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Hans-Jürgen Berning: Betriebliches Sozialwesen

Rezensiert von Dipl.Soz.-Arb. Sandra Müller, 15.02.2005

Cover Hans-Jürgen Berning: Betriebliches Sozialwesen ISBN 978-3-537-31290-7

Hans-Jürgen Berning: Betriebliches Sozialwesen. Asgard-Verlag Dr. Werner Hippe GmbH (Sankt Augustin) 2003. 246 Seiten. ISBN 978-3-537-31290-7. 32,00 EUR.
Reihe: Fortbildung und Praxis - 129
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Thema und Hintergrund

Anhand des Buches soll geklärt werden, was betriebliches Sozialwesen eigentlich bedeutet und auf welchen Rechtsgrundlagen es beruht. Es sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie das bestehende Sozialwesen unter Umständen erweitert bzw. verbessert werden kann.

Hierbei geht es um die Bereiche Arbeitsrecht, Sozialversicherungsrecht und Steuerrecht.

Aufbau, Inhalte und Gliederung

Das Buch setzt sich aus insgesamt 10 thematischen Kapiteln zusammen.

Nach dem Vorwort werden im ersten Kapitel die Grundlagen des betrieblichen Sozialwesens kurz auf einer Seite beschrieben. Ziel des Unternehmens ist hiernach neben den steuerlichen Vergünstigungen vordergründig der Erhalt eines dauerhaften Mitarbeiterstammes.

Im zweiten Kapitel - Instrumente der betrieblichen Sozialpolitik - wird auf die Unterschiede der gesetzlichen (z.B. Tarifurlaub, Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung), tariflichen (z.B. Weihnachtsgeld, Weiterzahlung des Entgeltes im Sterbefall) und freiwilligen (also solche, auf die der Arbeitnehmer meist keinen Rechtsanspruch hat) Leistungen eingegangen. Da Maßnahmen der gesetzlichen und tariflichen Leistungen den größeren Bekanntheitsgrad genießen, geht der Autor schließlich näher auf die freiwilligen Leistungen ein. Hierzu werden im Vorfeld die beiden Begriffe der Betrieblichen Übung (die regelmäßige Wiederholung eines bestimmten Verhaltens des Arbeitgebers, aus dem die Arbeitnehmer schließen könnten, Ihnen solle eine Leistung oder eine Vergünstigung auf Dauer eingeräumt werden) und der Betriebsvereinbarung (ein schriftlich festgehaltener übereinstimmender Beschluss zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat) erläutert.

Der betriebliche Gesundheitsdienst füllt das dritte Kapitel aus. Er dient der Erhaltung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter. Neben den werksärztlichen Diensten werden auch gerade bei kleineren Betrieben häufig nebenberufliche Ärzte zu Rate gezogen. Zunächst werden die rechtlichen Grundlagen und Rahmenbedingungen ausführlich behandelt. Man wird über das AsiG, die verschiedenen UVVen und Rahmenrichtlinien zum Arbeitsschutz aufgeklärt. Darüber hinaus wird auf Aspekte wie die betriebsärztliche Qualifikation, Organisationsformen betriebsärztlicher Betreuung, die Stellung und Aufgaben des Betriebsarztes und die Schweigepflicht eingegangen. Neben dem technischen Arbeitsschutz gehört auch die arbeitsmedizinische Vorsorge zu den wichtigsten Bestandteilen. Sie soll das körperliche, geistige und soziale Wohlbefinden der Arbeitnehmer fördern und aufrecht erhalten. Gleichzeitig soll sie verhindern, dass Arbeitnehmer infolge der Arbeitsbedingungen gesundheitliche Schäden davontragen. Dies soll sie sowohl durch Individualprävention als auch durch Allgemeinprävention erreichen. Verantwortlich für diese Aufgabenerfüllung ist der Arbeitgeber. In diesem Zusammenhang wird auf die Einstellungsuntersuchung, die Regelungen beim Umgang mit Gefahrenstoffen und berufsgenossenschaftliche Rechtsvorschriften eingegangen. Dabei wird auch die Frage nach den arbeits- und handlungsrechtlichen Folgen, also beispielsweise in wieweit der Arbeitnehmer zu diesen Maßnahmen verpflichtet ist, beantwortet. - Abschließend werden Vorschriften, Arbeitgeberpflichten, Pflichten und Rechte der Beschäftigten und die Rolle des Betriebsrates im Bereich der Arbeitssicherheit, die Bestellung von Sicherheitsfachkräften und die Voraussetzungen für Erste-Hilfe-Maßnahmen, die Beschäftigung von Betriebssanitätern und das Bereitstellen von Erste-Hilfe-Materialien behandelt.

Die Gestaltung der Arbeit beschäftigt das vierte Kapitel. Hier werden zunächst die Pflichten des Arbeitgebers (diese betreffen in erster Linie die Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer) und die Beteiligung des Betriebsrates mitsamt der rechtlichen Grundlagen und Rahmenbedingungen erörtert. Das ArbSchG verpflichtet den Arbeitgeber "die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände zu treffen, die die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen". In diesem Zusammenhang nimmt der Autor an dieser Stelle Themen wie Luft, Licht und Klima am Arbeitsplatz, Arbeitskleidung, Körperschutzmittel (z.B. Kopfschutz), Rauchverbote, Frauenarbeitsschutz und Gleichbehandlung unter die Lupe. Auch hierbei erfährt man bis ins Detail die einzelnen rechtlichen Grundlagen.

Im Rahmen der Gestaltung der Arbeitszeit stellt der Autor im fünften Kapitel die verschiedenen Arbeitzeitmodelle vor. Genannt werden hier in erster Linie die Teilzeitarbeit, die flexible Teilzeitarbeit, die geringfügigen Beschäftigung und das Modell des Job-Sharings. Auch in Bezug auf Rechtsansprüche und Rechtsgrundlagen (z.B. Kündigungen) werden wieder umfassende Informationen geliefert.

Die soziale Mitbestimmung ist Gegenstand des sechsten Kapitels. Hiermit ist die Mitbestimmung des Betriebsrates in allen Fragen der Arbeitsbedingungen, die nicht gesetzlich oder tarifvertraglich geregelt sind, gemeint. Der Autor legt genau dar, in welchen Fällen der Betriebsrat einschreiten und initiativ werden kann, welche Pflichten auf Seiten des Arbeitgebers existieren und in welchen Angelegenheiten eine Beteiligung des Betriebsrates zwingend ist. Auch ein Katalog der Mitbestimmungsrechte (z.B. Urlaub, Entgelt, Unfallverhütung) wird vorgestellt.

Die Lohngestaltung stellt mit dem siebten das umfassendste Kapitel des Buches dar. Nach einer kurzen Begriffserklärung wird zunächst Umfang und Inhalt des Mitbestimmungsrechtes des Betriebsrates, die Festlegung des Entgeltes und das Vorgehen bei Tariferhöhungen geklärt. Darüber hinaus geht der Autor auch ausführlich auf Zweck, Formen, Kürzungen und die Rolle des Betriebsrates in Fragen zu Anwesenheitsprämien, Gewinnbeteiligung, Gratifikationen und Sonderzuwendungen ein, wobei auch hier immer die rechtlichen Rahmenbedingungen im Blick gehalten werden. Auch erfährt der Leser Einzelheiten zu Werkswohnungen, Arbeitgeberdarlehen, Vorschusszahlungen, Vermögensbeteiligung und Vermögensbildung (an dieser Stelle geht der Autor sogar auf die einzelnen Anlagemöglichkeiten ein).

Im Zusammenhang mit der betrieblichen Altersvorsorge wird im achten Kapitel nach der Begriffserklärung und der Darstellung des Gestaltungsrahmens auf nähere Einzelheiten eingegangen. Themen sind hier beispielsweise die Versorgungsanwartschaften, die Direktversicherung und -zusage, Pensionskassen und -fonds, die Unterstützungskasse, die gesetzliche Unverfallbarkeit von Anwartschaften auf betriebliche Altersversorgung, die mittels Entgeltumwandlung finanziert sind und die Insolvenzsicherung. Abschließend geht der Autor noch auf die Notwendigkeit der Anpassung von betrieblichen Versicherungsleistungen aus rechtlicher Sicht ein.

Das neunte Kapitel ist für die Berufssparte der Sozialarbeiter und -pädagogen wohl das interessanteste - es behandelt die immateriellen Hilfen und die Humanisierung der betrieblichen Zusammenarbeit, umfasst aber lediglich zwei Seiten. Hierbei wird der sozialen Betreuung der Belegschaft die Lösung folgender betriebspsychologischer Aufgaben auferlegt:

  1. Die Arbeit muss dem Menschen angepasst sein.
  2. Der Mensch muss der Arbeit angepasst sein.
  3. Die Menschen müssen sich einander anpassen.

Hervorgehoben wird hier die prompte und unbürokratische Einzelfallhilfe im persönlichen, gesundheitlichen und beruflichen Bereich.

Der Autor schließt das Buch mit dem zehnten Kapitel der Sozialbilanz ab. Die Sozialbilanz soll transparent machen, in welchem Umfang ein Unternehmen seiner sozialen Verantwortung nachkommt. Hier wird die Geschichte und Einführung der Sozialbilanz, Ziele und Inhalte, die einzelnen Methoden (das Linowes-Modell, das STEAG-Modell, das AKSP-Modell und das "Goal-Accounting"-Modell) sowie konzeptionelle und methodische Probleme vorgestellt und erläutert.

Fazit

Der Autor beginnt sein Vorwort mit dem Satz "Zum betrieblichen Sozialwesen gehören viele Maßnahmen, über die wir uns als Arbeitnehmer kaum noch Gedanken machen, weil sie für uns einfach selbstverständlich geworden sind." Dies trifft wohl auch auf mich zu. Ich hätte nicht gedacht, dass man 245 Seiten zum Thema des betrieblichen Sozialwesens auf interessante Weise füllen kann. Hans-Jürgen Berning hat dies geschafft. In seinem Buch wird scheinbar lückenlos jegliche Form des betrieblichen Sozialwesens bis hin zur steuerlichen Absetzung von Arbeitskleidung behandelt. Dabei geht er stets von den rechtlichen Grundlagen aus, die einem Arbeitnehmer größtenteils in der Form gar nicht klar sind. Der Bereich der Sozialen Arbeit in einem Unternehmen wird mit einem Umfang von 2 Seiten lediglich erwähnt, wobei dieser Aspekt allerdings auch nicht Schwerpunkt des Buches sein soll.

Diese Lektüre stellt aus sozialarbeiterischer Sicht ein gelungenes, geradezu enzyklopädisches Ergänzungswerk für alle Interessierten und Praktiker dar, die schon immer einmal wissen wollten, was eigentlich neben der Betriebssozialarbeit sonst noch alles an betrieblichen Maßnahmen zur Wahrnehmung der sozialen Verantwortung existieren.

Rezension von
Dipl.Soz.-Arb. Sandra Müller

Es gibt 6 Rezensionen von Sandra Müller.

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Zitiervorschlag
Sandra Müller. Rezension vom 15.02.2005 zu: Hans-Jürgen Berning: Betriebliches Sozialwesen. Asgard-Verlag Dr. Werner Hippe GmbH (Sankt Augustin) 2003. ISBN 978-3-537-31290-7. Reihe: Fortbildung und Praxis - 129. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1694.php, Datum des Zugriffs 06.10.2022.


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