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Gerd Möhlenkamp: Was ist eine Borderline-Störung?

Cover Gerd Möhlenkamp: Was ist eine Borderline-Störung? Antworten auf die wichtigsten Fragen. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2004. 63 Seiten. ISBN 978-3-525-46217-1. D: 9,90 EUR, A: 10,20 EUR, CH: 18,30 sFr.
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Einführung in das Thema

Die Borderline-Störung wird derzeit immer wieder kritisch diskutiert. Als Grenzdiagnose zwischen Psychose und Neurose ist eine Borderline-Störung als solche allein mit den verschiedenen Symptomen nur schwer fassbar. Gerade die häufig festzustellende Uneindeutigkeit der Diagnose führt zu oftmals verwirrenden Darstellungen dieser Störung.

Gerd Möhlenkamp befasst sich in dieser Abhandlung mit den wesentlichen Fragen zur Borderline-Störung und verschafft einen klaren Überblick über diese Krankheitsform.

Autor

Dr. phil. Gerd Möhlenkamp leitet als Psychologe und Psychotherapeut die Sozialpsychiatrische Abteilung am Gesundheitsamt Bremen.

Aufbau und Inhalte

Dieses kleine und kompakte Buch hat es sich zum Ziel gesetzt, knapp, präzise und verständlich die wesentlichen Fragen zur Borderline-Störung zu beantworten. In kurzen Abschnitten werden - bei der wenigen Seitenzahl - die wesentlichen Ursachen, Probleme und Lösungswege aufgezeigt sowie Literaturhinweise gegeben.

Zunächst erläutert der Autor stichpunktartig die Geschichte der "Borderline-Diagnose". Es sei äußerst schwierig, eindeutige Kriterien für diese Störung zu benennen. Vielmehr sei es die Häufung bestimmter Merkmale und ihre besondere Ausprägung, welche diese Störung ausmachen. Eine sehr oft vorhandene "Schwarz-Weiß-Malerei" und alleinige Schuldzuweisung an bestimmte Personen und Ereignisse sowie heftige impulsive Reaktionen würde man oft bei "Borderline-Patienten/-innen" antreffen. Zudem könne man oftmals auch Suchtverhalten, Essstörungen, Zwänge und selbstverletzendes Verhalten beobachten. Inwieweit der Einfluss der Erziehungspersonen oder biologische Faktoren für die Entwicklung einer Borderline-Störung eine Rolle spielen, reißt Möhlenkamp dann im weiteren Verlauf an, ehe er sich mit Abgrenzungen zu anderen Leitsymptomen (Depressionen, Angststörungen, psychosomatische Störungen) befasst. Statistische Angaben von 10-15% weitgehend betroffenen Menschen bzw. annähernd 2-5% ernsthaft an Borderline leidenden Personen der Gesamtbevölkerung untermauern, dass es sich bei der Borderline-Störung nicht um ein Randproblem handelt. Eine signifikante Störung läge aber erst vor, wenn das persönliche, berufliche und soziale Leben erheblich beeinträchtigt sei.

In seinen weiteren Ausführungen erörtert Gerd Möhlenkamp, welche Erfahrungsbereiche einer gelingenden emotionalen Spannungsregulation im Wege stehen und wie man Traumata (z.B. sexuelle Gewalt, psychische Verwahrlosung) für das Entstehen der Störung einzuschätzen hat. Anschließend zeigt er auf, dass Selbstverletzungen, Sucht und Dissoziation den Borderline-Patienten/-innen scheinbar zunächst helfen können, eine emotionale Hochspannung zu verringern.

Welche konkreten Hilfen und Lösungswege es bei Menschen mit einer Borderline-Störung gibt, vermittelt der Autor im letzten Drittel seines Buches. Die zeitweilige Medikation in Krisenzeiten spricht er genauso an wie auch veränderte berufliche Bedingungen, Lösungsstrategien in Partnerschaften und Stressbewältigungsformen beim Drang, sich selbst zu verletzen. Zum Schluss zeigt Möhlenkamp die Chancen und Grenzen psychotherapeutischer Verfahren auf und verweist insbesondere auf die Möglichkeiten der Selbsthilfe(-gruppen), der Eigenverantwortlichkeit und der Hilfe durch Internet und Literatur. Ein Überblick über die wichtigsten Borderline-Probleme rundet das Buch ab.

Zielgruppen

Dieses schmale Buch eignet sich für alle, die sich rasch ein Bild von Menschen mit einer Borderline-Störung machen möchten, ohne sich zu intensiv und theoretisch mit der facettenreichen Krankheit auseinander setzen zu wollen. Die leicht verständliche, viele Metaphern gebrauchende Sprache des Autors macht die Ausführungen auch für Laien und für selbst betroffene Menschen zu einer hilfreichen Lektüre.

Fazit

Eine hervorragende Zusammenfassung, ein hinreichender Überblick und ein ausreichend fundiertes Wissen vermittelndes Fachbuch! Der Autor weiß, wovon und über wen er spricht, und kann seine Erkenntnisse und praktischen Erfahrungen sehr verständlich und treffend an die Lesenden herantragen. Insbesondere die zahlreichen praktischen Hinweise zur Problembewältigung machen das Buch für Betroffene und Angehörige zu einem anregenden Begleiter.


Rezension von
Dipl. Soz. Päd. Detlef Rüsch
Systemischer Familientherapeut, Supervisor
Jugendsozialarbeiter an einer Mittelschule
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Zitiervorschlag
Detlef Rüsch. Rezension vom 01.06.2004 zu: Gerd Möhlenkamp: Was ist eine Borderline-Störung? Antworten auf die wichtigsten Fragen. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2004. ISBN 978-3-525-46217-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1699.php, Datum des Zugriffs 22.10.2021.


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