auseinander, der formulierte: „Räume (empfangen) ihr Wesen aus den Orten und aus ‚dem‘ Raum“. Eine Kehrtwende zum Ort, zum Topos will auch verstanden werden als das Zurück zum Ursprünglichen.

Der Autor begründet seine Hinwendung des Raums zum Ort auch damit, dass das „woher“ nicht in Vergessenheit gerät – auch das „woher man kommt“

Dies wird an Hand einschlägiger Literatur nachgezeichnet.

Weiter beschäftigt sich Günzel mit Otto Bollnow und seinem Werk „Mensch und Raum“. Dort wird die Ableitung des Ortsprinzips, die Verortung in die Heimat, das Heimatprinzip diskutiert.

Weiter diskutiert Günzel Autoren wie Gilles Deleuze und Félix Guattari, die sich mit dem Nomadentum beschäftigen, also mit der Ortlosigkeit, weil der Nomade nicht an den Ort zurückkehrt, von dem er aufgebrochen ist. Wie konstituiert der Nomade den Ort und den Raum?

Eine kritische Auseinandersetzung mit Martina Löws Raumkonzept folgt, um dann auf den Phänomenologen Emmanuel Lévinas einzugehen, der sich wiederum kritisch zu einer Ortsphilosophie äußert.

Zu: Annika Schlitte: Das erhabene als Ortserfahrung: Vorüberlegungen zu einer Hermeneutik des Ortes

In ihrer Einleitung fragt die Autorin nach dem Erhabenen, das im 18. Jahrhundert eine wichtige Rolle bei der Herausbildung einer bestimmten ästhetischen Naturvorstellung spielte und am Ende des 20. Jahrhunderts im Rahmen einer negativen Ästhetik auf die moderne Kunst bezogen wurde.

Zur Einordnung der Thematik in eine Philosophie des Ortes bezieht sich die Autorin zunächst auf die Philosophie im Verhältnis zu spatial turn, um sich dann mit dem Thema „Von der Philosophie des Raumes zur Philosophie des Ortes“ zu beschäftigen.

Aktuelle Problemfelder und Aufgaben einer Philosophie des Ortes sind:

  1. Die Abgrenzung von Ort und Raum.
  2. Ort und Erfahrung: Der ontologische Status des Ortes.
  3. Ort und Bedeutung: die historische und kulturelle Dimension des Ortes.

Was ist das Erhabene als Ortserfahrung? fragt Schlitte weiter. Die Naturerfahrung ist immer auch eine Ortserfahrung. Die Beziehung zur äußeren Natur hat immer auch einen Ortsaspekt und ist an konkrete Orte gebunden. In dieser Beziehung wird das von der Natur Erhabene erfahren als etwas, was anders, vom Menschen Verschiedenes ist.

Diese Diskussion wird ausführlich geführt. Einmal geht es um das Erhabene als Naturerfahrung, dann als Transzendenzerfahrung und als Kunsterfahrung.

Damit wird das Erhabene zum konstitutiven Merkmal der natürlichen und kulturellen Bezüge in der Lebenswelt der Menschen.

Zu: Ulrich Beuttler: Religiöse Orte und gelebter Raum

U. Beuttler konstatiert zunächst eine neue Wertschätzung religiöser Orte in der Theologie, obwohl Gott weder im Raum noch am Ort ist; Raum und Ort spielen im Gott-Mensch-Verhältnis höchstens eine subjektive Rolle.

Der Autor erörtert dann die historischen und theologischen Entwicklungslinien vom Ort zum Raum, dann auch vom Raum zum Ort und zurück.

Danach geht es um die dreifache Forderung eines Raumbezuges Gottes. Eine Beziehung Gottes zum Raum scheint unverzichtbar. Es ist religiös notwendig, weil der glaubende Christ Gott auch außer sich zu erfahren glaubt – also im Raum (1); der Raumbezug Gottes ist aus trinitäts- und schöpfungstheologischen Gründen notwendig, weil die „inkarnatorische Struktur der Ökonomie Gottes“ behauptet, Gott ginge auf Raum und Zeit ein (2) und drittens ist der Raumbezug Gottes logisch notwendig, da alle Gottesaussagen einen Raumbezug zum Sprecher implizieren (3).

Dann setzt sich Beuttler mit dem gelebten Raum und seine religiöse Struktur auseinander, wobei er sich auf E. Minkowski und seine Überlegungen zur „gelebten Zeit“ bezieht. Dieser gelebte Raum ist präreflexiv präsent, elementar strukturiert, gestimmt und getönt und gerichtet und leiborientiert strukturiert. Dies wird ausführlich erörtert, um dann zu den existentiellen und religiösen Schichten des gelebten Raums zu kommen, der mehrere Schichten kennt:

  • Auf der elementarsten Schicht ist das Selbst passiv gegenüber dem gelebten Raum, der mit einer Orientierung, Färbung und Tönung verbunden ist.
  • Die aktivere Schicht als die nächst höhere ist der durch den Leib orientierte Raum.
  • Und schließlich ist die letzte Stufe mit der abstrakträumlichen Raumrelation erreicht.

Auch dies wird ausführlich begründet.

Zu: Thomas Hünefeldt: Questioning ‚situated cognition‘. Preliminary outline of a comprehensive approach of understanding the situatedness of cognition

In diesem englischsprachigen Beitrag geht es um die Situationsbezogenheit und Verortung von Kognition, von Denken. Die Trennung von konkreten Orten und abstrakten Räumen wird diskutiert und führt zum Topos, zum Ort der Lokalität und Lokalität ist mehr als das, was gerade da ist.

Den theoretische Bezugsrahmen bildet zu einen die Systemtheorie und zum anderen die Phänomenologie. Die Phänomenologie liefert programmatisch die nicht-naturalistische Analyse der Situationsgebundenheit des Handelns und Denkens. Im Gegensatz dazu liefert die Systemtheorie die übergeordnete naturalistische Analyse der Situationsgebundenheit des innerweltlichen Seins.

Der Autor beschreibt dann die Verbindung mit der philosophischen Phänomenologie, geht auf die Dimensionalität jeder vorstellbaren Lebenswelt ein und beschreibt dann das innerweltliche Sein jeder vorstellbaren Lebenswelt.

Anschließend beschreibt Hünefeldt die Verbindung zur allgemeinen Systemtheorie, indem er die systemtheoretische Analyse der Situationsgebundenheit diskutiert. Schließlich versucht er eine Verbindung von philosophischer Phänomenologie und allgemeiner Systemtheorie.

Zu: Rob Shields: Can Place Prehend Philosophy? Spatialisation, Mythic Place and Virtual Time

Rob Shields fragt in seinem englischsprachigen Beitrag zunächst, wo der Ort der Philosophie und der Ort des Denkens sind. Die Verbindung mit der Philosophie lässt die Frage zu, ob es eine Philosophie des Ortes gibt oder ein Ort der Philosophie. Es geht auch um die Frage, was den Ort ausmacht. Ist das Lokale schon der Ort, weil es einfach „da“ ist? Der Autor setzt sich dann mit Heidegger auseinander, der seiner Ansicht nach die Relation des Ortes zum Sein am besten analysiert hat.

Anschließend fragt der Autor nach dem Begriff der Spatialisation oder Social Spatialisation. Dabei wird deutlich, dass der Begriff Space schwierig ist, weil Space nicht das ausdrückt, was mit Lokalisation und Verortung gemeint sein könnte. Danach setzt sich der Autor auch mit Lefèbvres Produktion des Raums und weiteren Autoren auseinander.

Zu: Joost van Loon: The Taking Place of Risk. Optical mediation and the Neuropolitics of Prehension

Zunächst geht es dem Autor in seinem ebenfalls englischsprachigen Beitrag in der Auseinandersetzung mit R. Shields um das Virtuelle. Shields differenziert ja das Virtuelle vom Aktuellen, Wahrscheinlichen und Möglichen. Auch hier wird deutlich, dass das Erfahrene eine Verortung braucht – sie entsteht nicht einfach so, ist real gebunden. Risiken finden statt, sind also auch an den Ort gebunden, wo sie entstehen. Auch wenn Risiken „Orte verlassen“ und über den Ort hinaus denkbar sind, wie Umweltkatastrophen – sie sind dann in der Welt.

Der Autor setzt sich dann mit Gilles Deleuze auseinander und beschreibt dann die Materiality of optical mediation als einen Prozess der Verkörperung des Stattfindens.

Silja Graupe: Orte der Technik. Ba und Basho in der modernen japanischen Philosophie

Die Autorin führt zunächst mit der Beschreibung der Atomkraftkatastrophe in Fukushima ein. Dann geht es um die Begriffe Ba und Basho. Ba sind konkrete Orte, wo etwas geschieht, Basho umschreibt eher einen sozial höher situierten Ort, an dem Ba auch stattfindet.

Die Autorin setzt sich mit der japanischen Philosophie auseinander, mit ihren Ursprüngen im Buddhismus und ihren modernen Entwicklungen. Ortsphilosophie ist in Japan eine Notwendigkeit – das erklärt die Autorin aus der japanischen Geschichte. Die Autorin geht dann auf Orte der Technik ein – und auch die haben seit Hiroshima in Japan eine Geschichte.

Dann unternimmt die Autorin einen Ortswechsel und geht auf die Betrachtung von Albrecht Dürers Holzschnitt „Der Zeichner des liegenden Weibes“ ein.

Haben die Kontrolleure im Kontrollraum von Fukushima die Perspektive des Malers bei Dürer - beide fern ab von der Wirklichkeit?

Die Autorin kommt dann nochmal auf Fukushima zurück und auf die japanische Philosophie des Ortes.

Zu: Kerstin Schmidt: Afropolitans All? The Rediscovery of Pace in a Mobile World Literature

Es geht in der Tat um Afrika, um Migranten, die eine amerikanische Schriftstellerin als eine neue Generation von Einwanderern tituliert hat. Was unterscheidet diese Gruppe von den alten Reisenden? Kerstin Schmidt geht mit der Autorin kritisch ins Gericht und setzt sich gründlich mit deren Argumenten auseinander, bezeichnet sie als post-kolonialistisch. Schließlich geht es um den Ort der Diaspora, um das Paradox von Ortsfokussierung und kosmopolitischen Kontexten in der Globalisierung. Örtlichkeit, Sesshaftigkeit und Mobilität werden zu charakteristischen Merkmalen moderner Migration, was auch die Literatur verändert.

Zu: Richard Nate: „Nowhere Was Somewhere. Zur Erinnerung utopischer Orte“

Orte kultureller Erinnerung bedürfen einer Benennung, weil man sich über sie verständigen muss und damit sie Bestandteil eines kollektiven Gedächtnisses werden – nicht so bei persönlichen Erinnerungen. Wir konnotieren bestimmte kollektive Ereignisse mit bestimmten Ortsnamen. Der Autor diskutiert zunächst zwei unterschiedliche Topoi und erörtert beispielhaft das Verhältnis von Orten zu ihren Bezeichnungen.

Desweiteren geht er auf Novalis´ Europa-Essay ein, das Novalis Ende des 18. Jahrhunderts unter dem Eindruck der bürgerlichen Revolutionen und dem damit verbundenen Wertwandel geschrieben hat. Denn damit ging auch ein altes christlich geprägtes Europa dem Ende entgegen.

Außerdem erörtert der Autor E. Morgans Schrift „Nowhere Was Somewhere“, wo - obwohl die historischen und geographischen Kontexte nicht vergleichbar sind – ähnliche ortsgebundene Vergangenheits- und Zukunftsorientierungen vorgefunden werden.

Zu: Walter Schweidler: Der Ort des Gewesenen. Zu Ricoeurs Ontologie des Vergessen (sic!)

Sind Vergessen und Erinnern zwei unterschiedliche Orte, wohin das Gewesene verschwindet (vergessen) und das Gewesene bleibt oder gar zurückkehrt (erinnern)? Diese Frage erörtert der Autor auf der Grundlage von Ricoeurs Ontologie des Vergessens. Die dahinter stehende Frage ist die ontologische Frage nach Sein oder Nichtsein. Wenn etwas gewesen ist, ist es auch dann noch in der Welt, wenn es vorbei ist? Im Bild kann der Künstler etwas als Gewesenes schaffen, das es letztlich nie gab. Damit setzt sich der Autor mit Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ auseinander, wo es auch um die Frage geht, wie Wiedererkanntes das Erinnern prägt und damit auch als Gewesenes bestimmt werden kann. Damit wird auch Erzählzeit von gegenwärtiger Zeit geschieden. Was Erinnern bedeutet, kann nur der sich erinnernd Erzählende erfahren.

Zu: Hans Dieter Zimmermann: „Wohnen bedeutet, an einem bestimmten Ort zu Hause zu sein“. Der Ort als Heimat

H. D. Zimmermann rekurriert in seinem Beitrag auf die Tischrede Heideggers anlässlich der Primiz seines Neffen.

Die Herkunft legt uns fest, Heimat ist ein prägendes Element unserer Kindheit und bestimmt auch in Zukunft unser Denken und Handeln. Wir brauchen einen Ursprung, von dem wir uns auch lösen können. Schließlich kann man nicht überall zu Hause sein, wir brauchen Orte, die uns verorten.

Der Autor setzt sich mit Heidegger und seiner damaligen Tischrede gründlich auseinander, um sich dann dem Heimatbegriff zu widmen.

Heimat ist der Schnittpunkt von biographischen Ereignissen in einer bestimmten Zeit und unter bestimmten sozialräumlichen Konstellationen. Deshalb gibt es „Kohortenschicksale“. Der 1960 Geborene hatte als 20Jähriger andere biographische Hintergrunderfahrungen und gegenwärtige Rahmenbedingungen der Realisierung eines Lebensentwurfs als der 1945 Geborene. Und Stadt als Heimat ist noch einmal etwas anderes als der ländliche Raum als Heimat. Heimat wird damit zum Schlüssel für die Interpretation des Geborgenen, des Eingebundenseins in einen vertrauten Sozialzusammenhang, der sozialen Verortung. Damit wird auch die Familie und die Verortung in Verwandtschaftsverhältnisse immer auch der Kern der Heimat bleiben.

Der Autor setzt sich gründlich mit dem Heimatbegriff auseinander und geht auf Peter Huchel und die bäuerlich Welt ein, die ihn prägte.

Heimat ist der Ort, der für uns eine Bedeutung hat, wo wir uns daran erinnern, dass wir den Orten eine Benennung gegeben haben und sie dadurch zu einer Bedeutung für uns wurden.

Und die Sehnsucht nach Heimat erfüllen wir uns, wenn wir ein Zu-Hause haben, eine Wohnung, die mehr ist als ein Dach über dem Kopf oder eine Behausung.

Diskussion

Das Buch vereint eine Reihe von Beiträgen, die aus unterschiedlichen Blickwickeln den Ort als etwas zu fassen versuchen, der mehr ist als die sozialräumliche Integration in einen Stadtteil oder ein Quartier. So hat jetzt auch die Philosophie den Zugang zum spatial turn gefunden, wenn sie ihren Bezugspunkt zur aktuellen Raumdiskussion in den Sozial- und Kulturwissenschaften sucht. Wir können uns einen leeren Raum vorstellen, aber keine menschliche Existenz ohne Raum. Kann dieser Kant´sche Satz auch übertragen werden? Können wir uns also keine Orte vorstellen, die an den Raum gebunden sind und dennoch etwas anderes sind als nur sozialräumlich fixierte Stellen, an denen etwas passierte?

Fazit

Das Buch ist eine großartige Sammlung unterschiedlicher Zugänge zu Raum und Ort. Wer sich auf diese Debatte auf sehr hohem Niveau einlassen will, sollte sich vorher schon mit dem spatial turn in den Kultur- und Sozialwissenschaften vertraut gemacht haben.


Rezension von
Prof. Dr. Detlef Baum
Professor em. Arbeits- u. Praxisschwerpunkte: Gemeinwesenarbeit, stadtteilorientierte Sozialarbeit, Soziale Stadt, Armut in der Stadt Forschungsgebiete: Stadtsoziologie, Stadt- und Gemeindeforschung, soziale Probleme und soziale Ungleichheit in der Stadt
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Zitiervorschlag
Detlef Baum. Rezension vom 03.07.2014 zu: Annika Schlitte (Hrsg.): Philosophie des Ortes. Reflexionen zum Spatial Turn in den Sozial- und Kulturwissenschaften. transcript (Bielefeld) 2014. ISBN 978-3-8376-2644-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16907.php, Datum des Zugriffs 08.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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