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Klaus Weber (Hrsg.): Creifelds Rechtswörterbuch

Cover Klaus Weber (Hrsg.): Creifelds Rechtswörterbuch. Verlag C.H. Beck (München) 2014. 21., neu bearbeitete Auflage. 1573 Seiten. ISBN 978-3-406-63871-8. D: 65,00 EUR, A: 60,70 EUR, CH: 83,90 sFr.

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Der „Creifelds“ – ein Standardwerk der juristischen Fachliteratur

Die erste Auflage des Creifelds erschien im Jahr 1968. Damals und bis zu seiner 8. Auflage 1988 gehörte auch der Begründer Carl Creifelds zu seinen Bearbeitern; das Werk erscheint bis heute unter seinem Namen. Mit der nunmehr vorliegenden 21. Auflage (2014) hat sich der Creifelds längst als ein Standardwerk innerhalb der juristischen Fachliteratur etabliert. Nach ihm greifen Rechtspraktiker gleichermaßen wie Rechtsuchende, Lehrende ebenso wie Studierende. Der Grund hierfür liegt wohl vor allem auch darin, dass man mit ihm eine Enzyklopädie des rechtlichen Wissens mit mehr als 12.000 Stichworte auf insgesamt 1573 Seiten gut in eine Hand zu fassen bekommt und sich dadurch auf unkomplizierte Weise mindesten einen ersten Überblick über den Inhalt des jeweiligen Fachbegriffs zu verschaffen vermag – häufig freilich auch mehr als nur dies. Zusätzlich ermöglicht die beigelegte CD einen Zugriff auf den digitalisierten Volltext.

Bearbeiter

Die Bearbeiter sind: Klaus Weber, der zugleich als Herausgeber fungiert, Gunnar Cassardt, Michael Hakenberg, Martin Kainz, Christiane König, Ulf Kortstock, Jochem Schmidt sowie Walter Weidenkaff. Sie sind, bis auf Michael Hakenberg von der Fachhochschule Trier und Jochem Schmitt, der bis zu seinem Tod 2014 eine Professur an der Freien Universität Berlin innehatte, keine Rechtslehrer, sondern Richter, überwiegend an Obergerichten, oder Rechtsanwälte. Sie alle sind als Autoren und Kommentatoren entsprechend ausgewiesen und zumeist auch als Lehrbeauftragte oder Honorarprofessoren tätig.

Zielgruppen

Das Nachschlagewerk richtet sich vornehmlich an Rechtspraktiker in Justiz, Verwaltung, Verbänden, Betrieben oder Steuerkanzleien. Auch mancher Rechtswissenschaftler (so der Rezensent) wird es in Reichweite platziert haben, um sich begrifflicher Inhalte zu vergewissern, die nicht zu seinem unmittelbaren Arbeitsfeld gehören und mit denen er nicht jeden Tag zu tun hat. Für Studierende der Rechtswissenschaft kann es mit Sicherheit von ganz außerordentlichem Nutzen sein. Die Frage ist, inwieweit es auch für in den sozialen Bereichen Tätige gewinnbringend sein kann. Auch hier gilt: Will man sich über Rechtsbegriffe aus dem eigenen Tätigkeitsbereich genauer informieren, ist ein Fachlexikon (etwa zur sozialen Arbeit) wohl die bessere Wahl, weil sie dort ausführlicher, detaillierter und anwendungsorientierter besprochen werden. Dafür jedoch, auch Rechtsbegriffe erläutert zu bekommen, die übergreifende Bedeutung haben (z.B. „Grundrechte“), die im eigenen Berufsfeld eher kontextual auftreten (z.B. „Gewalt“) oder die, denken wir nur an den Bereich der Führung von Vormundschaften, eher gelegentlich professionell aktualisiert werden (etwa Rechtsbegriffe aus dem Erbrecht), ist der Creifelds wohl das Beste, was zu haben ist.

Aufbau, Form, Einzelfragen

Der Hauptteil des Buches ist lexikalisch aufgebaut und, wie in derartigen Werken üblich, zweispaltig gestaltet. Die große Zahl der Hauptstichwörter, ein dichtes Netz von Zwischenverweisen, aber auch das ansprechende Layout ermöglichen in der Regel problemlos das Erlangen der gewünschten Information. Dies gilt allerdings nicht uneingeschränkt. So kann es nicht unbemerkt bleiben, dass Rechtsbegriffen, die etwa die Bereiche der sozialen Hilfen und Förderung betreffen aber bspw. auch die elterliche Sorge – um es freundlich zu sagen – wohl nicht gerade im Zentrum des Interesses der Bearbeiter stehen. So wird Mensch vom Stichwort Sozialleistungen ohne ein erklärendes Wort auf Sozialgesetzbuch und Missbrauch von S. verwiesen und von Letzterem wiederum umstandslos auf Leistungsmissbrauch. Der steuerlichen Absetzbarkeit des Arbeitszimmers erfährt demgegenüber jedenfalls erkennbar mehr Aufwand und Detailgenauigkeit.

Auch sind, um nur wenige weitere Belege anzuführen, die Stichworte Erziehungsförderung und Erziehungshilfe allenfalls bedingt hilfreich erläutert. Bemerkenswerter Weise sind sie zudem wortgleich mit Teilen aus den entsprechenden Stichwort- Erklärungen des Online-Wörterbuchs rechtslexikon.net, die sich übrigens noch auf Jugendwohlfahrtsgesetz und Vormundschaftsgericht meinen stützen zu können. In diese Zeit, die der Jugendfürsorge und ihrer „Schwererziehbaren“ (und in noch weiter zurückliegende Zeiten der nationalsozialistischen Elite -Schulen „Napola“) gehört auch der Begriff „Erziehungsanstalt“, dessen Verwendung nun wirklich im doppelten Sinne der Vergangenheit angehören und daher unbedingt vermieden sollte (hier aber: Elterliche Sorge 3.)

Im gleichen Stichwort ist unter 4. die im Zuge der Sorgerechtsreform 2013 vorgenommene Neuregelung von § 1680 BGB unberücksichtigt geblieben, ebenso wie unter dem Stichwort Ehescheidung 3. die von § 1671 Abs. 3 BGB. Zumindest Letzteres ist bei weitem keine Petitesse sondern von erheblicher rechtspolitischer Relevanz. Weder unter dem Stichwort Datenschutz, noch unter Sozialdaten noch unter Sozialgeheimnis findet sich bei aller sonstiger Aufzählungen der entsprechenden Rechtsgrundlagen ein Hinweis auf §§ 61 ff. SGB VIII.

Unter dem Stichwort Schiedsstelle sind die Schiedsstellen nach SGB V, VIII, XI und XII nicht mit erwähnt.

Die Aufzählung soll beendet werden, um kein falsches Bild zu zeichnen. Die kritischen Anmerkungen sind insbesondere für die potentiellen Nutzer im sozialen Bereich gedacht, die sich vom Creifelds erhoffen, sowohl ihr allgemeines, als auch ihr berufsspezifisches Bedürfnis nach rechtlichen Informationen befriedigt zu bekommen. Ersteres gilt, namentlich auch für die Bereiche des bürgerlichen Rechts und des Verwaltungsrechts, aber auch für viele andere, in hohem Maße, letzteres nur mit Einschränkungen.

Neben dem lexikalischen Teil verfügt der Creifelds noch über einen sehr informativen Anhang, der bspw. Überblicke über die einzelnen Sachgebiete des Rechts, die wichtigsten Gesetzeswerke, das Gerichtswesen, die Rechtsmittelzüge der Verfahren vor den ordentlichen Gerichten (allerdings ohne die Betreuungsgerichte, die jedoch im Stichwortverzeichnis erklärt sind) sowie den Arbeits-, Verwaltungs-, Sozial- und Finanzgerichten, das Gesetzgebungsverfahren, die gesetzliche Erbfolge, die Sozialversicherung sowie die gesetzliche Rentenversicherung. Weiterhin sind Beispiele für Prozesskosten dargestellt.

Fazit

Der Creifelds ist und bleibt das Standardwerk unter den Rechtslexika. Ihn zur Hand zu nehmen ist schon wegen seiner gediegenen Ausstattung eine Freude. Seinen Preis muss man ins Verhältnis zu dem setzen, was man dafür bekommt. Dann ist er allemal angemessen. Die verlagsseitig angekündigten „detaillierten Hinweise auf Rechtsprechung und Spezialliteratur“ – eine Formulierung, die auch genau so Eingang in die Besprechung einer früheren Auflage gefunden hat – kann allerdings keineswegs durchgängig, sondern eher punktuell, jedenfalls soweit zu sehen nicht für die Stichwörter, die Rechtsbegriffe aus dem Umfeld sozialer Berufe erklären, bestätigt werden. Insbesondere zur Klärung von Zweifelsfällen ist der Creifelds daher zumindest dort weniger geeignet. Als Quelle für einen informativen Schnellüberblick jedoch allemal.


Rezension von
Prof. Dr. iur. Wolfgang Behlert
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, Fachbereich Sozialwesen


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Zitiervorschlag
Wolfgang Behlert. Rezension vom 12.03.2015 zu: Klaus Weber (Hrsg.): Creifelds Rechtswörterbuch. Verlag C.H. Beck (München) 2014. 21., neu bearbeitete Auflage. ISBN 978-3-406-63871-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16978.php, Datum des Zugriffs 11.07.2020.


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