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Inge Röger-Lakenbrink: Das Therapiehunde-Team

Rezensiert von Ulrike Koch, 04.11.2014

Cover Inge Röger-Lakenbrink: Das Therapiehunde-Team ISBN 978-3-938071-20-5

Inge Röger-Lakenbrink: Das Therapiehunde-Team. Ein praktischer Wegweiser. Kynos Verlag (Mürlenbach/Eifel) 2006. 157 Seiten. ISBN 978-3-938071-20-5. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR, CH: 34,90 sFr.

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Thema

Mit dem Buch soll a) ein aktueller Blick auf die Ist-Situation des Therapiehundewesens und b) – entlang von Erfahrungsberichten aus verschiedenen pädagogischen und therapeutischen Arbeitsfeldern – soll ein Einblick in die Praxis von Therapiehunde-Teams gegeben werden..

Autorin

Inge Röger-Lakenbrink ist Diplom Sozialpädagogin, Journalistin und Verfasserin mehrerer Bücher über Hunde und Pferde.

Entstehungshintergrund

Die Autorin will dazu beitragen, dass Therapiehunde-Teams zunehmend mehr „Wertschätzung und einen höheren Bekanntheitsgrad erfahren“ (S. 11.). Mit diesem Buch möchte Inge Röger-Lakenbrink deshalb aufzeigen, welche Wirkungen Therapiehunde in therapeutischen und pädagogischen Settings möglich sind.

Aufbau und Inhalt

Nach einer kurzen Einleitung (S. 9) und einem eben so kurzen Vorwort (S. 10) folgen zwölf unterschiedlich lange Kapitel.

  1. Historische Entwicklung der Verwendung eines Therapiehundes (S. 12 – 21). Von den Anfangen (S. 12f.) bis zum aktuellen Stand (S. 20f.) zeichnet die Autorin die Geschichte des Therapiehundewesens nach (S. 15ff.) und ermöglicht ebenso einen Blick auf Organisationen und Vereine in deutschsprachigen Ländern (S. 18ff.).
  2. Der Therapiehund – eine Definition (S. 22 – 33). Aufbauend auf die Definition, was ein Therapiehund eigentlich ist (S. 22 f.), stellt Inge Röger-Lakenbrink dar, worin sich diese zu anderen Helfern auf vier Pfoten unterscheiden (S. 24ff.). Nach einem Blick auf die Situation in den USA (S. 26ff.) geht die Autorin auf die Begriffe ‚Therapie‘ (S. 29f.) und ‚tiergestützte Therapie‘ (S. 30f.) ein. Das zweite Kapitel schließt mit Erläuterungen zu den Tätigkeitsbereichen für ein Therapiehunde-Team (S. 31.ff.).
  3. Voraussetzungen für einen »Therapiehunde-Team«Einsatz (S. 34 – 37). In diesem kurzen Kapitel skizziert Inge Röger-Lakenbrink nach, was Hund (S. 35f.) und Mensch (S. 36f.) mitbringen müssen, damit sie als Therapiehund-Team arbeiten können und dürfen.
  4. Der Schutz des Hundes (S. 38 – 51). Zunächst lenkt die Autorin die Aufmerksamkeit auf die Prager Richtlinien (S. 38f.). Hiernach folgen Informationen über die Gefahr der Überforderung (S. 40 – 47). Aufgezeigt werden außerdem Anzeichen von Überforderung (S. 48ff.). -

    Es folgen drei relativ kurze Kapitel zu den Themen Ausbildung (S. 52f.), Lernerfolge (S. 54ff.) und Fragen zur Hygiene (S. 58ff.).

  5. Die Ausbildungsmöglichkeiten in Deutschland, Österreich und der Schweiz (S. 62 – 67). Nach Ausführungen zu den verschiedenen Varianten der Ausbildung (S. 62 – 66) informiert die Autorin auch über die Kosten und über Möglichkeiten zur Kostenübernahme (S. 66f.). Abschließend geht Inge Röger-Lakenbrink der Frage nach, in welche Weise – ehrenamtlich oder professionell – Therapiehunde-Teams tätig sein können (S. 67).
  6. Die Schwerpunkte der Ausbildung zum »Therapiehunde-Team« (S. 68 – 84). Inge Röger-Lakenbrink zeichnet hier die Ausbildung von der Eignungsprüfung (S. 68 – 74) über die Inhalte (S. 75) bis zur Abschlussprüfung und Praxis (S. 77ff.) und Theorie (S. 81 – 84) nach.
  7. Nach einem kurzen Blick auf die erste Zeit nach der Ausbildung (S. 85f.)
  8. beschreibt die Autorin die Entwicklung der wissenschaftlichen Forschung (S. 87 – 98).
  9. Aktuelle Praxisbeispiele aus den Bereichen tiergestützte Pädagogik, Therapie und Fördermaßnahmen mit Hunden (S. 99 – 140).

    1. Kindergarten und Hort (S. 99 - 104): Kaisy (Österreichischer Kurzhaarpincher, 8 J.), Joy (Australien Shepherd, 4. J und Lucy (Chinesischer Nackthund, 2. J.).
    2. Tagesbetreuungseinrichtung (S. 104 – 107): Tayler (4 J.) und Floyd (1,5 J.) zwei Australien Shepherdrüden.
    3. Integrationsklasse einer Haupt- und Realschule (S. 108 – 110): Mara (Golden-Retriever, 4 J.) und Robin (Australien-Shepherd, knapp 1 J.).
    4. Förderzentrum für mehrfach behinderte Jugendliche (S. 110 – 112): Mara (Golden-Retriever, 4 J.).
    5. Resozialisierungseinrichtung für Jugendliche (S. 113 – 115): Mounty (Siberian Husky, 8 J.), Carlos (Irish-Wolfhound, 5 J.) und Lord (Cavalier Kind Charles Spaniel, 2 J.).
    6. Förderschule (S. 115 – 117): Rosa (3 J.) und Lila-Luna (knapp 1 J.) zwei Labrador-Retriever.
    7. Integrative Kindertagesstätte (S. 117 – 118): Cora (Staffordshire-Bull-Terrier-Mix, 5 J.) und Connor (Bullmastif-Mix, 2 J.).
    8. Kinderklinik (S. 119 – 120): Astor (Mischling).
    9. Logopädische Praxis (S. 120 – 121): Choco (Labrador-Retriever, 1,5 J.).
    10. Einrichtung für tiergestützte Therapie/Physiotherapie (S. 121 – 123): Momo (Mischlingshündin, 1,5 J.).
    11. Neurologisches Rehabilitationszentrum für Kinder und Jugendliche: Bud (Schäferhund-Mix, 8 J.).
    12. Reto- und Canistherapie (posttraumatische Begleitung nach Diagnose Schädelhirntrauma, Rehabilitation neurologischer Erkrankungen (S. 126 – 129): Amigo (Landseerrüde).
    13. Tiergestützte Ergotherapie mit schwerstbehinderten Kindern und Jugendlichen (S. 129 – 132): Alisha (Labrador-Retriever, 6 J.).
    14. Tiergestützte Ergotherapie mit Wachkomapatienten (S. 132 – 134): Kaja (Schäferhündin).
    15. Kinder- und Jugendklinik (S. 134 – 137): Ben (Mischling, 5 J.)
    16. Ambulante Betreuung: Einzel- und Gruppenarbeit mit ältern Menschen (S. 137 – 139): Line (Labrador-Retriever, 4 J.), Claire (Golden-Retriever, 8 J.), Pancho (Mischling, 7 J.) und Teddy (Pekinese-Cavalier King Charles-Mix, 1,5 J.)

Das Buch beschließt mit einem Schlusswort, Informationen über die Autorin, einer ausführlichen Liste von Kontaktadressen und dem Quellen- und Literaturverzeichnis.

Diskussion

Der historische Abriss über die Entwicklung des Therapiehundewesens beginnt mit der Erkenntnis, dass der Beziehung zwischen Mensch und Hund bereits im Altertum eine heilende Wirkung zugesprochen wurde (S. 12). Neben Mythologie und Religion geht die Autorin bereits an dieser Stelle auf den therapeutischen Nutzen von Tieren ein. Darüber hinaus werden hier Organisationen und Vereine erwähnt, die sich in deutschsprachigen Ländern dem Therapiehundewesen verschrieben haben. Inge Röger-Lakenbrink wünscht sich, dass dem Therapiehundwesen mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung entgegengebracht wird.

In den Mittelpunkt des zweiten Kapitels stellt sie die Frage: Was ist eigentlich ein Therapiehund? Darüber hinaus geht sie auf die Unterschiede zu anderen Rollen tierischer Helfer ein. Aufbauend definiert sie die Begriffe: Therapie und tiergestützte Therapie. Mit einem Überblick auf mögliche Einsatzbereiche beschließt sie dieses Kapitel.

In den Kapiteln drei bis zehn geht es im Schwerpunkt um die Ausbildung. Neben den Bedingungen, den Voraussetzungen (S. 34 – 67) wird im neunten Kapitel vor allem die Ausbildung selbst (S. 68 – 84) bis hin zur Abschlussprüfung in Theorie und Praxis beschrieben.

Auf die Forschung und entsprechende Projekte geht Inge Röger-Lakenbrink im elften Kapitel ein.

Mit dem zwölften Kapitel wechselt die Autorin dann von der Forschung in die Praxis. Mit unterschiedlichen Praxisbeispielen aus verschiedenen Bereichen der Pädagogik, der Therapie und der Entwicklungsförderung wird die Wirkung vom Einsatz der Therapiehunde-Teams nachgezeichnet.

Kritisieren möchte ich die Verwendung der Begriffe „Therapiehund“ und „Therapiehunde-Team“. Durch diese Begriffe wird suggeriert, dass der Hund selbst therapiert. Dem ist aber nicht so. Ich halte die Begriffe „Therapiebegleithund“ und „Therapiebegleithunde-Team“ für aussagekräftiger und weniger verwirrend. Der Hund ist ein Medium, mit dem in Pädagogik, Therapie und Fördersituationen auf verschiedene Art und Weise unterschiedliche Wirkungen erzeugt werden (sollen).

Fazit

Das Buch ist genau das, als was es von der Autorin beschrieben wird: ein Überblick und ein Einblick in das Therapiehundewesen. Allerdings geht es über ein reines Grundlagenwerk hinaus, insbesondere durch den breiten Blick auf mögliche Einsatzbereiche. Inge Röger-Lakenbrink schreibt in einer verständlichen Art und Weise, die es auch Laien möglich macht, die Essenz des Ganzen nachzuvollziehen. Vor allem die letzten beiden Kapitel möchte ich hervorheben. Der Einblick in die Forschung und hier mit Blick auf verschiedene Projekte (11. Kapitel, S. 87 – 98) lässt deutlich werden, warum es notwendig ist, dem Therapiehundewesen eben auch eine wissenschaftliche Basis zugrunde zu legen. Wer sich für die Wirkung von Therapiehunde-Teams interessiert, erhält mit dem Kapitel 12 (S. 99 – 140) einen Einblick auf Einsatzbereiche und praktische Hinweise zum Einsatz von Therapiehunden. Positiv zu bewerten sind außerdem die umfangreiche Illustration und die ausführliche Liste der Kontaktdaten.

Für den Einsatz im Studium (Sozialpädagogik, Pädagogik, Psychologie etc.) eignen sich vor allem der Forschungsteil und der historische Abriss. Darüber hinaus bietet das Buch eine umfangreiche Liste an Kontaktdaten und Literaturhinweisen an.

Rezension von
Ulrike Koch
M.A., Zusatzqualifikationen als Systemische Beraterin und Kulturpädagogin. Zwischen 2009 und 2018 tätig in den Bereichen Jugendarbeit, Schulsozialarbeit, Beratung von Familien, vertiefende Berufsorientierung, Jobcoaching und zum Schluss als Sozialarbeiterin im Kinderschutz.
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Es gibt 14 Rezensionen von Ulrike Koch.

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Zitiervorschlag
Ulrike Koch. Rezension vom 04.11.2014 zu: Inge Röger-Lakenbrink: Das Therapiehunde-Team. Ein praktischer Wegweiser. Kynos Verlag (Mürlenbach/Eifel) 2006. ISBN 978-3-938071-20-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17039.php, Datum des Zugriffs 26.05.2024.


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