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Klaus Sarimski, Hans-Christoph Steinhausen: Geistige Behinderung und schwere Entwicklungsstörung

Cover Klaus Sarimski, Hans-Christoph Steinhausen: Geistige Behinderung und schwere Entwicklungsstörung. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2007. 186 Seiten. ISBN 978-3-8017-1945-6. 69,95 EUR, CH: 110,00 sFr.

KIDS 2.
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Entstehungshintergrund

In der bereits auf socialnet veröffentlichten Rezension zum KIDS 1 wurde auf den allgemeinen Hintergrund der im Hogrefe-Verlag veröffentlichten Reihe bereits umfassend eingegangen, so dass an dieser Stelle nur kurz erwähnt werden soll, dass es den Autoren vor allem darum geht, die Symptomatik der relevanten Störungsbilder in der Kinder- und Jugendpsychiatrie mittels spezifizierter diagnostischer Instrumente valide zu erfassen. In diesem Sinne verknüpft das KIDS Verfahren zur Diagnostik und Verfahren zur Evaluation der Therapie psychischer Störungen im Kindes und Jugendalter. Jeder Band enthält diagnosegenerierende Verfahren, störungsspezifische Verfahren, Explorationsschemas und spezifische Beurteilungssysteme. Zielsetzung, Aufbau, Anwendung, Gütekriterien und Normen bzw. Grenzwerte werden ausführlich beschrieben.

Thema

Der zweite Band (KIDS 2) liefert Materialien zur Diagnostik geistiger Behinderung und schwerer Entwicklungsstörungen. Vorangegangen ist die Veröffentlichung zum Thema

  • KIDS 1: Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) (Döpfner, Lehmkuhl & Steinhausen 2006, vgl. die Rezension)

Für folgende Themen sind weitere Bände in Planung:

  • KIDS 3: Störungsübergreifende Verfahren zur Diagnostik psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter (Döpfner & Steinhausen 2012, vgl. die Rezension)
  • Aggressiv-dissoziale Störungen
  • Psychische Störungen mit körperlicher Symptomatik
  • Angststörungen
  • Selbstwertprobleme und Depressivität

Autoren

PD Dr. Klaus Sarimski, Lehrauftrag an der heilpädagogischen Fakultät der Universität zu Köln und als Psychologe mit den Arbeitsschwerpunkten Kinder mit genetischen Syndromen und mentaler Retardierung in der Klinik und Ambulanz des Kinderzentrums München tätig.

Prof. Dr. Dr. Hans-Christoph Steinhausen, seit 1987 Ordinarius für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Zürich. Zuvor u. a. Professor für Psychiatrie und Neurologie des Kindes- und Jugendalters an der Freien Universität Berlin.

Aufbau und Inhalt

Sämtliche Bände der Reihe sind grundsätzlich gleich aufgebaut. Im vorliegenden Band stellt es sich wie folgt dar:

1. Zielsetzung der Reihe Kinder Diagnostik-System (KIDS)

Dieses Kapitel stellt eine allgemeine Einleitung zur gesamten Reihe dar. Grundlage seien die internationalen und nationalen Praxisleitlinien (USA, publiziert im Journal of the American Academy of Child an Adolescent Psychiatry, Europa, publiziert im European Journal Child an Adolescent Psychiatry). Das KIDS verpflichte sich der multimodalen Diagnostik, welche sich durch folgende Merkmale auszeichne:

  • Mehrebenen-Diagnostik
  • Multimethodale Diagnostik
  • Situationsspezifische Diagnostik
  • Individualisierte Diagnostik
  • Behandlungsbezogene Diagnostik

Ziel sei es, neben den hier beschriebenen störungsübergreifenden Verfahren auch weitere störungsspezifische diagnostische Methoden zusammenzufassen und zu integrieren (vgl. die Rezensionen unter socialnet). Insgesamt würden folgende Diagnostikverfahren unterschieden:

  • Störungsübergreifende Verfahren (Breitbandverfahren)
  • Diagnosegenerierende Checklisten und Interviews
  • Explorationsschemata und spezifische Beurteilungssysteme
  • Störungsspezifische Fragebogenverfahren

Zusätzlich werden noch neuropsychologische Verfahren, Intelligenz- und Leistungsdiagnostik, sowie familien- und soziodiagnostische Verfahren genannt.

2. Diagnostik bei Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung und schwerer Entwicklungsstörung

Die Diagnostik von geistiger Behinderung und schweren Entwicklungsstörungen unterscheide sich von der Achse-1-Diagnose einer umrissenen individuellen psychischen Störung. Sie erfolgt anhand der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) der WHO in Übereinstimmung mit den Leitlinien der amerikanischen Fachgesellschaft AAMD als kombinierte Beeinträchtigung der intellektuellen und adaptiven Kompetenzen. Hierbei gehe es insbesondere „um die (…) umfassende Beurteilung der Fähigkeiten und Kompetenzeinschränkungen eines Kindes in der Interaktion mit seiner Umwelt sowie der Bedingungen und Unterstützung, die ihm diese Umwelt bei der Bewältigung von Anforderungen bietet“ (S. 15). Hiervon leite sich eine adäquate Diagnostik ab. Diese erfordere eine Erfassung der kognitiven Funktionen, der Sprache und der nonverbalen Kommunikation, eine Erfassung der praktischen Selbstständigkeit, der sozialen Kompetenzen, der elterlichen Belastung, sowie der Qualität der Lebensumwelt. Hieraus ließen sich dann Störungen von Emotionen und Sozialverhalten sowie autistische Beziehungsstörungen ableitend beobachten. Eine entsprechende Diagnostik führe dann zu adäquaten Interventionen, welche im Sinne eines Hilfeplanes umgesetzt werden müssten.

3. Tests zur Beurteilung der kognitiven Funktionen

Auch wenn häufig fälschlicherweise die Diagnostik einer geistigen Behinderung ausschließlich auf den IQ reduziert wird, so bildet die Erfassung der kognitiven Funktionen immer noch das Zentrum der diesbezüglichen Diagnostik. Hier werden folgende Instrumente vorgestellt:

  • Griffiths Entwicklungsskalen (GES) von Brandt & Sticker (deutsche Bearbeitung 2001) zur mehrdimensionalen Einschätzung des Entwicklungsstandes eines Kindes (1-24 Monate) durch Ärzte, Psychologen und Pädagogen.
  • Münchener funktionelle Entwicklungsdiagnostik (MFED) von Hellbrügge et al. (1999/1994) zur mehrdimensionalen Einschätzung des Entwicklungsstandes eines Kindes (1.-3. Lebensjahr, sowie ältere Kinder mit Behinderungen) durch Ärzte, Psychologen und Pädagogen.
  • Symbolic Play Test (SPT) von Lowe & Costello (1988), zur Beurteilung der kognitiven Fähigkeiten und des Symbolgebrauchs für 12-36 Monate alte Kinder, sowie ältere Kinder mit Behinderung.
  • Kaufmann-Assessment Battery for Children (K-ABC) von Kaufman & Kaufman (2001) als neuropsychologisch orientiertes Verfahren zur Beurteilung der intellektuellen Verarbeitungsprozesse eines Kindes und des Entwicklungsstandes seiner kognitiven Kompetenzen.
  • Snijders-Oomen non-verbaler Intelligenztest (SON-R 2 ½ – 7 bzw. 5 ½ – 17) von Tellegen et al. (1998) bzw. Snijders et al. (1997). Sprachfreier Intelligenztest, der besonders geeignet ist für Kinder mit stark eingeschränkten rezeptiven oder produktiven Sprachfähigkeiten, Hörbehinderungen oder Kinder, in deren Herkunftsfamilie eine andere Muttersprache gesprochen wird.

4. Tests zur Erfassung der Sprache und Kommunikationsfähigkeit

Je früher eine geistige Behinderung bzw. schwere Entwicklungsstörungen erkannt wird, desto besser können diese Kinder gezielt gefördert werden. Häufig lässt sich dies bereits der Sprachentwicklung erkennen, welche die Eltern noch vor den Erziehern oder der Einschulung beschreiben können. Folgende Verfahren helfen, dies zu objektivieren:

  • Elternfragebögen für die Früherkennung von Risikokindern (ELFRA) von Grimm & Doil (2000); zur Erfassung der Einschätzungen, die die Mütter vom Wortschatz und den sprachlichen Leistungen ihrer Kinder haben.
  • Sprachentwicklungstest für zweijährige Kinder (SETK-2) von Grimm (2000) zur möglichst frühzeitigen Identifikation von Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen sowie der Differenzierung, ob diese behandlungsbedürftig sind.
  • Sprachentwicklungstest für drei- bis fünfjährige Kinder (SETK 3-5) von Grimm (2001) zur Beurteilung der rezeptiven und produktiven Sprachverarbeitungsfähigkeiten, die für die Altersspanne von 3-6 Jahren in der normalen kindlichen Entwicklung typisch sind.
  • Heidelberger Sprachentwicklungstest (HSET) von Grimm & Schöler (1991) zur differenzierten Erfassung der sprachlichen Fähigkeiten von Kindern zwischen dem 3. und 9. Lebensjahr.
  • Einschätzungsbogen kindlicher Kommunikationsfähigkeiten (Children´s Communication Checklist; CCC) von Bischop (deutsche Version 2003) zur Objektivierung und Differenzierung von Defiziten im Sprachgebrauch, indem eine Bezugsperson die Schwierigkeiten beurteilt, die ein Kind in der sozialen Kommunikation mit Erwachsenen oder anderen Kindern hat.
  • Beurteilungsschema für vorsprachliche Kommunikationsformen (PVCS) von Kiernan & Reid (1987) zur Dokumentation von vorsprachlichen Kommunikationsfähigkeiten bei Kindern, die nicht oder wenig sprechen.

5. Verfahren zur Beurteilung adaptiver Kompetenzen

Wie bereits oben genannt, sind neben den kognitiven Fähigkeiten die adaptiven Kompetenzen ein relevantes Kriterium zur adäquaten Diagnostik einer geistigen Behinderung, bzw. Entwicklungsstörung. Vereinfacht gesagt bedeutet dies, dass ein Kind, welches trotz einer kognitiven Einschränkung geringe Einschränkungen im Alltag erfährt, einen anderen Hilfeplan benötigt, als ein Kind mit starken Einschränkungen in diesem Bereich. Objektiviert werden kann dies mit folgenden Instrumenten:

  • Elterninterview zu praktischen und sozialen Kompetenzen (EPS) von Sarimski (2007); zur Dokumentation eines breiten Spektrums von Fähigkeiten der Selbstversorgung, der Bewältigung von alltäglichen Anforderungen und den sozialen Beziehungen bei Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung. Hier erstmalig veröffentlicht.
  • Heidelberger Kompetenz – Inventar für geistig Behinderte (HKI) von Holtz et al. (2005) zur Erfassung von individuellen Kompetenzen eines Kindes mit geistiger Behinderung, die für seine soziale Partizipation in der Umwelt und größtmögliche Unabhängigkeit bedeutsam sind.

6. Fragebögen zur Beurteilung von Verhaltensauffälligkeiten

Für die Hilfeplanerstellung wahrscheinlich am wichtigsten ist die Erfassung der konkreten Verhaltensstörungen des Kindes. Diese kann mittels folgender Instrumente erfolgen:

  • Verhaltensfragebogen für Kinder mit Entwicklungsstörungen (VFE) von Einfeld et al. (2006); zur Beurteilung eines breiten Spektrums von Auffälligkeiten im Verhalten und Wohlbefinden bei Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung.
  • Nisonger Beurteilungsbogen für das Verhalten von behinderten Kindern (NCBRF) von Aman et al. (1996) zur Beurteilung von positivem Sozialverhalten und problematischem Verhalten bei Kindern und Jugendlichen mit Entwicklungsstörungen.
  • Inventar für Verhaltensprobleme (IVP) von Rojahn (2001) zur Beurteilung von selbstverletzendem Verhalten, Stereotypien und aggressiv/destruktivem Verhalten bei geistiger Behinderung und Entwicklungsstörungen.

7. Verfahren zur Beurteilung von autistischem Verhalten

Autistisches Verhalten tritt bei geistig behinderten Kindern häufig auf. Dies gilt es zu erfassen und von einer tatsächlichen Autismusdiagnose differenzialdiagnostisch abzugrenzen. Dennoch kommen hier dieselben Instrumente zum Einsatz:

  • Fragebogen über Verhalten und soziale Kommunikation von Rutter et al. (2001) und Bölte (deutsche Bearbeitung 2000) als Screening-Fragebogen zur Erfassung von autistischen Verhaltensweisen im Kindes und Jugendalter.
  • Diagnostische Beobachtungsskala für Autistische Störungen (ADOS) von Lord et al. (2001) und Rühl et al. (deutsche Bearbeitung 2004) als strukturiertes Verfahren zur Erfassung von Kommunikation, sozialer Interaktion und des Spielverhalten bei Menschen, bei denen das Vorliegen einer autistischen Störung oder anderen tiefgreifenden Entwicklungsstörungen vermutet wird.
  • Autismus Diagnostisches Interview - Revision (ADI-R) von Lord et al. (2003) zur Bewertung durch erfahrene Kliniker, ob die Diagnose Autismus vorliegt oder nicht.
  • Diagnose-Checkliste für tiefgreifende Entwicklungsstörungen (DCL-TES) von Döpfner & Lehmkuhl (2006) zur Erfassung der Symptomkriterien für die Diagnose des frühkindlichen Autismus bzw. der autistischen Störung und für die Diagnose des Asperger-Syndroms. Teil des Diagnostik-Systems für psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter nach ICD-10 & DSM-IV (DISYPS-II).
  • Beurteilungsbogen für Eltern, Lehrer und Erzieher (FBB-TES) von Döpfner & Lehmkuhl (2006). Ebenfalls Teil des Diagnostik-Systems für psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter nach ICD-10 & DSM-IV (DISYPS-II).

8. Verfahren zu familiären Belastungen und Bedürfnissen

Die Diagnose einer geistigen Behinderung bzw. einer schweren Entwicklungsstörung des eigenen Kindes stellt die betroffene Familie immer vor immense Herausforderungen. Nicht selten werde die Mitteilung als „traumatisierend“ erlebt (S. 20). Daher ist es wichtig, eine ungelöste Verarbeitungsproblematik zu erfassen, um hier adäquate Hilfestellung leisten zu können. Dies geschieht vor allem durch Gespräche. Unterstützend können folgende Instrumente hinzugezogen werden:

  • Familien-Belastungs-Fragebogen Familien – Belastung – Fragebogen (FaBel) von Stein & Riessman, dt. Bearbeitung durch Ravens-Siebener et al. (2001) zur Beurteilung der Belastung bei den Eltern von Kindern mit unterschiedlichen chronischen Krankheiten und Behinderungen.
  • Soziale Orientierungen von Eltern behinderter Kinder (SOEBEK) von Krause & Petermann (1997) zur Erfassung des Bewältigungsverhaltens von Eltern behinderter Kinder.
  • Fragebogen zu Bedürfnissen von Eltern behinderter Kinder (BEK) von Bailey & Simeonsson, deutsche Fassung von Sarimski (1996) zur systematischen Dokumentation von Hilfe- und Beratungsbedürfnissen von Eltern behinderter Kinder.

9. Funktionale Verhaltensanalyse

Eine systematische funktionale Verhaltensanalyse diene „(…) der Analyse der funktionalen Zusammenhänge problematischer Verhaltensweisen, der Beschreibung ihrer Auswirkungen auf die sozialen Beziehungen und die individuelle Lebensqualität des Kindes und der Formulierung von hypothesengeleiteten Interventionsplänen sowie der von Evaluation ihrer Wirksamkeit im Rahmen einer Verlaufskontrolle“ (S. 169). Funktionale Verhaltensanalysen sollten unabhängig von Störungsbild Bestandteil jeglicher Therapieplanungen sein. Folgerichtig werden sie in der Antragstellung gefordert. Anders als in den anderen bisher genannten Kapiteln wird hier kein Test- oder Fragebogenverfahren, sondern vielmehr umfassend eine sehr elaborierte Form der Erstellung einer Verhaltensanalyse vorgestellt, welche abschließend als Kopiervorlage angehängt ist. Es wird deutlich, dass diese Form weniger für die Antrags- als vielmehr als Grundlage einer adäquaten Hilfeplanerstellung entwickelt wurde.

Diskussion

Wie bereits erwähnt, wird die Mitteilung einer geistigen Behinderung bzw. einer schweren Entwicklungsstörung des eigenen Kindes von betroffenen Eltern häufig als traumatisierend erlebt. Die Folge sind nicht selten verdrängendes und dann auch vernachlässigendes oder – aufgrund subjektivem Schuldempfindens – überbehütendes Verhalten der Eltern. Um eine adäquate Hilfeplanerstellung zu ermöglichen, erfüllt die Diagnostik hier einen noch höheren Stellenwert, als bei anderen psychischen Störungen eh schon. Dies dürfte im Rahmen der aktuellen Inklusionsdebatte mehr denn je gelten, da es hier auch immer wieder um (personelle) Ressourcen gehen dürfte.

Wie bereits in der Rezension zu Band 1 erwähnt, setzt das Kinderdiagnostiksystem Maßstäbe, auch wenn diese insgesamt für den klinischen Alltag zu hoch angesetzt sind. Eine derartig umfassende Diagnostik ist weder ökonomisch durchführbar (weil nicht finanziert) noch ökonomisch sinnvoll (weil zur Diagnosefindung nicht erforderlich und den Klienten nicht zumutbar). Es entspricht sicher auch nicht der Intention der Autoren, sämtliche Instrumente bei einem Klienten anzuwenden, allerdings wird dies auch an keiner Stelle erwähnt.

Die im Buch vorgestellten Materialien erfüllen hohe Qualitätsstandards, allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass diese teilweise bereits wieder überarbeitet wurden. Insbesondere im Hinblick auf die Erfassung der kognitiven Leistungsfähigkeit ist es im hohen Maße relevant, auf Testverfahren mit aktuellen Normen zurückzugreifen, da ansonsten die Gefahr besteht, die Klienten zu überschätzen und somit zu falsch negativen Schlussfolgerungen zu kommen. Dem Klienten würde somit eine notwendige Unterstützung untersagt bleiben. Konkret wird hier in der Regel eine Normstichprobe empfohlen, die nicht älter als ca. 7 Jahre ist (Amelang & Zielinski 1997). Da das KIDS 2 bereits 2007 veröffentlicht wurde, sind die hier vorgestellten Verfahren allesamt mittlerweile veraltet. Allerdings werden Verfahren vorgestellt, die bereits zum Zeitpunkt der Veröffentlichung veraltet waren (z.B. der K-ABC, welcher im März 2015 mit aktualisierten Normen neu veröffentlicht werden soll). Wenn dies berücksichtigt wird und auf aktuelle Testverfahren zurückgegriffen wird, besteht in dieser Hinsicht jedoch keine Gefahr einer Falscheinschätzung. In kommenden Wiederauflagen werden diese Aspekte sicher Berücksichtigung finden.

Die umfassende Kopiervorlagen in DIN A4 Format sind für den klinischen Alltag hilfreich, ein Link zu online hinterlegten Dateien (wie beim Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie) oder eine mitgelieferte CD-ROM wären jedoch hilfreicher. Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich hierbei um eine Materialsammlung handelt. Folglich werden die Testverfahren in Anwendung Durchführung und Interpretation nur kurz beschrieben. Fundiertes Fachwissen wird hier vorausgesetzt.

Fazit

Das Kinder-Diagnostik-System setzt Maßstäbe, auch wenn es in der vorliegenden Form im praktischen Alltag sicher kaum eins zu eins verwendet werden wird. Dennoch ist es eine lohnenswerte Anschaffung für alle, die Gutachten oder entsprechende Diagnosen beteiligt sind (Förderschullehrer, Kinder- und Jugendpsychiater und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten), so diese nicht bereits die Primärliteratur, aus der viele der Materialien entnommen wurden, besitzen. Selbst wenn diese vorhanden ist, bietet das KIDS einen guten Überblick über die relevanten Materialien. Mehr braucht man nicht.


Rezension von
Dr. Alexander Tewes
Leitender Dipl.-Psychologe, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPP) - Haus 4
Psychiatrische Klinik Lüneburg gemeinnützige GmbH im Verbund der Gesundheitsholding Lüneburg
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Zitiervorschlag
Alexander Tewes. Rezension vom 10.02.2015 zu: Klaus Sarimski, Hans-Christoph Steinhausen: Geistige Behinderung und schwere Entwicklungsstörung. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2007. ISBN 978-3-8017-1945-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17055.php, Datum des Zugriffs 18.02.2020.


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ISSN 2190-9245

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