Ludwig Duncker, Katharina Hahn et al.: Wenn Kinder sammeln
Rezensiert von Prof.in Dr. Sylvia Kägi, 08.04.2015
Ludwig Duncker, Katharina Hahn, Corinna Heyd: Wenn Kinder sammeln. Begegnungen in der Welt der Dinge. Klett-Kallmeyer (Hannover) 2014. 160 Seiten. ISBN 978-3-7800-4995-7. D: 27,95 EUR, A: 28,80 EUR, CH: 38,50 sFr.
Thema
In dem Bildband wird den Phänomenen der Sammelleidenschaft von Kindern nachgegangen. Im Mittelpunkt stehen 31 Porträts sammelnder Kinder im Grundschulalter, die Einblicke in ihre Sammelleidenschaft geben. Sammeln wird als selbständig gesteuerte Beschäftigung verstanden. Die verschiedenen Akzente des Sammelns werden als Einblicke in unterschiedliche Weltaneignungen von Kindern verstanden. Es handelt sich um eine Monografie, die im Rahmen eines Forschungsprojekts entstanden ist.
Autor/innen
Herr Duncker ist Professor für Erziehungswissenschaften an der Justus Liebig Universität Gießen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Schul- und Bildungstheorie, der Allgemeinen Didaktik und der Anthropologie der Kindheit. Frau Hahn und Frau Heyd waren an der Universität Gießen tätig und befinden sich nun im Vorbereitungsdienst für das Lehramt an Grundschulen.
Aufbau und Inhalt
Dieser Bildband gliedert sich in fünf Kapitel.
Im ersten Kapitel (S. 12 – 21) wird in die Thematik des Sammelns eingeführt. Der Fokus liegt auf den unterschiedlichen Reizen des Sammelns. Sammeln wird als interessengeleitete Tätigkeit verstanden, die mit dem Erwerb ästhetischer Erfahrungen verbunden sind. Sammeln wird aber auch als ein forschender Wissenserwerb über die Dinge dargestellt. Kinder eignen sich Kenntnisse über ein spezifisches Sammelgebiet an, da sie mit forschender Leidenschaft einem Thema nachgehen. Verbunden ist dies mit vertieften Kenntnissen und einem wachsenden Überblick. Insgesamt wird Sammeln deshalb als eine Tätigkeit betrachtet, die die unterschiedlichen Individualitäten von Kindern zum Ausdruck bringen.
Daran anschließend wird im zweiten Kapitel (S. 24 – 26) die Vorbereitung der Interviews beschrieben, die in Form von dichten Beschreibungen zusammengeführt werden.
Das dritte Kapitel (S. 24 – 137) stellt den Hauptteil des Bildbandes dar. Hier werden 31 Sammelleidenschaften von Kindern beschrieben und durch entsprechende Bilder abgebildet. Es sind Erzählungen, wie die von Elisabeth, 7 Jahre, die Knöpfe sammelt und auch nicht so genau weiß warum. Allerdings haben ihre beiden Omas und ihre Mama auch Knöpfe gesammelt. Wiederum David 10 Jahre sammelt Comic Bücher, die er alle gelesen hat. Paul, 6 Jahre sammelt Bulldogs, Malin, 8 Jahre Filly-Pferdchen oder Sebastian und Tom, 11 Jahre, sammeln Kronkorken. Zwischen den einzelnen Erzählungen wird kurz auf einzelne Aspekte in den Erzählungen eingegangen. In allen Sammelleidenschaften kommen zum Beispiel Erinnerungen zum Tragen, die sich auf Details ihres Sammelns beziehen.
Im vierten Kapitel (S. 140 – 151) werden Tätigkeiten beschrieben, die bei quasi jeder Sammelleidenschaft von Bedeutung sind. Sammeln ist zum Beispiel mit Ordnen und Umordnen verbunden, die sich z.B. in der Aufstellung des Sammelobjekts niederschlagen. Des Weiteren sind für alle Sammler Fragen des Tauschens oder der Beschaffungswege ein Thema.
Das letzte Kapitel (S. 154 – 159) behandelt die Überlegungen zur Rolle der Eltern und Erwachsenen.
Fazit
Die Stärke des Bildbandes liegt in den vielfältigen Beschreibungen der Sammelleidenschaften von Kindern. Für viele Kinder hat das Sammeln im Grundschulalter eine große Bedeutung. Kindern wird in diesem Buch Raum gegeben, um von ihren Sammelleidenschaften zu erzählen. Dies ermöglicht Einblicke in das kindliche Denken und den damit verbundenen unterschiedlichen Weltaneignungen. Gerahmt werden die Erzählungen durch kurze theoretische Überlegungen und Analysen, die durchaus umfassender hätten ausfallen können.
Rezension von
Prof.in Dr. Sylvia Kägi
Fachhochschule Kiel - Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit. Professur Pädagogik der Kindheit
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