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Kerstin Pichel, Erika Lüthi: Strategie und Diversität

Cover Kerstin Pichel, Erika Lüthi: Strategie und Diversität. Moderationsmethoden, Erfahrungen, Workshopdesigns. Haupt Verlag (Bern Stuttgart Wien) 2014. 350 Seiten. ISBN 978-3-258-07901-1. D: 47,90 EUR, A: 49,30 EUR, CH: 49,90 sFr.
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Thema

Wie kann ich in heterogen besetzten Strategieteams am besten das Potenzial der unterschiedlichen Teilnehmer erkennen und für Strategieentwicklungsmeetings gewinnbringend nutzen? Konventionelle Strategiemethoden stoßen oft an Grenzen oder der Prozess ist auf einmal blockiert. Hierfür stellt dieses Buch Beratern, Moderatoren und Teamleitern ein Repertoire an Moderationsmethoden und Vorschlägen zur Workshopgestaltung zur Verfügung.

Autorinnen und Entstehungshintergrund

Dr Kerstin Pichel ist Dozentin für strategisches Management am Zentrum für Strategie und Operations an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Frau Dr. Pichel bringt langjährige Beratungspraxis zur Konzeption und Moderation von Strategieprozessen ein und forscht zur Unterstützung heterogener Strategieteams. Erika Lüthi ist Organisationsentwicklerin bts, Coach und Supervisorin BSO. Sie hat langjährige Erfahrung in der Entwicklung heterogener Teams, dem Coaching von Führungskräften sowie der Leitbildentwicklung und deren Umsetzung.

Zusammen mit 13 weiteren Organisations- und Strategieberatenden mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Blickwinkeln haben sie ihre Moderationsabläufe und Methoden entwickelt und an verschiedenen Mandanten erprobt und reflektiert.

Aufbau und Inhalt

Eine kurze Einleitung erläutert die Zielsetzung und den Aufbau des Buches und verweist auf einen Downloadbereich auf der Website des Buches, in dem wir exklusives Zusatzmaterial finden.

Ein gutes Drittel des Buches ist Hintergründen, praktischen Hinweisen und Erfahrungen zur Moderation, Strategieprozessen, Diversität, Teamentwicklung und Workshopdesign gewidmet. Etwa die Hälfte des Buches beschreibt dann konkrete Moderationsmethoden zu Strategieentwicklungsworkshops. Nach dem kurzen Schlusskapitel folgen dann die Vorstellung der Mitautoren, ein Stichwortverzeichnis und Anhänge mit Modellen, einem Beispiel für ein Workshopdesign und Fragbögen zur Teamanalyse. Die Literaturangaben sind jeweils am Ende eines Kapitels.

1. Moderation von Strategieprozessen. Die Autorinnen beschreiben zwei Herangehensweisen der Beratung: die Expertenberatung (Einbringen von Wissen über Strategieprozesse) und die Prozessberatung (Befähigung des Strategieteams zur Durchführung des Prozesses) und erläutern anhand von Beispielen die Vorteile einer Kombination beider Ansätze.

2. Strategieprozesse. Im zweiten Kapitel werden die „sachrationalen“ Tools vorgestellt: Inhalte, Abläufe und sieben Phasen des Strategieentwicklungsprozesseses (Mission, Ausgangsanalyse, Vision, strategische Stoßrichtung, Strategieformulierung, Strategieumsetzung und Strategiecontrolling). Jede Phase wird mit Beispielen und Empfehlungen, teils auch mit Modellen aus der Forschung und Beratungspraxis illustriert.

3. Diversität in Strategieteams. Das dritte Kapitel beginnt mit einer Vorstellung unterschiedlicher Perspektiven und einer Diskussion der Relevanz des Themas Diversität, um dann ganz konkret die Wirkung und das Management von Diversität in Strategieteams zu beleuchten.

4. Teamentwicklung und Strategiekommunikation. Die Autorinnen benutzen zwei Modelle, um zu erkennen, wie gut ein Strategieteam in der Zusammenarbeit und Kommunikation seine Diversität nutzt und wie es gezielt im Prozess unterstützt werden kann. Im Modell von Diether Gebert und seinen Kollegen (Gebert et al., 2006) ist die Nutzung der Diversität abhängig von den drei Erfolgsfaktoren

  1. eine Generalistenperspektive einnehmen zu können,
  2. die Individualität der Teilnehmer wertschätzen zu können
  3. und eine kollektive Identität zu haben.

Das Modell der Theorie U (die Autorinnen nennen dies synergistische Kommunikation) von Otto Scharmer (2009) beschreibt vier Kommunikationsebenen als erfolgsrelevante Faktoren der Auseinandersetzungen im Team:

  1. Herunterladen (=Bestätigung bereits vorhandener Vorurteile)
  2. Das gegenständlich-unterscheidende Zuhörens (Öffnung des Denkens)
  3. Das empathische Zuhören als wertschätzende Haltung (Öffnung des Fühlens)
  4. Das schöpferische Zuhören und die Öffnung des Willens („Presencing“)

Alle Erfolgsfaktoren werden näher beschrieben und mit Beispielen sowie konkreten Tipps für die Moderation anwendbar gemacht. Dabei sind die drei Erfolgsfaktoren nach Gebert die Voraussetzung dafür, dass eine synergistische Kommunikation möglich wird.

5. Strategieworkshops. Die drei Erfolgsfaktoren und vier Ebenen der Kommunikation werden an dieser Stelle in den Prozess des Aufbaus und der Gestaltung von Strategieentwicklungsworkshops integriert, wobei auch auf die Bedeutung der gestalterischen Mittel (Gestalten und Visualisieren, Körper und Bewegen, Tönen und Klingen sowie Sprache und Gesprächsformen) für den Moderationsprozess eingegangen wird.

6. Moderationsmethoden. Wir finden die 37 Moderationsmethoden zunächst in einer übersichtlichen Tabelle den Erfolgsfaktoren, den Strategiephasen und den gestalterischen Formen, die sie jeweils unterstützen, zugeordnet. Jede Methode wird danach kurz beschrieben, mit einem Kundenfeedback bewertet und dann in Bezug auf Anzahl Teilnehmende, zeitliche und räumliche Erfordernisse, Vorbereitung und Hilfsmittel, Voraussetzungen, schrittweise Durchführung, Auswertungsfragen, nächste Schritte, Varianten und Tipps sowie gegebenenfalls weiterführende Literaturhinweise oder Links ausführlich dargestellt.

7. Synergien aus Strategie und Diversität. Das kurze Schlusswort unterstreicht nochmals die Wichtigkeit des systematischen Vorgehens bei Strategieprozessen sowie der fruchtbaren Nutzung der Diversität. Die Autorinnen ermutigen dazu, sich an Kombinationen von inhaltlichen (Strategie) und prozessualen (Gestaltung) Aspekten der Moderationsmethoden zu wagen.

Diskussion

Der Wert des Buches besteht im umfangreichen Methodenfundus zur Begleitung und Moderation heterogener Strategieteams und spricht damit vor allem Strategieentwickler und Moderatoren an, ein Buch von Experten für Experten. Die theoretischen Grundlagenkapitel, die Herausforderungen und Modelle der Strategiearbeit in gemischten Teams skizzieren, sind mehr auf die konkrete Anwendung als auf akademische Tiefe oder Breite ausgerichtet und schaffen den Kontext für die folgende Methodensammlung. Sehr anschaulich sind dabei auch die Beispiele aus der Beratungserfahrung.

Die Methoden enthalten vielfältige konkrete, ausgearbeitete Anregungen und Ideen zur Gestaltung von Workshops zu allen Strategieentwicklungs- und -umsetzungsphasen. Sie sind besonders auf die Herausforderungen heterogener Teams zugeschnitten und adressieren und öffnen die Teilnehmer auf mehreren Ebenen, um eine konstruktive Teamarbeit zu unterstützen. Dazu finden wir bei Bedarf passende Leitfragen für die Moderation des Briefings, der Durchführung und der Nachbesprechung. Auch wenn die Aktivitäten nicht alle ganz neu sind, so ist doch die Beziehung zu den spezifischen Strategiefragen und Erfolgsfaktoren sehr inspirierend und hilfreich. Manche Methode lässt sich auf diese Weise auch wieder ganz neu entdecken. Weitere Vertiefung und Material zum Ausdrucken finden wir auf der Website in einem geschützten Downloadbereich (der Zugang wird im Vorwort beschrieben).

Die Autorinnen unterstreichen, dass alle Moderationsmethoden von ihnen bzw. ihren MitautorInnen in der Beratungspraxis erprobt und weiterentwickelt wurden.

Mit den Fragebögen im Anhang können die Moderierenden selbst zu ermitteln, wie stark die jeweiligen Erfolgsfaktoren gerade im Team ausgeprägt sind. Über die tabellarische Übersicht der Methoden, können dann jeweils diejenigen Methoden ausgesucht werden, die einen schwächer ausgeprägten Erfolgsfaktor ganz gezielt unterstützen. Allerdings fehlt mir dabei eine Zuordnung der Methoden zur Aktivierung der Kommunikationsebenen nach Scharmer. Auf die Öffnung des Denkens, Fühlens und Willens wird erst in den drei Beispielworkshops im Anhang wieder beispielhaft Bezug genommen.

Die stringente und nicht zu komplizierte Struktur des Buches, die gezielte Auswahl der Methoden und die Berücksichtigung sowohl inhaltlicher als auch prozessunterstützender Impulse machen diese Methodensammlung zu einem sehr hilfreichen und wertvollen Instrument zur Begleitung der Strategieentwicklung heterogener Teams. Diversität wird dabei nicht nur gemanagt, sondern in ihren Potenzialen auch zielführend genutzt.

Fazit

In diesem Buch finden die Strategieentwickler und Moderatoren eine vielfältige, theoretisch fundierte und strukturiert ausgearbeitete Methodensammlung für alle Phasen der Strategieentwicklung und -umsetzung, speziell zugeschnitten auf die Herausforderungen und Vorzüge heterogener Teams.


Rezension von
Dipl.-Kfm. Tatjana van de Kamp
Dipl. Kauffr.; MA (Arbeits- und Organisationspsychologie)
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Zitiervorschlag
Tatjana van de Kamp. Rezension vom 10.02.2015 zu: Kerstin Pichel, Erika Lüthi: Strategie und Diversität. Moderationsmethoden, Erfahrungen, Workshopdesigns. Haupt Verlag (Bern Stuttgart Wien) 2014. ISBN 978-3-258-07901-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/16996.php, Datum des Zugriffs 30.05.2020.


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