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Ricarda B. Bouncken, Mario A. Pfannstiel u.a. (Hrsg.): Dienstleistungsmanagement im Krankenhaus II

Cover Ricarda B. Bouncken, Mario A. Pfannstiel, Andreas J. Reuschl (Hrsg.): Dienstleistungsmanagement im Krankenhaus II. Prozesse, Produktivität, Diversität. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2014. 545 Seiten. ISBN 978-3-658-05133-4. D: 69,99 EUR, A: 71,95 EUR, CH: 87,50 sFr.
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Thema

Kostendruck, Leistungsverrechnung über Fallpauschalen und dynamisierter Wettbewerb haben das Interesse des Krankenhauswesens an betriebswirtschaftlichen Methoden zur Optimierung von Effektivität und Effizienz inzwischen enorm erhöht. Besondere Herausforderungen für das Management von Kliniken sind überdies der demographische Wandel, der Fachkräftemangel und die kritischere Haltung von Öffentlichkeit und Politik gegenüber Qualität und Kosten dieses besonderen wichtigen Zweiges der Gesundheitswirtschaft.

Entstehungshintergrund

Durch eine dezidiert prozessorientierte Leistungserbringung sowie unter Einbeziehung des Managements von Patienten und Mitarbeitenden-Diversität sollen die Qualität und die Produktivität im Krankenhaus verbessert werden. Nach einem erfolgreichen ersten Sammelband zum Dienstleistungsmanagement im Klinikwesen ist nun ein Folgeband erschienen, der diesbezüglich weitere wissenschaftliche Erkenntnisse präsentiert.

Herausgeberin und Herausgeber

Ricarda B. Bouncken ist Inhaberin des Lehrstuhls für Organisation und Strategisches Management an der Universität Bayreuth.

Mario Pfannstiel ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bayreuth und Dozent im Bereich Krankenhausmanagement

Andreas Reuschl ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bayreuth.

Aufbau und Inhalte

Der Band enthält 21 Beiträge in drei Hauptabschnitten.

In Teil A: „Prozessmanagement“ behandeln zunächst Robert Ott und Heinrich Seidelmeier das Entlassungsmanagement im Krankenhaus. Sie berichten über die Ergebnisse eines Projekts zu den Möglichkeiten der Optimierung einer stationären Versorgung. Die „Mobilisierung strategischer und operativer Leistungsreserven im Krankenhaus“ stehen im Mittelpunkt des anschließenden Beitrags von Andrea Braun von Reinersdorff und Christoph Rasche. Sie thematisieren insbesondere Gestaltungsfelder und Grenzen der „Service-Industrialisierung“. Olaf Götz, Stephanie Kunkel, Frank Tost, Maria Zach und Steffen Fleßa setzen den Schwerpunkt ihres Beitrags auf die „Perioperative Prozessanalyse des OP-Managements“. Ihre Analyse zeigt an einem konkreten Beispiel, inwieweit standardisierte Behandlungspfade und Dokumentationen Verbesserungsprozesse im Hinblick auf Qualität und Kosten bedeuten können. Roland Trill analysiert unter dem Motto „Vom Schrauber zum Informationsnetzwerker“ den Paradigmenwechsel bei Dienstleistungsprozessen in der IT von Krankenhäusern. Franziska Jehle, Stefan Hastreiter, Moike Buck und Heiko Wrobel erörtern daraufhin in ihrem Beitrag „Benchmarking unterstützender Dienstleistungsprozesse in Kliniken“ die Ergebnisse einer Fallstudie zur prozessorientierten Bewertung der Patiententransportlogistik. Peter Stratemeyer, Knut Dahlgaard und Adrienne Henkel beschließen diesen ersten Teil mit ihrem Bericht über „Evaluationsergebnisse aus einem umfänglichen Krankenhausprojekt zur Einführung des kooperativen Projektmanagements“.

Teil B: „Produktivitätsmanagement“ beginnt mit einer Abhandlung von Dominik Thomas und Jürgen Wasem über „Dienstleistungsproduktivität in der Krankenhauspflege“. Andrea J. Reuschl und Ricarda B. Bouncken schließen mit ihrem Beitrag „Determinanten der Krankenhausproduktivität“ thematisch direkt an, Mario A. Pfannstiel widmet sich daraufhin dem spezifischeren Thema der „Steigerung der Dienstleistungsproduktivität im OP-Bereich von Krankenhäusern“. Martin Dietrich, Florian Hilfinger und Martina Müller beschreiben desweiteren die „Bedeutung von Reihenfolge-Effekten im Produktivitätsmanagement von Krankenhaus-Dienstleistungsprozessen“. „Steuerungsmöglichkeiten mit Hilfe der Balanced Scorecard“ im Rahmen einer Kooperation zwischen Krankenhaus und niedergelassener Radiologie sind anknüpfend daran der thematische Schwerpunkt von Günther G. Braun und Michael Mariaschk. Der zweite Teil des Bandes wird abgeschlossen durch Esther D. Schubert, Michael Wendt und Manfred Bornewassert, die die „Anwendung der Balanced Scorecard in der Anästhesiesprechstunde“ untersucht haben.

In Teil C: „Diversitätsmanagement“ widmet sich Luisa Luther zunächst den „Patienten-Patienten-Beziehungen im Krankenzimmer“, sie berichtet über eine explorative Studie zum „idealen Bettnachbarn“. Im Anschluss daran referiert Mario A. Pfannstiel in instruktiver Weise den „State of the Art von Maßnahmen und Instrumenten zum Management der Patienten- und Mitarbeiterdiversität im Krankenhaus“. Er präsentiert und kommentiert u.a. eine Reihe von Tools, die für dieses Feld entwickelt worden sind. Adelheid S. Esslinger und Stefan Schilk widmen sich der „Feminisierung des Ärzteberufs“ und thematisieren die Konsequenzen im Krankenhaus. Günther Vedder berichtet dann über den Ansatz der „Work-Life-Learn-Balance“, Bettina Schmidt und Cornelia Walter schlagen in ihre Beitrag einen Bogen „Vom Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz zu Diversity Management im Gesundheitswesen“, Rainer Sibbel beschreibt zusammen mit Monique Bliesener das „Coaching und Mentoring als Faktor für erfolgreiche Führung in Krankenhäusern“. Thomas Köllen beschließt diesen dritten Teil mit seinem Beitrag zu „Belegschafts- und PatientInnen-Diversität in Krankenhäusern: Status quo, Entwicklungstendenzen und Ansätze für deren Management in Deutschland, Österreich und der Schweiz“.

Diskussion

Die Beiträge dieses Sammelbandes zeigen auf beeindruckende Weise die Vielfalt an Ansatzpunkten zur Verbesserung der Qualität bzw. der Erhöhung der Zufriedenheit von Mitarbeitenden und Patienten im Krankenhaus auf. Gleichzeitig wird in dieser Publikation wissenschaftlich fundiert deutlich gemacht, dass mit dem Prozess- und Diversitymanagement sowie einer genauen Analyse von Produktivitätsreserven auch im Klinikbereich das Streben nach Effizienz unterstützt werden kann, ohne notwendigerweise an Qualität einzubüßen. Alle behandelten Themen sind u.E. von großer Relevanz für ein zukunftsfähiges Management von Prozessen, Produktivität und Diversität im Klinikwesen. Das Buch ist Krankenhausmanagern sehr zu empfehlen und sollte auch von Studierenden in den Fachbereichen Gesundheits- bzw. Pflegewirtschaft gelesen werden.

Fazit

Ein sehr interessanter Band zum Management von Prozessen, Produktivität und Diversität im Krankenhaus.


Rezensent
Prof. Dr. Harald Christa
Professor für Sozialmanagement an der Evangelischen Hochschule Dresden mit Schwerpunkt Sozio-Marketing, Strategisches Management, Qualitätsmanagement/ fachliches Controlling.
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Zitiervorschlag
Harald Christa. Rezension vom 15.07.2014 zu: Ricarda B. Bouncken, Mario A. Pfannstiel, Andreas J. Reuschl (Hrsg.): Dienstleistungsmanagement im Krankenhaus II. Prozesse, Produktivität, Diversität. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2014. ISBN 978-3-658-05133-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17012.php, Datum des Zugriffs 18.10.2019.


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